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Kategorie: Ostseeregion

Meeresschutz stärken und Kompetenzen bündeln

MV setzt auf wirksame statt pauschale Maßnahmen

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt nimmt am Freitag, 7. Mai, an der 106. Umweltministerkonferenz (UMK) in Leipzig teil. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach einem verbesserten Meeresschutz in Nord- und Ostsee, Konsequenzen aus den wiederholten Walstrandungen sowie Fortschritte bei der Munitionsbergung und beim Wildtiermanagement.

„Das Ökosystem von Nord- und Ostsee ist durch vielfältige Nutzungen und stoffliche Einträge stark belastet. Daraus folgt ein klarer Auftrag: mehr Meeresschutz – aber wirksam und nicht nur auf dem Papier“, sagt Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für mehr und wirksamere Ruhe- und Rückzugsräume ein, in denen sich Arten und Lebensräume ohne direkte Beeinträchtigungen durch menschliche Nutzung erholen können. Solche geschützten Bereiche sind ein zentraler Baustein für den Schutz von Meeressäugern, weil sie Störungen reduzieren und sichere Rückzugsräume schaffen.

Ergänzend setzt das Land auf gezielte Maßnahmen zur Verringerung konkreter Risiken – insbesondere beim Beifang durch die traditionelle Kleine Küstenfischerei sowie im Umgang mit Geisternetzen. Grundlage ist dabei ein klarer Ansatz: Maßnahmen müssen dort ansetzen, wo tatsächlich Gefahren bestehen und auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Auch bei der Industriefischerei verfolgt Mecklenburg-Vorpommern diesen differenzierten Weg und setzt sich für eine wirksame Regulierung auf EU-Ebene ein.

„Ich bleibe dabei: Wir brauchen mehr Meeresschutz. Daran hat sich auch nach den Erfahrungen mit der Walrettung nichts geändert“, stellt Backhaus klar. „Aber dieser Schutz muss wirksam und verhältnismäßig sein. Er darf nicht dazu führen, dass wir gewachsene Strukturen an unserer Küste zerstören.“

Die Küstenfischerei sei nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch Teil unserer kulturellen Identität und als immaterielles Kulturerbe anerkannt. „Die Zahl der Betriebe ist seit der Wende bereits massiv zurückgegangen –  von rund 950 auf heute etwa 270 im Haupt- und Nebenerwerb. Diese Entwicklung zeigt, wie sensibel wir hier abwägen müssen. Unser Ziel ist es, Meeresschutz und Fischerei gemeinsam zu denken – nicht gegeneinander auszuspielen.“

„Mecklenburg-Vorpommern verfügt bereits über eine sehr hohe Schutzgebietsdichte: Rund 50 Prozent des Küstenmeeres stehen unter Schutz. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt – von Renaturierungen über Schutzgebietsbetreuung bis hin zur Wiederherstellung von Seegraswiesen und Riffstrukturen.

„Meeresschutz findet längst statt – entscheidend ist, ihn weiter zu verbessern und zielgerichtet auszubauen“, so Backhaus.

Die jüngsten Buckelwal-Strandungen haben aus Sicht des Landes gezeigt, dass es klarere Strukturen und abgestimmte Verfahren braucht.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für einen länderübergreifenden „Runden Tisch Walstrandungen“ ein. Ziel ist ein gemeinsames Konzept mit klaren Zuständigkeiten, abgestimmten Abläufen und einer tragfähigen Koordinierungsstruktur.

„Solche Einsätze sind hochkomplex. Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten, abgestimmte Prozesse und eine gemeinsame Linie über Ländergrenzen hinweg“, sagt Backhaus.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bergung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee. Mecklenburg-Vorpommern fordert vom Bund mehr Tempo und Verlässlichkeit.

Konkret wird die Vorlage der Ergebnisse aus den Pilotbergungen sowie ein gemeinsames Finanzierungsmodell für die langfristige Munitionsbeseitigung gefordert.

„Hier handelt es sich um eine Generationenaufgabe. Der Bund muss gemeinsam mit den Ländern für klare Zuständigkeiten und eine verlässliche Finanzierung sorgen“, so Backhaus.

Zudem setzt sich das Land für die schnelle Einrichtung des Bundeskompetenzzentrums „Munitionsbergung aus dem Meer“ in Rostock ein.

