Inklusionsförderrat ist einmaliges Gremium

Ministerin hebt wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft hervor

Schwerin – Anlässlich des Antrittsbesuchs im Sozialministerium des in diesem Jahr neu gewählten Vorstandes des Inklusionsförderrates betonte Ministerin Stefanie Drese am (heutigen) Donnerstag den hohen Stellenwert des Gremiums.

„Der Inklusionsförderrat (IFR) ist der Einzige seiner Art in Deutschland. Er berät und unterstützt die Landesregierung bei der Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen für Menschen mit und ohne Behinderungen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft“, sagte Drese.

Angesichts kontinuierlicher steigender Zahlen von Menschen mit Behinderung ist nach Ansicht von Drese die gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung aller Menschen in Mecklenburg-Vorpommern eine der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist die Zahl der Menschen mit Schwerbehinderung (Grad der Behinderung von 50 und mehr) von 2019 auf 2021 in Mecklenburg-Vorpommern um 6.315 auf gut 200.000 Menschen gestiegen.

„Wir wollen das Inklusion gesamtgesellschaftlich eine Selbstverständlichkeit und überall aktiv gelebt und umgesetzt wird. Das ist ein schrittweiser und manchmal steiniger Prozess. Wir sind als Landesregierung sehr dankbar für die positive und konstruktive Unterstützung des Inklusionsförderrates bei diesem Vorhaben“, betonte Drese im Gespräch mit dem IFR-Vorsitzenden Clemens Russell und weiteren Mitgliedern des Vorstands.

Ziel der Arbeit des IFR ist es, Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen herzustellen, Voraussetzungen für ihre gleichberechtigte Teilnahme am Leben in der Gesellschaft zu schaffen und noch bestehende tatsächliche Benachteiligungen abzubauen. Der Anspruch lautet dabei: „Nah am Menschen mit Behinderungen und nah an der Politik“.

Der IFR ist berechtigt, der Landesregierung Gesetze, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften vorzuschlagen, die geeignet sind, die Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen und zu verhindern. Wenn Gesetzentwürfe eingebracht oder andere Rechtsvorschriften erlassen werden sollen, ist der IFR anzuhören, wenn die Belange von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen betroffen sind.

Dem IFR gehören stimmberechtigt an:

  1. sieben Mitglieder der Verbände der Menschen mit Behinderungen,
  2. ein Mitglied des Landkreistages MV,
  3. ein Mitglied des Städte- und Gemeindetages MV,
  4. je ein Mitglied des Sozialverbandes Deutschland MV, des Sozialverbandes VdK MV, der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in MV und des Landesfrauenrates MV

Der Inklusionsförderrat verfügt über eine beim Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport eingerichtete Geschäftsstelle.

„Kirchenwald“ im Müritz-Nationalpark

Hohenzieritz – „Der Müritz-Nationalpark ist der größte Waldnationalpark Deutschlands. Er umfasst 322 km², also 32.200 ha. Dies entspricht in etwa der Größe der Stadt München. Er dient dem Schutz der typisch mecklenburgischen Wald- und Seenlandschaft im norddeutschen Tiefland östlich der Müritz. Die zahlreichen Seen und Moore machen ihn einzigartig unter den 16 deutschen Nationalparks“, erklärt der Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Dr. Till Backhaus, anlässlich der Unterzeichnung der „Vereinbarung über Waldflächen der Evangelisch-Lutherischen Kirchen im Müritz-Nationalpark“ in Hohenzieritz.

Ziel der Vereinbarung zwischen dem Land, der Landesforstanstalt, der Stiftung Umwelt- und Naturschutz MV und der Evangelisch-Lutherischen Kirche ist es, rund 85 Hektar Wald im Müritz-Nationalpark aus der Nutzung zu nehmen und dafür Ersatz außerhalb des Nationalparks zu schaffen. Zugleich sollen weitere den örtlichen Kirchen nach dem 1. Oktober 1990 im Müritz-Nationalpark zugeordnete, unvermessene und räumlich noch nicht lokalisierte 131 ha Waldflächen lokalisiert und anschließend innerhalb des Müritz-Nationalparks wertgleich mit möglichst zusammenhängenden landeseigenen Waldflächen je örtlicher Kirche getauscht werden. Dazu führt Minister Backhaus weiter aus:

„Der Hauptschutzzweck für Nationalparks in Deutsch­land ist es nach § 24 Bundesnaturschutzgesetz, in einem überwiegenden Teil ihres Gebietes den möglichst unge­störten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten.

