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Autor: Rügenbote

Startkapital für die Kleine Welle

Gingster Grundschulredakteure gründen eine neue Schülerzeitung

Insel Rügen – Mit einem Startkapital des Landes gründen Gingster Grundschüler eine eigene Schülerzeitung. In Anlehnung an die Zeitung der Regionalschüler nennen sie ihr Blatt „Kleine Welle“ und präsentierten die erste Ausgabe bereits zum Schulhof-Sommerfest zu Beginn des Monats.

„Wir freuen uns über die neue Zeitung auf der Insel Rügen“, erklärt Cornelia Eigler von der Landesinformationsstelle Schülerzeitung (LISZ), „mit unserer Anschubfinanzierung möchten wir die technischen Möglichkeiten von Redaktionen unterstützen.“ Insgesamt werden 1.000 Euro in die Anschaffung von neuen Notebooks, eines Layoutprogramms und in die Datenspeicherung investiert. Dabei beteiligt sich der Förderverein der Schule mit einem Eigenanteil von 200 Euro.

Cornelia Eigler im Gespräch mit den Redakteuren der „Kleinen Welle“ Klaas Auerswald, Friederike und Elias Westphal sowie Scout Hermerschmidt. (v. l. n. r.). Foto: André Farin
Cornelia Eigler im Gespräch mit den Redakteuren der „Kleinen Welle“ Klaas Auerswald, Friederike und Elias Westphal sowie Scout Hermerschmidt. (v. l. n. r.). Foto: André Farin

Scout Hermerschmidt strahlt zusammen mit den drei jungen Zeitungsmachern, als sie über ihre Arbeit und den Einsatz der Finanzen sprechen. „Das Geld kommt zur richtigen Zeit“, meint die AG-Leiterin, die seit diesem Schuljahr das Ganztagsangebot betreut. Für eine Grundschulausgabe brauche man immer viel Zeit, Geduld und Ideen, sagt sie und blickt zufrieden auf die Entstehungsphase zurück. Mit dem Technikzuschuss werde die Herstellung der nächsten Ausgaben noch einfacher.

Der erste Erfolg der Gruppe hat sich schon eingestellt, denn die erste Auflage ihrer „Kleinen Welle“ war gleich nach Erscheinen schon fast vergriffen. „Ich habe über 85 Zeitungen verkauft“, erinnert sich Klaas Auerswald sehr stolz. Themen, Bilder und Aufmachung haben die Kunden einfach überzeugt. Er und seine beiden Teamfreunde Friederike Bonau und Elias Westphal wollen im neuen Schuljahr auf jeden Fall weitermachen. Sie werden die Einladung zum Schülerzeitungskongress in Rostock annehmen und ihre Herbstausgabe zum Landeswettbewerb der besten Schülerzeitungen ganz mutig einreichen.

Schwesig: Toni Kroos ist ein Weltfußballer mit großem Herz

Greifswald – Fußball-Weltmeister Toni Kroos ist heute im Greifswalder Volksstadion mit dem Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet worden.

In Ihrer Laudatio würdigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Karriere und das soziale Engagement des gebürtigen Greifswalders. „Toni Kroos ist einer der bekanntesten Söhne Mecklenburg-Vorpommerns. Wir alle haben ihn kennengelernt als begnadeten Fußballer, dessen Pässe der Herzschlag seiner Mannschaften waren. Mit 34 Titeln ist er der erfolgreichste deutsche Fußballer aller Zeiten.“

Foto @ Staatskanzlei MV
Foto @ Staatskanzlei MV

Dazu sei Toni Kroos ein Mensch mit außergewöhnlichem sozialem Engagement. Seit zehn Jahren unterstütze seine Stiftung schwerkranke Kinder und deren Familien in Deutschland. „Dabei hilft sie schnell und unbürokratisch: Wenn eine Therapie bezahlt werden oder ein letzter Wunsch erfüllt werden muss. Eine von sechs Partnereinrichtungen der Stiftung in Deutschland ist das Jugendhospiz Leuchtturm in Greifswald. Auch die Kinderklinik der Greifswalder Universität erhält Unterstützung. Die Toni-Kroos-Stiftung, so sagt es uns zum Beispiel das Jugendhospiz Leuchtturm, ist ein wichtiger und verlässlicher Partner mit einem unendlich großen Herz.“

