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Kategorie: Ostseeregion

Das Meer als Klimaschützer

Abtauchen in die Seegraswiesen der Ostsee

Schwerin – Das Forschungsprojekt „MV SEAGRASS for climate“ (MVs4C) informiert im Rahmen der ANK-Themenwoche 2026, wie Seegraswiesen in der Ostsee Artenvielfalt fördern und Kohlenstoff speichern.

Im Rahmen der bundesweiten ANK-Themenwoche „Natur stärken – Klima schützen“ lädt das vom Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern koordinierte Forschungsprojekt „MV SEAGRASS for climate“ am 10. Oktober 2026 von 14:00 bis 17:00 Uhr in den maritimen Erlebnisraum SEALEVEL in der Kieler Innenstadt ein. Anlass ist der bundesweite Thementag „Klimaschützer Meer“, an dem Projekte des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) die Bedeutung mariner Ökosysteme für den Klima- und Naturschutz vorstellen.

„Seegraswiesen gehören zu den wertvollsten Lebensräumen unserer Ostsee. Sie bieten zahlreichen Arten einen Lebensraum und speichern gleichzeitig große Mengen Kohlenstoff im Meeresboden. Wer Seegras schützt, schützt deshalb Natur und Klima gleichermaßen. Mit dem Projekt „MV SEAGRASS for climate“ schaffen wir in den kommenden Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen, um diese einzigartigen Unterwasserwiesen langfristig zu erhalten und dort, wo es möglich ist, wiederherzustellen“, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Zwischen interaktiven Ausstellungsexponaten können Besucherinnen und Besucher die faszinierende Welt der Seegraswiesen entdecken und im Gespräch mit Forschenden erfahren, warum Seegras als „Klimaheld der Ostsee“ gilt und wie moderne Forschung dabei hilft, diese Lebensräume zu schützen.

Seegraswiesen leisten wichtigen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz

Seegraswiesen zählen zu den wertvollsten Lebensräumen der Ostsee. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Schutz und Nahrung, verbessern die Wasserqualität und sind natürliche Kohlenstoffsenken. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz sowie Küstenschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Gleichzeitig sind viele Seegrasbestände in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen. Umso wichtiger ist es, ihre Verbreitung und ihre Funktionen besser zu verstehen sowie geeignete Maßnahmen für Schutz und Wiederherstellung zu entwickeln.

Genau hier setzt das Projekt „MV SEAGRASS for climate“ an. Entlang der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns werden aktuelle und historische Seegrasvorkommen erfasst, geeignete Flächen für die Wiederansiedlung identifiziert und an ersten Pilotstandorten erprobt sowie wissenschaftliche Grundlagen für den langfristigen Schutz dieser Lebensräume geschaffen. Im Laufe des Projektes wird zudem eine Seegraswiesenstrategie erarbeitet.

Forschung zum Anfassen im SEALEVEL

In der Kieler Ausstellung SEALEVEL erwartet die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Mitmachangebot. Sie können spielerisch erkunden, weshalb Seegras oft als „Klimaheld der Ostsee“ bezeichnet wird, mehr über die Kartierung von Seegrasbeständen mit Hilfe moderner Drohnen- und Satellitentechnik erfahren und sich mit Forschenden über Fragen des Klima-, Arten- und Meeresschutzes austauschen. Der maritime Ausstellungs- und Erlebnisraum in der Kieler Innenstadt bietet dafür einen geeigneten Rahmen, um aktuelle Meeresforschung verständlich und anschaulich zu vermitteln.

„MV SEAGRASS for climate“ nimmt Teil an der bundesweiten ANK-Themenwoche 2026

Die Veranstaltung ist Teil der ersten gemeinsamen ANK-Themenwoche „Natur stärken – Klima schützen“ vom 7. bis 14. Oktober 2026. Bundesweit zeigen Projekte des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK), wie intakte Ökosysteme Klima- und Naturschutz miteinander verbinden. Gemeinsam mit weiteren Projekten aus Schleswig-Holstein ZOBLUC, FUBLUC, LABLUC und dem KI-Leuchtturmprojekt KIMMCO macht MV SEAGRASS for climate den Beitrag von Seegraswiesen im Land für den natürlichen Klimaschutz sichtbar.