Auch beim Umgang mit dem Kormoran spricht sich Mecklenburg-Vorpommern für einen ausgewogenen Ansatz aus.

Vor dem Hintergrund eines stabilen Bestands setzt sich das Land dafür ein, die rechtlichen Spielräume zu erweitern und ein europaweites Management zu prüfen.

„Wir brauchen einen Ausgleich zwischen Artenschutz und den berechtigten Interessen der Fischerei“, betont Backhaus.

Schwesig: Durch gute Ostseezusammenarbeit gewinnen alle

Rostock – In ihrer Rede beim 3. Baltic Sea Business Day hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Wert der Zusammenarbeit hervorgehoben: „Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern wollen Geschäfte im Ostseeraum machen. Wir laden Unternehmen aus anderen Ostseeländern ein, bei uns zu investieren. Denn wir sind davon überzeugt: Durch gute Ostseezusammenarbeit gewinnen alle.“ Die Zusammenarbeit mit den Nachbarn rund um die Ostsee voranzubringen, sei ihr ein persönliches Anliegen.

Schwesig zog in ihrer Rede auch Bilanz: „Das Handelsvolumen Deutschlands mit den Ostseeanrainerstaaten ist mit 341 Milliarden Euro größer als mit den Haupthandelspartnern, China und den Vereinigten Staaten. Mecklenburg-Vorpommern wickelt etwa 25 Prozent seines Außenhandels mit den Ostseeländern ab. Nach vorläufigen Zahlen ist das Gesamtvolumen im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf fast 21 Milliarden Euro gestiegen. Unser Außenhandel zeigt sich robust und im Aufwärtstrend. Das ist eine gute Nachricht und angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in ganz Deutschland keine Selbstverständlichkeit.“ Selbst wenn sich in diesen Zahlen auch der Verkauf eines großen Kreuzfahrtschiffs bemerkbar mache, sei Außenhandel im Wesentlichen der Handel mit Produkten des täglichen Lebens und des industriellen Bedarfs. Außenhandel bedeute Wertschöpfung im Land.

„Zu unseren Hauptexportgütern in den Ostseeraum gehört Weizen ebenso wie Schiffe. 70 Prozent der Düngemittel, die wir exportieren, gehen in den Ostseeraum. Wir importieren Erdöl, Erdgas und Mineralölerzeugnisse. 94 Prozent dessen, was wir an Papier und Pappe importieren, kommt aus Finnland. Polen ist ohnehin einer unser wichtigsten Außenhandelspartner, 2025 betrug das Handelsvolumen 1,4 Milliarden Euro“, führte Schwesig aus.

„Das gute Ergebnis verdanken wir sowohl einheimischen Unternehmen, die sich im Import und Export betätigen, als auch Unternehmen aus den anderen Ostseestaaten, die in Mecklenburg-Vorpommern investiert haben und heimisch geworden sind“, so die Ministerpräsidentin. Sie alle brächten die Wirtschaft ebenso voran, wie die Zusammenarbeit rund um die Ostsee.

Für die Landesregierung sei die Unterstützung der Unternehmen im Außenhandel ebenso wichtig, wie der Kontakt zu Investoren im Ausland. Die Regierungschefin machte klar: „Jedes Unternehmen, das in Mecklenburg-Vorpommern investieren oder erweitern will, findet in der Staatskanzlei und im Wirtschaftsministerium offene Türen und die Bereitschaft, konkret zu helfen. Wir sind ein Land der kurzen Wege und Ansiedlung ist bei uns Chefinsache.“

Das Engagement zahle sich aus. Der Außenhandel schaffe neue Arbeitsplätze. Das zeige u.a. die Produktionserweiterung der Firma Haff-Dichtungen aus Ueckermünde. „Auf dem Deutsch-Lettischen Wirtschaftstag wurden von Familie Ruhnau konkrete Aufträge angebahnt und diese führen nun zu einer Erweiterung der Produktion. Jetzt werden mehr als 4 Millionen Euro investiert und am Standort neue Arbeitsplätze geschaffen“, so die Regierungschefin.

Schwesig nannte ein weiteres Beispiel: „Während andere Regionen unter geopolitischen Spannungen stehen, wächst der Kreuzfahrttourismus in unserer Region und wir wachsen zusammen. Er macht den Ostseeraum für die Menschen erfahrbar.

