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Kategorie: Ostseeregion

Schwesig: Unsere Ostsee muss sauber bleiben

Schwerin – Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat sich heute erfreut darüber gezeigt, dass das Bundesumweltministerium die Entscheidung für den Bau einer mobilen Entsorgungsplattform getroffen hat. Mit Hilfe der Plattform soll voraussichtlich ab Ende 2028 Altmunition aus der Ostsee geborgen werden.

„Wir in Mecklenburg-Vorpommern lieben unsere Ostsee. Fast jede und jeder von uns fährt gerne an den Ostseestrand. Und die Ostseeküste ist auch Grundlage für unseren Erfolg als Tourismusland. Die Ostsee muss sauber bleiben. Die giftige Altmunition aus zwei Weltkriegen ist eine Gefahr für unsere Umwelt und für die Menschen. Ich bin deshalb sehr dankbar, dass Bundesumweltminister Schneider einen klaren Schwerpunkt auf die Bergung der oft giftigen Altmunition setzt.

Die Entscheidung zum Aufbau des Bundeskompetenzzentrums Altmunition war ein erster wichtiger Schritt. Jetzt kommt der Bau der Plattform hinzu. Sie ist Voraussetzung, dass auch in größeren Mengen Altmunition aus der Ostsee geholt werden kann. Dafür haben wir uns als Landesregierung eingesetzt. Das ist eine wichtige Entscheidung zum Schutz der Umwelt – und dafür, dass wir auch in Zukunft gerne an die Ostsee fahren.“

30 Jahre Kläranlage Rostock

Vom Hot Spot der Ostseebelastung zu einer der leistungsfähigsten Kläranlagen Deutschlands

Rostock – Die Kläranlage Rostock feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Klimaschutz- und Umweltminister Dr. Till Backhaus gratuliert und erläutert, die Bedeutung des Jubiläums:

„Wenn wir heute 30 Jahre Kläranlage Rostock feiern, dann feiern wir weit mehr als Betonbecken, Pumpen, Leitungen und tech­nische Anlagen. Wir feiern 30 Jahre verlässliche Daseinsvorsorge.

Allein im Verbandsgebiet werden die Abwässer von rund 264.000 Einwohnern sowie von Gewerbe, Industrie und öffentlichen Einrichtungen entsorgt. Dafür braucht es 360 Abwasser­pumpwerke, 15 Kläranlagen und mehr als 1.600 Kilometer Kanalnetz. Auf der anderen Seite werden rund 274.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt. Dafür stehen 11 Wasser­werke, 42 Brunnen und 1.415 Kilometer Trinkwasser­leitungen bereit.

Der Anschlussgrad liegt bei 99,9 Prozent“, so Backhaus, der ergänzt: Im Alltag bleibt diese Infrastruktur weitgehend unsichtbar. Und vielleicht ist gerade das ihr größter Erfolg: Sie funktioniert. Jeden Tag. Rund um die Uhr. Wasserver- und Abwasserentsorgung gehören zur elementaren Daseinsvorsorge. Sie sind Grundlage für Gesundheit und Hygiene, für wirtschaftliche Entwicklung und für den Schutz unserer Gewässer.“

Wie groß der Fortschritt dabei in Rostock gewesen sei, zeige der Blick zurück, führt der Minister aus: „Vor 1996 verfügte die damalige Kläranlage im Wesentlichen lediglich über eine mechanische Abwasserbehandlung. Eine biologische Reinigung und eine gezielte Nährstoffentfernung gab es nicht. Stickstoff und Phosphor gelangten deshalb zu großen Teilen über die Unterwarnow in die Ostsee.