Zeit der Fußball-Karriere habe Toni Kroos es sich zur Aufgabe gemacht, den Mitspielern eine Bühne zu bauen. „Toni Kroos hat geglänzt, indem er andere hat glänzen lassen. Das beschreibt heute auch sein soziales Engagement.“

In ihrer Rede appellierte Ministerpräsidentin Schwesig an die rund 600 geladenen Kinder und Jugendlichen aus verschiedenen Greifswalder Sportvereinen: „Vergesst nie: Träumen ist erlaubt. Denn Toni Kroos‘ Karriere zeigt uns allen: Beeindruckende Lebenswege müssen nicht in Hamburg, München oder Berlin beginnen. Sie beginnen auch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern.“

Landespolizei stemmte 2024 Sonderlagen mit hohem Engagement

Schwerin – Die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern war im Jahr 2024 in besonderem Maße gefordert. Neben dem normalen Dienstbetrieb stellten insbesondere zwei Großereignisse zusätzliche Anforderungen an die Einsatzkräfte: die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Schwerin sowie die Fußball-Europameisterschaft 2024, die bundesweit für erhöhte Sicherheitsanforderungen sorgte und auch die Unterstützung anderer Länderpolizeien erforderte.

„Die Polizistinnen und Polizisten unseres Landes haben auch im Jahr 2024 wieder gezeigt, dass sie in jeder Lage verlässlich und engagiert für die Sicherheit der Menschen einstehen. Ob bei Großveranstaltungen, länderübergreifenden Einsätzen oder im täglichen Streifendienst – sie leisten Außergewöhnliches für unser Gemeinwesen. Die professionellen Einsätze bei Großveranstaltungen und bundesweiten Sicherheitslagen zeigen einmal mehr, dass auf die Polizei Mecklenburg-Vorpommern Verlass ist. Mein besonderer Dank gilt allen Einsatzkräften für ihr Engagement und ihre Einsatzbereitschaft“, sagt Innenminister Christian Pegel.

Im Jahr 2024 wurden bei den Polizeibehörden des Landes insgesamt 2.428,11 Stunden Mehrarbeit geleistet. Die Verteilung dieses Mehrarbeitsvolumens auf die einzelnen Behörden gestaltet sich wie folgt: Das Landeskriminalamt mit 1.188,22 Stunden sowie das Landesbereitschaftspolizeiamt mit 1.097,46 Stunden weisen die höchsten Werte auf. Das Polizeipräsidium Rostock verzeichnete 17,33 Stunden Mehrarbeit, während beim Polizeipräsidium Neubrandenburg 85,10 Stunden anfielen. Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz Mecklenburg-Vorpommern (LPBK M-V) meldete 40 Stunden Mehrarbeit. Beim Landeswasserschutzpolizeiamt wurden hingegen keine Mehrarbeitsstunden registriert.

Für 2024 ergibt sich ein durchschnittliches Mehrarbeitsaufkommen von 0,49 Stunden pro Polizeivollzugskraft. Die Verteilung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Behörden: So gab es im Landeskriminalamt im Durchschnitt 3,17 Stunden Mehrarbeit, im Landesbereitschaftspolizeiamt 2,31 und das LPBK M-V weist im Schnitt 0,51 Stunden Mehrarbeit, das Polizeipräsidium Neubrandenburg 0,05 sowie das Polizeipräsidium Rostock 0,01 Stunden aus.

Die vergleichsweise höheren Werte beim Landeskriminalamt und dem Landesbereitschaftspolizeiamt spiegeln den intensiven Einsatz dieser Kräfte im Rahmen der Großereignisse und Sonderlagen wider.

„Gerade im Jahr 2024 wurde erneut deutlich, wie stark unsere Polizei aufgestellt ist – nicht nur in organisatorischer Hinsicht, sondern vor allem durch die Menschen, die mit Fachwissen, Ruhe und Einsatzbereitschaft ihre Aufgaben erfüllen. Das verdient unsere höchste Anerkennung. Die Polizei Mecklenburg-Vorpommern steht für Stabilität und Vertrauen. Was unsere Beamtinnen und Beamten tagtäglich leisten, geschieht oft im Hintergrund – aber es ist die Grundlage für Freiheit, Demokratie und das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger“, so Minister Pegel weiter.

Ein erheblicher Teil des Mehrarbeitsaufkommens in der Landespolizei in 2024 ist auf außergewöhnlichen Einsatzlagen zurückzuführen.

