Fangquoten für Dorsch und Hering

Schwerin – Die Einigung der EU-Fischereiminister auf niedrigere Fangquoten für die Ostsee stößt bei Mecklenburg-Vorpommerns Fischereiminister Dr. Till Backhaus auf Unverständnis.

„Ich hätte mir gewünscht, dass die EU endlich Alternativen zur Quotenregelung in den Blick nimmt. Die Ursache für die Lage der Bestände ist nicht etwa eine aktuelle Überfischung, sondern vielmehr eine Veränderung der natürlichen Bedingungen in der Ostsee, die auch durch Klimawandel bedingt sein können. Die Kommission selbst weist auf ihrer Internetseite für den Dorschbestand der östlichen Ostsee darauf hin, dass sich die natürliche Sterblichkeit etwa dreimal stärker auswirkt als die fischereiliche Sterblichkeit und es umfassendere und langfristigere Ansätze brauche. Die einzelnen Betriebe stehen jetzt vor schweren Entscheidungen, wie sie in die Zukunft gehen.“

Für die Kutter- und Küstenfischerei des Landes M-V werden 2020 ca. 1.000 Tonnen Hering und 240 Tonnen Dorsch zur Verfügung stehen. Die Heringsquote wurde damit in den Jahren 2018 bis 2020 um ca. 90 % reduziert, die Dorschquote verringert sich seit 2015 um ebenfalls ca. 90 %.

Backhaus geht davon aus, dass rund 100 Unternehmen von den Quotenkürzungen gravierend betroffen sein werden. „Da für die Auslastung der Häfen nicht mehr genügend Rohware zur Verfügung stehen dürfte, werden sowohl Genossenschaften als auch Erzeugerorganisationen über neue Strukturen befinden müssen“, sagte er weiter. Das Land könne bei dem Zusammenschluss von Erzeugerorganisationen finanzielle Hilfen gewähren.

In MV sind aktuell 226 aktive Haupterwerbsfischer registriert. Davon üben 166 Betriebe die Dorsch- und Heringsfischerei aus. Darüber hinaus werden erhebliche Mengen an Plattfischen, Barsch, Zander Aal, Hornfisch und andere Arten gefangen. Die Betriebe landen an 115 Fischereistandorten entlang der Ostseeküste ihre Fänge an. Im Jahr 2018 wurden für Fänge in Höhe von 13.000 Tonnen ca. 9,2 Mio. Euro erlöst.

„Ein Teil der Fänge wird über vier Erzeugerorganisationen vermarktet, ein erheblicher Anteil wird standortnah über die Direktvermarktung veräußert. Dieses schafft ein besonderes touristisches Flair“, betonte Backhaus. Im Ausbau der Direktvermarktung und eine stärkere Einbindung in die Fischgastronomie sehe er zudem eine echte Perspektive. Darüber hinaus seien Maßnahmen zur Diversifizierung notwendig, zum Beispiel die Schaffung von Ferienunterkünften oder die Durchführung von Gästefahrten. Das Landwirtschaftsministerium könne darauf ausgerichtete Investitionen mit bis zu 49 Prozent.

Darüber hinaus wird es laut Backhaus darum gehen, den Unternehmen auch im Jahr 2020 finanzielle Hilfen zur Verfügung zu stellen. So wurden in den Jahren 2017 und 2018 an 133 Unternehmen bei einer zeitweiligen Stilllegung der Herings- und Dorschfischerei Überbrückungsbeihilfen in Höhe von 2,63 Mio. EUR ausgereicht. Auch für 2019 sind ca. 2,3 Mio. EUR vorgesehen. Darüber hinaus muss für 2020 auch über die Gewährung von Abwrackhilfen befunden werden. Dazu bedarf es einer Änderung der EMFF-Verordnung. Der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer M-V schätzt ein, dass bereits im Jahr 2020 zehn bis 15 Betriebe die Fischerei einstellen werden.

Die Agrarminister der Länder haben den Bund Mitte September gebeten, für die deutsche Kutter- und Küstenfischerei baldmöglichst gemeinsam mit dem Fischereisektor und den Küstenländern ein tragfähiges Strukturkonzept zu entwickeln.

„Auch für die Betreiber geführter Angelfahrten stehen wieder schwierige Zeiten an. Zwar ist es gelungen, die von der Europäischen Kommission beabsichtigte Fangbegrenzung von 2 auf 5 Dorsche pro Angler und Tag abzumildern, die in den Monaten Februar und März nunmehr festgesetzte Fangbegrenzung von 2 Dorschen je Angler und Tag wird jedoch vor allem Angelkutterbetreiber erneut hart treffen“, sagte Minister Backhaus abschließend.

Ausbau des Ostseeküstenradweges

Mesekenhagen – Das Wirtschaftsministerium unterstützt den weiteren Ausbau des Ostseeküstenradweges im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe hat für den Bau des 1. Abschnitts im Amtsbereich Landhagen (Gemeinden Mesekenhagen, Neuenkirchen und Wackerow) am Freitag einen Zuwendungsbescheid übergeben.

„Ein gut ausgebautes Radwegenetz ist für das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern enorm wichtig. Hier wird konkret vor Ort ein Beitrag dafür geleistet. Eine weitere Lücke im Radwegenetz kann geschlossen werden. Unsere Region ist gekennzeichnet von einem großen Erholungs- und Naturerlebniswert. Wer neue Gäste gewinnen will, muss sich im Angebot fortwährend weiterentwickeln – auch Radwege zählen hierzu“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe am Freitag in Mesekenhagen.

Die Gesamtstrecke von ca. 6.300 Metern im Amtsbereich Landhagen wurde in vier Abschnitte unterteilt. Die geplante Anlage wird sowohl innerhalb als auch außerhalb der Ortslagen als Radverkehrsanlage, Fahrradstraße und im Mischverkehr nahezu parallel zur B 105 im Zweirichtungsverkehr geführt werden. Es entsteht größtenteils ein asphaltgebundener Radweg. Der Weg ist mindestens 2,5 Meter breit. „Die Region wird als Ganzes für Nutzer des Radweges noch besser erlebbar“, so Glawe weiter.

Das Land unterstützt den Ausbau des Radweges auf 6.300 Metern Länge mit rund drei Millionen Euro. Die Mittel stammen aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). Das Innenministerium beteiligt sich ebenfalls an der Investitionsmaßnahme. Über 304.000 Euro Kofinanzierungshilfe werden bereitgestellt. „Wir werden auch künftig in die touristische Infrastruktur investieren, um das Angebot für Einheimische und Gäste stetig weiter zu verbessern“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe abschließend.