Nach den Richtlinien der Internationalen Naturschutz­union (IUCN) sollen es sogar mindestens 75 % der Nationalparke sein, die diesem Ziel dienen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir seit der Gründung des Müritz-Nationalparkes im September 1990 viel unternommen.

Von Beginn an haben wir, wenn auch immer nur in dem Rahmen, den der Landeshaushalt uns erlaubte, Flächen von privaten Eigentümern in den Nationalparken erworben, um dort die Konflikte um Flächennutzungen zu vermeiden. Insgesamt waren das in den letzten 20 Jahren immerhin 186 Hektar.

Dann, im Jahr 2012, haben wir in M-V beschlossen, die Holznutzung auf allen landeseigenen Waldflächen in den drei Nationalparken zum Ende 2017 zu beenden. Das waren insgesamt ca. 23.300 ha.

In 2020 konnten wir wesentliche Teile des Müritz-Nationalpark als sogenannte Wildnisgebiete nach dem 2-%-Ziel der Bundesstrategie für Biologische Vielfalt identifizieren und dem BMUV mitteilen. Bundesweit haben wir in M-V mit ca. 1,5 % Wildnisgebieten die Nase vorn und es gibt noch Luft nach oben.

Ein großer bisher ungelöster „Brocken“ im Müritz-Nationalpark war aber von Beginn an das Flächen­eigentum der Evangelisch-Lutherischen Kirchen, bei dem es sich in erster Linie um Waldflächen handelt.

Zum einen sind es gut 85 ha, die bereits vor Gründung des Müritz-Nationalparks im Eigentum der örtlichen Kirchen standen, sogenanntes „Alteigentum“.

Zum anderen sind es weitere gut 131 ha unvermessene und räumlich noch nicht lokalisierte Waldflächen, die den örtlichen Kirchen nach dem 1. Oktober 1990 durch Vermögenszuordnungsbescheide zugeordnet worden sind.

Zu der Frage, wie auch diese Flächen in eine nationalparkgerechte Zweckbindung überführt werden könnten, gab es zunächst Gespräche auf der politischen Ebene. Und ich bin dankbar, dass es nun, nach vielen Verhandlungen gelungen ist, eine endgültige Lösung zu finden.

Möglich wurde dies nur unter Einbeziehung der Landesforst und der Stiftung Umwelt- und Naturschutz MV, nämlich unter Nutzung der Fördermöglichkeiten des vom BMUV eingerichteten „Wildnisfonds“.

Dafür möchte ich allen an der Vereinbarung beteiligten ganz herzlich danken.

Besonderen Dank möchte ich für die Bereitschaft, bei den in Rede stehenden 131 ha Flächen auf die Nutzung zu verzichten und damit dem Schutzzweck des Müritz-Nationalparks entsprechen“, so der Minister abschließend.

Bischof Tilmann Jeremias ergänzt: „Ich freue mich, dass wir hier miteinander eine Lösung gefunden haben und danke allen Beteiligten. Immer öfter stelle ich fest: Das Anliegen eines sorgsamen Umgangs mit unserer Schöpfung – mit der wir in der Kirche ja die von Gott geschaffene Natur meinen, die es nach der heiligen Schrift zu bebauen und zu bewahren gilt und in der wir Gott erkennen können – eint uns als Kirche mit wichtigen Akteuren in unserem Bundesland.