Die Rostocker Kläranlage wurde damals von der Helsinki-Kommission sogar als einer der sogenannten Hot Spots der Ostseebelastung eingestuft. Mit der neuen Kläranlage änderte sich das grundlegend. Ein Wert macht deutlich, was hier erreicht worden ist: Bis einschließlich 1995 wurden im Durchschnitt jährlich etwa 30 bis 40 Tonnen Phosphor über die Kläranlage in Richtung Ostsee eingetragen. Nach der Modernisierung waren es nur noch 3,5 bis 4,5 Tonnen. Heute liegen wir bei unter 3 Tonnen im Jahr, teilweise sogar unter 2 Tonnen.

Die Phosphorkonzentration sinkt bei der Reinigung von durch­schnittlich 10 bis 13 Milligramm pro Liter im Zulauf auf nur noch 0,17 Milligramm im Ablauf. Das entspricht einer Reinigungsl­eistung von 97 bis 99 Prozent.

Aus einem Hot Spot der Ostseebelastung ist eine der modernsten und leistungsfähigsten Kläranlagen Deutschlands geworden. Und deshalb ist dieses 30-jährige Jubiläum nicht nur ein Geburtstag. Es steht für 30 Jahre konkreten Gewässerschutz für Warnow und Ostsee.“

Allerdings dürfe man sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen, mahnt Backhaus. Mit der neuen europäischen Kommunalab­wasser­richtlinie, die seit 2025 in Kraft sei, beginne das nächste Kapitel: „Europa verschärft unter anderem die Anforderungen an die Entfernung von Stickstoff und Phosphor. Für große Anlagen gilt künftig beim Phosphor ein Wert von 0,5 Milligramm pro Liter. Rostock erreicht heute bereits durchschnittlich 0,17 Milligramm.

Wir starten also aus einer sehr guten Position. Die größere Herausforderung wird die sogenannte 4. Reinigungsstufe sein. Sie soll Mikroschadstoffe entfernen beispielsweise Rückstände aus Arzneimitteln oder Kosmetika. Für Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten wird diese zusätzliche Reinigung verpflichtend. Rostock mit einer Kapazität von bis zu 400.000 Einwohnerwerten gehört dazu. Bis spätestens 2045 müssen die Vorgaben umge­setzt sein; erste Etappenziele greifen bereits ab 2033.

Das wird Investitionen erfordern. Und es wird darauf ankommen, dass die Finanzierung fair ausgestaltet wird. Deshalb ist es richtig, dass die europäische Richtlinie auf die erweiterte Herstellerverantwortung setzt: Hersteller insbesondere aus der Pharma- und Kosmetikindustrie sollen mindestens 80 Prozent der Kosten der 4. Reinigungsstufe tragen. Denn wer problema­tische Stoffe in Verkehr bringt, muss auch Verantwortung für ihre Beseitigung übernehmen.

Auch beim Thema Energie ist Rostock schon weit. Die neue Richtlinie stellt höhere Anforderungen an die Energieeffizienz von Kläranlagen. Die Rostocker Anlage erzeugt durch die Nutzung von Klärgas inzwischen bereits rund 90 Prozent ihres Strombedarfs selbst“, so Minister Backhaus abschließend.

Toter Wal im Greifswalder Bodden

Körper soll untersucht werden

Stralsund – Mit Bedauern hat Umweltminister Dr. Till Backhaus auf die Meldung reagiert, dass im Greifswalder Bodden ein toter Wal gesichtet worden ist.

„Um 08:16 Uhr wurde der Wasserschutzpolizei gemeldet, dass ein lebloser Wal im Greifswalder Bodden treibt. Eine Mitarbei­terin des Deutschen Meeresmuseums hat inzwischen den Tod des Tieres festgestellt.

Ich danke den Mitarbeitenden der Wasserschutzpolizei und des Wasserstraßen- und Schifffahrts­amtes Ostsee, die seit der Sichtung mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz sind, um die dadurch entstandene Gefahrenstelle zu sichern und die Leichtigkeit und Sicherheit des Schiffsverkehrs aufrechtzuerhalten. Ebenso danke ich dem Deutschen Meeres­museum für den Einsatz und die Bereitschaft, das tote Tier zu wissenschaftlichen Zwecken zu untersuchen.

