Cafémobil aus Lohmen ist Landessieger beim Deutschen Nachbarschaftspreis
Lohmen – Stefanie Drese konnte heute Ruth Wossidlo, André Schulz und Lars Trense vom Cafémobil aus Lohmen zum Landessieg beim Deutschen Nachbarschaftspreis gratulieren.
Dolce Vita in der Mecklenburger Provinz: Mit einer Piaggio Ape, einer Siebträger-Kaffeemaschine und viel ehrenamtlichem Engagement bringt die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Lohmen Kaffee und Menschen zusammen. Für dieses ungewöhnliche mobile Begegnungsprojekt ist das Cafémobil jetzt als Landessieger Mecklenburg-Vorpommerns beim Deutschen Nachbarschaftspreis 2026 ausgezeichnet worden. Sozialministerin Stefanie Drese überreichte die Auszeichnung am Donnerstag im Sozialministerium in Schwerin. Das Projekt erhält ein Preisgeld von 2.000 Euro.
Das Cafémobil fährt durch die 38 Dörfer und Orte der Kirchengemeinde Lohmen und schafft dort einen Treffpunkt, wo klassische Orte der Begegnung wie Dorfkonsum, Gaststätte oder Bäckerei zunehmend fehlen. Kaffee gibt es kostenlos, Kuchen und Spiele bringen die Menschen selbst mit. Wer möchte, kann sich seine eigene Kaffeekreation zubereiten. So wird aus einer kleinen Ape ein mobiler Dorfmittelpunkt – und aus einer Tasse Kaffee ganz nebenbei ein Gespräch, eine neue Bekanntschaft oder ein Stück Nachbarschaft.
„Dolce Vita muss nicht an der Strandpromenade beginnen. Manchmal beginnen die kleinen italienischen Momente auf dem Dorfplatz – mit einem guten Kaffee und Menschen, die Lust haben, zusammenzukommen. Das Cafémobil aus Lohmen bringt genau das auf die Dörfer: Lebensfreude, Begegnung und ein Stück Gemeinschaft. Und das Beste daran: Die Menschen warten nicht darauf, dass jemand einen neuen Treffpunkt baut. Sie machen ihn einfach selbst“, sagte Drese bei der Auszeichnung.
Das Projekt ist dabei weit mehr als ein mobiles Café. Menschen mit und ohne Behinderung engagieren sich gemeinsam, ebenso Einheimische und Zugewanderte. Zu den acht Ehrenamtlichen gehört ein Mann mit geistiger Behinderung. Auch eine muslimische Familie, die vor wenigen Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, ist dabei. Alle Ehrenamtlichen haben einen Barista-Kurs absolviert.
„Genau solche Orte brauchen wir: offen, niedrigschwellig und mitten im Leben. Das Land unterstützt deshalb mit seinem Programm ,Dritte Orte‘ ganz bewusst Begegnungs- und Gemeinschaftsorte, an denen Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation zusammenkommen können. Das Cafémobil zeigt auf besonders charmante Weise, dass ein solcher Ort nicht einmal ein festes Gebäude braucht. Er kann auch vier Räder haben“, verwies Drese auf das Landesförderprogramm für Begegnungs- und Gemeinschaftsorte, das mit insgesamt rund 700.000 Euro ausgestattet ist.
Für Drese ist das Engagement vor Ort ein wichtiger Teil der Antwort auf Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte. „Wir können Freundschaften nicht verordnen. Aber wir können Orte schaffen, an denen sie entstehen. Und wir können Menschen unterstützen, die solche Orte mit Leben füllen. Das Cafémobil ist dafür ein wunderbares Beispiel: Hier wird nicht nur Kaffee ausgeschenkt, hier wird Nachbarschaft gebraut.“
Mit dem Preisgeld möchte die Kirchengemeinde unter anderem einen Anhänger für das Cafémobil anschaffen, um künftig Tische und Stühle zu den mobilen Treffpunkten mitnehmen zu können. Auch weitere Angebote sind geplant – vom gemeinsamen Eiswaffelbacken mit Kindern und Jugendlichen über eine Afterhour-Bar bis zum Suppenmobil.
Der Deutsche Nachbarschaftspreis der nebenan.de Stiftung wird 2026 zum zehnten Mal vergeben und zeichnet Initiativen mit Vorbildcharakter aus, die lebendige Orte schaffen und das gesellschaftliche Miteinander stärken. In jedem Bundesland wird ein Landessieger mit 2.000 Euro ausgezeichnet. Die fünf Themenschwerpunkte und ein Sonderpreis werden im November bei der bundesweiten Preisverleihung in Berlin vergeben. Hauptförderer des Preises ist die Deutsche Postcode Lotterie.