Der biblische Auftrag, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren, legt für uns als Kirche den Maßstab sehr hoch, wenn wir an die Bewirtschaftung unserer Flächen denken. Dieser Auftrag wird für den Kirchenwald von der Kirchlichen Forstbetriebsgemeinschaft durch eine vorratspflegliche Bewirtschaftung wahrgenommen. Bebauen und Bewahren – das heißt für uns, die ökologische Bedeutung des Waldes sehr ernst zu nehmen. Und dazu gehört auch, dass wir es für geboten halten, die Natur an manchen Stellen auch sich selbst zu überlassen. In den Lauf der Natur nicht mehr einzugreifen – so wie es auch mit den im Nationalpark verbleibenden Flächen geschieht.“

Bjørn Schwake, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Umwelt- und Naturschutz MV äußert sich ebenfalls zufrieden mit dem Vorhaben: „Wir konnten wieder einmal zeigen, dass wir als Landesstiftung ein wichtiger Baustein im Werkzeugkasten des Landesnaturschutzes sind und ich freue mich, dass der Muritz-Nationalpark mit diesen Flächen ein weiteres Stück Wildnis erhält.“

Influenza weiter auf dem Vormarsch

Schwerin – Angesichts der weiterhin rasant steigenden Infektionen mit dem Influenza-Virus geht Gesundheitsministerin Stefanie Drese von anhaltenden Belastungen des Gesundheitssystems und anderen Bereichen der kritischen Infrastruktur aus,: „Allein in der vergangenen Woche wurden dem LAGuS fast doppelt so viele Grippe-Infektionen gemeldet wie in der Vorwoche. Wir müssen davon ausgehen, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist und der Anteil der Personalausfälle kontinuierlich hoch bleibt“, sagte Drese heute in Schwerin.

Neben Infektionen mit dem Influenza-Virus sind laut ARE-Bericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS) auch Infektionen mit dem RS-Virus und mit Rhino-Viren auf einem hohen Niveau.

Der Bericht des LAGuS zeigt darüber hinaus: Während in der vorletzten Woche der stärkste Anstieg der ARE-Infektionen bei Kindern zu verzeichnen war, sind in der vergangenen Woche zunehmend Jugendliche und Erwachsene bis 59 Jahren betroffen gewesen.

Drese betont: „Ob beim Weihnachtseinkauf oder im Großraumbüro – Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen, Desinfektion oder Abstand halten, sind geeignete Schutzmaßnahmen, um Infektionen zu vermeiden und Infektionsketten zu unterbrechen.“

Mit Blick auf Familienfeste zu Weihnachten betont die Ministerin: „Über die Feiertage können Familien und Freunde glücklicherweise wieder wie vor der Pandemie zusammenkommen. Damit alle möglichst gesund bleiben, lohnt es sich, jetzt weiterhin achtsam zu sein, vor allem um vulnerable Familienmitglieder zu schützen.“

Drese verweist zudem auf die bestehenden Impfmöglichkeiten gegen Corona und Grippe. „Schutzimpfungen sind nach wie vor eines der wirksamsten Mittel, um schwere Erkrankungen zu verhindern“, so die Ministerin.

Digitrans: Förderung für Medizintechnikfirma

Neubrandenburg – Das Unternehmen „Osentec“ in Neubrandenburg hat eine Förderzusage des Digitalisierungsministeriums über 7.000 Euro erhalten. Mit diesen Mitteln aus dem Landesprogramm zur Förderung der digitalen Transformation in Unternehmen, kurz Digitrans, unterstützt die Landesregierung den Aufbau einer digitalen Vertriebsstruktur.

Das Unternehmen stellt medizinische Apparate und Materialien her mit dem Ziel, insbesondere Menschen, die durch Krankheiten in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, das Gefühl von Freiheit und Mobilität erhalten zu können. Mit Hilfe der Förderung wird das Unternehmen eine Software für insgesamt 45.000 Euro für den Direktvertrieb sowie eine Plattform für den Kundenservice zur Pflege, Verbesserung und Stärkung der Kundenbeziehungen anschaffen.

Mit dem Landesprogramm zur Förderung der digitalen Transformation in Unternehmen, kurz Digitrans, unterstützt das Innenministerium kleinere Unternehmen in M-V bei der Digitalisierung. Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten und entweder einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro oder einer Jahresbilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro können Fördermittel von bis zu 10.000 Euro, in Ausnahmen bis zu 50.000 Euro beantragen.