Der Ostseeküstenradweg führt von Swinemünde entlang der deutschen Ostseeküste über Wolgast, Greifswald, Bergen, Stralsund, Barth, Zingst, Warnemünde, Lübeck, Fehmarn, Flensburg bis nach Dänemark. Er umfasst eine Länge von rund 798 Kilometern und gehört zu den beliebtesten deutschen Radfernwegen (laut ADFC Radreiseanalyse 2014) sowie zu den meistbefahrenen Radwegen in Deutschland.

In Mecklenburg-Vorpommern stehen neun Radfernwege mit etwa 2.300 Kilometern Länge sowie 21 Rundrouten zwischen 100 und 400 Kilometern Länge zur Verfügung. Insgesamt können die Radfahrer im Nordosten rund 5.100 Kilometer touristisch ausgeschilderte Radrouten und 1.900 Kilometer straßenbegleitende Radwege des überörtlichen Verkehrs nutzen.

Europäische Gesamtschule

Insel Usedom – Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph hat am Freitag das neue Schulgebäude der Europäischen Gesamtschule Insel Usedom auf dem Mehrgenerationencampus offiziell eröffnet.

„Das Generationenzentrum ist nun komplett. Mit Fertigstellung des Hauptgebäudes an der Europäischen Gesamtschule wurde ein bedeutender Mosaikstein in das beeindruckende Gesamtensemble eingefügt. Auch ich persönlich bin stolz auf die gemeinsame Leistung Vieler. Wir haben Jahre lang alle hart gearbeitet. Miteinander! Das zahlt sich jetzt aus. Ich sehe große Chancen, dass unsere Kleinen genauso wie die Schüler, Erzieher, Lehrer und unsere Senioren täglich miteinander in Kontakt treten, generationsübergreifend. Nicht trennen sondern verbinden, das war von Anbeginn unser aller Devise, und das war genau richtig“, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Dr. Stefan Rudolph vor Ort.

Die Schule gehört zum Generationenzentrum der Gemeinde Ostseebad Heringsdorf. Schule, Jugendclub, Seniorentreff, Kita, Krippe und Mensa bilden einen Gebäudekomplex mit gemeinsamen Freiflächen. Auf Grundlage des Architektenwettbewerbes wurde die Planung des Siegerentwurfes zu einem Mehrgenerationscampus im Ortsteil Ahlbeck schrittweise in die Umsetzung gebracht. Bereits realisiert wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise der Abbruch des alten Schulgebäudes, der Neubau einer Kita und die Sanierung des historischen Schulgebäudes.

Zwischen Kita, Bürgertreff und Schule ist eine fußläufige Verbindung entstanden als Zeichen der Verbindung einer aktiven sozialen Gemeinschaft. Der noch fehlende Projektbaustein des Mehrgenerationscampus war die Sanierung und Erweiterung des viergeschossigen Schulgebäudes in Plattenbauweise (aus den 1970er Jahren) am Standort Lindenstraße 112. Dazu wurde unter anderem der viergeschossige Plattenbau um eine Aula erweitert, ein Aufzug installiert, die Außenanlagen umgestaltet und eine neue Cafeteria errichtet.

„Für die Gemeinde Ostseebad Heringsdorf ist ein hochmoderner, innovativer und nachhaltiger Schulstandort entstanden, der Schülern und Lehrern optimale Bedingungen bietet. Die Investitionen sind hier gut angelegt, um den Kindern und Jugendlichen den besten schulischen Start ins Leben zu geben“, hob Rudolph hervor.

Wirtschaftsstaatssekretär Rudolph verwies auf weitere Vorhaben in der Region, die künftig umgesetzt werden. Die Volkssolidarität Greifswald-Ostvorpommern e.V., der Christliche Jugenddorf Deutschlands gemeinnütziger e.V.- Dienststelle Zinnowitz sowie die Stadt Swinemünde haben einen Fördervertrag für das Projekt „Drei Kitas – Zwei Sprachen- Ein Weg“ geschlossen.

Das zentrale Projektziel ist der Aufbau und Ausbau eines deutsch-polnischen Kooperationsprojektes von drei Kindertagesstätten an den Standorten Heringsdorf, Swinemünde und Zinnowitz mit bilingualer Ausrichtung. Damit soll im grenznahen Bereich eine frühe Mehrsprachigkeit bei den Jungen und Mädchen gefördert werden. Für das Projekt stehen insgesamt rund 3,3 Millionen Euro aus dem Kooperationsprogramm Interreg V A bereit. Die Gesamtkosten werden derzeit auf rund 7,2 Millionen Euro beziffert. Von dem Angebot sollen in den drei Kindertagesstätten 400 Kinder profitieren.

Zudem erfolgt ab dem Jahr 2020 im Zuge des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ der Ersatzneubau einer Sport- und Mehrzweckhalle für den Schul- und Kitasport mehrerer Schulen und Kindertagesstätten der Ortsgemeinde sowie von Nachbargemeinden der Seebäder Bansin und Ahlbeck. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Projekte den Bildungsstandort Insel Usedom weiter voranbringen“, sagte Rudolph.

Die Gesamtinvestitionen für das neue Schulgebäude betragen rund elf Millionen Euro. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Vorhaben aus Mitteln der Städtebauförderung in Höhe rund 3,6 Millionen Euro, Fördermitteln in Höhe von knapp 1,3 Millionen Euro gemäß der Richtlinie für die Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung (ILER M-V), Sonderbedarfsmitteln des Innenministeriums in Höhe von knapp 1,9 Millionen Euro, knapp 0,18 Millionen Euro aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative und etwa 0,17 Millionen Euro aus Strategiefondsmitteln des Landes. Der Eigenmittelanteil der Gemeinde Heringsdorf beläuft sich auf rund 3,88 Millionen Euro.

Die Europaschule ist eine weiterführende allgemeinbildende Schule, in der die Bildungsgänge der Regionalen Schule (ab Klasse 5) und des Gymnasiums (Klasse 11 und 12) vereinigt sind. Im laufenden Schuljahr gibt es vier 5. Klassen und vier 6. Klassen; insgesamt sind an der Schule 28 Klassen, die von 48 Lehrern unterrichtet werden. Die Schule verfügt über eine Aufnahmekapazität von bis zu 550 Schülern.

