Betriebsbesichtigungstour im Handwerk

Rudolph: Handwerksbetriebe können Messen noch stärker als Marketinginstrument nutzen

Schwerin – Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph unternahm am Donnerstag gemeinsam mit der Handwerkskammer Schwerin eine Betriebstour bei drei Handwerksunternehmen. Im Fokus standen die Messeaktivitäten der Unternehmen. „Regionale, nationale und internationale Messen haben als Marketinginstrument ein breites Funktionsspektrum. Sie bieten Chancen für die Präsentation der Leistungsstärke eines Unternehmens, dienen dem Aufbau und der Pflege von Kundenbeziehungen und sind ein zusätzlicher Vertriebskanal für Produkte und Dienstleistungen. Vor allem für die Handwerksbetriebe unseres Landes sehe ich in einer Messepräsenz viele Möglichkeiten, den Kundenkreis zu erweitern und so zu mehr wirtschaftlichem Erfolg zu kommen. Wir wollen eine noch stärkere Beteiligung unserer heimischen Unternehmen erreichen“, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Dr. Stefan Rudolph.

Die auf der Betriebstour besuchten Unternehmen waren unter anderem auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München präsent.

Erste Station der Tour war beim Unternehmen Bernhard Ritschard – Historische Instrumente in Herrnburg (Landkreis Nordwestmecklenburg). Der Schweizer hat seinen Beruf in der italienischen Geigenbauerstadt Cremona erlernt und fertigt heute in der eigenen Werkstatt historische Streichinstrumente und Bögen neu an. Zu seinen Dienstleistungen gehören auch Reparaturen, Bogenbehaarungen und Rückbau moderner Streichinstrumente. Der Kundenkreis kommt nach Unternehmensangaben aus Europa und Asien. Im vergangenen Jahr war das Unternehmen erstmals auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München vertreten. „Nationale und internationale Berufsmusiker, Studenten und interessierte Freizeit-Musiker kennen die Werkstatt von Bernhard Ritschard. Sie gilt als Geheimtipp für Instrumente und Zubehör vergangener Stilepochen mit besonderem Fokus auf historischen Details, Klang und Spielbarkeit. Das ist eine Besonderheit aus Mecklenburg-Vorpommern, die bei ihrer Premiere auf der Münchener Messe großen Anklang fand“, sagte Rudolph.

Im Anschluss führte die Betriebstour zur Unternehmensgruppe Fichtler in Krassow. Der Firmenverbund besteht aus den Betrieben Zurow Bau GmbH (Bauleistungen im Hochbau, PWC-Anlagen in Fertigbauweise), Metallbau & Sanierung T. Fichtler, HKF Haustechnik GmbH (Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroinstallation, regenerative Energieerzeugung) und Energypark Krassow GmbH (Entwicklung des Industriegebietes Krassow zum Energiepark). „Die Unternehmensgruppe rund um den Gründer Thorsten Fichtler hat sich in den vergangenen Jahren als Initiator von Innovationen einen guten Namen erarbeitet. Auch dank der regelmäßigen Präsenz auf verschiedenen Messen ist es gelungen, die Neuentwicklungen einem breiten Publikum vorzustellen“, sagte Rudolph.

Staatssekretär Rudolph verwies unter anderem auf das Modell eines Fahrrad-Baums, der aus einem Stamm für die Fahrradein- und -ausgabe sowie den Aufzug und aus einem Fahrradspeicher unter der Erde und einen Fahrradspeicher in der Baumkrone besteht. Ein weiteres Beispiel ist das Konzept zur Nachrüstung innenliegender Aufzugsanlagen. Dafür erhielt das Unternehmen im vergangenen Jahr auf der IHM einen von zehn Bayerischen Staatspreisen im Bereich Technik. 2012 wurde die Zurow Bau GmbH um Geschäftsführer Thorsten Fichtler für die Entwicklung einer „Vollautomatischen, öffentlichen Sanitäranlage“ mit dem VR-Innovationspreis Handwerk M-V geehrt.

