Menü Schließen

Tag: 18. November 2025

Achter Forstbericht für Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin – Forstminister Dr. Till Backhaus hat dem Kabinett in seiner heutigen Sitzung den achten Forstbericht des Landes vorgelegt. Der Bericht dokumentiert den Zustand der Wälder sowie die Lage der Forstwirtschaft im Zeitraum vom 01.01.2020 bis 31.12.2024. Im Kontext der Anpassung der Wälder an den Klimawandel hätten zentrale Herausforderungen in der Verknüpfung der Themen Wald und Wasser, Wald und Biodiversität sowie Wald und Gesellschaft bestanden, erklärt der Minister:

„2024 war mit 11,0 °C in MV das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und 2022 fegten vier schwere Orkane über das Land. Dennoch entwickelte sich der Wald grundsätzlich positiv: Die Waldfläche stieg seit 2012 um 5.688 ha auf 582.361 ha – eine der wenigen signifikanten Zunahmen bundesweit. Mit 0,26 ha Wald pro Kopf liegt MV im Bundesvergleich an zweiter Stelle, ist aber mit 25 % Waldanteil das zweitwaldärmste Flächenland. Die Waldmehrung ist daher politisches Ziel.

Die Landesinitiative „Unser Wald in MV“ stärkte mit 20 Mio. € die Verbindung zwischen Wald und Gesellschaft. Auf 1.400 ha Neuwaldfläche ehemals landwirtschaftlicher landeseigener Flächen konnten über 5,8 Mio. zusätzliche Bäume gepflanzt werden.

Angebote der Waldpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit erreichen jährlich 200.000 Teilnehmende direkt. Im Bereich Förderung wurden zwischen 2020 und 2024 rund 44 Tsd. Beratungs­gespräche geführt und 28 Mio. € an den Privat- und Körper­schaftswald aus GAK- und ELER-Mitteln ausgezahlt, was jährlich rd. 5,5 Mio.€ ausmacht. Den Schwerpunkt bildeten Investitionen in den Waldumbau, den Naturschutz und die Infrastruktur. Erstmals wurden die Wald-Ökosystemleistungen auf jährlich 250 Mio. € (444 €/ ha*a) bewertet. Davon werden etwa 60 % unentgeltlich erbracht.

In diesem Bericht gibt es viel Positives: Unser Wald ist CO2-Senke und im Cluster Forst und Holz ein großer Wirtschaftsfaktor. Wir gehören zu den wenigen Bundesländern mit einer deutlichen Waldflächenzunahme von etwa 5.500 ha seit 2012. Insgesamt bedecken heute rund 582.000 ha unser Land. Rund 51 % unserer Wälder bestehen aus naturnahen Laubbäumen – rund 4 % mehr als im Bundesdurchschnitt. Wenn es um nutzungsfreie Wald­flächen geht, also Orte besonderer Bedeutung für die Biodi­versität, liegen wir mit 12 % hinter Sachsen auf Platz zwei“, fasst Minister Backhaus zusammen.

Neuen Suchtbericht vorgestellt

Schwerin – Gesundheitsministerin Stefanie Drese hat heute im Rahmen der Landespressekonferenz gemeinsam mit Birgit Grämke, Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (LAKOST), den Suchtbericht für Mecklenburg-Vorpommern 2024 vorgestellt.

Der Bericht bietet einen umfassenden Überblick über die Entwicklungen in der ambulanten Suchthilfe im Land und mache das Ausmaß der Herausforderungen bei Suchterkrankungen erneut deutlich, betonte Drese. „Sucht ist keine Randerscheinung, sondern eine chronische Krankheit mit gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgen für die Suchtkranken selbst und – ganz wichtig gerade mit Blick auf Familien mit Kindern – deren unmittelbares Umfeld.“, verdeutlichte die Ministerin.

