Schwesig wirbt für Verantwortung und Zusammenhalt

Schwerin – 73 Jahre stehen zwischen uns und der einstigen Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Die Zahl derer, die diese dunkle Zeit miterleben mussten, schwindet von Jahr zu Jahr. Doch ihre Erfahrungen sollen nicht in Vergessenheit geraten. „Nur, wer die Geschichte kennt, kann aus ihr lernen“, betonte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig heute im Vorfeld des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus. Darum sei es wichtig, den Zeitzeugen Gehör zu schenken und ihre Erinnerungen als Mahnung an die folgenden Generationen weiterzugeben. „Was damals geschah, darf sich nicht wiederholen – und wir, die nachfolgenden Generationen, tragen dafür die Verantwortung.“

Darum soll morgen allen Menschen gedacht werden, die unter dem totalitären Regime der Nationalsozialisten leiden mussten oder gar ihr Leben verloren. „Sie mahnen uns, auch heute alle Formen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt abzulehnen – als Basis für ein andauerndes, friedliches Zusammenleben“, so die Ministerpräsidentin.

Gerade in Zeiten, in denen wir uns auch in Mecklenburg-Vorpommern erneut auf das Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen zu verständigen haben, müsse Solidarität gelebt und die Würde des Einzelnen geachtet werden. „Deshalb darf in Mecklenburg-Vorpommern kein Platz sein für undemokratisches und menschenverachtendes Gedankengut“, erklärt Manuela Schwesig und dankte im gleichen Zuge allen Vereinen, Verbänden und Initiativen im Land, die sich der Aufarbeitung der Geschichte in all ihren Facetten annehmen.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist in Deutschland ein nationaler Gedenktag. Er wird seit 1996 am 27. Januar begangen. Am 27. Januar 1945 hatten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreit.

Entwicklung im Kinder- und Jugendtourismus

Schwerin – Am Freitag ist im Schweriner Landtag die Entwicklung des Kinder- und Jugendtourismus in Mecklenburg-Vorpommern diskutiert worden. „Der Kinder- und Jugendbereich erfährt aus vielen Richtungen wichtige Unterstützung bei uns im Land. Das ist gut so, denn Kinder und Jugendliche von heute sind die Gäste von morgen. Daher ist es wichtig, sie für unser Bundesland zu begeistern. Kinder- und Jugendreisen sind dabei wichtige Instrumente für Bildung, soziale Kontakte und auch, um ein Bundesland besser kennenzulernen. Reisen verbindet Menschen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe im Landtag.

In den vergangenen Jahren haben sich die Übernachtungszahlen bei den Kinder- und Jugendreisen stabilisiert und auf einen Wert von 875.000 Übernachtungen eingependelt. „Die Entwicklung der Übernachtungsstatistik im Kinder- und Jugendreisebereich spiegelt auch die demografische Entwicklung in Deutschland wider. Weniger Kinder, weniger Schüler und weniger Jugendliche bedeuten auch in anderen Bundesländern deutliche Rückgänge in diesem Segment. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In einigen Bundesländern werden aus finanziellen Gründen nur noch Klassenfahrten innerhalb der eigenen Landesgrenzen durchgeführt. Damit entfallen wichtige Quellmärkte für MV. Städtereisen werden von Jugendlichen als attraktiver bewertet“, so Glawe weiter.

Entsprechend der Reiseanalyse 2016 wurden 4,2 Prozent aller Urlaubsreisen (Dauer ab fünf 5 Tagen) der 14- bis 29-jährigen in Mecklenburg-Vorpommern verbracht. Das entspricht rund 610.000 Urlaubsreisen. „MV ist damit weiterhin das beliebteste innerdeutsche Ziel von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (14 bis 29 Jahre) für einen längeren Urlaub vor Niedersachsen (3,2 Prozent Marktanteil) und Schleswig-Holstein (3,1 Prozent). Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Wirtschaftsminister Glawe.