AIDA allein plant im nächsten Jahr 392 Anläufe in den Häfen des demokratischen Ostseeraums mit über 1,3 Millionen Passagieren. Das stärkt den Ostseeraum und wir sind mit AIDA vorn dabei,“ sagte die Regierungschefin.

Mit mehr als 650 Gästen konnte auf dem 3. Baltic Sea Business Day ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden. „Er ist das Spitzentreffen der Ostseeanrainer, das Forum für den Ideentausch, die Plattform für Kontakte rund um die Ostsee“, so Schwesig.

M-V stärkt Ostseeschutz

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus tauscht sich am Nachmittag mit dem Geschäftsführer der Firma Baltic Taucherei- und Bergungsbetrieb Eyk-Uwe Pap intensiv zu aktuellen umweltrelevanten Themen aus. Im Mittelpunkt steht die Munitionsräumung vor Boltenhagen, neue technische Ansätze zur Sanierung von Gewässern sowie Fragen der Ölwehrvorsorge in der Ostsee.

Munitionsräumung vor Boltenhagen: bundesweit einmalige Lösung

Die Bergung von Altmunition vor Großklützhöved bei Boltenhagen im Rahmen eines Sofortprogramms ders Bundesregierung stellt einen wichtigen Schritt für den Schutz der Ostsee dar. Erstmals konnte in Mecklenburg-Vorpommern eine rechtssichere Lösung für den Seetransport geborgener Altmunition zum Zweck des Umweltschutzes umgesetzt werden. Möglich wurde dies durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landesbehörden.

Im Zeitraum von August bis September 2025 wurde  in MV erstmals Altmunition aus einem Munitionsversenkungsgebiet geborgen. Ein Teil der Munition konnte an Land verbracht und einer fachgerechten Vernichtung zugeführt werden. Die Arbeiten wurden durch ein umweltwissenschaftliches und biologisches Monitoring begleitet. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wichtige Grundlagen für zukünftige Maßnahmen zur Altlastenbeseitigung in der Ostsee.

Umweltminister Dr. Till Backhaus betont: „Die Munitionsräumung vor Boltenhagen zeigt, dass wir mit fachlicher Kompetenz, enger Kooperation und rechtlicher Klarheit konkrete Fortschritte beim Schutz unserer Meeresumwelt erzielen können.“

Gewässersanierung: Wissenschaftliche Grundlage ist Voraussetzung

Im Gespräch wird auch eine neue Technologie zur Sanierung von Gewässern thematisiert, die ursprünglich in Norwegen entwickelt wurde. Das Umweltministerium macht deutlich, dass der Einsatz neuer Verfahren in natürlichen Gewässern nur auf Grundlage belastbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen kann. Die bislang vorliegenden Daten reichen für einen Einsatz in Seen Mecklenburg-Vorpommerns nicht aus. Fachliche Bewertungen durch Wissenschaftseinrichtungen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass weitere Forschung unter kontrollierten Bedingungen erforderlich ist. Das Land setzt hier auf Vorsorge und den Schutz bestehender Ökosysteme. „Innovationen sind wichtig – sie müssen aber wissenschaftlich fundiert und ökologisch verantwortbar sein“, so Minister Backhaus.

Ölwehr Ostsee: Verlässliche Strukturen für den Ernstfall

Mecklenburg-Vorpommern verfügt gemeinsam mit seinen Partnern über bewährte Strukturen zur Bekämpfung von Meeresverschmutzungen. Die Vorhaltung von Ölwehrkapazitäten sowie bestehende Verträge mit Einsatzorganisationen und Firmen gewährleisten die Einsatzfähigkeit in der Ostsee. Aktuelle Ausschreibungen und Ersatzbeschaffungen sichern diese Leistungsfähigkeit auch für die Zukunft.

Eventin bleibt weiter ein Fall für Gerichte

Schwerin – Der mit russischem Öl beladene Tanker „Eventin“ darf mitsamt seiner Ladung vorerst nicht eingezogen und verwertet werden. Das hat der Bundesfinanzhof am Morgen entschieden.

