Rostock – Mecklenburg-Vorpommern baut seine Kompetenzen bei der Bergung von Munitionsaltlasten aus dem Meer weiter aus. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung geben die Landesregierung und der Ocean Technology Campus Rostock (OTC) den Startschuss für den Aufbau des Kompetenzclusters „MERA – Maritime Explosives Recovery Alliance“. Ziel ist es, Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden enger zusammenzubringen und neue Technologien für die sichere und umweltverträgliche Munitionsbergung schneller in die praktische Anwendung zu bringen. Für die Landesregierung unterzeichnet Umweltminister Dr. Till Backhaus die Erklärung, für den Trägerverein des OTC Prof. Dr. Uwe von Lukas.
„Die Beseitigung der Munitionsaltlasten in unseren Meeren ist eine Generationenaufgabe. Dafür brauchen wir nicht nur Geld und konkrete Bergungsprojekte, sondern auch Technologien, mit denen Munition schneller, sicherer und möglichst umweltschonend gefunden, geborgen und beseitigt werden kann. Mecklenburg-Vorpommern hat dafür hervorragende Voraussetzungen. Wir wollen die Kompetenzen in Rostock bündeln und dafür sorgen, dass aus Forschung praktische Lösungen werden“, sagt Backhaus.
Vom Suchen bis zur Entsorgung: gesamte Prozesskette im Blick
MERA soll Kompetenzen entlang der gesamten Prozesskette der Munitionsbergung miteinander verbinden. Dazu gehören unter anderem Unterwassertechnologien, Sensorik, Robotik und Automatisierung sowie Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz. Im Fokus stehen Verfahren zur Detektion und Identifizierung von Munitionskörpern ebenso wie Technologien für Bergung, Bearbeitung, Transport, Sortierung und schließlich Entsorgung beziehungsweise Vernichtung.
Eine zentrale Rolle soll dabei das bereits vorhandene Digital Ocean Lab (DOL) in der Ostsee spielen. Die bestehende Unterwasserinfrastruktur ermöglicht es, neue Technologien und Verfahren unter realitätsnahen Bedingungen zu entwickeln, zu erproben und weiterzuentwickeln. Auch die Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften soll Bestandteil der Zusammenarbeit sein.
„Wir fangen in Rostock nicht bei null an. Wir haben Forschung, maritime Wirtschaft, technologische Kompetenz und mit dem Digital Ocean Lab eine vorhandene Testinfrastruktur. Genau diese Stärken wollen wir zusammenbringen. Unser Anspruch muss sein, gute Ideen nicht jahrelang im Versuchsstadium zu belassen, sondern sie möglichst schnell für die praktische Munitionsbergung nutzbar zu machen“, so Backhaus.
Mecklenburg-Vorpommern treibt das Thema seit Jahren voran
Der Aufbau von MERA ist ein weiterer Schritt in den Aktivitäten Mecklenburg-Vorpommerns zur Beseitigung von Munitionsaltlasten im Meer. Bereits 2019 brachte das Land das Thema „Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee“ auf die Tagesordnung der Umweltministerkonferenz. Mit der Ostseestrategie Mecklenburg-Vorpommerns von 2024 wurden wissenschaftliche, wirtschaftliche und behördliche Kompetenzen gezielt zusammengeführt.
Im Sommer 2025 startete in der Wismarbucht zudem ein Pilotprojekt zur Bergung von Altmunition. Das Vorhaben war Teil des 2022 aufgelegten 100-Millionen-Euro-Sofortprogramms des Bundes zur Entwicklung einer industriell einsetzbaren Berge- und Vernichtungseinheit.
Im August und September 2025 wurde in Mecklenburg-Vorpommern erstmals zu Gunsten des Umweltschutzes Altmunition aus einem Munitionsversenkungsgebiet geborgen. Ein Teil der Munition konnte an Land gebracht und fachgerecht vernichtet werden. Die Arbeiten wurden durch ein umweltwissenschaftliches und biologisches Monitoring begleitet.
MERA soll Bundeskompetenzzentrum ergänzen
MERA soll eng mit dem Bundeskompetenzzentrum Munitionsbergung aus dem Meer (BK Meer) zusammenarbeiten. Dabei sollen sich beide Strukturen ergänzen: Während das Bundeskompetenzzentrum konkrete Bergungsprojekte voranbringen soll, soll MERA insbesondere Kompetenzen aus Forschung, Technologie, Wirtschaft und Behörden bündeln und den Transfer neuer Verfahren in die praktische Anwendung unterstützen.
„Wir brauchen beides: konkrete Bergung und technologische Weiterentwicklung. Das Bundeskompetenzzentrum und MERA dürfen deshalb nicht nebeneinander arbeiten, sondern müssen sich ergänzen. Unser Ziel ist eine durchgehende Kette von der Forschung und Erprobung bis zur Anwendung auf See“, betont Backhaus.
Netzwerk soll über Mecklenburg-Vorpommern hinauswachsen
MERA soll von Beginn an über die Landesgrenzen hinaus ausgerichtet werden. Ziel ist es, Partner aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Behörden zusammenzubringen, gemeinsame Forschungs-, Entwicklungs- und Pilotvorhaben anzustoßen und nationale wie internationale Kooperationen aufzubauen. Die Absichtserklärung sieht zudem gemeinsame Fachveranstaltungen, Workshops sowie Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote vor.
Mit dem Subsea Monitoring Network e. V. als Trägerverein des Ocean Technology Campus besteht bereits ein Netzwerk, dem unter anderem das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung, die Universität Rostock, das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, die IHK zu Rostock, die Hansestadt Rostock sowie weitere Einrichtungen und Unternehmen angehören.
Backhaus abschließend: „Munitionsaltlasten machen an Landesgrenzen nicht halt. Deshalb wollen wir in Rostock ein Netzwerk schaffen, das weit über Mecklenburg-Vorpommern hinauswirkt. Wenn es uns gelingt, Forschung, Unternehmen, Behörden und praktische Bergung dauerhaft zusammenzubringen, stärken wir nicht nur den Schutz unserer Meere, sondern auch Rostock als Standort für moderne Unterwassertechnologien.“
Hinweis: Die Absichtserklärung sieht MERA als eigenständige Division innerhalb des Trägervereins des Ocean Technology Campus vor. Ein Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern mehrerer Landesministerien soll die strategische Entwicklung begleiten und als Schnittstelle zwischen Landesregierung und Kompetenzcluster dienen.