Beim Tourismusverband MV e.V. wird das Marketing im Bereich Kinder- und Jugendtourismus in der Urlaubswelt „Lifestyle & Trends“ geführt. Vor kurzem wurde der Katalog „Auf nach Meck-Pomm – mehr als 60 Angebote für Klassen- und Jugendreisen 2018/2019“ mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren herausgebracht und mit einem Anschreiben der Verbandspräsidentin an alle Schulämter verschickt. Von dort werden die Kataloge an die Schulen des Landes weitergeleitet. „Eine gesonderte Förderung hierfür erfolgte nicht“, sagte Glawe. Das Produkt bietet einen guten Querschnitt der attraktiven Angebote im Kinder- und Jugendreisebereich des Landes. Zudem sind diese Angebote zusammen mit Angeboten für Individualreisende in die moderne Internetpräsentation des Tourismusverbandes aufgenommen worden.

Vom Bildungsministerium ist im September 2017 ein neuer Klassenfahrtenerlass in Kraft getreten, der deutliche Verbesserungen beinhaltet. „Die zuständigen staatlichen Schulbehörden können die Reisebudgets beispielsweise nun auch flexibler handhaben“, erläuterte Glawe.

Die Reduktion bei den Angebotskapazitäten ist auch Folge der Marktentwicklung. Die ressortübergreifende Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendreisen“ hat Ende Dezember unter Federführung des Wirtschaftsministeriums die Unterstützungsmöglichkeiten des Segments besprochen. „Es werden beispielsweise Investitionen durch Gelder aus dem Strategiefonds des Landtages ermöglicht. Für fünf Jahre sollen ab 2018 jährlich 100.000 Euro den Schullandheimen zur Verfügung gestellt werden“, sagte Wirtschaftsminister Glawe abschließend.

Neue Trends in der Ernährung: So schmeckt die Zukunft

Berlin – Endspurt auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin: Wer sich über Ernährungstrends 2018 informieren will, hat dazu noch bis zum Sonntag in der Halle 22a Gelegenheit. Hier präsentiert sich die Lebensmittelbranche mit Produkten, die den Geschmack der Zukunft präsentieren.

Der Trend, Lebensmittel nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu erleben, hält bereits seit einigen Jahren an. „Das Interesse an Herkunft, Herstellung und Qualität der Lebensmittel ist groß. Im Trend liegt die regionale und saisonale Küche, die für Nachhaltigkeit steht. Mecklenburg-Vorpommern hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten“, so Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt.

Zu den Vertretern innovativer Konzepte und Anbietern hochwertiger Produkte gehören beispielsweise Eismanufakturen, die Eiskreationen aus regionalen Zutaten herstellen, vom klassischen bis zum veganen, laktose- und glutenfreien Eis. Löffel aus Holz und Becher aus Recycling-Material gehören zum Konzept.

Eine Trendwende ist auch im Bereich Kaffeegenuss zu beobachten. Nach Kaffee-Kapseln und -Pads wird wieder mehr Wert auf die Art der Zubereitung und vor allem auf Bohne und Röstung gelegt. Baristakurse erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. In Mecklenburg-Vorpommern wurde dieser Trend erkannt. Unter der Anleitung eines Diplom-Kaffee-Sommelières gibt es Show-Röstungen mit anschließender Kaffeeverkostung.

„Die enge Verbindung zwischen Land- und Ernährungswirtschaft sowie Gastronomie und Tourismus trägt zum Erfolg unserer Unternehmen bei. Manche Branchen nutzen das und entwickeln Konzepte, die sich gegenseitig stärken“, erläutert Minister Backhaus. „Ich schätze auch unsere Traditionsbetriebe sehr. Wir haben tolle Unternehmen, in denen Fertigkeiten und Kenntnisse über Generationen hinweg weitergegeben werden, und die einzigartige Produkte herstellen.“ Dazu gehöre etwa der Baumkuchen – seine Herstellung gilt als die Königsdisziplin des Konditoren-Handwerks. An der Mecklenburgischen Seenplatte wird dieses Handwerk auch in Zukunft gepflegt – und zwar mit Biozertifikat für Konditoreiprodukte und Pralinen.

