Gesundheitspreis in Schwerin vergeben

Schwerin – Die Preisträger für den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 stehen fest. Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph hat gemeinsam mit der Ärztekammer und der AOK Nordost vier Auszeichnungen in Schwerin übergeben. „Der Preis macht in besonderer Weise auf ein sensibles und immer bedeutender werdendes Thema aufmerksam. Familien brauchen Unterstützung durch Projekte, die das gemeinsame Leben erleichtern. Dabei helfen oft auch kleine Ideen, Großes im Alltag für die Betroffenen zu erleichtern“, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, Dr. Stefan Rudolph vor Ort. „Trotz und mit ihrer chronischen Erkrankung sollen Kinder ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft finden. Dazu müssen sie bestmögliche Unterstützung erfahren und lernen, mit ihrer Krankheit zu leben“. Mit der Auszeichnung werden Projekte und Initiativen gewürdigt, die betroffene Familien aktiv dabei unterstützen, selbstständig und selbstbewusst ihren Alltag zu meistern.

Bereits zum dritten Mal hat die Selbstverwaltung der AOK Nordost zusammen mit der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben. Der Wettbewerb stand unter dem Motto: Damit können wir leben! Unser Beitrag für chronisch kranke Kinder und deren Eltern. Die Auszeichnung, die seit dem Jahr 2013 alle zwei Jahre vergeben wird, steht unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Harry Glawe. Sie ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Eine fachkundige Jury hat unter den elf Bewerbern vier Preisträger ausgewählt, die mit ihren Ideen und Netzwerken beispielgebend auf die Bedürfnisse von erkrankten Kindern und deren Familien eingehen. Es werden die Projekte der Kinderfördertagesstätte „Gänseblümchen“ in Rostock, der Elternkreis drogenabhängiger und drogengefährdeter Jugendlicher in Rostock, die Pro-Fil Kindernachsorge gGmbH in Schwerin sowie das Sozialpädiatrische Zentrum Vorpommern in Greifswald unterstützt (siehe „Preisträger im Kurzportrait“).

Wirtschaftsstaatssekretär Rudolph forderte vor Ort eine stärkere Sicherung der spezialärztlichen Versorgung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher. Er kündigte im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz im Juni einen entsprechenden Antrag an, der genau diese Thematik aufgreift. „Dabei geht die Forderung dahin, neue ambulante Möglichkeiten zur Leistungserbringung für kinder- und jugendmedizinische Zentren an Krankenhäusern zu eröffnen, die über die erforderliche Expertise verfügen. Eines steht aber für mich fest: Gerade chronisch kranke Kinder brauchen unsere Unterstützung und erreichbare hochqualifizierte Behandlungsmöglichkeiten gehören dazu“, erläuterte Rudolph abschließend.

Die Preisträger im Kurzporträt

Kinderfördertagesstätte „Gänseblümchen“ in Rostock

Die Kinderfördertagesstätte „Gänseblümchen“ in Rostock erhält den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 9.000 Euro für ihr Projekt „Musik verbindet, motiviert und schlägt Brücken“. In der spezialisierten Kita werden schwerst- und mehrfachbehinderte Kinder betreut, darunter auch Kinder mit chronischen Erkrankungen. Im Musikprojekt können Kinder Musik wahrnehmen, ausprobieren und erkunden. Die musikalische Früherziehung erfolgt im vierten bis sechsten Lebensjahr, fördert neben den musischen auch die psychomotorischen Fähigkeiten und kann für Kinder und Eltern eine therapeutische Wirkung entfalten. In der Betreuung durch ein interdisziplinäres Team werden verschiedene musikalische Projekte in Gruppen- und Einzelförderung umgesetzt. Das Musikprojekt mit seinem interkulturellen Ansatz fördert ganzheitliches Erleben und ist gut zum Nachahmen geeignet.

Elternkreis drogenabhängiger und drogengefährdeter Jugendlicher in Rostock

Die Selbsthilfegruppe Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher Rostock erhält den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 9.000 Euro. Das Modellprojekt zur Selbsthilfe und Unterstützung bei der Alltagsbewältigung von Eltern und Angehörigen drogenabhängiger und gefährdeter Jugendlicher und junger Erwachsener schließt in vorbildlicher Weise den Kreis zwischen den betroffenen Patienten, Therapeuten und Eltern. Die Initiative führt regelmäßig Eltern-Patienten-Gespräche in einer Suchtklinik durch, organisiert gemeinsame Wanderungen, Grillfeste und Adventsfeiern. Ein wichtiges Anliegen der Gruppe ist es, ihre Erfahrungen öffentlich zu teilen und weiterzugeben. So helfen sie Menschen in ähnlicher Lage, ihre familiäre Situation aktiv anzugehen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Eltern, Therapeuten, Notaufnahmeeinrichtung, Jugendamt und Polizei wird systematisch weiterentwickelt.

