Erster Bericht zur Hospiz- und Palliativversorgung in M-V

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe hat am Dienstag im Kabinett den ersten Bericht „Die Hospiz- und Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern“ vorgelegt. Inhaltlich geht es dabei um die Bedarfsentwicklung in der ambulanten sowie stationären Palliativ- und Hospizversorgung im Hinblick auf eine bedarfsgerechte Versorgung.

„In den vergangenen Jahren ist in unserem Land eine ausdifferenzierte Struktur der Hospiz- und Palliativversorgung aufgebaut worden. Wir haben allerdings auch noch Hausaufgaben. Das macht der Bericht deutlich. Im Rahmen einer Evaluation wurden verschiedene Bereiche und Barrieren in der Hospiz- und Palliativversorgung untersucht sowie Handlungsempfehlungen entwickelt. Wir setzen mit dem Bericht einen Beschluss des Landtages um“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe bei der Vorstellung im Rahmen der Landespressekonferenz. Der Landtag beauftragte die Landesregierung im Dezember 2016. Das Gesundheitsministerium wurde bei der Erstellung des Berichtes vom Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald unterstützt.

Bei der Analyse der palliativmedizinischen Versorgungsstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern wurden zwölf Spezialisierte-Ambulante-Palliativteams, einschließlich eines pädiatrischen Teams; neun Hospize; 16 Krankenhäuser mit palliativmedizinischem Angebot; 88 niedergelassene Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung „Palliativmedizin“, 22 ambulante Hospizdienste sowie neun Angebote identifiziert, die Angehörige bei der Trauerarbeit unterstützen. „Wichtig ist es, Palliativpatienten und ihren Angehörigen im Verlauf einer Erkrankung die bestmögliche soziale und auch medizinisch-pflegerische Betreuung zukommen zu lassen – ob zu Hause mit ambulanter Betreuung, stationär oder auch in einem Hospiz“, erläuterte Gesundheitsminister Glawe.

In den „Standards und Richtlinien für Hospiz- und Palliativversorgung in Europa: Teil 2“ wird der Bedarf für eine spezialisierte stationäre Versorgung auf acht bis zehn Betten pro 100.000 Einwohner geschätzt. Mecklenburg-Vorpommern er-füllt diesen Bedarf mit insgesamt 9,74 spezialisierten Betten pro 100.000 Einwohnern und liegt mit dieser Bettenanzahl im Bundesdurchschnitt an erster Stelle. Niedergelassene Ärzte mit der Zusatz-Weiterbildung „Palliativmedizin“ sind in allen Landkreisen in Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Es gibt pro 100.000 Einwohner 5,4 Arztpraxen mit der Zusatz-Weiterbildung „Palliativmedizin“ in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Hospiz- und Palliativversorgung befindet sich in einem andauernden Prozess des Aufbaus. „In einem dünn besiedelten Flächenland trifft dies auf besondere Herausforderungen. Im Ergebnis des Berichts wird festgestellt, dass durch die ländlichen Strukturen in M-V in einigen Regionen die Dichte spezifischer oder sogar aller Leistungserbringer in der Hospiz- und Palliativversorgung noch zu gering ist. Dadurch werden die zu versorgenden Regionen einzelner Leistungserbringer sehr groß“, betonte Glawe. In den Oberzentren (Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Stralsund und Greifswald) ist eine höhere Dichte an Palliativangeboten vorhanden. Ebenfalls wird deutlich, dass die eher ländlichen Regionen weniger Versorgungsangebote aufweisen.

Des Weiteren wurde in dem Bericht festgestellt, dass die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Leistungserbringern, insbesondere zwischen der allgemeinen und der spezialisierten Palliativversorgung sowie zwischen dem ambulanten und stationären Sektor verbessert werden müssen. Das gilt auch für die palliativmedizinische Qualifikation der Leistungserbringer in der Primärversorgung und in stationären Pflegeeinrichtungen.

Der Bericht gibt entsprechende Handlungsempfehlungen. „So könnten einige strukturelle Lücken in der palliativen Versorgung insbesondere in den ländlichen Regionen durch eHealth und telemedizinische Funktionalitäten abgedeckt werden. Zur Verbesserung der Kooperation zwischen den Leistungserbringern können insbesondere entsprechend qualifizierte Mitarbeiter im ambulanten Bereich eine Standardisierung des Entlassmanagements für Palliativpatienten sowie die Einrichtung von Palliativkonsildiensten auf Ebene der Landkreise beitragen“, sagte Gesundheitsminister Glawe.

Die palliativmedizinische Fort- und Weiterbildung in der Primärversorgung sollte intensiviert werden und in jeder stationären Pflegeeinrichtung eine Palliative Care Fachkraft verfügbar sein. Zu diskutieren ist auch eine Koordinierung der Angebote der Palliativversorgung im Land. Eine wirksame Koordinierung der Versorgung kann nur regional erfolgen. „Unter den Aspekten der Zugänglichkeit der Angebote für diejenigen, die sie benötigen und einer flächendeckenden Versorgung ist die Bildung regionaler Netzwerke sinnvoll“, machte Glawe deutlich.

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit wird die bereits derzeit herausgearbeiteten Handlungsbedarfe mit wesentlichen Akteuren der Hospiz- und Palliativversorgung erörtern, um konkrete Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren, insbesondere im Rahmen des regelmäßig tagenden Runden Tisches Hospiz- und Palliativversorgung. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich, zuletzt in Folge des Hospiz- und Palliativgesetzes, dessen Neuerungen sich teilweise noch in der Umsetzung befinden. „In diesem Sinne hat das Land auch im vergangenen Jahr erklärt, die Handlungsempfehlungen im Rahmen einer Nationalen Strategie zur Umsetzung der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland mitzutragen. Wir haben mit dem Bericht eine fortzuschreibende Bestandsaufnahme erhalten und arbeiten gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren an der Verbesserung der Bedingungen vor Ort“, erläuterte Gesundheitsminister Glawe.

Das Gesundheitsministerium unterstützt den Aufbau und die Etablierung einer Geschäftsstelle der Krebsgesellschaft M-V. „Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. In M-V gibt es jährlich ca. 11.000 Krebsneuerkrankungen. Die Tendenz ist steigend. Daher muss für die Krebsverhütung und -früherkennung, die Krebsbekämpfung, Nachsorge und Forschung mehr getan werden“, forderte Gesundheitsminister Harry Glawe. Um diese Themenbereiche kümmert sich die Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Die Krebsgesellschaft M-V e.V. ist und wird u.a. auch für die Umsetzung der Gesundheitspolitik bei der onkologischen Versorgung ein wichtiger und verlässlicher Partner sein. Letztlich geht es um ein gemeinsames Ziel: Die Umsetzung des Nationalen Krebsplanes in M-V in Ausrichtung auf die Gegebenheiten und Möglichkeiten im Land.

Das Gesundheitsministerium fördert die Krebsgesellschaft in 2018 mit 130.000 Euro, eine Förderung in dieser Höhe ist auch für 2019 geplant. „Damit werden auch Voraussetzungen für den landesweiten Aufbau psychoonkologischer Beratungsmöglichkeiten geschaffen, da die Krebsgesellschaft an entsprechenden Konzepten arbeitet“, sagte Gesundheitsminister Glawe abschließend.

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