Die Veranstaltung findet am 10. Oktober 2026 im SEALEVEL Kiel in der Holstenstraße 2–12 statt.

Der Eintritt ist frei.

Hintergrund

Das auf acht Jahre ausgelegte Forschungsprojekt „MV SEAGRASS for climate“ ist ein Projekt des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern. Die Förderung des Projektes im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beträgt etwa 12 Millionen Euro. Das ANK stärkt bundesweit natürliche Ökosysteme als Verbündete für den Klima-, Natur- und Artenschutz und wird fachlich durch das Bundesamt für Naturschutz begleitet. Die Umsetzung des Projektes erfolgt in Zusammenarbeit mit vier Projektpartnern aus drei Bundesländern unter Federführung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt (LM) und dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG)

Ziel des Projektes ist es, die Seegraswiesen entlang der Küste Mecklenburg-Vorpommerns umfassend zu erfassen, ihre Rolle für Biodiversität, Küsten- und Klimaschutz zu untersuchen und Grundlagen für ihren langfristigen Schutz sowie ihre Wiederherstellung zu schaffen. Zudem soll bis zum Jahr 2033 eine langfristige Seegrasstrategie für Mecklenburg-Vorpommern erarbeitet werden.

Sichere Sandgewinnung vor Graal-Müritz:

Land lässt 250 Munitions­verdachtsfälle untersuchen

Graal-Müritz – Vor der Küste zwischen Graal-Müritz und Dierhagen setzt Mecklenburg-Vorpommern die systematische Untersuchung und Räumung von Kampfmitteln im Meeresboden fort. Rund 250 Verdachtsobjekte sollen in einem vier bis sechs Kilometer von der Küste entfernten Seegebiet untersucht und, soweit möglich, fachgerecht geborgen werden. Die Arbeiten sind Teil der seit 2019 laufenden Sondierung der marinen Sandlagerstätte „Graal-Müritz“. Dort wurden bislang fast 4.000 kampfmittelrelevante Anomalien festgestellt.

Umweltminister Dr. Till Backhaus betont: „Hier greifen Munitionsbergung und Küstenschutz unmittelbar ineinander. Wir brauchen Sand aus der Ostsee, um unsere Strände und Dünen zu erhalten und die Menschen an der Küste vor Sturmfluten und Landverlust zu schützen. Diesen Sand können wir aber nur gewinnen, wenn wir sicherstellen, dass von den Lagerstätten keine Gefahr durch alte Munition ausgeht. Deshalb investieren wir Jahr für Jahr in die Untersuchung und Räumung dieser Flächen.“

Rund 500.000 Kubikmeter Sand werden im langjährigen Durchschnitt jährlich benötigt, um natürliche Sandverluste an Mecklenburg-Vorpommerns Außenküste auszugleichen. Auf mehr als 100 Kilometern bilden Dünen, Strand und vorgelagerte Flachwasserbereiche ein natürliches Schutzsystem gegen Überflutung und Küstenrückgang. Insgesamt schützen Küstenschutzanlagen auf mehr als 450 Kilometern den Lebens- und Wirtschaftsraum an der Küste.

Die Herausforderung: Alle für die Sandgewinnung vorgesehenen marinen Lagerstätten des Landes befinden sich innerhalb kampfmittelbelasteter Flächen oder entsprechender Verdachtsflächen. Deshalb werden sie vor einer Sandentnahme systematisch untersucht. Zunächst werden mögliche Objekte mit geophysikalischen Verfahren geortet. Auffällige Stellen werden anschließend durch qualifizierte Berufstaucher untersucht. Kampfmittel werden, soweit möglich, geborgen und fachgerecht beseitigt.