„Die Entscheidung des Bundesfinanzhofs zeigt, wie komplex die rechtliche Lage im Fall der ‚Eventin‘ ist. Es handelt sich um ein vorläufiges Urteil im einstweiligen Rechtsschutz, keine Entschei­dung in der Hauptsache. Gleichwohl macht der Beschluss deut­lich, dass zentrale Rechtsfragen im Zusammenhang mit den EU-Sanktionen noch ungeklärt sind“, erklärt Umweltminister Dr. Till Backhaus und ergänzt:

„Ich möchte dabei betonen: Die Zuständigkeit in diesem Verfahren liegt eindeutig beim Bund. Der Zoll, das Bundesfinan­zministerium und die Bundeswasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung verant­worten das Vorgehen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat in diesen rechtlichen und operativen Fragen keinerlei Entscheidungsbefugnis.

Natürlich ist auch das Land sehr besorgt und wünscht sich ein baldiges Verlassen der ‚Eventin‘ von der Reede vor Sassnitz. Wir nehmen die Sorgen der Menschen auf Rügen sehr ernst – besonders mit Blick auf Herbst- und Winterstürme. Gleichzeitig müssen wir aber mit den Fakten arbeiten, die uns der Bund mitteilt.

Nach Auskunft des Bundesfinanzministeriums befindet sich das Schiff in einem ordnungsgemäßen Zustand.

Die ausfallur­sächlichen Mängel wurden vollständig beseitigt und das Schiff laut Klassifikationsgesellschaft in einem guten und fahrtüchtigen Zustand. Diese Einschätzung wird auch vom bisherigen Flaggenstaat bestätigt. Die Bundesregierung hat daher keine Zweifel daran, dass das Schiff den international verbindlichen Mindeststandards entspricht und sicher am Seeverkehr teilnehmen kann.

Auch zur Liegeposition gibt es eine klare Einschätzung der Bundeswasserstraßenverwaltung: Die ‚Eventin‘ liegt im Windschatten der Insel Rügen und damit – gerade bei den im Winter vorherrschenden Nordwestlagen – an einem der sichersten Orte, die innerhalb Deutschlands überhaupt erreichbar sind.

Prüfungen seitens der Bundeswasserstraßenverwaltung haben ergeben, dass es keinen geeigneten Hafen für eine Verlegung der EVENTIN gibt und die derzeitige Position auf der Gefahrgutreede vor Rügen die Vorzugsvariante darstellt.

Damit gehen vom Schiff nach Einschätzung des Bundes keine über das Maß der regulären Tankschifffahrt hinausgehenden Gefahren aus. Gefahrenabwehrmaßnahmen sind nicht angezeigt.

Ich möchte auch einen Punkt aus der öffentlichen Diskussion einordnen: Das von Greenpeace beschriebene Risiko eines Tankerunglücks besteht unabhängig vom Fall ‚Eventin‘ an jedem Tag. Rund zehn Großtanker passieren täglich die Insel Rügen. Das Risiko ist also nicht neu – es besteht so lange fort, wie Öltransporte durch die Ostsee stattfinden. Die ‚Eventin‘ ist kein Sonderfall, der eine neue Gefahrenlage begründen würde.

Für mich steht fest: Die Sicherheit der Menschen und die der Ostsee haben oberste Priorität. Wir bleiben eng mit dem Bund im Austausch, um die Lage fortlaufend zu bewerten und Transparenz gegenüber der Bevölkerung sicherzustellen. Gleichzeitig müssen wir akzeptieren, dass die operative Verantwortung und die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten in diesem Fall eindeutig beim Bund liegen.“

Fischsterben vor Rostock – Tierseuche ausgeschlossen

Rostock – Vom 26. Bis zum 28. September wurden zahlreiche tote Fische an den Ostseestränden von Nienhagen, Warnemünde und Markgrafenheide entdeckt. Erste Untersuchungen durch das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Rostock (LALLF) hatten schnell ergeben, dass eine Seuche als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen werden kann. Inzwischen habe sich Sauerstoffmangel als wahrschein­lichste Todesursache herauskristallisiert, erklärt Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus. Für Menschen habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden:

„Die Untersuchungen im LALLF haben keine Hinweise auf die Ursache des Fischsterbens geben können. Die Sektion der Fische und die rückstandschemische Untersuchung auf ca. 420 Wirkstoffe war unauffällig. Sauerstoffmangel im Zusammenhang mit dem sogenannten „Upwelling“-Effekt gilt daher als wahr­schein­lichste Ursache des Fischsterbens.