Frist zur Abgabe der Einkommenssteuererklärung endet

Abgabe noch bis 31.07.2025 möglich

Schwerin – In wenigen Tagen endet die Frist zur Abgabe der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2024 für alle, die zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind. Der letzte Termin ist der 31. Juli 2025. Eine automatische Fristverlängerung, wie sie in den vergangenen Jahren pandemiebedingt galt, ist nicht mehr vorgesehen.

Nur wer sich bei der Erstellung der Steuererklärung von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein unterstützen lässt, hat mehr Zeit: In diesen Fällen verlängert sich die Frist automatisch bis zum 30. April 2026.

Finanzminister Dr. Heiko Geue: „Die Corona-Nachwirkungen sind vorbei. Wir sind wieder zur Normalität zurückgekehrt. Das bedeutet auch, dass die Steuererklärung wieder rechtzeitig abgegeben werden muss. Wer sich die Steuerklärung möglichst einfach machen möchte, dem empfehle ich ELSTER: Hier gibt es viele Vorteile, wie vorausgefüllte Formulare, die Datenübernahme aus dem Vorjahr und automatische Plausibilitätsprüfungen. So wird die Abgabe einfacher und schneller – für Bürgerinnen und Bürger ebenso wie für unsere Finanzämter.“

Übrigens gibt es mittlerweile zwei ergänzende Online-Services bei ELSTER, die die Steuererklärung zusätzlich vereinfachen: Seit 2022 können Personen mit inländischen Renteneinkünften oder Pensionen ihre Steuererklärung noch einfacher mit einfachELSTER erledigen. Seit einigen Tagen wird dieses Angebot um einfachELSTERplus ergänzt, das sich gezielt an ledige, kinderlose Personen mit Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit – etwa Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger –  wendet.

Schwesig: Es bleibt bei der beitragsfreien Kita

Schwerin – Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat sich heute in die Debatte um die Zukunft der beitragsfreien Kita eingeschaltet. „Mit mir als Ministerpräsidentin bleibt die Kita auch in Zukunft beitragsfrei“, erklärte die Ministerpräsidentin.

„Jedes Kind soll die besten Startchancen haben, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Deswegen haben wir als erstes Bundesland die Kita von der Krippe bis zum Hort komplett beitragsfrei gemacht. Damit haben wir die Familien, bei denen die Eltern jeden Tag hart arbeiten, deutlich entlastet. Die Eltern leisten ihren Beitrag über die Verpflegungskosten“, sagte Schwesig weiter

Die Landesregierung verbessere zudem Schritt für Schritt die Qualität in den Kitas. „Zuletzt haben wir den Betreuungsschlüssel im Kindergarten verbessert“, erinnerte Schwesig. Dieser wurde zum 1. August 2024 von 1:15 auf 1:14 abgesenkt. Früher lag er bei 1:18.

„Es liegt nicht an der Beitragsfreiheit, dass die Kosten im Kita-Bereich in den letzten Jahren angestiegen sind. Und sie geht auch nicht zulasten der Kommunen. Denn das Land hat seinerzeit die bisherigen Elternbeiträge vollständig übernommen. Bei den zusätzlichen Kosten sind andere Faktoren entscheidend, zum Beispiel die heute richtigerweise bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher. Gerade wenn die Kinderzahlen in den Kitas niedriger werden, sollten wir die Kosten nicht als Belastung empfinden. Außerdem sind Land und Kommunen im Gespräch zu einer besseren Kostenkontrolle“, so Schwesig.

Gewaltprävention an Schulen stärken

Angebote werden in einem Landeskonzept zur Gewaltprävention zusammengeführt

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern erweitert die Gewaltprävention an Schulen. So ist unter anderem geplant, das Streitschlichter-Programm neu aufzulegen. „Wir wollen im kommenden Schuljahr ca. 100 Schülerinnen und Schüler in Streitschlichtung ausbilden. Dazu bilden wir unterstützende pädagogische Fachkräfte fort, die ihre Kenntnisse dann weitergeben können“, erklärte Bildungsstaatssekretär Tom Scheidung anlässlich der Landtagsdebatte zur Gewaltprävention. In einem ersten Schritt stehen 16 Plätze für unbefristet tätige pädagogische Fachkräfte zur Verfügung. Neben den pädagogischen Fachkräften haben auch viele Lehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter Fortbildungen in Streitschlichtung absolviert.