In den vergangenen zehn Jahren wurden im Auftrag des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg rund 100 Quadratkilometer Meeresboden auf Kampfmittel untersucht. Dafür stellt das Land jährlich bis zu 1,5 Millionen Euro bereit.

Backhaus: „Die Hinterlassenschaften zweier Weltkriege werden uns noch über Jahrzehnte beschäftigen. Aber wir warten nicht darauf, dass alte Munition zum Problem wird. Wir untersuchen die Flächen systematisch, beseitigen Gefahren und schaffen damit zugleich die Voraussetzung dafür, dass wir unseren Küstenschutz auch künftig zuverlässig gewährleisten können.“

Mit der diesjährigen Kampagne wird die Untersuchung der Lagerstätte „Graal-Müritz“ fortgesetzt. Beauftragt ist die Hansataucher GmbH aus Hamburg. Die Arbeiten sollen bis spätestens Ende November abgeschlossen werden. In den vergangenen Jahren wurden dort bereits zahlreiche Kampfmittel geborgen – von kleinkalibrigen Geschossen und Munitionsschrott bis zu großkalibriger Munition, darunter eine rund 80 Zentimeter große Seemine.

Geänderte Verordnung stärkt Fischbestände und schützt Meeressäuger

Schwerin – Für Angler und Berufsfischer in Mecklenburg-Vorpommern gelten ab heute neue Regeln in den Küstengewässern. Mit der fünften Änderung der Küstenfischereiverordnung setzt das Land neue Vorgaben für ein nachhaltiges Management wichtiger Fischbestände um und stärkt zugleich den Schutz empfindlicher Arten wie Kegelrobben und anderer Meeressäuger. Grundlage sind wissenschaftliche Erkenntnisse und die Abstimmung mit Fischerei- und Umweltverbänden. Die Küstenfischereiverordnung war zuletzt 2022 geändert worden.

Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus: „Unsere Küstengewässer sind Naturraum und wirtschaftliche Grundlage zugleich. Deshalb müssen wir Fischbestände so nutzen, dass sie sich langfristig entwickeln können – und gleichzeitig die Menschen im Blick behalten, die von und mit der Fischerei leben. Die neuen Regeln bringen Nutzung und Schutz besser zusammen. Sie beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und sind mit den betroffenen Verbänden intensiv diskutiert worden.“

Neue Regeln für Hecht, Barsch und Meerforelle

Besonders umfangreich sind die Änderungen beim Hecht. Wissenschaftliche Untersuchungen hatten seit 2019 die Bestände in den Boddengewässern untersucht, nachdem Angler bereits seit 2014 über rückläufige Fänge berichtet hatten. Die daraus entwickelten Empfehlungen fließen nun in die Verordnung ein.

Für Hechte gilt künftig ein Entnahmefenster von 60 bis 90 Zentimetern. Das Mindestmaß steigt auf 60 Zentimeter, gleichzeitig darf in der Freizeitfischerei nur noch ein Hecht pro Angeltag und Person gefangen und angeeignet werden. Die Obergrenze von 90 Zentimetern gilt für die Handangelfischerei sowie für lebend in Reusen gefangene Hechte. Damit sollen insbesondere große und für die Fortpflanzung wichtige Tiere besser geschützt werden.

Auch bei weiteren Arten gibt es Änderungen: Das Mindestmaß für Meerforellen steigt auf 48 Zentimeter. Für Barsche wird in der Freizeitfischerei erstmals ein Tagesfanglimit von 15 Fischen je Person eingeführt.