Beim Upwelling wird das Oberflächenwasser des Meeres­gewässers durch starke ablandige Winde von der Küste weggedrückt. Dadurch läuft salzhaltigeres und deshalb schwereres und oftmals sauerstoffarmes Tiefenwasser vom Meeresgrund nach und gelangt bis in den Küstenbereich. Vor allem die am Meeresboden lebenden Fischarten geraten so in „Atemnot“. Wenn diese Fische nicht ausweichen können, weil dieses Tiefenwasser sie an die Küste drängt, verenden sie durch Ersticken.

Die Sauerstoffarmut des „Tiefenwassers“ ist jedoch menschen­gemacht. Die Nährstoffüberfrachtung der Ostsee (Eutrophierung) und der duch den Klimawandel bedingte Temperaturanstieg fördern eine hohe Biomasseproduktion vor allem durch Algen. Beim Absinken und mikrobiologischem Abbau der Biomasse wird der Sauerstoff im Wasser verbraucht, so dass die Wasser­schichten über dem Meeresgrund in einen sauerstoffarmen bis sauerstofffreien Zustand geraten.

Gerade für den Herbst sind das zeitliche Aufeinandertreffen von absinkender Biomasse nach dem jahreszeitlichen Höhepunkt der Biomasseproduktion im Sommer und zunehmenden Starkwindereignissen am Beginn der Sturmsaison typisch, so dass solche Upwelling-Ereignisse und Fischsterben immer wieder auftreten können. Die Betroffenheit zahlreicher am Meeresgrund lebender Fischarten von diesem Sauerstoffmangel stützt diese Ursachenhypothese“, so Backhaus abschließend.

Start des Erweiterungsbaus für Lagerung und Logistik des IOW

Rostock – Mit dem traditionellen ersten Spatenstich begann heute im Rostocker Fischereihafen der Bau einer neuen Lagerhalle des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Der Neubau dient der Erweiterung der Logistik- und Lagerkapazitäten für Geräte- und klimatisierte Sedimentkernlagerung sowie für zusätzliche Werkstätten. Die Fertigstellung ist für Sommer 2026 vorgesehen.

Die neue Halle mit rund 889 Quadratmetern Nutzfläche und über 4.000 Kubikmetern Bruttorauminhalt entsteht als Anbau an das bereits bestehende IOW-Lager am Standort Rostock-Marienehe, der aufgrund der Nähe zum Liegeplatz des Forschungsschiffes „Elisabeth Mann Borgese“ ein zentrales Element der logistischen Infrastruktur des IOW ist. Hier werden bereits heute meerestechnische Ausrüstung für Schiffsexpeditionen, Forschungstauchen und 550 bis zu 20 Meter lange Sedimentkerne sowie mehrere tausend Einzelproben gelagert, die vom Meeresgrund der Ostsee und anderer Küstenmeeren stammen.

Die neue Halle schafft jetzt zusätzlichen Raum für Lagerung und Werkstattflächen. Eine moderne Kühlzelle wird sicherstellen, dass auch im Erweiterungsbau die speziellen Anforderungen an die Archivierung meeresgeologischer Proben und biologischer Materialien unter kontrollierten Umweltbedingungen gegeben sind. Durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Erweiterungsbaus werden die Energieverbräuche zukünftig deutlich gesenkt.

„Mecklenburg-Vorpommern ist für seine Leistungen in der Meeresforschung international hoch anerkannt. Das verdanken wir der exzellenten Forschungsarbeit am IOW in guter Zusammenarbeit mit den Hochschulen und anderen Forschungsinstituten. Die Landesregierung unterstützt diese Arbeit und legt hier einen Schwerpunkt in seiner Forschungspolitik“, hob Mecklenburg-Vorpommerns Wissenschaftsministerin Bettina Martin anlässlich der Spatenstichzeremonie hervor.

„Für den Erfolg der Forschungsarbeit am IOW sind eine hervorragende Ausstattung und moderne Rahmenbedingungen unerlässlich. Deshalb unterstützen wir gemeinsam mit dem Bund das IOW mit diesem Neubau. Diese Halle mit genügend Raum für das Sedimentkernlager ist unerlässlich für den Forschungsstandort und zahlt direkt auf die Arbeit der deutschen Forschungsflotte und der Deutschen Allianz Meeresforschung ein. Es freut mich sehr, dass auch die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag einen Schwerpunkt auf die Meeresforschung gelegt hat und sie voranbringen will. Dazu leistet Mecklenburg-Vorpommern gern seinen Beitrag“, so die Ministerin.