Pro-Fil Kindernachsorge gGmbh in Schwerin

Den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 9.000 Euro erhält die Pro-Fil Kindernachsorge gGmbH beim Sozialpädiatrischen Zentrum Mecklenburg in Schwerin mit ihrem Projekt „Begleitung von Geschwisterkindern“. Im Sozialpädiatrischen Zentrum werden seit 2007 jährlich 300 Kinder bis zum 14. Lebensjahr beim Übergang von der stationären zur häuslichen Betreuung begleitet, darunter zahlreiche Frühgeborene sowie Kinder mit onkologischen Erkrankungen, Herzfehlern und Brandverletzungen. Mit dem Projekt „Begleitung von Geschwisterkindern“ chronisch kranker Kinder will die Pro-Fil Kindernachsorge nun neue Wege bei der Nachbetreuung von Familien gehen. Im Mittelpunkt dieses Projektes stehen die Geschwisterkinder. Regelmäßige Beratungsangebote und Geschwistertage sollen das Risiko psychischer Auffälligkeiten bei Geschwisterkindern verringern und die Kommunikation zwischen der Familie und den Experten des Sozialpädiatrischen Zentrums verbessern.

Sozialpädiatrisches Zentrum Vorpommern in Greifswald

Das Projekt „Fahrtwind“ des Sozialpädiatrischen Zentrums Vorpommern in Greifswald erhält den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 3.000 Euro. Das Zentrum betreibt seit 1998 einen Sportverein, der auch sozial schwachen Familien offensteht. In der Segelgruppe „Fahrtwind“ in Kooperation mit dem Greifswalder Segelverein werden adaptive und soziale Fähigkeiten im Rahmen einer Trainingswoche befördert, detaillierte Ziele festgelegt und die Ergebnisse bewertet. So fördert das Projekt Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und psychischen Erkrankungen. Die Kinder lernen ihren Alltag selbstständig zu gestalten. Sie bauen Ängste ab, verbessern ihre Koordination und entwickeln Sozialkompetenz. In Kooperation mit der Kommune, dem Land, Sportvereinen und Sponsoren wird das Projekt langfristig weiterentwickelt. Das übertragbare Projekt wurde in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift vorgestellt.

Prof. Schareck wieder als Rektor der Universität Rostock ernannt

Rostock – Prof. Dr. med. habil. Wolfgang Schareck steht weiterhin an der Spitze der Universität Rostock. Wissenschaftsministerin Birgit Hesse hat ihn heute in Schwerin für seine dritte Amtszeit zum Rektor der Universität Rostock bestellt.

„Ich freue mich darüber, dass ich Prof. Schareck die Ernennungsurkunde für seine dritte Amtszeit überreichen kann. Ich wünsche ihm weiterhin viel Glück und Erfolg bei seinen Aufgaben. Herr Schareck hat bewiesen, dass er die Universität Rostock erfolgreich führen kann. Dass er zum dritten Mal gewählt wurde, spricht für die Anerkennung auch innerhalb der Universität“, lobte Wissenschaftsministerin Birgit Hesse.

Nach dem Studium der Medizin und der anschließenden Promotion an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, habilitierte Prof. Schareck 1992 an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Bereits 1994 kam er als Leitender Oberarzt der Abteilung für Allgemeine, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie an die Universität Rostock. 1999 wurde er zum außerplanmäßigen Professor, 2002 zum Universitätsprofessor für Gefäßchirurgie und Transplantationschirurgie ernannt. 2009 wurde Prof. Schareck erstmals zum Rektor der Universität Rostock gewählt und übt dieses Amt seitdem erfolgreich aus.