„Wir nehmen Gewalt an den Schulen nicht hin, sondern ergreifen präventive Maßnahmen und unterstützen unsere Lehrkräfte. Wir bilden unsere Lehrkräfte fort, damit sie angemessen reagieren können und gewähren ihnen Rechtsschutz, wenn dies notwendig ist“, so der Staatssekretär weiter. Etablierte Angebote und neue Programme werden in einem Landeskonzept zur Gewaltprävention für Schulen zusammengeführt. „Aus dem Konzept soll auch hervorgehen, dass bei Gewaltvorfällen gehandelt werden muss und jede Tat eine Konsequenz hat. Unsere Schulen ergreifen wirksame Maßnahmen zum Schutz von Mobbing, sexualisierter Gewalt und anderen Formen von Gewalt, bei denen wir sie unterstützen“, so Scheidung.

Auch mit der Neuaufstellung des „Zentralen Fachbereichs für Diagnostik und Schulpsychologie“ hat das Bildungsministerium die Unterstützung der Schulen gestärkt. Unter dem Leitgedanken „Zuhören – Beraten – Vermitteln“ ist bei Notfällen an Schulen schnelle Hilfe telefonisch und vor Ort gewährleistet. In den vier Staatlichen Schulämtern gibt es jeweils ein mobiles Team, das Schulen umgehend vor Ort unterstützen kann. Überregional steht zudem die Leitstelle des ZDS zur Verfügung, die eingehende Anfragen der Schulen umgehend aufnimmt, eine psychologische Erstversorgung sicherstellt und weiterführende Hilfe vermittelt.

Der ZDS schult zudem Lehrkräfte und unterstützendes pädagogisches Personal im Umgang mit Notfällen, damit im Ernstfall sofort angemessen reagiert werden kann. Bisher konnten 3.000 Lehrkräfte und Schulleitungen entsprechend begleitet werden. In diesen Fortbildungen werden an konkreten Fallbeispielen zentrale Handlungsschritte für schulische Notfallsituationen erarbeitet. Lehrerinnen und Lehrer werden sensibilisiert, Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen und deeskalierend zu handeln.

An den Schulen gibt es seit vielen Jahren zahlreiche Angebote zur Gewaltprävention. Die Präventionsarbeit in der Schule konzentriet sich insbesondere auf langfristig vorbeugende Maßnahmen wie Konfliktlösungsstrategien sowie die Arbeit mit gefährdeten Kindern und Jugendlichen. Dazu zählen die Handreichung „Kein Platz für Mobbing!“, die Unterrichtsbausteine zur Gewalt- und Kriminalprävention in der Grundschule“ in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt oder das Anti-Mobbing-Projekt „Gemeinsam Klasse sein“ der Techniker Krankenkasse für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 an Regionalen Schulen und Gesamtschulen.

Mit den Broschüren „Weitersagen ist kein Petzen“ und „Hilfe holen ist Freundschaft“ hat das Land eine Aufklärungskampagne zu den Themen psychische Belastungen und sexualisierte Gewalt gestartet. Dazu sind zwei Broschüren erschienen, die Schülerinnen und Schüler informieren und Unterstützungsangebote aufzeigen.

Backhaus: Geringerer Mindestlohn für Ausländer wäre illegal

Schwerin – Anlässlich der Landtagsdebatte über einen reduzierten Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte erklärt Agrarminister Dr. Till Backhaus, der sich krankheitsbedingt durch Innenminister Pegel hat vertreten lassen müssen: „Ich teile die Sorge um die Zukunft des Anbaus von arbeits­intensiven Sonderkulturen. Es lässt sich nicht leugnen: Bereits das derzeitige Mindestlohnniveau von 12,82 Euro pro Stunde stellt für viele Obst- und Gemüsebauern eine große Heraus­forderung dar.

Wir dürfen nicht in eine Richtung steuern, dass Produktionszweige auslaufen, weil die Produktion bei uns zu teuer ist und wir durch unsere Politik Wertschöpfungsverluste hinnehmen müssen, weil die Produktion abwandert. Und wir müssen auch vermeiden, dass Erdbeeren und Spargel als ein Luxusgut wahrgenommen werden, dass sich viele Menschen in unserem Land nicht mehr leisten können und wollen. Oder wenn, dann aus dem Supermarkt und gewachsen in Nachbarstaaten, die einen deutlich niedrigeren Mindestlohn haben.