„Mit dem Neubau in Rostock-Marienehe schaffen wir nicht einfach nur Lagerfläche – wir schaffen Raum für die Zukunft exzellenter Meeresforschung“, zeigte sich auch MV-Finanzminister Dr. Heiko Geue überzeugt. „Die Kolleginnen und Kollegen vom Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamt Rostock aus dem Geschäftsbereich des Finanzministeriums begleiten das Projekt von der Planung bis zur Fertigstellung mit großer Sorgfalt und Fachkompetenz. Wichtig ist, dass auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach vorgesehen ist. So entsteht hier nicht nur ein funktionaler Technikhallenbau, sondern ein zukunftsweisendes Beispiel dafür, wie wir als Land Verantwortung für Forschung und Nachhaltigkeit gleichermaßen übernehmen“, so Dr. Geue weiter.

„Wir sind sehr froh darüber, dass Bund und Land die Mittel für die dringend benötigten zusätzlichen Kapazitäten zur Verfügung stellen“, betont IOW-Direktor Oliver Zielinski anlässlich des Baubeginns in Marienehe. „Die neue Halle schafft nicht nur Raum für eine umfangreichere Lagerung wertvoller Proben unter modernsten Bedingungen. Sie stärkt auch die logistische Infrastruktur im Heimathafen unserer Forschungsschiffe ‚Elisabeth Mann Borgese‘ und ‚Maria S. Merian‘ – ein wichtiger Schritt, von dem nicht nur das IOW profitiert, sondern auch alle unsere Forschungspartner“, so der Meeresphysiker.

Die Mittel in Höhe von ca. 2,44 Mio. EUR werden zu gleichen Teilen von Bund und Land getragen, vertreten durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern. Umgesetzt wird der Bau vom Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamt Rostock im Bereich des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern.

Sicher und sauber durch den Sommer

Blaue Flagge weht an Rostocks Stränden

Rostock – Es ist ein internationales Qualitätsmerkmal, welches jährlich vergeben wird und Gewissheit gibt: Überall dort, wo die Blaue Flagge weht, wird auf saubere Strände, eine hervorragende Wasserqualität und Sicherheit geachtet. In Warnemünde weht die Flagge nun zum 28. Mal, am Warnemünder Weststrand und in Markgrafenheide sogar schon zum 29. Mal.

„Jedes Jahr prüfen wir, wie wir die Aufenthaltsqualität weiter verbessern können. Diese Arbeit wird unter anderem durch die Blaue Flagge an unseren Stränden symbolisiert. 2025 steht für uns besonders die Badesicherheit im Fokus. Wir weisen mit neuen Beschilderungen noch deutlicher auf die Gefahren der Ostsee hin“, sagt Rostocks Tourismusdirektor Matthias Fromm.

Wichtiger Faktor für die Verleihung der Blauen Flagge ist auch die enge Zusammenarbeit mit dem Wasserrettungsdienst des DRK. „Die Ehrenamtlichen kennen die Ostsee sehr gut und ein entscheidender Teil ihrer Arbeit ist Aufklärung. Damit lässt sich ein Unglück oft schon präventiv verhindern. Wir stehen regelmäßig im engen Austausch, um gemeinsam Rostocks Strände sicherer zu machen“, sagt Fromm.

Neben der Wasserqualität und der Sicherheit ist Sauberkeit ein wichtiges Kriterium der Blauen Flagge. An den drei Fahnenmasten des DRK am Strand lassen sich auch die Messergebnisse zur Badewasserqualität sowie Hinweise zu Ordnung und Sauberkeit am Strand, einsehen. Täglich werden ca. 17 Kilometer Strand im Auftrag der Tourismuszentrale per Hand und maschinell gereinigt. Was sehr häufig gefunden wird? Zigarettenreste. Auch 2025 werden über die Tourist-Informationen und die Strandbewirtschafter im Rahmen der Aktion „Kein Plastik bei die Fische“ wieder kostenfrei 5000 Taschenaschenbecher verteilt. Zehn fest installierte Ostseeaschenbecher bieten zudem die Möglichkeit, diesen für das Biotop so giftigen Müll, zu entsorgen.

