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Backhaus: „Moorschutz muss auch wirtschaftliche Perspektiven haben“

Mühlengeez – Mecklenburg-Vorpommern will die nasse Bewirtschaftung von Moorböden stärker mit regionaler Wertschöpfung verbinden. Beim Fachforum „Paludikultur in MV – Förderung, Praxis und Märkte“ auf der MeLa in Mühlengeez hat Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus dafür geworben, aus bisherigen Pilotprojekten schrittweise tragfähige Geschäftsmodelle für landwirtschaftliche Betriebe zu entwickeln.

„Klimaschutz funktioniert auf Dauer nur, wenn wir die Menschen mitnehmen, die unsere Flächen bewirtschaften. Für mich ist deshalb klar: Wir können von Landwirten nicht verlangen, ihre Bewirtschaftung grundlegend umzustellen und sie anschließend mit dem wirtschaftlichen Risiko alleinlassen. Moorschutz braucht Akzeptanz – und Akzeptanz braucht eine wirtschaftliche Perspektive“, sagte Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern verfügt dafür über besondere Voraussetzungen. Rund zwölf Prozent der Landesfläche sind Moore, etwa 160.000 Hektar Moorfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Das Land hat in den vergangenen Jahren erheblich in Moorschutz und Wassermanagement investiert. Unter anderem wurden für 65 Stauanlagen 1,4 Millionen Euro bewilligt. Sieben Moorschutzbeauftragte unterstützen bis 2028 die Wasser- und Bodenverbände. Hinzu kommen zahlreiche Vorhaben über ELER und das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz.

Der nächste Schritt müsse nun darin bestehen, Klimaschutz und Wertschöpfung zusammenzubringen, so Backhaus. Paludikultur ermöglicht eine produktive Nutzung wiedervernässter Moorböden. Pflanzen wie Schilf oder Rohrkolben können beispielsweise zu Rohstoffen für Papier und Verpackungen, Dämm- und Baustoffe oder Akustikelemente verarbeitet werden. Je nach Biomasse und Aufbereitung kommt auch eine energetische Nutzung infrage.

„Die entscheidende Frage eines Landwirts ist nicht, ob sich aus Schilf theoretisch ein Dämmstoff herstellen lässt. Er muss wissen: Wer kauft meine Ernte, zu welchem Preis und kann ich damit dauerhaft Geld verdienen? Genau an dieser Stelle müssen wir jetzt weiterkommen. Aus Modellprojekten müssen Wertschöpfungsketten werden.“

Mit dem geplanten Biomasseauffaserungswerk in Malchin gibt es bereits einen Ansatz für eine regionale Verarbeitung. Darüber hinaus haben die drei geplanten Paludikultur-Leuchtturmregionen Friedländer Große Wiese, Elde-Müritz und Lewitz die erste Hürde im Bundesverfahren genommen und können vollständige Projektanträge einreichen. Bei erfolgreicher Beantragung eröffnet sich dort die Chance, Erzeugung, Ernte, Logistik, Verarbeitung und Vermarktung systematisch miteinander zu verbinden.

Auch die Klimawirkung ist erheblich. Durch die Anhebung der Wasserstände können gegenüber einer entwässerten Nutzung nach den vorliegenden fachlichen Angaben etwa 15 bis 25 Tonnen CO₂-Äquivalente je Hektar und Jahr vermieden werden, unter günstigen Bedingungen auch mehr. Entscheidend ist dabei vor allem, dass der wassergesättigte Torf erhalten und seine weitere Zersetzung gebremst wird. Gleichzeitig verbessert ein hoher Wasserstand den Wasserrückhalt in der Landschaft.

Backhaus machte zugleich deutlich, dass Paludikultur derzeit noch kein flächendeckend wirtschaftlich etabliertes Geschäftsmodell ist. Produktionskosten, geeignete Technik und Absatzmärkte befinden sich vielerorts noch in der Entwicklung. Zudem fehlt für verschiedene Paludikulturen bislang eine bundesweit eindeutige und rechtssichere Zuordnung im GAP-System.

„Ich will keine Paludikultur um jeden Preis und schon gar keine Bewirtschaftung vom Schreibtisch aus verordnen. Wir brauchen sie dort, wo sie ökologisch sinnvoll ist und für die Betriebe wirtschaftlich funktionieren kann. Dafür brauchen wir klare Förderregeln, verlässliche Absatzmärkte und Unternehmen, die aus der Biomasse marktfähige Produkte machen. Unser Ziel muss sein: Wertschöpfung bleibt in Mecklenburg-Vorpommern.“

Das Land werde deshalb weiter daran arbeiten, Landwirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen. Entscheidend sei, Flächenentwicklung und Marktentwicklung von Beginn an gemeinsam zu denken.

Backhaus: „Mecklenburg-Vorpommern hat die Moorflächen, das Wissen und die ersten praktischen Erfahrungen. Jetzt geht es darum, daraus einen Markt zu machen. Wenn wir Klimaschutz so organisieren, dass daraus neue Produkte, Aufträge und Einkommen im ländlichen Raum entstehen, dann wird aus einer Herausforderung eine echte Chance für unser Land.“

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