Mit den nicht rückzahlbaren Zuschüssen werden der Auf-bau neuer digitaler Geschäftsmodelle oder die Umstellung von analogen auf digitale Prozesse gefördert, ebenso Investitionen in IT-Sicherheit und Datenschutz.

Anträge auf Förderung nach der Digitrans-Richtlinie sind vor Beginn des Vorhabens beim Landesförderinstitut (LFI) zu stellen. Weitere Informationen zum Programm finden Sie unter (www.digitalesmv.de/digitrans). Die Unterlagen zur Antragstellung finden Sie auf der (Webseite des LFI). Sie können die Anträge auch digital im (MV-Serviceportal) stellen.

Depot- und Werkstattgebäude in Schwerin

Schwerin – Finanzminister Dr. Heiko Geue hat sich heute einen Überblick über den aktuellen Stand der Baumaßnahmen beim Depot- und Werkstattgebäude für das kulturelle Erbe des Landes Mecklenburg-Vorpommern verschafft.

„Gute Nachrichten für die Kulturschätze unseres Landes: der Silberschatz von Schaprode, die bronzezeitlichen Schlachtfeld-Funde aus dem Tollensetal oder die Grabungsfunde beim Schweriner Schloss werden künftig zentral in der Schweriner Johannes-Stelling-Straße hochwertig aufbewahrt.

Der Bau der neuen Depots und Werkstätten für das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und für die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen ermöglicht die Zusammenführung der archäologischen und musealen Bestände Mecklenburg-Vorpommerns“, sagt der für den Landesbau zuständige Finanzminister Dr. Heiko Geue.

Neben der Bewahrung und dem Schutz des Archiv-, Depot- und Kunstgutes des Landes wird das Gebäude die Aufarbeitung und Katalogisierung der Archivalien in modernen Werkstätten ermöglichen.

„Besonders markant die Außenfassade aus Kupfer. Die Depotfassaden wurden mit horizontalen Kupferschindeln und die Werkstättenfassaden mit vertikalen Kupferpaneelen sowie drehbaren Kupferlamellen gestaltet. Sie dienen nicht nur als Sicht-, sondern auch als Sonnen- und Wärmeschutz. Es freut mich sehr, dass der Anforderungswert an den Jahres-Primärenergiebedarf bei dem Gebäude insgesamt um ca. 20 % unterschritten wird“, erläutert Geue.

Die etwa 78,7 Mio. Euro teure Baumaßnahme wird voraussichtlich im Sommer 2023 fertiggestellt.

Weitere Informationen zur Baumaßnahme sind auf den Internetseiten des Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamtes Schwerin zu finden.

Expertenworkshop Tourismusakademie

Meyer: Akademie gemeinsam aufbauen – Wirtschaft und Ausbildungsakteure gebraucht – Erfahrungen anderer Regionen nutzen

Rostock – In der Hansestadt Rostock hat am Donnerstag ein Expertenworkshop zum Thema Tourismusakademie stattgefunden.

„Wir müssen dem Fachkräftemangel in der für Mecklenburg-Vorpommern wichtigen Schlüsselbranche, dem Tourismus, begegnen. Innovative Ideen sind gefragt, um Fachkräfte im Land zu halten und zu sichern. Deshalb wollen wir gemeinsam eine Tourismusakademie in Mecklenburg-Vorpommern aufbauen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Reinhard Meyer vor Ort.

An dem heutigen Treffen haben Vertreter vom Land, Interessenvertretungen, Unternehmen und Hochschulen teilgenommen. „Die Rekrutierung und die Sicherung der touristischen Fachkräfte kann nur gemeinsam unter Beteiligung der Wirtschaft im Land gelingen. Darüber hinaus benötigen wir das Know-how der Aus- und Weiterbildungsakteure.

Teilweise gibt es schon unterschiedliche Konzepte für die Aus- und Fortbildung sowie die akademische Bildung im Land. Eine bessere Verknüpfung und Vermarktung ist notwendig. Unser Land braucht eine moderne touristische Bildung mit starkem Praxisbezug. Diese soll passgenau und bedarfsgerecht sein, damit die touristischen Unternehmen im Land direkt davon profitieren“, erläuterte Meyer weiter.