„Unter Surfern gibt es den Kodex ‚Take five‘. Jedes Mal, wenn man den Strand besucht, kann man fünf Dinge entsorgen, die man im Sand oder im Meer findet. Jeder kann einen Beitrag dafür leisten, dass unsere Strände sauber und sicher bleiben“, sagt Mila Zarkh, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde.

Munitionsbergung in der Ostsee

Backhaus besucht das IOW in Rostock

Rostock – Heute besucht der Minister für Klimaschutz und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW) in Rostock. Ziel ist der Austausch über aktuelle Herausforderungen im Ostseeraum und die wissenschaftliche Arbeit zum Schutz der Meeresumwelt.

Minister Backhaus möchte mit Institutsdirektor Professor Dr. Oliver Zielinski insbesondere zum Thema maritime Munitionsaltlasten ins Gespräch kommen. „Mit seiner modernen Forschungsinfrastruktur, zu der Forschungsschiffe, Labore und numerische Modellierungssysteme gehören, trägt das IOW maßgeblich zum nationalen und internationalen Wissensstand über Küstenmeere bei und liefert wissenschaftliche Grundlagen für einen nachhaltigen Umgang mit diesen wertvollen und zugleich gefährdeten Ökosystemen“, betonte Minister Backhaus.

Das IOW ist auch Teil verschiedener Forschungsprojekte rund um das Thema „Munition im Meer“. Beispielsweise forscht es zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung an einer KI-Auswertung, um von Mikroorganismen im Wasser auf die Existenz von TNT in der Wassersäule zu schließen. „Die Expertise des IOW ist entscheidend, um die Risiken durch maritime Altlasten zu verstehen und zu minimieren. Damit trägt das Institut wesentlich zur langfristigen Erhaltung des Ökosystems Ostsee bei“, betonte Backhaus.

In der Ostsee befinden sich laut Minister Backhaus schätzungsweise 300.000 Tonnen Altmunition, die dort seit über 80 Jahren korrodieren und eine große Gefahr für den Tourismus, die Schifffahrt, die Fischerei und die Umwelt darstellen. Da sich die Meerestemperaturen durch den Klimawandel erhöhen und die Nährstoffbelastung steigt, beschleunigt sich die Korrosion der Munition, was die Gefahr der Freisetzung schädlicher Substanzen erhöht. Die Dringlichkeit, geeignete Erkundungs- und Bergungsmaßnahmen zu entwickeln, wächst somit erheblich“, sagte der Minister.

Zur Bewältigung dieser gesamtstaatlichen Aufgabe hat der Bund 2022 das Sofortprogramm zur Bergung von Munitionsaltlasten aufgelegt. Neben dem Plan für den Bau und der Entwicklung einer industriellen und mobilen Berge- und Vernichtungseinheit, wurden bisher auch drei Pilotprojekte in der Lübecker Bucht durchgeführt. Ziel war der Erkenntnisgewinn wie weit die Technologie vorangeschritten ist, um Munitionsaltlasten bergen zu können und wo es Lücken oder Hemmnisse in Genehmigungsverfahren gibt. Aktuell wird eine vierte Pilotierung in der Mecklenburger Bucht vor Großklützhöved vorbereitet.

Die Errichtung eines Bundeskompetenzzentrums für die Bergung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee ist auch im aktuellen Koalitionsvertrag festgeschrieben.

In Mecklenburg-Vorpommern wird derzeit ein Kompetenzcluster „Munition im Meer“ aufgebaut. Dazu wurde ein interministeriales Lenkungsgremium unter Federführung des Umweltministeriums eingerichtet, unter dessen Leitung gestern eine Projektegruppe aus Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden aufgestellt und bestätigt wurde. Die Hauptaufgabe der Projektgruppe ist die Gründung des besagten Kompetenzclusters. Das Cluster soll sich mit dem Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, mit umweltfreundlichen Verfahren der Munitionsbergung und -vernichtung, Ausbildungsinitiativen, der Vereinheitlichung von Genehmigungsverfahren sowie dem Meeresumweltschutz beschäftigen. Das IOW ist Mitglied in dieser Projektgruppe.