Beschwerden müssen ernst genommen werden
Schwerin – Rund 80 Prozent der Frauen erleben während der Wechseljahre Beschwerden, bei etwa einem Drittel sind diese so stark, dass sie die Lebensqualität im Alltag und Beruf einschränken. Gleichzeitig können die hormonellen Veränderungen mit erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden sein.
Gesundheitsministerin Stefanie Drese fordert deshalb, Frauengesundheit stärker in Forschung, medizinischer Ausbildung und Versorgung zu verankern. Mit einem Videogrußwort eröffnete die Ministerin am (heutigen) Mittwoch den Fachtag „Hormone überall – ich fühle was, was du nicht fühlst…“ der Landesfachstelle für sexuelle Gesundheit und Familienplanung MV „inteam“ in Güstrow. Zielgruppe der Veranstaltung sind pädagogische und medizinische Fachkräfte und Interessierte.
„Wechseljahre sind keine Krankheit. Aber Beschwerden dürfen auch nicht kleingeredet werden, nur weil diese Lebensphase natürlich ist“, sagte Drese. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Erschöpfung und Stimmungsschwankungen könnten Frauen erheblich belasten. Zudem stehen die Wechseljahre im Zusammenhang mit möglichen Risiken etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose; auch hier bestehe weiterer Forschungsbedarf.
„Dass wir über so viele Jahre zu wenig über frauenspezifische Gesundheit geforscht haben, ist ein Versäumnis, das wir korrigieren müssen. Frauen haben Anspruch auf eine Medizin, die ihre Bedürfnisse kennt und ernst nimmt.“
Die Folgen reichten über die individuelle Gesundheit hinaus. Wenn Beschwerden unerkannt blieben und Frauen keine angemessene Unterstützung erhielten, könne das auch ihre berufliche Teilhabe beeinträchtigen. „Wir sprechen über Fachkräftemangel und darüber, wie Menschen möglichst lange gesund und beruflich aktiv bleiben können.
Dann müssen wir auch über die Wechseljahre sprechen – offen, sachlich und ohne Tabus“, so Drese. Nötig seien mehr Aufklärung, eine bessere medizinische Beratung und eine Versorgung, die auch in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern gut erreichbar ist.
Der Fachtag widmet sich neben den Wechseljahren auch der Transidentität. Fachvorträge zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und zur Begleitung transidenter Erwachsener werden durch Workshops zu Sexualität, Selbstfürsorge und hormonellen Veränderungen ergänzt.
Drese unterstrich, dass geschlechtersensible Gesundheitsversorgung die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigen müsse – ausdrücklich auch die von trans-, intergeschlechtlichen und queeren Menschen. „Gute Medizin darf nicht von überholten Vorstellungen ausgehen. Sie muss den Menschen sehen, zuhören und individuell helfen können.“