Gesundheitsforschung: Land fördert fünf weitere Verbünde

Ministerin Hesse: Mecklenburg-Vorpommern ist ein attraktiver Wissenschaftsstandort

Schwerin – Die Entscheidung ist gefallen: Eine Fachjury hat weitere Forschungsverbünde ausgewählt, die eine Förderung aus dem Exzellenzforschungsprogramm des Landes erhalten. Nach dem 2. Wettbewerbsaufruf zum Thema „Gesundheitsforschung“ waren 21 Projektskizzen eingegangen, fünf haben sich durchgesetzt. Wissenschaftsministerin Birgit Hesse betonte die Signalwirkung des Förderprogramms: „Sich in diesem Wettbewerb durchzusetzen, ist für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Bestätigung und Ansporn zugleich. Mit dem Programm wollen wir zeigen, dass Spitzenforschung in Mecklenburg-Vorpommern ein Zuhause hat und unser Land ein attraktiver Standort ist, um wissenschaftlich zu arbeiten. Ich freue mich besonders darüber, dass sich die Hochschulen untereinander und die außeruniversitären Forschungsinstitute zusammengeschlossen haben und gemeinsam forschen wollen.“

Mit der Förderempfehlung übermittelte der Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Ernst Theodor Rietschel seine Einschätzung der aktuellen Wettbewerbsrunde: „Insgesamt war die Qualität der im Rahmen der Ausschreibung eingegangenen Projekte außerordentlich gut. Als wissenschaftliche Qualitätsmerkmale des Landes Mecklenburg-Vorpommern werden die Forschungsprojekte sicherlich auch grenzüberschreitend wahrgenommen. Durch die starke Konkurrenz und den minimalen Qualitätsunterschieden fiel es der Jury am Ende der Begutachtungsphase nicht leicht, fünf Verbünde für die Förderung auszuwählen.“

Die Förderung von Projekten zur Gesundheitsforschung geht auf eine Initiative des Kuratoriums für Gesundheitswirtschaft zurück. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Wissenschaftsministerin Birgit Hesse und der Präsident des Kuratoriums, Prof. Wolfgang Schareck, hatten den Wettbewerb im vergangenen Jahr gestartet. Insgesamt stehen Fördermittel in Höhe von 10 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung erfolgt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) in der laufenden Förderperiode 2014 bis 2020.

Die Mittelverteilung für die Gesundheitserforschung ergibt sich wie folgt: Die Universität und Universitätsmedizin Rostock sollen insgesamt ca. 4,6 Mio. Euro erhalten. An die Universität und Universitätsmedizin Greifswald sollen ca. 3,3 Mio. Euro fließen. Den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern sollen ca. 2,1 Mio. Euro aus dem Programm zu Gute kommen. Die Verbünde müssen nun ihre vollständigen Förderanträge einreichen. Mit dem Exzellenzforschungsprogramm will das Land die Spitzenforschung stärken.

Erweiterungsbau der Fachklinik „Klaus Störtebeker“ fertiggestellt

Insel Usedom – In Kölpinsee (Insel Usedom) hat Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe den Neubau der Johannesbad Fachklinik Klaus Störtebeker Ostseestrand offiziell in Betrieb genommen. Vor Ort sind 14 neue Patientenappartements für Eltern-Kind-Vorsorgemaßnahmen zusätzlich zu den fünf bereits vorhandenen entstanden. „Mit dem Neubau bietet sich Müttern und Vätern in Familienverantwortung mit ihren Kindern eine gute Möglichkeit, Kraft für den Alltag zu tanken. Die komfortable Unterbringung, das vielseitige Behandlungsangebot und die erholsame Natur ergänzen sich in besonderer Weise“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Träger der Fachklinik „Klaus Störtebeker“ ist die Johannisbad Usedom AG & Co. KG. Die Ostseestrandklinik mit 270 Betten besteht aus zwei Bereichen – einer Klinik zur Durchführung von Rehabilitationsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche sowie einer weiteren Klinik für Vorsorgemaßnahmen für Mütter und Väter in Familienverantwortung. Kinder können in der Regel bis zum Alter von zwölf Jahren mitfahren. „In der Fachklinik Klaus Störtebeker wird die Basis geschaffen, um Familien zu stärken. Das gilt für die Eltern, die während der Vorsorgemaßnahme lernen, die Balance zwischen Privat- und Berufsleben besser zu schaffen. Und besonders für Kinder und Jugendliche ist es wichtig, frühzeitig den Grundstein für ein möglichst gesundes Leben zu legen“, sagte Glawe.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich insgesamt 60 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen angesiedelt. Davon 30 für Erwachsene, acht für erwachsene Suchtkranke und 22 Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen. Die 60 Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtung in M-V verfügen über 10.383 Betten. Nach Angaben des Statistischen Amtes wurden rund 129.000 Patienten bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 23,7 Tagen stationär behandelt. In den Kliniken arbeiten 484 Ärzte. Die Zahl des nichtärztlichen Personals beträgt 5.033.