Backhaus: „Wer heute vernünftig fischt, soll auch morgen noch etwas fangen können. Genau darum geht es. Beim Boddenhecht haben Wissenschaft, Angler und Fischerei intensiv daran gearbeitet, wie wir den Bestand langfristig sichern können. Aus diesen Erkenntnissen ziehen wir jetzt Konsequenzen.“

Mehr Möglichkeiten zum Schutz von Kegelrobben und anderen Meeressäugern

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz sogenannter empfindlicher Arten. Dazu gehören unter anderem Wal- und Robbenarten. Die obere Fischereibehörde erhält zusätzliche Möglichkeiten, bei Bedarf räumlich und zeitlich begrenzte Vorgaben für die Fischerei zu erlassen und Anforderungen an Fanggeräte festzulegen. Hintergrund sind unter anderem die gehäuften Totfunde von Kegelrobben im Jahr 2024.

„Die vielen toten Kegelrobben haben uns gezeigt, dass wir im Ernstfall schneller und gezielter handeln können müssen. Deshalb geben wir der Fischereibehörde jetzt die notwendigen Instrumente an die Hand. Dabei geht es nicht um pauschale Verbote. Wir wollen dort eingreifen können, wo und solange es zum Schutz empfindlicher Arten tatsächlich erforderlich ist.“

Zugleich werden die Regelungen für die Reusenfischerei angepasst. Damit sollen Risiken für empfindliche Arten reduziert werden, ohne die traditionelle Küstenfischerei grundsätzlich infrage zu stellen.

Steinbutt: Landesrecht wird an EU-Recht angepasst

Beim Steinbutt wird die bisherige landesrechtliche Schonzeit gestrichen und damit an das geltende europäische Fischereirecht angepasst. Ziel ist eine einheitliche Rechtsanwendung und die Gleichbehandlung der heimischen Küstenfischerei im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik.

Backhaus abschließend: „Wir brauchen beides: gesunde Fischbestände und eine Küstenfischerei mit Zukunft. Schutz und Nutzung dürfen wir nicht gegeneinander ausspielen. Gute Fischereipolitik muss dafür sorgen, dass unsere Meere lebendig bleiben und Fischerei an unserer Küste weiterhin möglich ist.“

Schwesig: Unsere Ostsee muss sauber bleiben

Schwerin – Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat sich heute erfreut darüber gezeigt, dass das Bundesumweltministerium die Entscheidung für den Bau einer mobilen Entsorgungsplattform getroffen hat. Mit Hilfe der Plattform soll voraussichtlich ab Ende 2028 Altmunition aus der Ostsee geborgen werden.

„Wir in Mecklenburg-Vorpommern lieben unsere Ostsee. Fast jede und jeder von uns fährt gerne an den Ostseestrand. Und die Ostseeküste ist auch Grundlage für unseren Erfolg als Tourismusland. Die Ostsee muss sauber bleiben. Die giftige Altmunition aus zwei Weltkriegen ist eine Gefahr für unsere Umwelt und für die Menschen. Ich bin deshalb sehr dankbar, dass Bundesumweltminister Schneider einen klaren Schwerpunkt auf die Bergung der oft giftigen Altmunition setzt.

Die Entscheidung zum Aufbau des Bundeskompetenzzentrums Altmunition war ein erster wichtiger Schritt. Jetzt kommt der Bau der Plattform hinzu. Sie ist Voraussetzung, dass auch in größeren Mengen Altmunition aus der Ostsee geholt werden kann. Dafür haben wir uns als Landesregierung eingesetzt. Das ist eine wichtige Entscheidung zum Schutz der Umwelt – und dafür, dass wir auch in Zukunft gerne an die Ostsee fahren.“

30 Jahre Kläranlage Rostock

Vom Hot Spot der Ostseebelastung zu einer der leistungsfähigsten Kläranlagen Deutschlands

Rostock – Die Kläranlage Rostock feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Klimaschutz- und Umweltminister Dr. Till Backhaus gratuliert und erläutert, die Bedeutung des Jubiläums:

„Wenn wir heute 30 Jahre Kläranlage Rostock feiern, dann feiern wir weit mehr als Betonbecken, Pumpen, Leitungen und tech­nische Anlagen. Wir feiern 30 Jahre verlässliche Daseinsvorsorge.