Dass Fleisch nicht mehr im Mittelpunkt jeden Gerichtes steht, ist ein weiterer Trend mit Zukunftspotenzial. „Ein gesunder Lebensstil wird für immer mehr Verbraucher wichtig. Das verbinden viele mit dem bewussten Konsumieren von Lebensmitteln – und mit weniger Fleisch“ erklärte der Minister. Wer nicht die nötige Zeit findet, sich mit der Zubereitung der Speisen auseinanderzusetzen, kann inzwischen auch Fertiggerichte in Bioqualität erwerben. Auf der IGW präsentiert sich ein Familienbetrieb, der vegane Fertiggerichte in Bioqualität herstellt. „Ich freue mich, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern Unternehmen haben, die alltagstaugliche Lösungsstrategien entwickeln und mit den stetig steigenden Ansprüchen der Verbraucher Schritt halten“ sagte der Minister.

Wertholzversteigerung: Stieleiche aus Schlemmin erzielt Spitzenpreis

Linstow – Den Spitzenwert bei der gestrigen 27. Wertholzversteigerung des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Linstow erzielte eine Stieleiche aus dem Forstamt Schlemmin mit 1.400 Euro pro Festmeter. Den Stamm ersteigerte ein Furnierhändler aus Hessen.

Insgesamt wurden bei dem diesjährigen Meistgebotstermin 645 Festmeter Laubwertholz von neun Baumarten versteigert. Die Angebotsmenge konnte mit 638 Festmeter nahezu vollständig verkauft werden. Die beteiligten Waldbesitzer des Landes erzielten einen Erlös von insgesamt ca. 325.000 Euro.

Zehn Unternehmen aus der Furnier- und Sägeindustrie sowie des Holzhandels der gesamten Bundesrepublik und des Auslands erhielten Zuschläge. Wie im Vorjahr beteiligte sich auch bei dieser Auktion ein estnisches Furnierwerk.

Als Renner bei der diesjährigen Versteigerung erwies sich erneut die Eiche. Sie wurde sehr gut beboten, und viele Einzelstämme erzielten hervorragende Preise. Der teuerste Eichenstamm kam aus dem Forstamt Schlemmin. Bei einem Festgehalt von 4,90 Festmeter brachte der Stamm insgesamt stattliche 6.860 Euro ein. Auch der Durchschnittspreis der Eiche lag mit 630 Euro pro Festmeter deutlich über dem Durchschnittspreis aller Baumarten von 509 Euro pro Festmeter.

Aber auch einzelne Stämme anderer Baumarten erzielten gute Preise für die Anbieter. So wurden zum Beispiel ein Bergahorn für 600 und eine Roteiche für 380 Euro pro Festmeter verkauft.

Die an der Versteigerung beteiligten Waldbesitzer waren mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich erstklassige Qualität weiterhin gut verkaufen lässt“, so Minister Dr. Till Backhaus.

Neben der Landesforstanstalt als Hauptanbieter beteiligten sich auch sieben kommunale und private Waldbesitzer des Landes mit Werthölzern am diesjährigen Meistgebotstermin, darunter die Universität Greifswald, die Forstwirtschaftliche Vereinigung M-V sowie die Städte Rostock und Greifswald.

Die auf dieser Auktion angebotenen Hölzer werden aufgrund der guten Qualitäten überwiegend in der Furnier- und Möbelindustrie Verwendung finden.

PS4-Charts: „Digimon Story: Cyber Sleuth“ neu auf zwei

Die „Digimon Story“ ist längst nicht auserzählt: Mit „Digimon Story: Cyber Sleuth – Hacker’s Memory” geht das RPG von Bandai Namco Entertainment in die nächste Runde und dringt noch tiefer ins Virtual Reality-Paradies „Eden“ vor. Dort gibt es neben mysteriösen Hackertruppen und spannenden Quests auch mehr als 320 Digimon zu entdecken. In den offiziellen deutschen PS4-Charts, ermittelt von GfK Entertainment, macht sich die VR-Welt an zweiter Stelle breit – zwischen „Call Of Duty: WWII“ und „FIFA 18“.