Die Johannesbad Fachklinik Klaus Störtebeker Ostseestrand in Kölpinsee auf Usedom ist nach eigenen Angaben spezialisiert auf stationäre Vorsorgemaßnahmen für Eltern und Kinder sowie auf Kinder- und Jugendrehabilitation. Im Mittelpunkt der Vorsorgemaßnahmen stehen Mütter und Väter mit psychosomatischen Beschwerden, Erkrankungen von Atemwegen, Haut, Stoffwechsel und Bewegungsapparat. Die Einrichtung bietet derzeit Platz für 48 Erwachsene mit bis zu 72 Kindern in der Regel bis zwölf Jahren in den stationären Eltern-Kind-Vorsorgemaßnahmen.

In der Kinderrehabilitation können 95 Kinder behandelt werden. Die Johannesbad Fachklinik Klaus Störtebeker Ostseestrand führt Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Patienten vom Säuglingsalter bis zum 18. Lebensjahr durch mit Krankheiten der Haut, des Atmungssystems, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten sowie seltenen genetischen Erkrankungen.

Neuer Hubschrauber am Luftrettungsstandort Greifswald in Dienst gestellt

Wirtschaftsminister Harry Glawe (3. v. r.) bei der Indienststellung des neuen Hubschraubers am Luftrettungsstandort Greifswald.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (3. v. r.) bei der Indienststellung des neuen Hubschraubers am Luftrettungsstandort Greifswald.

Greifswald – Am Luftrettungsstandort Greifswald hat Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe als Schirmherr einen neuen Hubschrauber (Modell EC 145 C2) offiziell in den Dienst gestellt. „Im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern sind die Rettungshubschrauber unverzichtbar, da die Rettung aus der Luft einen entscheidenden Zeitvorteil bringen kann. Ein Notarzt ist so schnell vor Ort und der Patient kann zügig in ein geeignetes Krankenhaus transportiert werden. Davon profitieren die Patienten“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Die am 10. April 1990 gegründete Station befindet sich am Universitätsklinikum Greifswald. Das Einsatzgebiet des Hubschraubers umfasst die Landkreise Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte. Zudem werden auch die Inseln Usedom, Rügen und Hiddensee mit betreut. Betreiber ist die DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG. Der Hubschrauber ist täglich von 7.00 Uhr morgens bis Sonnenuntergang einsatzbereit. Im Jahr 2015 wurde Christoph 47 insgesamt 1.481 Mal alarmiert, im Jahr 2016 1.508 Mal und im Jahr 2017 1.460 Mal. Das neu in Dienst gestellte Modell hat einen größeren Tank, der häufigere Flugeinsätze ohne erneuten Stopp ermöglicht. So steht der Hubschrauber nach einem Einsatz schnell wieder zur Verfügung. Zudem wird mit der verbesserten Ausrüstung sichergestellt, dass Patienten, die eine Spezialtechnik zur direkten Sauerstoffversorgung benötigen oder automatische Reanimationssysteme, auch während des Transportes im Hubschrauber eine bedarfsgerechte umfassende Versorgung erfahren. „Mit dem neuen Modell verbessert sich die notfallmedizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Glawe.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es drei Rettungs-Transport-Hubschrauber-Standorte. Neben der Universitäts- und Hansestadt Greifswald liegen die weiteren Standorte am KMG-Klinikum in Güstrow und am Luftrettungszentrum Neustrelitz. Minister Glawe dankte abschließend den Einsatzkräften der Flugrettung: „Mit großer Fachkompetenz und Einsatzbereitschaft setzen sich das fliegerische Personal der DRF, das Rettungsdienstpersonal und die Klinikmitarbeiter jeden Tag dafür ein, Erkrankten schnellstmöglich zu helfen.“

Internationaler Weltgesundheitstag

Schwerin – Am Sonnabend (07.04.) wird der jährliche Weltgesundheitstag begangen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt in diesem Jahr den Fokus auf das Thema „Flächendeckende Gesundheitsversorgung“. „Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern eine gute und funktionsfähige Versorgung mit vielen starken Partnern. Um die Versorgung auf Dauer in allen Teilen des Landes zu sichern, wollen wir künftig verstärkt neue Wege gehen – dabei geht es vor allem darum, die sektorenübergreifende Versorgungsplanung zu stärken, Projekte der Telemedizin zu fördern und weiter intensiv um medizinische Fachkräfte für unser Land zu werben“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe im Vorfeld des Weltgesundheitstages.