Aus Österreich sind Vertreter der IMC Fachhochschule Krems nach Rostock angereist. „Wir müssen die wirtschaftsnahen Bedarfe im Land stärker ermitteln. Von den Erfahrungen aus Niederösterreich können wir dabei lernen. Die Fachhochschule hat sich vor allem auch in der fachlichen Ausbildung touristischer Schwerpunkte einen Namen gemacht. Es werden qualifizierte Weiterbildungen, Schulungen und Beratungen angeboten, die die touristische Entwicklung vor Ort insgesamt weiter vorantreiben“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Tourismusminister Reinhard Meyer abschließend.

Minister Meyer war Ende August mit einer touristischen Delegation nach Österreich gereist, um sich an der IMC Fachhochschule Krems über bewährte Modelle beim Aufbau einer Tourismusakademie zu informieren.

Wälder in M-V brauchen Hilfe

Bad Doberan – Laut aktueller Waldzustandserfassung ist der Klimawandel weiterhin spürbar und spiegelt sich im Gesundheitszustand der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern wider. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass sich der Gesundheitszustand der Wälder Mecklenburg-Vorpommers nicht verbessert hat, so der Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Dr. Till Backhaus, anlässlich der Besichtigung des Forschungsprojekts HydroForMix im Bereich des Forstamtes Bad Doberan bei Schwaan.

 „Die im letzten Jahr durchgeführte Erhebung an 2.472 Probebäumen ergab, dass sich der Gesundheitszustand der Wälder unseres Landes aufgrund der extremen Witter ungsverhältnisse wieder verschlechtert hat. Der Anteil von Bäumen mit deutlichen Schäden (Bäume mit mehr als 25 % Nadel- oder Blattverlust) erhöhte sich von 20 % im Jahr 2021 auf 26 % im Jahr 2022.

Um den Gesundheitszustand der einzelnen Baumarten beurteilen zu können, wird insbesondere der mittlere Nadel- und Blattverlust herangezogen. Es ist es besonders erschreckend, dass sich die Vitalität bei fast allen Baumarten verschlechtert hat“, führt der Minister weiter aus und geht auf weitere Ergebnisse der Untersuchung ein:

„Als die in MV am weitesten verbreitete Baumart bestimmt die Kiefer mit ihrem Gesundheitszustand wesentlich das Ergebnis der Erhebung.Ihr mittlerer Nadelverlust beträgt 22,5 %. Die sehr warme und trockene Witterung der vergangenen Jahre zeigt auch bei der Kiefer Auswirkungen, die sich in einem verschlechterten Kronenzustand zeigen. Trotz ihres vergleichsweise tiefreichenden Wurzelsystems und der allgemein hohen Trockenheitstoleranz ist auch die Kiefer unter Klimastress geraten.

Sorge bereitet mir die Ausbreitung der Kleinen grünen Kiefernbuschhornblattwespe im Südwesten unseres Landes. Wir beobachteten dort im Herbst starke Nadelverluste, verursacht durch den Fraß der Blattwespenraupen auf ca. 2.000 Hektar. Wir haben dort unser Waldschutzmonitoring intensiviert, um die Populationsentwicklung und auch die Gefährdung der betroffenen Bestände ableiten zu können.

Die Fichte als flachwurzelnde Baumart ist im besonderem Maße durch die Belastungen der langanhaltenden warm-trockenen Witterung betroffen. Der mittlere Nadelverlust stieg um im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 % auf 27,2 % an. Der Kronenzustand ist so schlecht wie noch nie in der bisherigen Erhebung des Waldzustandes seit 1992.

Beim Kronenzustand der Eichen zeigt sich insgesamt eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Der mittlere Blattverlust verringert sich um 1,1 % auf 21,8 %. Damit ist im dritten Jahr in Folge eine Abnahme der mittleren Kronenverlichtung bei der Eiche zu beobachten. Der Gesundheitszustand der Eiche ist jedoch permanent schlecht. Er unterliegt nicht den extremen Schwankungen und deutet somit darauf hin, das Eichen mit trockenen und „extremeren“ Standortsituationen gut zurechtkommen.