Xbox One-Spieler bleiben ihren Favoriten aus der Vorwoche treu: „Call Of Duty: WWII“ und „Assassin’s Creed Origins“. Auf PS3 („FIFA 18“ vor „Minecraft“) und Xbox 360 („Minecraft“ vor „Call Of Duty: Black Ops 2“) bleibt ebenfalls alles wie gehabt.

Super Mario hält sich auf den Nintendo-Konsolen 3DS und Switch an der Macht – dank „Mario Party: The Top 100“ und „Mario Kart 8 Deluxe“. In der Wii-Tabelle reicht es für „Mario Party 9 Selects“ hinter „Just Dance 2018“ dagegen nur zum Vizesieg.

Der Mönchengladbacher Publisher astragon Entertainment schneidet in den PC Games-Charts noch erfolgreicher als vor sieben Tagen ab und ist nun für die Hälfte aller Platzierungen in der Top 20 verantwortlich. Highlights sind der New Entry „Dark Tales: Der Rabe von Edgar Allan Poe“ auf fünf sowie der „Landwirtschafts-Simulator 17“, der hinter „Die Sims 4“ und „GTA V“ Bronze einfährt.

Invasive Arten auf dem Vormarsch: Niederwildbestände gehen zurück

Schwerin – „Die Niederwildbestände in Mecklenburg-Vorpommern sind besorgniserregend.“ Das stellte Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus auf der heutigen Landtagssitzung klar. Hintergrund für die Abnahme der Populationen von Rebhuhn, Fasan, Hase, Wildkaninchen oder Wasservögeln sei die Ausbreitung der hier ursprünglich nicht heimischen, invasiven Arten Mink, Marderhund und Waschbär. „Es ist unbestritten, dass Neozoen dann problematisch werden, wenn sie hiesige Ökosysteme verändern, indem sie einheimische Arten gefährden oder verdrängen“, sagte Minister Backhaus.

Nach Erhebungen im Rahmen des Projektes des Deutschen Jagdverbandes „Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands“ (WILD) sank die Hasenpopulation mit derzeit nur 5 Tieren je 100 Hektar auf ein sehr geringes Niveau. Jäger hielten sich längst mit der jagdlichen Nutzung beim Feldhasen zurück. Auch die Rebhuhn-, Fasan- und Wildkaninchenvorkommen in Mecklenburg-Vorpommern nehmen kontinuierlich ab. „Hier ist die jagdliche Nutzung bereits unbedeutend geworden. Der Hege kommt hier weitaus größere Bedeutung zu als der Bejagung“, so der Minister.

Nur noch 126 Fasane und 80 Kaninchen waren im Jagdjahr 2015/16 in den Streckenlisten der ca. 12 Tausend Jägerinnen und Jäger in Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Rebhühner waren nur noch bei einem Fünftel der am WILD-Projekt beteiligten Reviere anzutreffen, und dort auch nur in einer Besatzdichte von 2 Paaren je 1.000 Hektar Offenland. Fasane waren nur noch auf ca. 13 Prozent der Jagdfläche anzutreffen, und dort nur mit einem Hahn je 1.000 Hektar. Kaninchen waren nur noch auf 3 Prozent der Jagdfläche nachweisbar, was einer Besatzdichte von 1 Kaninchen je 1.000 Hektar entspricht. Selbst beim Wasserwild sind die Streckenergebnisse weiter rückläufig.

Neben den ungünstigen Lebensraumbedingungen seien die Niederwildbesätze ständig steigendem Jagddruck von Raubwild wie Mink, Marderhund und Waschbär ausgesetzt. Zwar habe sich der Marderhund inzwischen „in anspruchsvoller Bestandshöhe stabilisiert“, die Ausbreitung des Waschbären in Mecklenburg-Vorpommern sei aber weiterhin ungebremst.

„Im Jagdjahr 2015/16 standen in Mecklenburg-Vorpommern den erlegten 12.000 Hasen, Kaninchen, Fasanen, Tauben, Schwänen, Wildgänsen, Wildenten, Waldschnepfen, Blässhühnern und Möwen 38.000 erlegte Stücke Raubwild gegenüber, davon allein 15.000 Marderhunde und Waschbären. Das verdeutlicht das Missverhältnis“, so der Minister weiter.