Dennoch betrübt es mich, dass wir nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Tod eines Buckelwals in der Ostsee feststellen müssen, diesmal direkt in den Hoheitsgewässern des Landes. Aus der Sektion des Tieres erhoffen wir uns mehr zu erfahren, woran solche hier nicht heimischen Tiere in unseren Gewässern sterben und vielleicht, warum sie überhaupt in das für sie nicht geeignete, teils sogar lebensfeindliche Umfeld einschwimmen.

Es gibt Hinweise, dass sich die Buckelwalpopu­lation im Atlantik in den letzten Jahren gut erholt hat. Mehr Tiere bedeuten aber offenbar auch mehr Irrläufer, die in die Ostsee einschwimmen. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr über diese Tierart erfahren, um solchen Ereignissen in Zukunft vielleicht entgegenwirken zu können“, so Minister Backhaus.

Meeresschutz stärken und Kompetenzen bündeln

MV setzt auf wirksame statt pauschale Maßnahmen

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt nimmt am Freitag, 7. Mai, an der 106. Umweltministerkonferenz (UMK) in Leipzig teil. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach einem verbesserten Meeresschutz in Nord- und Ostsee, Konsequenzen aus den wiederholten Walstrandungen sowie Fortschritte bei der Munitionsbergung und beim Wildtiermanagement.

„Das Ökosystem von Nord- und Ostsee ist durch vielfältige Nutzungen und stoffliche Einträge stark belastet. Daraus folgt ein klarer Auftrag: mehr Meeresschutz – aber wirksam und nicht nur auf dem Papier“, sagt Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für mehr und wirksamere Ruhe- und Rückzugsräume ein, in denen sich Arten und Lebensräume ohne direkte Beeinträchtigungen durch menschliche Nutzung erholen können. Solche geschützten Bereiche sind ein zentraler Baustein für den Schutz von Meeressäugern, weil sie Störungen reduzieren und sichere Rückzugsräume schaffen.

Ergänzend setzt das Land auf gezielte Maßnahmen zur Verringerung konkreter Risiken – insbesondere beim Beifang durch die traditionelle Kleine Küstenfischerei sowie im Umgang mit Geisternetzen. Grundlage ist dabei ein klarer Ansatz: Maßnahmen müssen dort ansetzen, wo tatsächlich Gefahren bestehen und auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Auch bei der Industriefischerei verfolgt Mecklenburg-Vorpommern diesen differenzierten Weg und setzt sich für eine wirksame Regulierung auf EU-Ebene ein.

„Ich bleibe dabei: Wir brauchen mehr Meeresschutz. Daran hat sich auch nach den Erfahrungen mit der Walrettung nichts geändert“, stellt Backhaus klar. „Aber dieser Schutz muss wirksam und verhältnismäßig sein. Er darf nicht dazu führen, dass wir gewachsene Strukturen an unserer Küste zerstören.“

Die Küstenfischerei sei nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch Teil unserer kulturellen Identität und als immaterielles Kulturerbe anerkannt. „Die Zahl der Betriebe ist seit der Wende bereits massiv zurückgegangen –  von rund 950 auf heute etwa 270 im Haupt- und Nebenerwerb. Diese Entwicklung zeigt, wie sensibel wir hier abwägen müssen. Unser Ziel ist es, Meeresschutz und Fischerei gemeinsam zu denken – nicht gegeneinander auszuspielen.“

„Mecklenburg-Vorpommern verfügt bereits über eine sehr hohe Schutzgebietsdichte: Rund 50 Prozent des Küstenmeeres stehen unter Schutz. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt – von Renaturierungen über Schutzgebietsbetreuung bis hin zur Wiederherstellung von Seegraswiesen und Riffstrukturen.

„Meeresschutz findet längst statt – entscheidend ist, ihn weiter zu verbessern und zielgerichtet auszubauen“, so Backhaus.