Allein im Verbandsgebiet werden die Abwässer von rund 264.000 Einwohnern sowie von Gewerbe, Industrie und öffentlichen Einrichtungen entsorgt. Dafür braucht es 360 Abwasser­pumpwerke, 15 Kläranlagen und mehr als 1.600 Kilometer Kanalnetz. Auf der anderen Seite werden rund 274.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt. Dafür stehen 11 Wasser­werke, 42 Brunnen und 1.415 Kilometer Trinkwasser­leitungen bereit.

Der Anschlussgrad liegt bei 99,9 Prozent“, so Backhaus, der ergänzt: Im Alltag bleibt diese Infrastruktur weitgehend unsichtbar. Und vielleicht ist gerade das ihr größter Erfolg: Sie funktioniert. Jeden Tag. Rund um die Uhr. Wasserver- und Abwasserentsorgung gehören zur elementaren Daseinsvorsorge. Sie sind Grundlage für Gesundheit und Hygiene, für wirtschaftliche Entwicklung und für den Schutz unserer Gewässer.“

Wie groß der Fortschritt dabei in Rostock gewesen sei, zeige der Blick zurück, führt der Minister aus: „Vor 1996 verfügte die damalige Kläranlage im Wesentlichen lediglich über eine mechanische Abwasserbehandlung. Eine biologische Reinigung und eine gezielte Nährstoffentfernung gab es nicht. Stickstoff und Phosphor gelangten deshalb zu großen Teilen über die Unterwarnow in die Ostsee.

Die Rostocker Kläranlage wurde damals von der Helsinki-Kommission sogar als einer der sogenannten Hot Spots der Ostseebelastung eingestuft. Mit der neuen Kläranlage änderte sich das grundlegend. Ein Wert macht deutlich, was hier erreicht worden ist: Bis einschließlich 1995 wurden im Durchschnitt jährlich etwa 30 bis 40 Tonnen Phosphor über die Kläranlage in Richtung Ostsee eingetragen. Nach der Modernisierung waren es nur noch 3,5 bis 4,5 Tonnen. Heute liegen wir bei unter 3 Tonnen im Jahr, teilweise sogar unter 2 Tonnen.

Die Phosphorkonzentration sinkt bei der Reinigung von durch­schnittlich 10 bis 13 Milligramm pro Liter im Zulauf auf nur noch 0,17 Milligramm im Ablauf. Das entspricht einer Reinigungsl­eistung von 97 bis 99 Prozent.

Aus einem Hot Spot der Ostseebelastung ist eine der modernsten und leistungsfähigsten Kläranlagen Deutschlands geworden. Und deshalb ist dieses 30-jährige Jubiläum nicht nur ein Geburtstag. Es steht für 30 Jahre konkreten Gewässerschutz für Warnow und Ostsee.“

Allerdings dürfe man sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen, mahnt Backhaus. Mit der neuen europäischen Kommunalab­wasser­richtlinie, die seit 2025 in Kraft sei, beginne das nächste Kapitel: „Europa verschärft unter anderem die Anforderungen an die Entfernung von Stickstoff und Phosphor. Für große Anlagen gilt künftig beim Phosphor ein Wert von 0,5 Milligramm pro Liter. Rostock erreicht heute bereits durchschnittlich 0,17 Milligramm.

Wir starten also aus einer sehr guten Position. Die größere Herausforderung wird die sogenannte 4. Reinigungsstufe sein. Sie soll Mikroschadstoffe entfernen beispielsweise Rückstände aus Arzneimitteln oder Kosmetika. Für Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten wird diese zusätzliche Reinigung verpflichtend. Rostock mit einer Kapazität von bis zu 400.000 Einwohnerwerten gehört dazu. Bis spätestens 2045 müssen die Vorgaben umge­setzt sein; erste Etappenziele greifen bereits ab 2033.