So haben nach Angabe von Drese rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland ein Suchtproblem, vor allem mit einer alkoholbezogenen Störung, zunehmend aber auch durch Mischkonsum. „Insgesamt belasten Sucht und der Konsum von Rauschmitteln unsere Volkswirtschaft mit mindestens 150 Milliarden, wahrscheinlich sogar über 200 Milliarden Euro im Jahr“, sagte Drese mit Bezug auf Berechnungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

In Mecklenburg-Vorpommern suchten laut Suchtbericht im vergangenen Jahr 8.850 Menschen mit eigener Suchtproblematik Unterstützung in den Sucht- und Drogenberatungsstellen des Landes. Dies entspricht einer Zunahme von 290 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Nahezu 75 Prozent der Klientel sind männlich. Darüber hinaus wandten sich 923 Angehörige an die Beratungsstellen.

Alkohol bleibe dabei das Hauptproblem. Knapp 60 Prozent (5.223 Klienten) aller vorstellig gewordenen Personen suchten mit dieser Problematik die Beratungsstellen auf.

„Der Suchtbericht macht deutlich, dass vor allem Alkohol-, Cannabis- und Mischkonsum weiterhin zu den zentralen Herausforderungen im Land gehören. Wir beobachten einen Anstieg beim regelmäßigen Konsum von Alkohol und Cannabis – und vor allem eine Zunahme riskanter Mischkonsummuster“, erklärte Birgit Grämke.

Gleichzeitig zeige der Bericht, dass sich problematische Konsummuster häufig erst spät bemerkbar machen. „Viele Betroffene suchen erst dann Unterstützung, wenn die Belastung im privaten oder beruflichen Umfeld nicht mehr zu übersehen ist“, so Grämke.

Auffällig im Bericht sei zudem, dass ein großer Teil der Klientinnen und Klienten erwerbstätig ist. Daraus ergebe sich ein klarer Auftrag an Betriebe und öffentliche Akteure. „Die meisten Menschen, die Unterstützung in der Suchtberatung suchen, gehen einer regelmäßigen Arbeit nach – das zeigt, dass Sucht mitten in der Gesellschaft stattfindet“, betont Grämke. Umso dringlicher sei es, Arbeitswelten stärker in Prävention und Frühintervention einzubinden.

Ministerin Drese bezeichnete das niedrige Erstkonsumalter beim Alkohol als besonders besorgniserregend. „Fast 75 Prozent der heutigen Klientinnen und Klienten hatten ihren ersten Alkoholkonsum noch vor dem 14. Lebensjahr“, verdeutlichte Drese. Vor allem beim Umgang mit Alkohol sei ein Kulturwandel in Deutschland und MV notwendig, sagte Drese auch mit Blick auf die von ihr mit angeschobene Diskussion, zur Abschaffung des Begleitenden Trinkens für 14- und 15-Jährige.

Drese: „Wir müssen Information und Prävention stärken, um in den Köpfen der Menschen das Bewusstsein für die Gefahr von Suchtmitteln zu schärfen. Wir brauchen gesamtgesellschaftliche Diskussionen zum Alkoholkonsum, aber auch zum Umgang mit Cannabis, illegalen Drogen, Tabletten und Zigaretten. Sich bewusst zu machen, dass wir ein Suchtproblem haben, ist ein wesentlicher Schritt zur Besserung. Es wird ein langwieriger, schwieriger Weg. Denn Prävention wirkt längerfristig. Und deshalb ist es besonders wichtig, die junge Generation zeitgemäß anzusprechen.“

Küstenfischerei: Land und Thünen-Institut vertiefen Zusammenarbeit

Rostock – Mecklenburg-Vorpommerns Klimaschutz- und Fischereiminister Dr. Till Backhaus hat sich heute in Rostock-Marienehe mit dem Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Dr. Christopher Zimmermann, zu einem ausführlichen Austausch über die Zukunft der Küstenfischerei in der Ostsee getroffen. Im Zentrum standen die aktuellen wissenschaftlichen Prognosen zu den maßgeblichen Fischbeständen sowie gemeinsame Initiativen von Bund und Land.

Der Minister würdigte ausdrücklich die Arbeit des Thünen-Instituts und betonte die Bedeutung einer eng abgestimmten, wissenschaftsgeleiteten Bestandsbewirtschaftung: „Die Forschung des Thünen-Instituts ist unverzichtbar für realistische Perspektiven der Ostseefischerei. Wir brauchen sachorientierte Bewertungen, die sowohl den Schutz der Bestände als auch die wirtschaftliche Existenz unserer Küstenfischerei im Blick behalten“, sagte Backhaus.