Um den negativen Bestandstrend aufzuhalten und umzukehren und das Niederwild in den Revieren zu erhalten, seien aktive Maßnahmen zur Verbesserung der Überlebenschancen für die einheimischen Arten notwendig.

„In erster Linie geht es hier um die Biotopverbesserung. Nur in enger Zusammenarbeit der Grundeigentümer, Landnutzer und Jäger lassen sich Maßnahmen der Biotopverbesserung planen und zum Vorteil des Niederwildes umsetzen“, sagte Minister Backhaus weiter. Daneben müsse die Biotopverbesserung verbunden werden „mit einem konsequenten Raubwild-Management.“

Landleben: Generationenfreundlich, nachbarschaftlich und digital

Berlin – „Lust auf Land“ soll bei den Besuchern der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Halle 4.2 geweckt werden. Zahlreiche Aussteller präsentieren anschaulich, wie modernes Landleben in Zukunft aussehen kann. Dabei stehen praktische Lösungsansätze von und für die unterschiedlichen ländlichen Regionen im Fokus.

Mecklenburg-Vorpommern ist das am dünnsten besiedelte Bundesland Deutschlands. Eingehend auf die strukturelle Ausgangssituation in Mecklenburg-Vorpommern betonte Landwirtschaftsminister Dr. Backhaus: „Die ländlichen Räume machen gut 80 Prozent unseres Landes aus. Nur wenn wir diese Regionen unterstützen und fördern, kann das Potential unseres Bundeslandes voll entfaltet werden“.

Wie die EU, der Bund, die Länder und zahlreiche weitere Verbände und Initiativen die ländliche Infrastruktur, Grundversorgung, Wettbewerbsorientierung und den regionalen Arbeitsmarkt stärken und gleichzeitig durch Nachhaltigkeit die natürlichen Ressourcen schonen wollen, kann auf der IGW erfahren werden.

Die genossenschaftlich organisierte Regionalvermarktungsinitiative Meck-Schweizer aus Basedow bei Malchin will beispielsweise Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter der Region vernetzen und dadurch die Verarbeitungstiefe der Region fördern. Der Vertrieb soll zunehmend digital und über eine internetgestützte Handelsplattform abgewickelt werden. So sollen regionale Produkte unkompliziert und gebündelt für Gastronomen und Einzelhändler zugänglich gemacht werden. Dr. Till Backhaus unterstrich die Wichtigkeit solcher Projekte: „Die ländliche Entwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der die Zusammenarbeit von Akteuren vor Ort im Mittelpunkt steht. Sie sollen Netzwerke bilden, Projekte definieren und eigenverantwortlich umsetzen. Die Landesregierung sieht eine ihrer wichtigsten Aufgaben darin, gute Ideen in den Regionen zu unterstützen.“

Auch in der Länderhalle Mecklenburg-Vorpommern präsentieren sich mehrere junge Unternehmen, die mit ihren Ideen Arbeitsplätze in Dörfern schaffen und damit die Attraktivität der ländlichen Räume für Jung und Alt steigern „Unsere ländlichen Räume bieten Lebensqualität. Es ist mir wichtig, dass wir hier in Berlin kreative Projektideen dem Publikum vorstellen und zeigen: Auf dem Land tut sich etwas.“, sagte der Minister.

Im Rahmen des vom Bund geförderten Modellprojekts Land(auf)Schwung ist Mecklenburg Vorpommern das einzige Bundesland, das sich auch finanziell an der Unterstützung von Vorhaben beteiligt.

Die Bandbreite der Projekte reicht dabei von der Produktion von fermentiertem Gemüse sowie dem Bau eines Produktionsgebäudes mit Verarbeitungs- und Experimentierküche im Trebeltal, über den Umbau einer leer stehenden Gewerbeeinheit in ein Vermarktungszentrum für Fisch aus der Region auf der Insel Hiddensee bis hin zur Schaffung einer regionalen Produktlinie für den Anbau und die Verarbeitung von Senf in einer gläsernen Produktionsstätte. Allen Projekten gemeinsam ist der Ansatz, neben dem Anbau auch die Verarbeitung und damit die Wertschöpfung in der Region zu erhöhen.