Die jüngsten Buckelwal-Strandungen haben aus Sicht des Landes gezeigt, dass es klarere Strukturen und abgestimmte Verfahren braucht.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für einen länderübergreifenden „Runden Tisch Walstrandungen“ ein. Ziel ist ein gemeinsames Konzept mit klaren Zuständigkeiten, abgestimmten Abläufen und einer tragfähigen Koordinierungsstruktur.

„Solche Einsätze sind hochkomplex. Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten, abgestimmte Prozesse und eine gemeinsame Linie über Ländergrenzen hinweg“, sagt Backhaus.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bergung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee. Mecklenburg-Vorpommern fordert vom Bund mehr Tempo und Verlässlichkeit.

Konkret wird die Vorlage der Ergebnisse aus den Pilotbergungen sowie ein gemeinsames Finanzierungsmodell für die langfristige Munitionsbeseitigung gefordert.

„Hier handelt es sich um eine Generationenaufgabe. Der Bund muss gemeinsam mit den Ländern für klare Zuständigkeiten und eine verlässliche Finanzierung sorgen“, so Backhaus.

Zudem setzt sich das Land für die schnelle Einrichtung des Bundeskompetenzzentrums „Munitionsbergung aus dem Meer“ in Rostock ein.

Auch beim Umgang mit dem Kormoran spricht sich Mecklenburg-Vorpommern für einen ausgewogenen Ansatz aus.

Vor dem Hintergrund eines stabilen Bestands setzt sich das Land dafür ein, die rechtlichen Spielräume zu erweitern und ein europaweites Management zu prüfen.

„Wir brauchen einen Ausgleich zwischen Artenschutz und den berechtigten Interessen der Fischerei“, betont Backhaus.

Schwesig: Durch gute Ostseezusammenarbeit gewinnen alle

Rostock – In ihrer Rede beim 3. Baltic Sea Business Day hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Wert der Zusammenarbeit hervorgehoben: „Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern wollen Geschäfte im Ostseeraum machen. Wir laden Unternehmen aus anderen Ostseeländern ein, bei uns zu investieren. Denn wir sind davon überzeugt: Durch gute Ostseezusammenarbeit gewinnen alle.“ Die Zusammenarbeit mit den Nachbarn rund um die Ostsee voranzubringen, sei ihr ein persönliches Anliegen.

Schwesig zog in ihrer Rede auch Bilanz: „Das Handelsvolumen Deutschlands mit den Ostseeanrainerstaaten ist mit 341 Milliarden Euro größer als mit den Haupthandelspartnern, China und den Vereinigten Staaten. Mecklenburg-Vorpommern wickelt etwa 25 Prozent seines Außenhandels mit den Ostseeländern ab. Nach vorläufigen Zahlen ist das Gesamtvolumen im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf fast 21 Milliarden Euro gestiegen. Unser Außenhandel zeigt sich robust und im Aufwärtstrend. Das ist eine gute Nachricht und angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in ganz Deutschland keine Selbstverständlichkeit.“ Selbst wenn sich in diesen Zahlen auch der Verkauf eines großen Kreuzfahrtschiffs bemerkbar mache, sei Außenhandel im Wesentlichen der Handel mit Produkten des täglichen Lebens und des industriellen Bedarfs. Außenhandel bedeute Wertschöpfung im Land.

„Zu unseren Hauptexportgütern in den Ostseeraum gehört Weizen ebenso wie Schiffe. 70 Prozent der Düngemittel, die wir exportieren, gehen in den Ostseeraum. Wir importieren Erdöl, Erdgas und Mineralölerzeugnisse. 94 Prozent dessen, was wir an Papier und Pappe importieren, kommt aus Finnland. Polen ist ohnehin einer unser wichtigsten Außenhandelspartner, 2025 betrug das Handelsvolumen 1,4 Milliarden Euro“, führte Schwesig aus.

