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Tag: 15. Oktober 2026

Drese: „Notfallreform ist überfällig – MV hat wichtige Weichen mitgestellt“

Schwerin – Überfüllte Notaufnahmen, unnötige Rettungsfahrten und unklare Zuständigkeiten: Die Probleme der Notfallversorgung sind seit Jahren bekannt. Der Bundestag hat heute eine umfassende Reform beschlossen, die Patienten gezielter in die passende Versorgung steuern und Rettungsdienste wie Krankenhäuser entlasten soll. Gesundheitsministerin Stefanie Drese begrüßt den Beschluss zur Neuordnung der Notfallversorgung: „Die Reform ist überfällig. Wer medizinische Hilfe braucht, muss schnell dort ankommen, wo ihm am besten geholfen werden kann. Dafür müssen Rettungsdienst, ärztlicher Bereitschaftsdienst und Krankenhäuser enger zusammenarbeiten. Mecklenburg-Vorpommern hat sich dafür seit Jahren eingesetzt und wichtige Ansätze bereits in Modellprojekten erprobt.“

Ein zentraler Fortschritt ist für Drese die bessere Vernetzung der Notrufnummer 112 mit der 116 117 des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes. Künftig sollen Hilfeersuchen digital und ohne erneute Datenerhebung an die jeweils zuständige Stelle übergeben werden können. Zudem sollen standardisierte Ersteinschätzungen dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten schneller die richtige Versorgung erhalten. „Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern positive Erfahrungen mit der Zusammenarbeit von Rettungsdienst und kassenärztlichem Bereitschaftsdienst gemacht. Dass diese Zusammenarbeit nun bundesweit verbindlich gestärkt werden soll, ist ein wichtiger Schritt. Nicht jeder medizinische Notfall gehört in eine Krankenhausnotaufnahme – aber jeder Mensch muss die Hilfe bekommen, die er tatsächlich braucht“, so Drese.

Auch die geplante Anerkennung des Rettungsdienstes als eigenständiger Leistungsbereich in der gesetzlichen Krankenversicherung ist aus Sicht der Ministerin ein wichtiger Durchbruch. Künftig sollen nicht mehr nur Transporte, sondern auch medizinische Leistungen und eine abschließende Versorgung vor Ort rechtssicher erbracht und vergütet werden können. Das entspricht den gewachsenen medizinischen Möglichkeiten und der Qualifikation der Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter. „Der Rettungsdienst ist weit mehr als ein Transport ins Krankenhaus. Wenn qualifizierte Einsatzkräfte Menschen vor Ort medizinisch versorgen können, muss das auch finanziell abgebildet werden. Das schafft mehr Handlungssicherheit und kann unnötige Transporte vermeiden“, betont Drese.

Bei der sektorenübergreifenden Notfallversorgung ist Mecklenburg-Vorpommern bereits heute gut aufgestellt. Viele Bereitschaftsdienstpraxen der Kassenärztlichen Vereinigung befinden sich schon an Krankenhausstandorten. Ein Beispiel ist das Klinikum Pasewalk, dessen Notaufnahme mit sechs Millionen Euro Landesmitteln modernisiert wurde. Dort werden Rettungsdienst, Leitstelle, Krankenhaus und ambulante Versorgung enger verzahnt. „Wir zeigen in Mecklenburg-Vorpommern bereits, wie eine moderne Notfallversorgung über Sektorengrenzen hinweg funktionieren kann. Diese Erfahrungen sind richtungsweisend. Jetzt kommt es darauf an, die neuen gesetzlichen Möglichkeiten vor Ort so umzusetzen, dass sie bei den Menschen ankommen“, betonte Drese.

Bei der Umsetzung bleiben aus Sicht des Landes allerdings wichtige Fragen zu klären. Insbesondere muss sichergestellt sein, dass die Finanzierung des Rettungsdienstes dauerhaft die notwendigen Vorhalte- und Investitionskosten abdeckt und die flächendeckende Versorgung nicht gefährdet wird. Auch die Länder müssen bei der Festlegung der Standorte Integrierter Notfallzentren angemessen eingebunden werden. Drese: „Die Reform eröffnet wichtige Chancen. Entscheidend ist jetzt, dass die neuen Strukturen verlässlich finanziert werden und sich an den tatsächlichen Versorgungsbedarfen orientieren. Unser Ziel ist es, die Menschen schneller und besser zu versorgen – unabhängig davon, wo sie in Mecklenburg-Vorpommern leben.“

ADHS-Diagnose per Bluttest

Dr. Blank: „Hier entsteht Medizintechnik von morgen.“

Rostock – Die MetaAIDiagnostic GmbH aus Rostock und die Universitätsmedizin Greifswald entwickeln gemeinsam einen blutbasierten Test für die ADHS-Diagnostik. Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert das Verbundvorhaben „Diagnostik und Charakterisierung von ADHS-Patienten“ mit insgesamt rund 1,35 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Davon entfallen rund 624.000 Euro auf MetaAIDiagnostic und rund 729.000 Euro auf die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald unter Leitung von Prof. Dr. Hans J. Grabe.