Nach dem Rekordjahr 2019, indem die Kronenverlichtung bei der Buche mit 31 % so hoch war wie noch nie, folgten zwei Jahre bei denen eine Verbesserung des Kronenzustands beobachtet werden konnte. Die langanhaltende warm-trockene Witterung in diesem Jahr wirkt sich widererwarten negativ auf die Vitalität aus und eine Verschlechterung des Kronenzustands ist zu erkennen. Der mittlere Blattverlust erhöht sich um 2,1 % auf 22,9 %. Neben der ungünstigen Witterung ist für die Buche auch die starke Fruktifikation belastend.

Die ersten Folgen des Klimawandels sind bereits heute spürbar und wir rechnen mit weiteren Veränderungen. Insbesondere mit ansteigenden Temperaturen, vor allem wärmeren Wintern, abnehmenden Sommerniederschlägen und mit einer Zunahme extremer Witterungsereignisse (Orkane, Dürre und Überschwemmungen)

Die vier schweren Stürme „Nadia“, „Zeynep“, „Ylenia“ und „Antonia“ verursachten Anfang des Jahres 2022 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 134 km/h eine Schadholzmenge von insgesamt rund einer Million Festmeter. Betroffen waren alle Landesteile, besonders stark allerdings Vorpommern. Nach 1992, als dem Orkan „Ismene“ und dem Sturmtief „Verena“ zusammen ca. 1.200.000 Festmeter Holz zum Opfer fielen, war die Serie von Orkan- und Sturmtiefs in 2022 eine der heftigsten in den letzten 30 Jahren.

Auch die Waldbrandgefährdung war in 2022 wie in den Vorjahren extrem hoch. MV mit seiner Waldfläche von 558 Tausend Hektar gehört zu den waldbrandgefährdeten Gebieten in Deutschland. Vor allem in den großflächigen Kiefernwaldgebieten der Landkreise Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim ist die Zündbereitschaft bei entsprechender Wetterlage besonders hoch.

Insgesamt kam es 2022 landesweit zu 70 Waldbränden mit einer Brandfläche von nur 9,57 ha (2021: 30 Waldbrände, 15 ha). Dies bedeutet 0,14 ha (1400 qm) Fläche je Brandherd. „Wir sind froh über unsere flächendeckende kameragestützte Waldbrand­überwachung, die wesentlich zur frühzeitigen Erkennung und schnellen Bekämpfung von Waldbränden beiträgt“, resümiert Backhaus.

„Der weitere Verlauf hinsichtlich des Gesundheitszustandes unserer Wälder ist natürlich im Wesentlichen von der Witterung abhängig. Niemand kann uns sagen, wie es im Frühjahr – und damit zu Beginn der Vegetationsperiode – aussieht, geschweige denn den kommenden Sommer prognostizieren.

Daher ist es unser Ziel, die Wälder im Land so zu entwickeln, dass sie nicht nur an die aktuellen Standortsgegebenheiten gut angepasst sind, sondern sie müssen wegen der Veränderungen des Klimas auch über eine möglichst große Anpassungsfähigkeit verfügen. Das Schlagwort dafür lautet: „Klimaangepasster Dauerwald“.

Wir gehen davon aus, dass eine Erhöhung des Anteils standortangepasster und naturnaher Mischbestände mit höheren Laubholzanteilen eine größere Stabilität, Anpassungsfähigkeit und Risikostreuung der Wälder im Klimawandel bedeutet.

Zur Absicherung des standortgerechten Waldumbaus bedarf es weiterer Forschungsaktivitäten, um die sich ändernden Standort-Leistungs-Beziehungen sowie die Gefährdungen durch biotische und abiotische Risiken besser baumartenspezifisch abschätzen zu können“, fährt der Minister fort und ergänzt:

„Die Mischung verschiedener Baumarten wird sich positiv auszuwirken, die zugrundeliegenden Mechanismen sind aber auch hier noch nicht abschließend erforscht.