Das wird Investitionen erfordern. Und es wird darauf ankommen, dass die Finanzierung fair ausgestaltet wird. Deshalb ist es richtig, dass die europäische Richtlinie auf die erweiterte Herstellerverantwortung setzt: Hersteller insbesondere aus der Pharma- und Kosmetikindustrie sollen mindestens 80 Prozent der Kosten der 4. Reinigungsstufe tragen. Denn wer problema­tische Stoffe in Verkehr bringt, muss auch Verantwortung für ihre Beseitigung übernehmen.

Auch beim Thema Energie ist Rostock schon weit. Die neue Richtlinie stellt höhere Anforderungen an die Energieeffizienz von Kläranlagen. Die Rostocker Anlage erzeugt durch die Nutzung von Klärgas inzwischen bereits rund 90 Prozent ihres Strombedarfs selbst“, so Minister Backhaus abschließend.

Toter Wal im Greifswalder Bodden

Körper soll untersucht werden

Stralsund – Mit Bedauern hat Umweltminister Dr. Till Backhaus auf die Meldung reagiert, dass im Greifswalder Bodden ein toter Wal gesichtet worden ist.

„Um 08:16 Uhr wurde der Wasserschutzpolizei gemeldet, dass ein lebloser Wal im Greifswalder Bodden treibt. Eine Mitarbei­terin des Deutschen Meeresmuseums hat inzwischen den Tod des Tieres festgestellt.

Ich danke den Mitarbeitenden der Wasserschutzpolizei und des Wasserstraßen- und Schifffahrts­amtes Ostsee, die seit der Sichtung mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz sind, um die dadurch entstandene Gefahrenstelle zu sichern und die Leichtigkeit und Sicherheit des Schiffsverkehrs aufrechtzuerhalten. Ebenso danke ich dem Deutschen Meeres­museum für den Einsatz und die Bereitschaft, das tote Tier zu wissenschaftlichen Zwecken zu untersuchen.

Dennoch betrübt es mich, dass wir nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Tod eines Buckelwals in der Ostsee feststellen müssen, diesmal direkt in den Hoheitsgewässern des Landes. Aus der Sektion des Tieres erhoffen wir uns mehr zu erfahren, woran solche hier nicht heimischen Tiere in unseren Gewässern sterben und vielleicht, warum sie überhaupt in das für sie nicht geeignete, teils sogar lebensfeindliche Umfeld einschwimmen.

Es gibt Hinweise, dass sich die Buckelwalpopu­lation im Atlantik in den letzten Jahren gut erholt hat. Mehr Tiere bedeuten aber offenbar auch mehr Irrläufer, die in die Ostsee einschwimmen. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr über diese Tierart erfahren, um solchen Ereignissen in Zukunft vielleicht entgegenwirken zu können“, so Minister Backhaus.

Meeresschutz stärken und Kompetenzen bündeln

MV setzt auf wirksame statt pauschale Maßnahmen

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt nimmt am Freitag, 7. Mai, an der 106. Umweltministerkonferenz (UMK) in Leipzig teil. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach einem verbesserten Meeresschutz in Nord- und Ostsee, Konsequenzen aus den wiederholten Walstrandungen sowie Fortschritte bei der Munitionsbergung und beim Wildtiermanagement.

„Das Ökosystem von Nord- und Ostsee ist durch vielfältige Nutzungen und stoffliche Einträge stark belastet. Daraus folgt ein klarer Auftrag: mehr Meeresschutz – aber wirksam und nicht nur auf dem Papier“, sagt Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für mehr und wirksamere Ruhe- und Rückzugsräume ein, in denen sich Arten und Lebensräume ohne direkte Beeinträchtigungen durch menschliche Nutzung erholen können. Solche geschützten Bereiche sind ein zentraler Baustein für den Schutz von Meeressäugern, weil sie Störungen reduzieren und sichere Rückzugsräume schaffen.