Backhaus: Dorschfangverbot bestraft die Falschen

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern Fischereiminister Dr. Till Backhaus zeigt sich empört vom Dorschfangverbot in Teilen der östlichen und westlichen Ostsee: „Es ist für mich unbegreiflich, warum man ausgerechnet jene bestraft, die am wenigsten für den Abwärtstrend bei der Entwicklung des östlichen Bestandes können. Die EU-Kommission selbst weist auf ihrer Internetseite darauf hin, dass sich die natürliche Sterblichkeit etwa dreimal stärker auswirkt als die fischereiliche Sterblichkeit und es umfassendere und langfristigere Ansätze brauche. Die Fischerei sei aber momentan die einzige Stellschraube an der gedreht werden könne. Den Mangel an sinnvollen Alternativen als Argument ins Feld zu führen, ist für mich nicht nachvollziehbar – insbesondere nicht, weil abzusehen war, dass sich die Bestandsstruktur weiter verschlechtern wird und andere Lösungen schon längst hätten vorbereitet werden können.“

Backhaus betonte die Bedeutung der Fischerei für das kulturelle Erbe und die wirtschaftliche Entwicklung der maritimen Standorte in Mecklenburg-Vorpommern: „Möwengeschrei und Kutter gehören für mich zu jedem Ostseebesuch dazu“, so der Minister.

Auch wenn in der westlichen Ostsee für die kleine Kutter- und Küstenfischerei weitreichende Ausnahmen von dem Dorschfangverbot eingeräumt wurden, so äußerte Minister Backhaus seine Enttäuschung darüber, dass sich die Bundesregierung gegenüber der EU nicht vehement genug für den Erhalt der traditionellen Kutter- und Küstenfischerei einsetzt. Es sei mehr als deutlich geworden, dass der 2016 in Kraft getretene Mehrjahresplan für Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee aus natürlichen Gründen nicht die erhofften positiven Effekte gebracht hat. „Wir brauchen Alternativen zur Quotenregelung. Insbesondere die Forschung zu den Ursachen und dem Umgang mit dem Klimawandel müssen verbessert werden. Die bisherigen wissenschaftlichen Systeme in diesem Bereich haben meiner Meinung nach versagt“, führte Minister Backhaus aus.

Nachdem es in den letzten Jahren bei dem für Mecklenburg-Vorpommern so wichtigen Dorschbestand der westlichen Ostsee bereits gravierende Fangeinschränkungen gegeben hat, treffe der Fangstopp für Dorsche aus der östlichen Ostsee treffe die kleine Hochsee- und Küstenfischerei in zusätzlichem Maße, sagte er weiter. Von den rund 1.400 Haupterwerbsfischern in 1989 seien schon heute nur noch 230 Unternehmen übrig. Dieser Strukturwandel würde sich unter den aktuellen Bedingungen weiter fortsetzen.

Um die Fischwirtschaft auch über schwierig Zeiten hinweg zu erhalten und die Entwicklung zukunftsfähiger Strategien zu unterstützen – zum im Bereich der regionalen Vermarktung –, hat das seit 1991 Fördermittel in Höhe von 253 Millionen Euro an die Fischwirtschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgereicht worden. Damit seien Investitionen in Höhe von 410 Millionen Euro ermöglicht worden.

Starke Blaualgen-Blüte in der zentralen Ostsee

Schwerin – Satelliten- und Luftbildaufnahmen von der Ostsee zeigen aktuell sehr großen Algenvorkommen in der zentralen Ostsee vor den Küsten Dänemarks und Schwedens, aber auch in abgeschwächter Form in der westlichen Ostsee zwischen der Kieler und der Pommerschen Bucht. Es handelt sich nach Erkenntnissen des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG) mit hoher Wahrscheinlichkeit um typische Blaualgen (Cyanobakterien) der Gattungen Nodularia, Aphanizomenon und Dolichospermum.

Diese Algen bilden in der zentralen Ostsee bei entsprechenden sommerlichen Wassertemperaturen ab 18°C Massenvorkommen, die sich bei ruhiger Wetterlage an der Wasseroberfläche anreichern können. Begünstigt werden diese Algenmassenentwicklungen durch die Wiederfreisetzung von Nährstoffen – insbesondere Phosphor – aus den Bodenablagerungen in den tiefen Becken der Ostsee. Dieses Phänomen wird durch den Sauerstoffmangel in großen Gebieten der zentralen Ostsee verstärkt.

Bei auflandigem nördlichen bis östlichen Winden besteht die Gefahr, dass die Algen auch die Küsten und Häfen an der deutschen Küste erreichen und diese durch absterbendes Pflanzenmaterial und Fäulnis-Prozesse verunreinigen. Alle drei Algengattungen sind potenziell toxisch, d.h. es besteht die Gefahr von Hautreizungen.

Die Betroffenheit der Küsten Mecklenburg-Vorpommerns von der diesjährigen Blaualgen-Blüte hängt somit von der weiteren Entwicklung der sommerlichen Witterungsverhältnisse in den kommenden Wochen ab.

Deutsche Allianz Meeresforschung

Schwerin – Seit heute sind die Unterschriften komplett: Mecklenburg-Vorpommern und die anderen norddeutschen Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Bund haben die Verwaltungsvereinbarung zur Gründung der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) unterzeichnet. Die Allianz soll der Forschung in den meereswissenschaftlichen Einrichtungen der beteiligten Bundesländer neuen Schub verleihen, indem sie u. a. die Aktivitäten der Institute koordiniert, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stärker vernetzt und sie mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von jährlich bis zu 25 Millionen Euro fördert.

Wissenschaftsministerin Bettina Martin, die die Unterschrift bereits im Vorfeld des heutigen Termins in Bonn geleistet hatte, begrüßte die Verwaltungsvereinbarung. „Die Unterzeichnung ist gleichzeitig der Startschuss für die Allianz. Für unser Land steckt in der Vereinbarung die riesige Chance, einen ohnehin schon starken Forschungsschwerpunkt zu einem echten Leuchtturm auszubauen. Ich setze darauf, dass wir uns gerade im Bereich der Küstenzonenforschung einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten können und auch international als Wissenschaftsstandort noch sichtbarer werden“, sagte sie.