„Hier entsteht Medizintechnik von morgen: entwickelt in Rostock, klinisch fundiert in Greifswald. Genau dieses Zusammenspiel von innovativen Unternehmen und starker Universitätsmedizin wollen wir in Mecklenburg-Vorpommern voranbringen“, sagte Dr. Wolfgang Blank, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern.

ADHS wird bislang vor allem über Fragebögen und klinische Gespräche diagnostiziert; objektive Messwerte fehlen. Auf einen Termin bei Fachärztinnen und Fachärzten warten Betroffene oft sechs Monate bis über ein Jahr. MetaAIDiagnostic analysiert mittels Massenspektrometrie Stoffwechselprodukte im Blut und wertet die Daten mit Verfahren der künstlichen Intelligenz aus. Ziel ist ein Test, der die Diagnose objektiver und schneller macht, Untergruppen von ADHS unterscheidet und die Therapieauswahl unterstützt.

Die Universitätsmedizin Greifswald übernimmt die Rekrutierung und klinische Diagnostik von rund 320 Patientinnen und Patienten. MetaAIDiagnostic verantwortet Laboranalytik, Datenplattform und die Entwicklung der KI-gestützten Klassifikationsmodelle. Die Partner bauen auf einer gemeinsamen Pilotstudie auf, in der eine Gruppe von Metaboliten ADHS-Betroffene von Kontrollpersonen unterscheiden konnte. Die klinische Studie in Greifswald startet am 1. November 2026; das Vorhaben läuft bis April 2029.

„Ein Bluttest kann und soll die klinische Diagnostik nicht ersetzen, aber entscheidend ergänzen. Uns interessiert unter anderem, ob sich ADHS damit verlässlich von anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Autismus abgrenzen lässt und ob es biologische Subtypen der Erkrankung gibt. Zugleich beobachten wir, ob und falls ja, wie sich die Marker unter der Therapie verändern. So könnte der Test künftig auch zeigen, ob eine Behandlung anschlägt.“, sagt Prof. Dr. Hans J. Grabe, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald.

„Die diesjährige Auszeichnung von MetaAIDiagnostic mit dem dritten Preis des Baltic Sea Region Health Innovation Award zeigt: Unsere Förderung erreicht die Richtigen. Das Land investiert gezielt in Innovation, denn daraus entstehen hochqualifizierte Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Land entstehen“, so Blank.

„In Greifswald haben wir einen klinischen Partner, der ADHS-Diagnostik auf höchstem Niveau betreibt. Gemeinsam bringen wir einen objektiven Bluttest in die Versorgung; entwickelt in Mecklenburg-Vorpommern, für Patientinnen und Patienten weit über das Land hinaus“, sagt Dr. Volkmar Weckesser, Gründer und Geschäftsführer der MetaAIDiagnostic GmbH.

Die 2022 gegründete MetaAIDiagnostic GmbH will in den kommenden fünf Jahren rund 25 Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern schaffen. An der Universitätsmedizin Greifswald entstehen im Projekt bis zu zehn Stellen für Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie Study Nurses. Die Gesamtausgaben des Verbundvorhabens betragen rund 1,7 Millionen Euro. Die Bewilligung erfolgte durch die TBI Technologie-Beratungs-Institut GmbH.

Plastikpiraten am Schaproder Strand

Gingster Schüler untersuchen mit Wissenschaftlern aus Kiel und Berlin Plastikmüll

Insel Rügen – Plastikverschmutzung an Rügens Küsten ist ein Thema, mit dem sich Schüler aus der Gingster Schule direkt vor Ort befasst haben. Die Zehntklässler beteiligten sich an dem europaweiten Projekt „Plastic Pirates – Go Europe“ und reisten dafür an den Strand von Schaprode.

Der Unterschied zu den bisherigen Aktionen der Schule wie beim jährlichen Küstenputz zusammen mit dem Biosphärenreservat liegt auf der Hand. „Wir haben an dem Vormittag die Verschmutzung an dem Strandabschnitt wissenschaftlich untersucht und dokumentiert“, erklärt Elise Ganzlin. Sie hat zusammen mit ihren Mitschülern in drei Gruppen auf ganz unterschiedliche Weise nach einem vorher festgelegten Prinzip Proben genommen, analysiert und als Datensatz festgehalten.