Derzeit läuft ein mehrjähriges Modellprojekt zur sektorenübergreifenden Versorgungsplanung, das vom Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald durchgeführt wird. Ziel ist es, Lösungen für konkrete Versorgungsprobleme in ländlichen Regionen zu entwickeln und sie in Modellregionen zu erproben. Das Projekt befasst sich schwerpunktmäßig mit den Themen Pädiatrie, Geriatrie und Palliativversorgung einschließlich der Implementierung innovativer Versorgungskonzepte. Übergreifende Themen wie die Einbindung aller Sektoren und Professionen, der Fachkräftebedarf, die Fachkräftesicherung und telemedizinische Unterstützung sind weitere Teilbereiche. Das Projekt ist auf insgesamt fünf Jahre angelegt. „Insgesamt muss es gelingen, die ambulante und die stationäre Versorgung noch besser miteinander zu vernetzen. Dafür werden zunächst Modellvorhaben entwickelt, in Fokusregionen eingesetzt und dann die landesweite Umsetzung geprüft“, sagte Glawe.

Gesundheitsminister Glawe verwies auf die zunehmende Bedeutung der Telemedizin: „Gerade in ländlichen Räumen ist der Einsatz digitaler Technologien ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der medizinischen Betreuung. Hier sehe ich noch viel Potential für weitere Projekte und Vorhaben.“

Beispielsweise arbeiten derzeit polnische und deutsche Ärzte, Unternehmen der Vorleistungs- und Zulieferindustrie (wie beispielsweise Medizintechnik, Biotechnologie, Gesundheitshandwerk und medizinischer Handel) an Lösungen, um gemeinsam Patienten in der Grenzregion behandeln zu können. Aus diesem Grund wurde in der Euroregion Pomerania ein grenzüberschreitendes Datennetzwerk zwischen deutschen und polnischen Krankenhäusern aufgebaut. Ziel des Projektes ist, die Diagnostik und Therapie von Patienten, insbesondere Tumor-, Herz-, Schlaganfall- und Unfallpatienten, in der Grenzregion zu verbessern.

Mit dem Vorhaben „Land|Rettung“ soll die Notfallmedizin, insbesondere unter den speziellen Anforderungen eines dünn besiedelten ländlichen Raumes, verbessert werden. Zentrales Element ist der Telenotarzt, der in Gebieten mit längerer Anfahrt den professionellen Rettungsdienst unterstützt. Für Patienten mit einem Herz-Kreislaufstillstand sollen zudem geschulte Laien und ausgebildete Ersthelfer die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Zusätzlich wird die Zusammenarbeit des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, des Rettungsdienstes und der Notaufnahmen neu geordnet.

Das Projekt „HerzEffekt MV“ hat das Ziel, dass mittelfristig alle chronisch herzkranken Patienten mit leichten bis schweren Symptomen einen wohnortnahen Zugang zu spezialisierter Medizin in Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Dazu werden alle an der Patientenversorgung beteiligten und oftmals räumlich entfernten Institutionen – vom Hausarzt über den niedergelassenen Facharzt bis hin zu den regionalen Krankenhausbetreibern – im Betreuungszentrum, dem sogenannten Care-Center, zusammengeführt. Möglich ist das durch eine elektronische Vernetzung der einzelnen Patienten- und Behandlungsdaten.

„Wir wollen die gut ausgebildeten Fachkräfte bei uns im Land halten und dafür Sorge tragen, dass zukünftig vakante Stellen im ambulanten Bereich, in den Krankenhäusern und im öffentlichen Gesundheitsdienst besetzt werden. Deshalb haben wir jetzt erstmals Stipendien ausgereicht, die den künftigen Medizinern die Entscheidung für Mecklenburg-Vorpommern als Lebensmittelpunkt erleichtern sollen“, sagte Glawe.