Sie betonte, die Landesregierung handele damit auch im Sinne des Koalitionsvertrages, in dem es heißt: „Die Schwerpunktbildung in der Forschung wird in enger Abstimmung mit den außerhochschulischen Einrichtungen vorangetrieben, sodass ein leistungsfähiges Wissenschaftsnetz entsteht.“

„Wie leistungsfähig die maritime Wissenschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist, hängt nicht zuletzt an den Forscherinnen und Forschern, die hier arbeiten. Durch die Deutsche Allianz Meeresforschung werden wir ganz sicher auch im Rennen um die besten Köpfe einige Meter gewinnen“, so die Ministerin. „Diese Forschungsbereiche zu stärken, hat aber keineswegs nur den Zweck, Deutschland oder einzelne Bundesländer zu einem attraktiveren Standort zu machen. Vielmehr steckt hinter dieser Allianz auch die Hoffnung, in einer existenziellen Frage voranzukommen: der nach dem Umgang mit dem globalen Klimawandel. Wenn die vernetzte Forschung aus MV und den anderen Ländern mit ihren Ergebnissen dazu beitragen kann, für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu sorgen, dann hat die DAM viel erreicht.“

Die DAM soll vor allem vier Kernbereiche bearbeiten, um die Spitzenposition der deutschen Meeresforschung weiter auszubauen: Forschung, Koordinierung seegehender Infrastrukturen (Großgeräte, Instrumente), Datenmanagement und Transfer.

Die DAM wird als eingetragener Verein gegründet, dessen Mitglieder die Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Meeresforschung werden. Die Förderung ist zunächst bis zum Jahr 2025 befristet, und wird durch den Bund und die beteiligten Länder im Verhältnis 80:20 finanziert. In der Projektphase sind folgende Mittel vorgesehen:

Bewirtschaftung der Fischbestände

Schwerin – Am 29.05.2019 veröffentlichte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) seine wissenschaftlichen Empfehlungen für die im Jahr 2020 in der Ostsee zulässigen Gesamtfangmengen für die Fischarten Hering, Dorsch, Scholle, Lachs und Sprotte. Die für Mecklenburg-Vorpommern wichtige Fischerei auf den Heringsbestand der westlichen Ostsee und den Dorschbestand der östlichen Ostsee solle ausgesetzt werden. Für Dorsch in der westlichen Ostsee wird eine Verringerung um mindestens 53 % empfohlen. Bei Sprotte sollte sich die Fangmenge um 25 % verringern. Die zulässigen Fangmengen für Scholle sollten gegenüber dem Vorjahr um 5 % erhöht werden.

Damit sieht sich die Kutter- und Küstenfischerei erneut gravierenden Fangeinschränkungen bei der Dorsch- und der Heringsfischerei ausgesetzt. Die Heringsquote wurde in den Jahren 2018 und 2019 bereits um 68 % reduziert, die Dorschquote verringerte sich in den zurückliegenden fünf Jahren kontinuierlich um 71 %. Etwa die Hälfte der 228 Haupterwerbsbetriebe der Kutter- und Küstenfischerei unseres Landes ist wirtschaftlich gravierend von den vorgenannten Kürzungen ihrer Fangmöglichkeiten betroffen.

„Sofern die Vorschläge des ICES umgesetzt werden, ist in der Kutter- und Küstenfischerei des Landes mit erheblichen und spontanen strukturellen Veränderungen zu rechnen, die sich regional auch auf den Tourismus nachteilig auswirken“, so Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt.

Der ICES sieht als Ursache für den Rückgang der Bestände der westlichen Ostsee insbesondere eine naturbedingt schlechte Nachwuchsproduktion. „Die bisherige Annahme, dass sich die Bestände mit der Anwendung des im Jahr 2016 in Kraft getretenen Mehrjahresplanes für Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee (MAP) zügig positiv entwickeln werden, hat sich somit nicht bestätigt“, so der Minister.

Dieses ist auch darauf zurückzuführen, dass der Mehrjahresplan offensichtlich keine ausreichenden Vorgaben für die Erholung von Beständen enthält, die unerwartet durch Veränderungen der Umweltbedingungen in den kritischen Bereich geraten. Minister Backhaus verweist darauf, dass der umweltbedingt schlechten Nachwuchsproduktion des Dorsch- und Heringsbestandes der westlichen Ostsee durch die Entwicklung eines langfristigen Erholungsplanes mit wirtschaftlich vertretbaren jährlichen Quotenschwankungen Rechnung getragen werden müsse. Dabei sind auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse des Thünen-Instituts für Ostseefischerei zu berücksichtigen, die zur Feststellung einer reduzierten Produktivität des Heringsbestandes der westlichen Ostsee führen dürften.

Nach Auffassung des Ministers ist es an der Zeit, dass außerdem bei der Bewirtschaftung der Dorschbestände den Besonderheiten der kleinen Kutter- und Küsten­fischerei, die mit ihren hoch selektiven Fanggeräten küstennah agiert und eine größere Jahrgangsbreite gezielt schont, mehr Rechnung getragen wird. „Hier sind Sonderregelungen denkbar“, so Minister Backhaus.

Auf dem Weg dorthin dürfen traditionelle und touristisch wichtige Fischereiregionen jedoch nicht ganz auf der Strecke bleiben. Aus diesem Grund wird das Land Mecklenburg-Vorpom­mern diesen Prozess weiterhin auch finanziell begleiten. So wurden in den Jahren 2017 und 2018 an 133 Unter­nehmen bei einer zeitweiligen Stilllegung der Herings- und Dorschfischerei Überbrückungsbeihilfen in Höhe von 2,63 Mio. EUR ausgereicht. Auch für 2019 sind ca. 2,3 Mio. EUR vorgesehen. Darüber hinaus hat das Land Mecklenburg-Vorpommern bei der Europäischen Kommission eine Anpassung des Operationellen Programms zur Ausrichtung des Fischereisektors beantragt, die auch über das Jahr 2019 hinaus die Gewährung finanzieller Hilfen ermöglichen wird. „Mit einer Genehmigung ist im dritten Quartal dieses Jahres zu rechnen“, sagte Backhaus.

Für die Freizeitfischerei auf Dorsch empfiehlt Minister Backhaus, die Regelungen des Jahres 2019 beizube­halten, da in diesem Jahr die Quotenerhöhung für die Berufsfischerei nicht vollständig auf die Freizeitfischerei umgelegt wurde.

Backhaus: Meeresschutz geht alle an

Schwerin – Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern nimmt den Schutz der Ostsee sehr ernst. So hat das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt vor wenigen Tagen den Vorsitz der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Nord- und Ostsee für zwei Jahre übernommen. „Wir werden diese Zeit nutzen, um den Meeresschutz weiter voranzubringen“, sagte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt.