Backhaus: GAP-Vorschlag als Basis für Debatte um neue EU-Agrarpolitik

Schwerin – Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus stellte seinen Vorschlag für eine Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) nach 2020 heute den Abgeordneten des Schweriner Landtages vor. „Die jetzt anstehende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik ist mehr als eine bloße Nachjustierung der Agrarförderung“, sagte er. „Vielmehr geht es um eine gesellschaftliche Weichenstellung.“

Sein zusammen mit Wissenschaftlern und Praktikern entwickeltes Modell komme den Landwirten zugute und berücksichtige zugleich die europäischen Klimaziele. Es sei als Diskussionsgrundlage zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik gedacht, sagte Backhaus. Neu an seinem Modell ist, dass öffentliche Gelder „nicht einfach durchgereicht werden, sondern einen wirklichen gesellschaftlichen Mehrwert haben“.

Demnach könnten die bisherigen Direktzahlungen an die Landwirte auf eine Grundprämie von 100 Euro je Hektar gekürzt und deren Zahlung an das Erbringen freiwilliger ökologischer Leistungen gekoppelt werden. Mit dem Erbringen ökologischer Leistungen könne der Landwirt zum einen deutlich sein Betriebsergebnis aufstocken und zum anderen einen Beitrag zum Erreichen der europäischen Umwelt- und Klimaschutzziele leisten.

Das Honorar für die ökologische Leistungen – sie könnten die bisherigen AUKM und den ökologischen Landbau umfassen – soll dazu um 15 bis 30 Prozent gegenüber dem jetzigen Niveau angehoben werden. „Das ist ein deutlicher Leistungsanreiz“, so Dr. Backhaus. „Ökologische Leistungen des Landwirtes erhalten erstmalig einen betriebswirtschaftlichen Wert. Damit bauen wir die Zahlungen zu ökologischen Direktzahlungen um“, erklärte er.

Sein Modell sieht außerdem Zuschläge zum Grundprämienbudget an die der Mitgliedsstaaten zur Förderung von Junglandwirten und Zuschläge zur Förderung von kleinen bäuerlichen Betrieben vor. Daneben sollen nach EU-Kriterien definierte benachteiligte Gebiete gefördert und eine Tierprämie für flächengebundene Tierhaltung mit Rindern, Schafen, Ziegen gezahlt werden.

Backhaus sieht sich mit seinem Vorschlag im Einklang mit EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan, der eine Gemeinsame Agrarpolitik favorisiert, „die Anreize für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft und für Umwelt-und Klimaleistungen“ schafft. „Auch auf der Agrarministerkoferenz in der vergangenen Woche haben sich meine Kollegen aus den anderen Ländern dazu bekannt“, sagte er.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) wird vor jeder Förderperiode neu verhandelt. Minister Backhaus verwies vor dem Landtag auf die aktuellen politischen Rahmenbedingungen in der Europäischen Union mit veränderten Anforderungen an die Sicherheits- und Innenpolitik und an die Außen- und Verteidigungspolitik der Mitgliedsstaaten. „Diese Ausgaben müssen aus dem bestehenden Haushalt finanziert werden.“ Hinzu komme neben dramatisch hoher Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa der Austritt Großbritanniens aus der EU, der Mindereinnahmen von bis zu 11 Milliarden Euro mit sich bringen könnte. Derzeit fließen rund 38 Prozent des EU-Gesamthaushaltes von jährlich 137 Milliarden Euro in die Landwirtschaft und in die ländlichen Räume der EU-Mitgliedsstaaten, das sind rund 53 Milliarden Euro. Künftig werden die Zuwendungen geringer ausfallen. „Es braucht also völlig neue Lösungsansätze, um die Landwirtschaft mit EU-Mitteln wirksam zu fördern“, so Dr. Backhaus.