Kritische Lage beim Dorsch – langfristige Verbesserungen nur durch Ökosystemveränderungen

Christopher Zimmermann stellte dar, dass sowohl der östliche als auch der westliche Dorschbestand weiterhin in einer hochkritischen Lage sind. Die natürliche Sterblichkeit übersteigt deutlich die fischereiliche – eine Erholung sei deshalb mittelfristig nicht zu erwarten. „Es ist klar: Die Fischerei ist nicht das Problem, und sie allein kann die Situation auch nicht lösen“, so Backhaus.
Als Hauptursachen wurden fortbestehende Belastungen des Ökosystems genannt – darunter Sauerstoffmangel, Temperaturveränderungen, Nahrungskonkurrenz sowie der zunehmende Einfluss von Prädatoren.
Gemeinsam mit dem Thünen-Institut wurde vereinbart, mögliche flankierende Maßnahmen wie Habitatverbesserungen weiter zu prüfen.

Hering: Hoffnung auf reguläre Quote ab 2027

Großen Raum nahm die Situation des westlichen Herings ein. Christopher Zimmermann erläuterte das geplante, an veränderte Umweltbedingungen angepasste Benchmarking, das eine präzisere Bewertung der Ertragsfähigkeit des Bestandes ermöglichen soll. Backhaus bewertete diese Entwicklung als wichtigen Schritt: „Wir setzen darauf, dass die Neubewertung des Bestandes neue Spielräume eröffnet. Unser Ziel bleibt eine reguläre Heringsfischerei ab 2027.“ Land und Bund investieren derzeit rund 1,75 Mio. Euro in Projekte der LFA M-V und des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, um eine regionale, wissenschaftsbasierte Bewirtschaftung der Heringsbestände weiterzuentwickeln.

Meerforelle: Länderübergreifendes Bestandsmanagement geplant

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Entwicklung eines dauerhaften Bestandsmanagements für die Meerforelle. Die Art ist inzwischen eine der am häufigsten beangelten Zielarten im Küstenbereich.
Geplant ist ein gemeinsames dreijähriges Projekt von LFA/IfF und Thünen-Institut ab 2027, finanziert über die Meeresnaturschutzkomponente des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG). „Die Meerforelle hat für Berufsfischerei, Freizeitfischerei und den Tourismus erhebliche Bedeutung. Wir wollen diesen Bestand – trotz Klimawandel und Habitatveränderungen – zukunftsfähig machen“, betonte Backhaus. Auch die geplante Ausweisung weiterer Laichschonbezirke in MV wurde im Gespräch bestätigt.

Stärkung der gemeinsamen Forschungs- und Managementstrukturen

Minister Backhaus und Dr. Zimmermann erörterten zudem das Zusammenwirken von Land, Bund und verschiedenen Akteuren der Fischerei. Diskutiert wurden:

  • der anstehende Ausstieg aus der EMFAF-geförderten zeitweiligen Stilllegung ab 2027 und dem ebenfalls aus dem EMFAF unterstützten Robbenschadenausgleich als Billigkeitsleistung ab 2028,
  • die Unterstützung von Initiativen wie Sea Ranger e.V.,
  • robbensichere Fanggeräte für die Zeit nach 2028,
  • die Rolle des Thünen-Instituts bei größeren Eingriffsvorhaben wie etwa den LNG-Standorten Lubmin/Mukran,
  • die enge Kooperation bei Projekten der Fischereiforschung und Kooperation zur Diversifizierung der Küstenfischerei.

Der Minister machte deutlich, dass Mecklenburg-Vorpommern auf eine schnelle Bereitstellung von Bundesmitteln aus der Fischereikomponente des WindSeeG angewiesen ist, um die notwendige Forschungs- und Entwicklungsarbeit gemeinsam mit den Küstenfischern fortzuführen.

Minister Backhaus zog ein positives Fazit des Treffens: „Wir haben heute deutlich gemacht, dass wir die Zukunft der Küstenfischerei nur gemeinsam entwickeln können – mit Wissenschaft, Fischern und Politik. Das Thünen-Institut ist dabei ein zentraler Partner. Wichtig ist, dass wir die bestehenden Chancen nutzen und die notwendige Unterstützung des Bundes erhalten.“