Für einen effektiven Meeresschutz müssen die Umsetzungen der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, Wasserrahmenrichtlinie, FFH-Richtlinie und Vogelschutz­richtlinie besser miteinander verzahnt und die Kohärenz mit den Maßnahmen anderer Ostseeanrainerstaaten und der Helsinki-Kommission verbessert werden.

Die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie gibt zahlreiche Maßnahmen von der Produktgestaltung, über die kommunalen Vorgaben zur Plastikmüllvermeidung sowie der Umweltbildung, bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit zur Vermeidung des Mülleintrags vor. Derzeit wird eine Handlungsempfehlung für Touristiker und Kommunen erarbeitet. „Ich freue mich, dass bereits einige Kommunen aktiv geworden sind und beispielsweise Parchim auf dem Martinimarkt ab diesem Jahr oder auch Rostock bereits zum letzten Weihnachtsmarkt auf Kunststoff-Einweggeschirr verzichten“, lobte Backhaus.

Des Weiteren laufen seit langem Aufklärungsarbeiten seitens der Landesregierung. „Es gibt eine Broschüre, Flyer, eine Website und Landesaktionstage zum Thema Meeresmüll. Außerdem werden verschiedenste Schulprojekte durchgeführt“, erklärte Dr. Backhaus.

„Meeresschutz beginnt bei jedem einzelnen von uns. Wichtig ist, dass wir unser Konsumverhalten auf den Prüfstand stellen. Wir sollten auf Kunststoff verzichten, wo er unnötig ist, z.B. unverpackte Ware kaufen, aber auch sorgfältiger mit Kunststoffen umgehen, wie z. B. Mehrwegprodukte oder Pfandsysteme zu nutzen“, appellierte der Minister im Landtag.

In Mecklenburg-Vorpommern werden ca. 64 Müllteile/100 m Strand mit großen lokalen Unterschieden im Rahmen des Spülsaummonitorings gefunden. Sind es auf Hiddensee gerade mal 15 Müllteile/100 m Strand, sind es in Mukran fast 300 Müllteile/100 m Strand.

Land schließt Planungen für den Inselhafen Prerow ab

Prerow – Das Land Mecklenburg-Vorpommers hat die Planungen für den Inselhafen Prerow, die neue Seebrücke und den Fahrgastschiffanleger nahezu abgeschlossen. Nun soll das Genehmigungsverfahren für das Vorhaben beginnen. Heute stellte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus die Planungen in der Gemeinde Ostseebad Prerow vor.

„Es ist nun schon meine fünfte öffentliche Informationsveranstaltung hier in Prerow und ich freue mich, dass die Anforderungen der Nutzer und der Gemeinde in den Planungen so gut berücksichtigt werden konnten. Das ist auch ein Ergebnis eines umfassenden Beteiligungsprozesses noch vor Beginn der Planungen sowie vor Beginn des nun anstehenden Genehmigungsverfahrens und insofern beispielhaft“, so Minister Backhaus.

Auf der Veranstaltung wurde die neue breite Seebrücke mit mehreren Aufenthaltsbereichen, der Fahrgastschiffanleger und der geplante Inselhafen mit Liegeplätzen für den Seenot­rettungskreuzer, örtliche Fischer und schutzsuchende Sportboote vorgestellt. Insgesamt wird der Inselhafen neben den Liegeplätzen für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Platz für 44 Boote und einen Notliegeplatz für größere Schiffe bieten.

Besonderes Interesse der Prerower Bürger bestand an dem Funktionsgebäude, von dessen Dachterrasse aus attraktive Aussichten auf die Küste und den Hafen möglich sein werden sowie an dem geplanten Fahrgastschiffanleger. Der höhenverstellbare Anleger soll in den Wintermonaten in eine Warteposition weit über dem Wasser gefahren werden, um das Risiko einer erneuten Beschädigung des Anlegers deutlich zu verringern.

Inselhafen, Seebrücke und Fahrgastschiff-Anleger werden in das Eigentum des Landes MV übernommen, das diese Bauwerke auch betreiben und unterhalten wird. Geplant sei aber eine angemessene Beteiligung der Gemeinde Prerow an den Betriebs- und Unterhaltungs­kosten der Seebrücke über ein jährliches Nutzungsentgeld, so der Minister.

Teil der Planungen ist auch der Rückbau des Nothafens in der Kernzone des Nationalparks und die Renaturierung des Ottosees. Diese Renaturierung bildet auch den naturschutzrecht­lich erforderlichen Ausgleich für den Neubau des Inselhafens und der Seebrücke. Somit enden dann in absehbarer Zeit – wie im Nationalparkplan vorgesehen – auch die umstrittenen Baggerungen und der Betrieb des Nothafens in der sensiblen und naturschutzrechtlich geschützten Kernzone des Nationalparks.

Nun strebt das Land die Genehmigung des Vorhabens an. Das Genehmigungsverfahren – in diesem Fall ein Planfeststellungsverfahren soll in diesem Frühjahr beginnen und im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein. In diesem Verfahren wird es nochmals eine Beteiligung der Gemeinde und der Öffentlichkeit zu den Planungsinhalten geben. Die Pläne und Erläuterungen zum Vorhaben werden öffentlich ausgelegt.

Der Baubeginn ist Ende 2020 vorgesehen. Eine erste Teilinbetriebnahme, d.h. der Umzug des Seenotrettungskreuzers und der Fischer, ist für Herbst 2021 vorgesehen. Danach soll der Nothafen am Darßer Ort zurückgebaut und der Ottosee renaturiert werden.

„Unser Ziel ist es, dass Seebrücke, Inselhafen, Funktionsgebäude und Fahrgastschiffanleger zur Saison 2022 vollständig fertiggestellt sind und das Vorhaben dann neue Impulse für die weitere touristische Entwicklung Prerows setzen wird“, sagte Minister Backhaus, der das Vorhaben seit vielen Jahren vorantreibt.

MV übernimmt Vorsitz bei der Zusammenarbeit zum Meeresschutz

Schwerin – Das Land Mecklenburg-Vorpommern übernimmt am 1. April 2019 für zwei Jahre den Vorsitz in der Arbeitsgemeinschaft des Bundes und der Küstenländer zum Schutz der Nord- und Ostsee (BLANO).