„Das gute Ergebnis verdanken wir sowohl einheimischen Unternehmen, die sich im Import und Export betätigen, als auch Unternehmen aus den anderen Ostseestaaten, die in Mecklenburg-Vorpommern investiert haben und heimisch geworden sind“, so die Ministerpräsidentin. Sie alle brächten die Wirtschaft ebenso voran, wie die Zusammenarbeit rund um die Ostsee.

Für die Landesregierung sei die Unterstützung der Unternehmen im Außenhandel ebenso wichtig, wie der Kontakt zu Investoren im Ausland. Die Regierungschefin machte klar: „Jedes Unternehmen, das in Mecklenburg-Vorpommern investieren oder erweitern will, findet in der Staatskanzlei und im Wirtschaftsministerium offene Türen und die Bereitschaft, konkret zu helfen. Wir sind ein Land der kurzen Wege und Ansiedlung ist bei uns Chefinsache.“

Das Engagement zahle sich aus. Der Außenhandel schaffe neue Arbeitsplätze. Das zeige u.a. die Produktionserweiterung der Firma Haff-Dichtungen aus Ueckermünde. „Auf dem Deutsch-Lettischen Wirtschaftstag wurden von Familie Ruhnau konkrete Aufträge angebahnt und diese führen nun zu einer Erweiterung der Produktion. Jetzt werden mehr als 4 Millionen Euro investiert und am Standort neue Arbeitsplätze geschaffen“, so die Regierungschefin.

Schwesig nannte ein weiteres Beispiel: „Während andere Regionen unter geopolitischen Spannungen stehen, wächst der Kreuzfahrttourismus in unserer Region und wir wachsen zusammen. Er macht den Ostseeraum für die Menschen erfahrbar.

AIDA allein plant im nächsten Jahr 392 Anläufe in den Häfen des demokratischen Ostseeraums mit über 1,3 Millionen Passagieren. Das stärkt den Ostseeraum und wir sind mit AIDA vorn dabei,“ sagte die Regierungschefin.

Mit mehr als 650 Gästen konnte auf dem 3. Baltic Sea Business Day ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden. „Er ist das Spitzentreffen der Ostseeanrainer, das Forum für den Ideentausch, die Plattform für Kontakte rund um die Ostsee“, so Schwesig.

M-V stärkt Ostseeschutz

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus tauscht sich am Nachmittag mit dem Geschäftsführer der Firma Baltic Taucherei- und Bergungsbetrieb Eyk-Uwe Pap intensiv zu aktuellen umweltrelevanten Themen aus. Im Mittelpunkt steht die Munitionsräumung vor Boltenhagen, neue technische Ansätze zur Sanierung von Gewässern sowie Fragen der Ölwehrvorsorge in der Ostsee.

Munitionsräumung vor Boltenhagen: bundesweit einmalige Lösung

Die Bergung von Altmunition vor Großklützhöved bei Boltenhagen im Rahmen eines Sofortprogramms ders Bundesregierung stellt einen wichtigen Schritt für den Schutz der Ostsee dar. Erstmals konnte in Mecklenburg-Vorpommern eine rechtssichere Lösung für den Seetransport geborgener Altmunition zum Zweck des Umweltschutzes umgesetzt werden. Möglich wurde dies durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landesbehörden.

Im Zeitraum von August bis September 2025 wurde  in MV erstmals Altmunition aus einem Munitionsversenkungsgebiet geborgen. Ein Teil der Munition konnte an Land verbracht und einer fachgerechten Vernichtung zugeführt werden. Die Arbeiten wurden durch ein umweltwissenschaftliches und biologisches Monitoring begleitet. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wichtige Grundlagen für zukünftige Maßnahmen zur Altlastenbeseitigung in der Ostsee.