Im Schweriner Start Up-Unternehmen Red Rebane GmbH (estnisch für „Roter Rotfuchs“) werden in der eigenen Manufaktur in Handarbeit innovative und nachhaltige Taschen gefertigt. Aufgrund der erstmaligen Messepräsenz auf der IHM war die Firma in diesem Jahr für den Bayerischen Staatspreis für besondere gestalterische und technische Leistungen im Handwerk sowie für den Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk nominiert. Neben Rucksäcken, Messenger Bags und Gürteltaschen stehen vor allem Fahrradtaschen im Fokus der Produktion. Derzeit arbeiten die Unternehmer an einem neuen Produkt, dem „Purist Pro“. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Rucksack und Fahrradtasche. Die Plattform www.kickstarter.com wird für die finanzielle Unterstützung – sogenanntes Crowdfunding“ – genutzt. „Die Macher von Red Rebane sind das moderne Gesicht des Handwerks aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Produktion beruht auf traditionellen Handwerkstechniken der Sattler und Täschner, die seit Jahrhunderten bewährt sind. Das wird ergänzt durch digitale Marketinginstrumente. So wird die Manufaktur weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt“, sagte Rudolph.

Insgesamt 26 Handwerksunternehmen sind vom 14. bis 17. September auf der Messe MeLa, der Fachausstellung für Landwirtschaft und Ernährung, Fischwirtschaft, Forst, Jagd und Gartenbau, zu sehen. Die Betriebe präsentieren sich mit zahlreichen Mitmach-Aktionen auf einer eigenen Ausstellungs- und Aktionsfläche in Mühlengeez. Am Sonnabend, den 16. September, wird dort der bundesweite „Tag des Handwerks“ begangen.

Die Betriebstour fand im Rahmen der landesweiten Imagekampagne „Besser ein Meister“ statt. Die Kampagne wird gemeinsam vom Wirtschaftsministerium und den Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. Ziel der Marketing- und Imagekampagne ist es, den Meistertitel als Premiummarke zu positionieren, um für das Berufsbild und die Karrierechancen im Handwerk zu werben.

Jahrestagung der Hochschulkanzler in Stralsund

Ministerin Hesse: Fachhochschulen ins Licht rücken

Stralsund – Wissenschaftsministerin Birgit Hesse nutzte die 33. Jahrestagung der Hochschulkanzlerinnen und Kanzler, um die Bedeutung der Fachhochschulen für die Wirtschaft zu betonen: „Auf Praxis und Anwendbarkeit ausgerichtete Lehre und Forschung gehören zu den besten Schutzwällen gegen die knapper werdende Anzahl von Fachkräften. Sie machen darüber hinaus Wissen greif- und nutzbar für unsere Unternehmen und tragen so zu deren Zukunftsfähigkeit bei. Das gilt bundesweit.“ Die ca. 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus ganz Deutschland angereist waren, sind heute und morgen an der Hochschule Stralsund zu Gast.

Die Ministerin lobte die gute und spezifische Arbeit der drei Fachhochschulen in Mecklenburg-Vorpommern, die ihre Standorte in Wismar, Neubrandenburg und Stralsund haben. „Alle drei haben ihre Spezifika, alle drei berücksichtigen die wirtschaftlichen Gegebenheiten in Mecklenburg-Vorpommern und sind regional verankert, beschränken sich aber nicht darauf“, sagte Hesse. Die Hochschulen zögen mit ihrem breit gefächerten Spektrum seit Jahren auch viele Studierende von außerhalb an.

Ein Programmpunkt der Jahrestagung sind die Perspektiven der Hochschulfinanzierung und die Möglichkeiten des revidierten Art. 91 b GG. Die Ministerin wies deshalb auf das gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erarbeitete Positionspapier „Für eine sichere und leistungsgerechte Hochschulfinanzierung“ hin, in dem die Landeswissenschaftsminister fordern, dass die Hochschulfinanzierungsvereinbarung die Fachhochschulen besser bedenkt.

„Wir brauchen ein Bund-Länder-Programm eigens für die Fachhochschulen, denn ihren Platz innerhalb des Hochschulsystems gilt es zu stärken. Daran, die Forschung und Lehre hier weiterzuentwickeln und auch die Internationalisierung voranzutreiben, hängen nicht zuletzt die Erfolgsaussichten im Wettbewerb um gutes Personal. Zudem lässt nur eine ausreichende finanzielle Ausstattung ein heterogenes und gutes Lehrangebot zu“, erläuterte Hesse.

Die Tagung der Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen Fachhochschulen bzw. Hochschulen für Angewandte Wissenschaften findet jedes Jahr im September statt. Sie dient als Plattform, um über aktuelle Themen der Hochschulentwicklung und des Hochschulmanagements zu diskutieren.