„Nur gemeinsam und in enger Kooperation mit den anderen Anrainerstaaten der Meeresregionen werden wir diese Generationenaufgabe bewältigen. Als besonders wichtig sehe ich es an, die Kräfte zu bündeln und die verschiedenen Aktivitäten sinnvoll zu verteilen und somit Doppelarbeiten zu vermeiden“, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Während der Vorsitzzeit Mecklenburg-Vorpommerns soll das gemeinsame deutsche Programm des Bundes und der Küstenländer zur Umwelt-Überwachung von Nord- und Ostsee aktualisiert und der EU-Kommission gemeldet werden. Darüber hinaus soll das Maßnahmenprogramm aus der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) überarbeitet werden.

„Das politische Ziel der MSRL, die Meeresgewässer bis zum Jahr 2020 wieder in einen guten Zustand zu versetzen, wird insbesondere für ein Gewässer wie der Ostsee nicht so schnell zu erreichen sein. Die Ostsee braucht aufgrund seines Binnenmeer- und Beckencharakters für einen kompletten Wasseraustausch mehr als 30 Jahre. Damit sind die Belastungen mit Nähr- und Schadstoffen aus den vergangen Jahrzehnten mit dem Beginn des Maßnahmenprogramms vor drei Jahren natürlich noch lange nicht zurückgefahren. Die Umweltziele stellen den Weg dar, den wir jetzt konsequent Schritt für Schritt weitergehen müssen und wollen“, so Backhaus.

„Es sind aber nicht nur die großen Dinge wie die internationale Berufsschifffahrt und die europäischen Agrar- und Fischereipolitiken, die auf dem Prüfstand stehen und umweltgerechter gestaltet werden müssen. Meeresschutz fängt im Binnenland bei jedem einzelnen Bürger an. Wir arbeiten hart daran, dass weniger Düngemittel und Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft in die Gewässer gelangen. Jeder Einzelne sollte dieses aber auch in seinem eigenen Garten beherzigen“, sagte er weiter. Die Nährstoffeinträge des Landes Mecklenburg-Vorpommerns in die Ostsee beliefen sich derzeit auf rund 290 Tonnen Phosphor und rund 10.000 Tonnen Stickstoff pro Jahr (mehrjähriges Mittel).

„Auch Medikamentenreste gehören nicht in die Toilette, sondern höchstens in den Restmüll, sollten aber wenn möglich zurück in die Apotheke gegeben werden“, unterstrich Minister Backhaus. Schon bei der Produktauswahl könnten Konsumenten Plastik-Abfälle, reduzieren, indem sie sich für Produkte mit geringem Verpackungsanteil entscheiden.

Der Großteil des Mülls an und in der gesamten deutschen Ostsee besteht aus Plastik. Der meiste Meeresmüll (70 Prozent) stammt von Land. Strandmüll besteht neben den größeren Fundstücken zu 30 Prozent aus kleinen Plastikfragmenten, wie Kunststoffbruchstücke und -folienfetzen. Allein 9 Prozent des Strandmülls sind Zigarettenstummel. Es folgen Plastikdeckel und-verschlüsse, zum Beispiel von Getränkeflaschen mit ca. 6,4 Prozent. Das hat das seit 2012 laufende Spülsaum-Monitoring des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) ergeben.

„Der Müll ist nicht nur eine Gefahr für Seevögel, Fische und andere Meerestiere, die eines qualvollen Todes sterben, wenn sie Plastikteile mit ihrer natürlichen Nahrung verwechseln oder sich im Müll verheddern. Reichert sich die Ostsee mit Mikroplastik an und wird von Meeresorganismen aufgenommen, so gelangt es darüber auch in die menschliche Nahrungskette. Hinzu kommen Schäden an der Fischereiausrüstung oder Schiffen, hohe Kosten für die Strandreinigung und das optische Ärgernis“, betonte Backhaus.

Hintergrund

Die BLANO hat die Aufgabe, die internationalen und europäischen Anforderungen an den Schutz der deutschen Nord- und Ostseegewässer gemeinsam und ambitioniert voranzutreiben und umzusetzen. Dabei steht die Erreichung der Umweltziele nach der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) an oberster Stelle. Diese Arbeiten müssen eng mit den Aktivitäten anderer EU-Richtlinien (Wasserrahmen-Richtlinie, Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, Vogelschutzrichtlinie), den Arbeiten unter dem Helsinki-Übereinkommen zum Schutz der Ostsee (HELCOM) und dem Oslo-Paris-Übereinkommen (OSPAR) abgestimmt werden.

Ostseeaktivitäten der Landesregierung MV

Intelligente Spezialisierungen begünstigen Standortpolitik

Schwerin – Die Landesregierung nimmt jährlich gegenüber dem Landtag Stellung zu ihren Ostseeaktivitäten. Das Land fördert durch zahlreiche Mechanismen Innovationen im Bereich Forschung und Entwicklung. Intelligente Spezialisierungen können zu einer dynamischen Entwicklung des Ostseeraumes beitragen.

Mecklenburg-Vorpommern übernimmt hier eine sehr aktive Rolle. Lösungen und Ideen aus dem Land können demnach eine Strahlkraft in den gesamten Ostseeraum entfalten. Eng damit verknüpft ist die Weiterentwicklung innovativer Digitalisierungsansätze für die Wirtschaft sowie für die Aus- und Weiterbildung. Aktuelle Digitalisierungsvorhaben im Schul- und Berufsschulbereich können hier beispielgebend sein. Grundvoraussetzung dafür ist aber weiterhin ein Vorankommen beim flächendeckenden Breitbandausbau, damit alle Regionen im Land die Möglichkeiten haben, die Digitalisierung zu nutzen.

Im Bereich Migration und Integration engagiert sich Mecklenburg-Vorpommern weiterhin, um dem anhaltenden Migrationsdruck begegnen zu können.

Ein ständiges Ziel aller Ostseeanrainerstaaten ist ein guter und sauberer Zustand der Ostsee, der nur durch gemeinsame Strategien der Ostseeanrainer zu erreichen ist. Mecklenburg-Vorpommern hat bereits den EU-weit gültigen Stand der Technik bei der Abwasserbehandlung beziehungsweise übertrifft ihn sogar. Des Weiteren können alle Schiffe im Land ihre Abfälle in entsprechende Auffanganlagen einbringen. Die Kosten dafür sind schon mit der Hafenliegegebühr abgegolten. Dieses sogenannte No-Special-Fee-System ist wichtig, um den Schiffen keinen Anreiz für eine illegale Entsorgung zu geben. Auch in der Bekämpfung von Meeresmüll ist unser Bundesland sehr aktiv. Das Aufkommen von Meeresmüll an den Stränden wird regelmäßig nach einheitlichen Vorgaben erfasst und ausgewertet. In Projekten und auf Veranstaltungen wird auf das Thema Meeresmüll aufmerksam gemacht.