Janto Schönberg (rechts) von den Plastikpiraten mit der Jungengruppe, die Proben am Spülsaum des Schaproder Strandes nimmt und analysiert. Foto: privat
Janto Schönberg (rechts) von den Plastikpiraten mit der Jungengruppe, die Proben am Spülsaum des Schaproder Strandes nimmt und analysiert. Foto: privat

Ihr Biologielehrer Ulf Todenhagen freute sich mit ihnen über die Abwechslung im Unterricht, die noch mehr Anschaulichkeit brachte. „Meine Schüler haben damit wie viele andere Jugendliche auch einen echten wissenschaftlichen Beitrag zu einer global durchgeführten Untersuchung geleistet“, erklärt er am Rande des Strandtages. Denn auch in Schaprode finde man trotz der regelmäßigen Strandreinigung immer wieder Verschmutzungen aller Art.

Die Vertreter der Plastikpiraten unterstützten die Schulklasse bei der Forschungsaufgabe. Nach einem Vorgespräch über die Geschichte des 10-jährigen Projekts und dessen Zielsetzung leiteten sie die jungen Wissenschaftler bei ihrer Arbeit an. „In den zehn Jahren haben sich bereits 25.000 Kinder und Jugendliche in 14 europäischen Ländern an dem Vorhaben beteiligt“, sagt Janto Schönberg von der Kieler Forschungswerkstatt, die diese bildungsbezogenen Aktionen plant, koordiniert und wissenschaftlich begleitet.

Die Rügener Ergebnisse landen jetzt in einer großen gemeinsamen Datenbank, die für die wissenschaftliche Arbeit weltweit genutzt werden kann. „Die Exkursion hat sich gelohnt“, meint Schulleiter André Farin, „die Lerneffekte sind viel größer, wenn Schüler auch an anderen Lernorten selbst aktiv werden können.“ Daher plane die Schule die Wiederaufnahme solcher Unterrichtsausflüge ins Schulprogramm.

Wanderspende für Verkehrsgarten

750 Euro für die Neuanschaffung von mobilen Verkehrszeichen auf dem Grundschulhof

Insel Rügen – Freude an der Gingster Grundschule. 84 Wanderer trafen sich am zweiten Oktobersonntag zur „Herbstwanderung mit Arthur“ und spendeten für einen guten Zweck. Eine stolze Summe von 750 Euro kam dabei auf Ummanz zusammen. Organisator Jörg „Arthur“ Nordt übergab den symbolischen Spendenscheck freudestrahlend an Clemens Oppermann vom Förderverein der Schule.

„Uns ist es eine Herzenssache, für Vereine und Projekte auf der Insel zu spenden“, erklärt Jörg Nordt, der in der Szene der Wanderer und Inselläufer ein bekanntes Gesicht ist. Der Gemeinschaftssinn, der beim Wandern entstehe, mache viele solcher wohltätigen Aktionen möglich. „Ich bin sehr zufrieden mit Wetter, Beteiligung und Ergebnis an dem sonnigen Tag“, meint Jörg Nordt, der bereits weitere Projekte plant.

Der Projektleiter der Wanderaktion Jörg „Arthur“ Nordt (links) übergibt den Spendenscheck an Clemens Oppermann vom Förderverein der Schule Gingst. Foto: privat
Der Projektleiter der Wanderaktion Jörg „Arthur“ Nordt (links) übergibt den Spendenscheck an Clemens Oppermann vom Förderverein der Schule Gingst. Foto: privat

„Unser Förderverein freut sich riesig über die Spende“, sagt Clemens Oppermann, der für den Vereinsvorstand an der Spendenübergabe teilnahm. „Wir werden von dem Geld weitere mobile Verkehrszeichen für den Fahrradparcours auf unserem Grundschulhof anschaffen“, erzählt er den Wanderfreunden, die nach ihrem Kilometer-Soll ihren wohlverdienten Imbiss genießen konnten.

Der Gingster Schulleiter André Farin ist begeistert von den zahlreichen privaten Spendenaktionen zu Gunsten der Schule. „Wir sind froh über jede finanzielle Zuwendung, die unseren Kindern zu Gute kommt“, sagt er im Nachgespräch mit den Organisatoren auf der Schwesterinsel Ummanz. Man spüre sehr, wie sich viele Einwohner für die schulische Entwicklung im Westen der Insel interessieren und die Arbeit von Gemeinde, Schule und Förderverein unterstützen wollen.