Ergänzend setzt das Land auf gezielte Maßnahmen zur Verringerung konkreter Risiken – insbesondere beim Beifang durch die traditionelle Kleine Küstenfischerei sowie im Umgang mit Geisternetzen. Grundlage ist dabei ein klarer Ansatz: Maßnahmen müssen dort ansetzen, wo tatsächlich Gefahren bestehen und auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Auch bei der Industriefischerei verfolgt Mecklenburg-Vorpommern diesen differenzierten Weg und setzt sich für eine wirksame Regulierung auf EU-Ebene ein.

„Ich bleibe dabei: Wir brauchen mehr Meeresschutz. Daran hat sich auch nach den Erfahrungen mit der Walrettung nichts geändert“, stellt Backhaus klar. „Aber dieser Schutz muss wirksam und verhältnismäßig sein. Er darf nicht dazu führen, dass wir gewachsene Strukturen an unserer Küste zerstören.“

Die Küstenfischerei sei nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch Teil unserer kulturellen Identität und als immaterielles Kulturerbe anerkannt. „Die Zahl der Betriebe ist seit der Wende bereits massiv zurückgegangen –  von rund 950 auf heute etwa 270 im Haupt- und Nebenerwerb. Diese Entwicklung zeigt, wie sensibel wir hier abwägen müssen. Unser Ziel ist es, Meeresschutz und Fischerei gemeinsam zu denken – nicht gegeneinander auszuspielen.“

„Mecklenburg-Vorpommern verfügt bereits über eine sehr hohe Schutzgebietsdichte: Rund 50 Prozent des Küstenmeeres stehen unter Schutz. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt – von Renaturierungen über Schutzgebietsbetreuung bis hin zur Wiederherstellung von Seegraswiesen und Riffstrukturen.

„Meeresschutz findet längst statt – entscheidend ist, ihn weiter zu verbessern und zielgerichtet auszubauen“, so Backhaus.

Die jüngsten Buckelwal-Strandungen haben aus Sicht des Landes gezeigt, dass es klarere Strukturen und abgestimmte Verfahren braucht.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für einen länderübergreifenden „Runden Tisch Walstrandungen“ ein. Ziel ist ein gemeinsames Konzept mit klaren Zuständigkeiten, abgestimmten Abläufen und einer tragfähigen Koordinierungsstruktur.

„Solche Einsätze sind hochkomplex. Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten, abgestimmte Prozesse und eine gemeinsame Linie über Ländergrenzen hinweg“, sagt Backhaus.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bergung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee. Mecklenburg-Vorpommern fordert vom Bund mehr Tempo und Verlässlichkeit.

Konkret wird die Vorlage der Ergebnisse aus den Pilotbergungen sowie ein gemeinsames Finanzierungsmodell für die langfristige Munitionsbeseitigung gefordert.

„Hier handelt es sich um eine Generationenaufgabe. Der Bund muss gemeinsam mit den Ländern für klare Zuständigkeiten und eine verlässliche Finanzierung sorgen“, so Backhaus.

Zudem setzt sich das Land für die schnelle Einrichtung des Bundeskompetenzzentrums „Munitionsbergung aus dem Meer“ in Rostock ein.

Auch beim Umgang mit dem Kormoran spricht sich Mecklenburg-Vorpommern für einen ausgewogenen Ansatz aus.

Vor dem Hintergrund eines stabilen Bestands setzt sich das Land dafür ein, die rechtlichen Spielräume zu erweitern und ein europaweites Management zu prüfen.

„Wir brauchen einen Ausgleich zwischen Artenschutz und den berechtigten Interessen der Fischerei“, betont Backhaus.

Schwesig: Durch gute Ostseezusammenarbeit gewinnen alle

Rostock – In ihrer Rede beim 3. Baltic Sea Business Day hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Wert der Zusammenarbeit hervorgehoben: „Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern wollen Geschäfte im Ostseeraum machen. Wir laden Unternehmen aus anderen Ostseeländern ein, bei uns zu investieren. Denn wir sind davon überzeugt: Durch gute Ostseezusammenarbeit gewinnen alle.“ Die Zusammenarbeit mit den Nachbarn rund um die Ostsee voranzubringen, sei ihr ein persönliches Anliegen.