„Die Ostseeregion ist heute eine der am stärksten entwickelten Regionen Europas, dies sollten wir Ostseeanrainerstaaten als Chance nutzen. Deshalb ist es für uns auch künftig eine Verpflichtung, die ökonomischen, sozialen, kulturellen und touristischen Entwicklungen in unserer Nachbarschaft zu fördern. Schon die aufgeführten Beispiele zeigen, wie vielfältig die Ostseezusammenarbeit ist, denn die Herausforderungen können wir nur gemeinsam mit den Nachbarstaaten meistern. Mit dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine hervorragende Zusammenarbeit und das Land wird auch weiterhin ein verlässlicher und aktiver Partner in der Region sein“, resümiert Lorenz Caffier.

Die Stellungnahmen der Landesregierung zur Umsetzung der Resolutionen des 16. Parlamentsforums Südliche Ostsee und der 27. Ostseeparlamentarierkonferenz werden nach der Beschlussfassung im Kabinett am 26.03.2019 dem Landtag übersandt.

Estland-Besuch: Greifswald und Tartu vernetzen Gründerszene

Tartu – Am dritten und letzten Tag ihres Estland-Besuchs war die Delegation aus Mecklenburg-Vorpommern mit Digitalisierungsminister Christian Pegel an der Spitze in Tartu. Die Hansestadt verbindet eine Städtefreundschaft mit Greifswald. Die Universitäten beider Städte zählen zu den ältesten des Ostseeraums.

Im Rathaus von Tartu haben die Oberbürgermeister von Greifswald und Tartu eine Absichtserklärung zur künftigen engeren Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Witeno GmbH aus Greifswald, der Wissenschaftspark Tartu und der Biotechnologiepark Tartu fördern in diesem Zusammenhang den Austausch von Start-ups beider Regionen. Bereits im November werden junge estnische Gründer zum Digitalisierungsfestival nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. Im Januar folgt der Gegenbesuch beim „Start-up-Day“ in Tartu.

„Tartu bezeichnet sich selbst als die ‚sTARTUp-City‘ Estlands. Vernetzt und digital wird dort das neue Gründer- und Unternehmertum gelebt“, sagt Christian Pegel. Auch für ein innovatives digitales Mecklenburg-Vorpommern sei die intensive Vernetzung mit dem Ostseeraum wichtig. „Mit der heutigen Unterzeichnung der Absichtserklärung wollen wir den Austausch der jungen Gründerszene fördern und nehmen gleichzeitig spannende Impulse mit zurück nach M-V“, sagte er weiter.

„Ich freue mich auf die künftige Zusammenarbeit mit Greifswald, um den innovativen Ostseeraum über seine Grenzen hinaus bekannt zu machen“, so Tartus Oberbürgermeister Urmas Klaas. Sein Greifswalder Amtskollege Dr. Stefan Fassbinder sagte: „Die wirtschaftliche Entwicklung von Greifswald profitiert von den Potenzialen der Universität und ihrer Ausgründungen. Ich bin davon überzeugt, dass die internationale Zusammenarbeit uns alle weiterbringt. Aus diesem Grund haben wir heute diese Vereinbarung unterzeichnet.“ Weiter sagte der Greifswalder OB: „Wir haben verabredet, dass die Innovationszentren in einen engeren Austausch miteinander treten. Begegnungen von Start-ups sollen gefördert werden. Dafür haben wir heute zwei konkrete Termine ausgemacht.“

Wolfgang Blank, Geschäftsführer des Greifswalder Wissenschafts + Technologieparks Witeno sagte: „Ähnlich wie in Greifswald gründen sich die meisten Start-ups in Tartu im Umfeld der Universität. Wir wollen von den langjährigen Erfahrungen Tartus lernen und ein wenig Gründergeist vom führenden Start-up-Land Europas mit nach Hause nehmen.“

„Beeindruckend war die Leichtigkeit, mit der die Esten an das Thema Digitalisierung herangehen. Viele meiner Gesprächspartner haben erwähnt, dass die Umsetzung einer digitalen Gesellschaft keine Frage der Technik ist, sondern ein Umdenken in der Gesellschaft erfordert. Es gilt, diese Herangehensweise der Esten mitzunehmen und auf unser Land zu übertragen“, zog Prof. Lars Kaderali, Leiter des Institutes für Bioinformatik in Greifswald, ein Fazit der Reise nach Estland.

Zweite Sturmflut in 2019 – Backhaus warnt vor Steilküstenabbrüchen

Schwerin – „Auch von der zweiten Sturmflut diesen Jahres geht keine Gefahr für die durch die Küstenschutzanlagen gesicherten Ortschaften des Landes aus“, betonte der zuständige Minister Dr. Till Backhaus heute in Rostock-Warnemünde, wo er sich von der Situation vor Ort ein Bild machte.

„Die Dünenabtragungen der Sturmflut vom 2. Januar haben den Strand und Vorstrandbereich mit Sand aufgefüllt. Dadurch wird die Energie der auf den Strand laufenden Wellen bereits vor Erreichen des Dünenfußes abgebaut. Da zudem die Wasserstände geringer sind, wird es höchsten lokal zu weiteren geringen Dünenabtragungen kommen. An den Steilufern sind erneute Abbrüche möglich. Von Sparziergängen in diesen sensiblen Bereichen rate ich daher dringend ab“, sagte er weiter.

Nach aktueller Einschätzung werden die Höchstwasserstände etwa 50 cm niedriger ausfallen als bei der Sturmflut am 2. Januar. In Wismar steht der Pegel derzeit bei 135 cm, in Warnemünde 110 cm und in Greifswald 100 cm über Mittelwasser. Sie liegen damit in der Größenordnung der Sturmflutvorhersage des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrologie Momentan stagnieren oder fallen die Wasserstände. Die Sperrwerke in den Hochwasserschutzanlagen sind geschlossen.

Durch die bisherigen zwei Sturmfluten in 2019 sind an allen Küstenabschnitten Dünenausräumungen und Steiluferrückgänge zu verzeichnen. „Insgesamt kann aber eingeschätzt werden, dass die Rückgänge nicht die Werte der Sturmflut von 2017 erreicht haben, obwohl die eingetretenen Wasserstände, deren Dauer und die Seegangsbelastung etwa gleich waren. Das dürfte insbesondere daran liegen, dass der bei der Sturmflut 2017 aus den Dünen und Steilufern umgelagerte Sand noch in erheblicher Größenordnung im ufernahen Bereich vorhanden war und dadurch die Belastung reduziert wurde“, erklärte Minister Backhaus.