Umweltminister Dr. Till Backhaus betont: „Die Munitionsräumung vor Boltenhagen zeigt, dass wir mit fachlicher Kompetenz, enger Kooperation und rechtlicher Klarheit konkrete Fortschritte beim Schutz unserer Meeresumwelt erzielen können.“

Gewässersanierung: Wissenschaftliche Grundlage ist Voraussetzung

Im Gespräch wird auch eine neue Technologie zur Sanierung von Gewässern thematisiert, die ursprünglich in Norwegen entwickelt wurde. Das Umweltministerium macht deutlich, dass der Einsatz neuer Verfahren in natürlichen Gewässern nur auf Grundlage belastbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen kann. Die bislang vorliegenden Daten reichen für einen Einsatz in Seen Mecklenburg-Vorpommerns nicht aus. Fachliche Bewertungen durch Wissenschaftseinrichtungen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass weitere Forschung unter kontrollierten Bedingungen erforderlich ist. Das Land setzt hier auf Vorsorge und den Schutz bestehender Ökosysteme. „Innovationen sind wichtig – sie müssen aber wissenschaftlich fundiert und ökologisch verantwortbar sein“, so Minister Backhaus.

Ölwehr Ostsee: Verlässliche Strukturen für den Ernstfall

Mecklenburg-Vorpommern verfügt gemeinsam mit seinen Partnern über bewährte Strukturen zur Bekämpfung von Meeresverschmutzungen. Die Vorhaltung von Ölwehrkapazitäten sowie bestehende Verträge mit Einsatzorganisationen und Firmen gewährleisten die Einsatzfähigkeit in der Ostsee. Aktuelle Ausschreibungen und Ersatzbeschaffungen sichern diese Leistungsfähigkeit auch für die Zukunft.

Eventin bleibt weiter ein Fall für Gerichte

Schwerin – Der mit russischem Öl beladene Tanker „Eventin“ darf mitsamt seiner Ladung vorerst nicht eingezogen und verwertet werden. Das hat der Bundesfinanzhof am Morgen entschieden.

„Die Entscheidung des Bundesfinanzhofs zeigt, wie komplex die rechtliche Lage im Fall der ‚Eventin‘ ist. Es handelt sich um ein vorläufiges Urteil im einstweiligen Rechtsschutz, keine Entschei­dung in der Hauptsache. Gleichwohl macht der Beschluss deut­lich, dass zentrale Rechtsfragen im Zusammenhang mit den EU-Sanktionen noch ungeklärt sind“, erklärt Umweltminister Dr. Till Backhaus und ergänzt:

„Ich möchte dabei betonen: Die Zuständigkeit in diesem Verfahren liegt eindeutig beim Bund. Der Zoll, das Bundesfinan­zministerium und die Bundeswasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung verant­worten das Vorgehen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat in diesen rechtlichen und operativen Fragen keinerlei Entscheidungsbefugnis.

Natürlich ist auch das Land sehr besorgt und wünscht sich ein baldiges Verlassen der ‚Eventin‘ von der Reede vor Sassnitz. Wir nehmen die Sorgen der Menschen auf Rügen sehr ernst – besonders mit Blick auf Herbst- und Winterstürme. Gleichzeitig müssen wir aber mit den Fakten arbeiten, die uns der Bund mitteilt.

Nach Auskunft des Bundesfinanzministeriums befindet sich das Schiff in einem ordnungsgemäßen Zustand.

Die ausfallur­sächlichen Mängel wurden vollständig beseitigt und das Schiff laut Klassifikationsgesellschaft in einem guten und fahrtüchtigen Zustand. Diese Einschätzung wird auch vom bisherigen Flaggenstaat bestätigt. Die Bundesregierung hat daher keine Zweifel daran, dass das Schiff den international verbindlichen Mindeststandards entspricht und sicher am Seeverkehr teilnehmen kann.

Auch zur Liegeposition gibt es eine klare Einschätzung der Bundeswasserstraßenverwaltung: Die ‚Eventin‘ liegt im Windschatten der Insel Rügen und damit – gerade bei den im Winter vorherrschenden Nordwestlagen – an einem der sichersten Orte, die innerhalb Deutschlands überhaupt erreichbar sind.