Es freut mich daher sehr, dass wir hier in Mecklenburg-Vorpommern das Forschungsprojekt HydroForMix etablieren konnten. Es ist ein Projekt der Landesfrost MV im Forschungsverbund mit der Universität Rostock und der Universität Greifswald, welches aus Mitteln des Waldklimafonds finanziert wird.

Auch wenn es derzeit noch Kenntnislücken über Ausmaß und Tempo des Klimawandels gibt, nehmen wir diese Entwicklung sehr ernst und geben gut acht auf einen unserer bedeutenden Klimaschützer – den Wald

Wir leisten bereits heute einen aktiven Klimaschutzbeitrag, indem wir unsere Waldfläche mehren. Im Rahmen der Landesinitiative „Unser Wald in Mecklenburg-Vorpommern“ habe ich eine Aufforstungskampagne auf den Weg gebracht.

10 % der landeseigenen Flächen, das sind 8.600 Hektar, werden in den nächsten 10 Jahren aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen und für Erstaufforstung, für Moor- und Naturschutzmaßnahmen und zur Umsetzung der WRRL verwendet.

Damit stehen jedes Jahr über 400 Hektar zur Waldmehrung zur Verfügung – das ist ein bundesweit einzigartiges Aufforstungsprogramm.

Nach Abschluss der Aufforstungsperiode 2022/23 wurden somit seit 2020 1.350 ha Neuwald geschaffen. Der Wald – der Erhalt des Waldökosytems und die Waldmehrung sind wesentliche Schwerpunkte beim natürlichen Klimaschutz. Daher werde ich mich im Rahmen des Klimaschutzgesetzes dafür einsetzen, dass wir die Waldfläche in MV weiterhin mehren und wir somit einen großen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele leisten“, so Backhaus abschließend.

Mehr innovative Gründungen möglich

Grundsteinlegung von Haus 7 des Technologie- und Gewerbezentrums e. V. in Schwerin

Schwerin – In der Landeshauptstadt Schwerin ist am Donnerstag feierlich der Grundstein für den Neubau des Haus 7 des Technologie- und Gewerbezentrums e. V. Schwerin/Wismar (TGZ) erfolgt.

„Damit wird die Basis für mehr innovative Gründungen in Schwerin gelegt. Gleichzeitig verbessert sich die Situation für bestehende Unternehmen vor Ort, die gern ihre Kapazitäten ausbauen wollen. Wir brauchen mehr innovative Unternehmen, die hochwertige Arbeitsplätze bei uns im Land schaffen“, sagte der Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Reinhard Meyer am Donnerstag vor Ort.

Das neue Gebäude wird durch die Stadt und den TGZ e. V. errichtet. Nach Fertigstellung des Neubaus Haus 7 werden ca. 4.000 Quadratmeter vermietbare Fläche zur Verfügung stehen. Davon sind circa 2.000 Quadratmeter als Produktionsfläche vorgesehen.

„Durch den Neubau gibt es auch einen Anreiz für weitere Ansiedlungen. Mehr regionale Wertschöpfung kann perspektivisch vor Ort generiert werden“, so Meyer weiter.

Gegenwärtig sind insgesamt über 360 Unternehmen aktiv, die ihre ersten Schritte an einem der TGZ-Standorte beispielsweise in Schwerin oder Wismar gemacht haben.

„Über 2.750 Jobs sind entstanden. Viele Unternehmen haben sich in einem der eigens um die Zentren geschaffenen Technologieparks angesiedelt und dort ihre eigenen Investitionen getätigt“, erläuterte Wirtschaftsminister Meyer.

Das Gesamtinvestitionsvolumen für das Vorhaben beläuft sich auf rund 22,7 Millionen Euro. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Vorhaben mit rund 17,1 Millionen Euro aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW).

Seit 1992 wurden für das TGZ und den Technologiepark am Standort Schwerin Fördermittel in Höhe von rund 36,8 Millionen Euro (inklusive Zuschuss für Haus 7) zur Verfügung gestellt und somit Gesamtinvestitionen von 47,5 Millionen Euro ermöglicht.