Die größten Rückgänge an den von den Mitarbeitern der Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt kontrollierten Landesküstenschutzdünen seien an den Dünen in Schwarzer Busch auf Poel, in Rerik, in Ahrenshoop, Prerow, Göhren und Lubmin festgestellt worden. „Die Ausräumungen betragen lokal bis zu 8 Metern. Damit verbunden sind Dünenkliffs von bis zu 4 Metern Höhe. Die Ämter werden die Kliffs mit mehr als 2 Metern Höhe an den Landesküstenschutzdünen zur Gefahrenabwehr abböschen“, so Minister Backhaus.

Dünenabschnitte mit starkem Abtrag würden vermessen (Schwarzer Busch, Rerik, Börgerende, Hohe Düne, Markgrafenheide, Graal-Müritz, Neuhaus, Dierhagen bis Wustrow, Ahrenshoop (Westdarß), Lubmin, Göhren, Koserow, Stubbenfelde/Kölpinsee). Aufgrund der insgesamt geringeren Umlagerungen sei eine Laserscanbefliegung, wie nach der Sturmflut 2017 erfolgt, diesmal aber nicht angezeigt.

Sinn der Vermessungen sei es festzustellen, ob die Dünen noch einen Verschleißteil aufweisen oder dieser bereits vollständig umgelagert ist. „Die Dünen werden extra mit diesem Verschleißteil gebaut, damit sie bei Sturmfluten Sand in den Strand und Vorstrandbereich abgeben können. So wird den Wellen während der Sturmflut die Kraft genommen und anschließend steht der Sand zur Speisung des küstenparallelen Sedimenttransportes bereit. Anderenfalls würde der Strand schmaler und der Vorstrand tiefer und bei der nächsten Sturmflut kämen größere Wellen bis zu den Dünen und könnten diese durchbrechen“, erklärte der Minister das Funktionsprinzip.

Insgesamt beträgt das Sedimentdefizit an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns ca. 500 000 Kubikmeter pro Jahr. Diese Menge muss der Küste regelmäßig durch Aufspülungen künstlich zugeführt werden.

Sturmflut knabberte teilweise erheblich an den Küstenschutzdünen

Schwerin – Im Ergebnis der gestrigen Sturmflut, die hinsichtlich Stärke und Folgen mit den Sturmfluten von 1995 und 2017 vergleichbar ist, ist es an fast allen Dünen an der Landesküste Mecklenburg-Vorpommerns zu Abtragungen gekommen. Teilweise haben die Dünen bis zu zehn Meter an Breite verloren. Nach erster Inaugenscheinnahme durch die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt konnten Dünenabschnitte mit akutem Handlungsbedarf noch nicht festgestellt werden.

Vielerorts entstanden Dünenkliffs mit örtlich bis zu fünf Meter Höhe. „Ich warne ausdrücklich davor, diese Strandabschnitte sowie die Steilküsten zu betreten“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus. „Diese sind sehr instabil. Die Staatlichen Ämter für Landwirtschaft und Umwelt werden unverzüglich mit der Abböschung der Dünen beginnen. Es wird aber mehrere Tage dauern, bis die Gefahrenstellen beseitigt sind.“

Ebenso werden die StÄLU nach Rückgang des Wassers die Küstenschutzdünen dahingehend prüfen, ob eine fundiertere Bewertung mittels genauerer Vermessungen notwendig sein könnte. Alle Landesküstenschutzdünen werden mit einem sogenannten Verschleißteil gebaut. Dieser wird benötigt, damit die Dünen der so genannten Bemessungsflut widerstehen können. Er kompensiert die Sedimentverluste des Küstenrückgangs. Wenn er vollständig aufgezehrt ist, besteht akuter Aufspülbedarf. Aktuell wird aber davon ausgegangen, dass bei keiner Landesküstenschutzdüne besagter Verschleißteil bereits vollständig aufgebraucht ist.

Landesküstenschutzdünen sind nur diejenigen Dünen, die vom Land zum Schutz der im Zusammenhang bebauten Gebiete vor Überflutung oder Küstenrückgang unterhalten werden. Andere Küstenabschnitte werden der Natur überlassen. So wurde bei Markgreifenheide die Düne Rosenort vor dem Heiligen See nach der Fertigstellung der Eindeichung von Markgrafenheide im Jahre 2006 aus dem Bestand der Landesküstenschutzdünen genommen. Während der Sturmflut wurde sie jetzt auf ca. 100 Meter überspült. Damit ist erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Salzwassereinstrom in den Heiligen See erfolgt.

Stralsunder Unternehmen ausgezeichnet

Stralsund – Das Stralsunder Unternehmen Ostseestaal erhält in diesem Jahr den Europäischen Solarpreis in der Kategorie „Transport und Mobilität“. Die europäische Vereinigung für erneuerbare Energien Eurosolar prämiert das Unternehmen damit für die Entwicklung und den Bau der Elektro-Solar-Autobinnenfähre „Sankta Maria II“. Die Fähre verkehrt aktuell auf der Mosel zwischen Deutschland und Luxemburg und kann bis zu sechs Personenwagen und 45 Passagiere an Bord nehmen.

Landesenergieminister Christian Pegel gratuliert herzlich zur Auszeichnung: „Die Verleihung des Europäischen Solarpreis belohnt das lange Engagement des Unternehmens, die erneuerbaren Energien in der Berufsschifffahrt zu etablieren. Der rundum emissionsfreie Antrieb der Fähre auch mit Stromgewinnung über Solarmodule ist wegweisend für die Schifffahrt. Ostseestaal stellt so einmal mehr unter Beweis, dass Innovationen made in M-V das Zeug dazu haben, den bundes-, europa- und weltweiten Markt zu erobern und gar zum Technologieführer zu avancieren.“

Eurosolar wurde 1988 gegründet, um die Etablierung der erneuerbaren Energien in Wirtschaft und Gesellschaft zu unterstützen. Seit 1994 zeichnet sie Akteure, die die Energiewende in Europa aktiv voranbringen, mit dem Europäischen Solarpreis aus. Insgesamt gibt es neun Preiskategorien sowie die Solarpreis-Plakette für außerordentliche bauliche Leistungen im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Die Preisverleihung 2018 findet am 17. November in Bonn statt.