Prüfungen seitens der Bundeswasserstraßenverwaltung haben ergeben, dass es keinen geeigneten Hafen für eine Verlegung der EVENTIN gibt und die derzeitige Position auf der Gefahrgutreede vor Rügen die Vorzugsvariante darstellt.

Damit gehen vom Schiff nach Einschätzung des Bundes keine über das Maß der regulären Tankschifffahrt hinausgehenden Gefahren aus. Gefahrenabwehrmaßnahmen sind nicht angezeigt.

Ich möchte auch einen Punkt aus der öffentlichen Diskussion einordnen: Das von Greenpeace beschriebene Risiko eines Tankerunglücks besteht unabhängig vom Fall ‚Eventin‘ an jedem Tag. Rund zehn Großtanker passieren täglich die Insel Rügen. Das Risiko ist also nicht neu – es besteht so lange fort, wie Öltransporte durch die Ostsee stattfinden. Die ‚Eventin‘ ist kein Sonderfall, der eine neue Gefahrenlage begründen würde.

Für mich steht fest: Die Sicherheit der Menschen und die der Ostsee haben oberste Priorität. Wir bleiben eng mit dem Bund im Austausch, um die Lage fortlaufend zu bewerten und Transparenz gegenüber der Bevölkerung sicherzustellen. Gleichzeitig müssen wir akzeptieren, dass die operative Verantwortung und die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten in diesem Fall eindeutig beim Bund liegen.“

Fischsterben vor Rostock – Tierseuche ausgeschlossen

Rostock – Vom 26. Bis zum 28. September wurden zahlreiche tote Fische an den Ostseestränden von Nienhagen, Warnemünde und Markgrafenheide entdeckt. Erste Untersuchungen durch das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Rostock (LALLF) hatten schnell ergeben, dass eine Seuche als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen werden kann. Inzwischen habe sich Sauerstoffmangel als wahrschein­lichste Todesursache herauskristallisiert, erklärt Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus. Für Menschen habe zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden:

„Die Untersuchungen im LALLF haben keine Hinweise auf die Ursache des Fischsterbens geben können. Die Sektion der Fische und die rückstandschemische Untersuchung auf ca. 420 Wirkstoffe war unauffällig. Sauerstoffmangel im Zusammenhang mit dem sogenannten „Upwelling“-Effekt gilt daher als wahr­schein­lichste Ursache des Fischsterbens.

Beim Upwelling wird das Oberflächenwasser des Meeres­gewässers durch starke ablandige Winde von der Küste weggedrückt. Dadurch läuft salzhaltigeres und deshalb schwereres und oftmals sauerstoffarmes Tiefenwasser vom Meeresgrund nach und gelangt bis in den Küstenbereich. Vor allem die am Meeresboden lebenden Fischarten geraten so in „Atemnot“. Wenn diese Fische nicht ausweichen können, weil dieses Tiefenwasser sie an die Küste drängt, verenden sie durch Ersticken.

Die Sauerstoffarmut des „Tiefenwassers“ ist jedoch menschen­gemacht. Die Nährstoffüberfrachtung der Ostsee (Eutrophierung) und der duch den Klimawandel bedingte Temperaturanstieg fördern eine hohe Biomasseproduktion vor allem durch Algen. Beim Absinken und mikrobiologischem Abbau der Biomasse wird der Sauerstoff im Wasser verbraucht, so dass die Wasser­schichten über dem Meeresgrund in einen sauerstoffarmen bis sauerstofffreien Zustand geraten.

Gerade für den Herbst sind das zeitliche Aufeinandertreffen von absinkender Biomasse nach dem jahreszeitlichen Höhepunkt der Biomasseproduktion im Sommer und zunehmenden Starkwindereignissen am Beginn der Sturmsaison typisch, so dass solche Upwelling-Ereignisse und Fischsterben immer wieder auftreten können. Die Betroffenheit zahlreicher am Meeresgrund lebender Fischarten von diesem Sauerstoffmangel stützt diese Ursachenhypothese“, so Backhaus abschließend.