Schwesig zog in ihrer Rede auch Bilanz: „Das Handelsvolumen Deutschlands mit den Ostseeanrainerstaaten ist mit 341 Milliarden Euro größer als mit den Haupthandelspartnern, China und den Vereinigten Staaten. Mecklenburg-Vorpommern wickelt etwa 25 Prozent seines Außenhandels mit den Ostseeländern ab. Nach vorläufigen Zahlen ist das Gesamtvolumen im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf fast 21 Milliarden Euro gestiegen. Unser Außenhandel zeigt sich robust und im Aufwärtstrend. Das ist eine gute Nachricht und angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in ganz Deutschland keine Selbstverständlichkeit.“ Selbst wenn sich in diesen Zahlen auch der Verkauf eines großen Kreuzfahrtschiffs bemerkbar mache, sei Außenhandel im Wesentlichen der Handel mit Produkten des täglichen Lebens und des industriellen Bedarfs. Außenhandel bedeute Wertschöpfung im Land.

„Zu unseren Hauptexportgütern in den Ostseeraum gehört Weizen ebenso wie Schiffe. 70 Prozent der Düngemittel, die wir exportieren, gehen in den Ostseeraum. Wir importieren Erdöl, Erdgas und Mineralölerzeugnisse. 94 Prozent dessen, was wir an Papier und Pappe importieren, kommt aus Finnland. Polen ist ohnehin einer unser wichtigsten Außenhandelspartner, 2025 betrug das Handelsvolumen 1,4 Milliarden Euro“, führte Schwesig aus.

„Das gute Ergebnis verdanken wir sowohl einheimischen Unternehmen, die sich im Import und Export betätigen, als auch Unternehmen aus den anderen Ostseestaaten, die in Mecklenburg-Vorpommern investiert haben und heimisch geworden sind“, so die Ministerpräsidentin. Sie alle brächten die Wirtschaft ebenso voran, wie die Zusammenarbeit rund um die Ostsee.

Für die Landesregierung sei die Unterstützung der Unternehmen im Außenhandel ebenso wichtig, wie der Kontakt zu Investoren im Ausland. Die Regierungschefin machte klar: „Jedes Unternehmen, das in Mecklenburg-Vorpommern investieren oder erweitern will, findet in der Staatskanzlei und im Wirtschaftsministerium offene Türen und die Bereitschaft, konkret zu helfen. Wir sind ein Land der kurzen Wege und Ansiedlung ist bei uns Chefinsache.“

Das Engagement zahle sich aus. Der Außenhandel schaffe neue Arbeitsplätze. Das zeige u.a. die Produktionserweiterung der Firma Haff-Dichtungen aus Ueckermünde. „Auf dem Deutsch-Lettischen Wirtschaftstag wurden von Familie Ruhnau konkrete Aufträge angebahnt und diese führen nun zu einer Erweiterung der Produktion. Jetzt werden mehr als 4 Millionen Euro investiert und am Standort neue Arbeitsplätze geschaffen“, so die Regierungschefin.

Schwesig nannte ein weiteres Beispiel: „Während andere Regionen unter geopolitischen Spannungen stehen, wächst der Kreuzfahrttourismus in unserer Region und wir wachsen zusammen. Er macht den Ostseeraum für die Menschen erfahrbar.

AIDA allein plant im nächsten Jahr 392 Anläufe in den Häfen des demokratischen Ostseeraums mit über 1,3 Millionen Passagieren. Das stärkt den Ostseeraum und wir sind mit AIDA vorn dabei,“ sagte die Regierungschefin.

Mit mehr als 650 Gästen konnte auf dem 3. Baltic Sea Business Day ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden. „Er ist das Spitzentreffen der Ostseeanrainer, das Forum für den Ideentausch, die Plattform für Kontakte rund um die Ostsee“, so Schwesig.