Aber mir ist es vor allem ein Anliegen, deutlich zu machen, dass die schrittweise Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland eine Erfolgsgeschichte ist, auf die meine Partei mit Recht stolz ist. Denn Deutschland hatte sich in eine nicht hinnehmbare Situation manövriert: Viele Menschen, die sich vor 2015 in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis befanden, konnten trotzdem nicht für ihre Lebens­haltungskosten aufkommen und waren auf die Unterstützung vom Staat angewiesen. Dies sollte durch die Einführung des Mindestlohns verhindert werden und soziale Gerechtigkeit sicherstellen. Und das ist uns gelungen!

Ich denke, wir sind uns einig, dass es in Deutschland nicht sein kann, dass ein Mensch Vollzeit arbeitet und dennoch auf staatliche Unterstützung, also Steuergelder, angewiesen ist. Die Betrachtung des komplexen Themas Mindestlohn für Saison­arbeiterinnen und Saisonarbeiter ist mir im Antrag der CDU jedoch zu stark verkürzt.

So wird zwar – und das nicht gänzlich zu Unrecht – darauf verwiesen, dass der Mindestlohn in Ländern wie Spanien (8,37 Euro pro Stunde) oder Polen (7,00 Euro pro Stunde) deutlich geringer ist. Aber ebenso hätte man deutlich machen müssen, dass der Mindestlohn in unseren hoch entwickelten Nachbarländern Niederlande (14,06 Euro pro Stunde) und Frankreich (11,88 Euro pro Stunde) oder auch in Großbritannien (14,20 Euro pro Stunde) auf einem annähernd gleichen Niveau befindet wie bei uns.

Man kann nicht gleichzeitig ein Hochlohnland sein und sich bei den unteren Einkommensgruppen an Süd- oder Osteuropa orientieren. Das empfinde ich als unsozial gegenüber denjenigen, die in niedrigen Einkommensgruppen tätig sind.

Ich plädiere also für einen Mittelweg, der natürlich jedes Jahr wieder und unabhängig von politischer Einflussnahme einen Mindestlohn definiert, der – wie geschildert – ein Auskommen einer Arbeitskraft in Deutschland und in Mecklenburg-Vorpommern sichert, aber andererseits nicht dazu führt, dass die Produktion weiter zurückgeht.

Mir ist klar, dass das kein einfacher Weg ist und es immer wieder intensive Diskussionen geben wird.

Allerdings sollte man ehrlicherweise auch einen Aspekt erwähnen, der die Diskussion um die Entlohnung ausländischer Arbeitskräfte erst so akut hat werden lassen:

Wir haben die Situation, dass sich trotz Arbeitslosenzahlen von circa drei Millionen Menschen in Deutschland fast niemand findet, der in der Landwirtschaft als Saisonarbeiterin respektive Saisonarbeiter arbeiten möchte – daher: Ohne ausländische Saisonarbeitskräfte geht es nicht!

Ausländische Arbeitskräfte kommen unter diesen Bedingungen gern nach Deutschland, weil sie hier mit harter Arbeit – und das ist die Ernte von Erdbeeren und Spargel – so viel Geld verdienen, dass sie in ihren Heimatländern ihren Lebensstandard erhöhen können und bisweilen dort, etwa in Phasen der Arbeitslosigkeit, von dem zehren können, was sie hier in einigen Monaten verdient haben.

Ich teile die Analyse, die die CDU im Sektor Obst und Gemüse präsentiert, weitgehend. Aber eine Ausnahme vom Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte wurde von mehreren Arbeitsrechtlern als nicht vereinbar mit europäischem Recht eingeschätzt.

Und insofern war es auch nur konsequent, dass Bundesminister Alois Rainer diese Idee einer sorgfältigen Prüfung unterzieht, um das weitere Vorgehen daran auszurichten.

Ohne jetzt darauf einzugehen, weshalb die CDU-Fraktion des Landtages Mecklenburg-Vorpommern die Landesregierung auffordernd will, sich für etwas einzusetzen, was aufgrund rechtlicher Bedenken parallel durch einen CSU-Bundesminister geprüft wird: Die Realität hat diesen Antrag bereits überholt.“