Die ersten 29 Stipendien wurden jüngst an Medizinstudierende in Rostock und Greifswald überreicht. Das Wirtschaftsministerium gibt an Medizinstudierende, die an einer Hochschule in Mecklenburg-Vorpommern immatrikuliert sind, ein Stipendium in Höhe von 300 Euro monatlich längstens für einen Zeitraum von vier Jahren und drei Monaten aus. Insgesamt stehen mindestens eine Million Euro für das Programm zur Verfügung. Die Medizinstudierenden verpflichten sich im Gegenzug, nach dem Studium und der entsprechenden Facharztausbildung für eine Dauer von mindestens fünf Jahren in ländlichen Regionen, sei es ambulant, im Krankenhaus oder im öffentlichen Gesundheitsdienst Mecklenburg-Vorpommerns, ärztlich tätig zu sein. Zu den Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes gehören unter anderem die Überwachung von Einrichtungen in Bezug auf die Einhaltung hygienischer und gesundheitsrechtlicher Vorschriften, die Durchführung der öffentlich empfohlenen Schutzimpfungen sowie die Erstellung von amtsärztlichen Gutachten, Zeugnissen und Bescheinigungen, soweit solche gesetzlich vorgeschrieben sind.

Der Weltgesundheitstag wird jährlich am 7. April begangen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erinnert mit diesem Tag an ihre Gründung im Jahr 1948. Sie legt jährlich ein neues Gesundheitsthema von globaler Relevanz für den Weltgesundheitstag fest. Der Weltgesundheitstag wurde in Deutschland 1954 zum ersten Mal aufgegriffen. Seitdem wird er jedes Jahr im Auftrag des jeweils für Gesundheit zuständigen Ressorts von der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. fachlich vorbereitet und organisiert.

Hilfsangebote für Schwangere in Notsituationen: Vertrauliche Geburt und Beratungstelefon

Schwerin – Nach dem Fund eines Neugeborenen vor einer Haustür in Schwerin weist das Sozialministerium eindringlich auf Hilfsangebote und Möglichkeiten für Schwangere hin, Kinder vertraulich und sicher in einer Klinik oder bei einer Hebamme auf die Welt bringen zu können.

So besteht für Frauen in Notsituationen die Möglichkeit der vertraulichen Geburt. Dabei spielen in Mecklenburg-Vorpommern die insgesamt 42 Schwangerschaftsberatungsstellen (http://www.sg-mv.de/beratungsstellen) im gesamten Land eine zentrale Rolle. Sie steuern und organisieren das gesamte Verfahren und übernehmen alle Verfahrensschritte.

Die Expertinnen in den Beratungsstellen sind dafür besonders geeignet, denn sie beraten schon zu allen eine Schwangerschaft betreffenden Fragen – auf Wunsch auch anonym – und bieten u. a. Lösungsmöglichkeiten für psychosoziale Konflikte im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft an. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht das vertrauensvolle Gespräch mit der Klientin.

Das am 01.05.2014 in Kraft getretene Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt schützt Frauen, die ihre Schwangerschaft verdrängen oder verheimlichen und vom regulären Hilfesystem für Schwangere nicht erreicht werden.

Vertrauliche Geburt bedeutet: Schwangere können Ihr Kind medizinisch sicher und vertraulich zur Welt bringen. Sie werden von einer Beraterin, die an die gesetzliche Schweigepflicht gebunden ist, beraten und begleitet. Die Beraterin nimmt auch die persönlichen Daten vertraulich auf und sorgt dafür, dass diese sicher hinterlegt werden.

Nach dem Gesetz ist die vertrauliche Geburt eine Entbindung, bei der die Schwangere ihre Identität nicht offenlegt und stattdessen Angaben zur Erstellung eines Herkunftsnachweises (Vor- und Zuname, Geburtsdatum und Anschrift der Schwangeren) macht. Nach der Geburt des Kindes wird zur Sicherstellung seines Grundrechts auf Kenntnis seiner Abstammung dieser Herkunftsnachweis zur Verwahrung an das Bundesamt für zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFZA) gesandt. Mit 16 Jahren kann das Kind seine Identität und damit seine Herkunft erfahren.

Zusätzlich gibt es das bundesweite Beratungstelefon „Schwangere in Not – anonym und sicher“. Für eine kostenlose und qualifizierte Erstberatung können Schwangere sich rund um die Uhr an das Hilfetelefon unter der Nummer 0800/40 40 020 wenden. Als 24-Stunden-Lotse vermittelt das Hilfetelefon auch an eine Beratungsstelle vor Ort weiter. Die Beratung ist anonym, barrierefrei und wird mehrsprachig angeboten.

Ärztlicher Vorstand in Greifswald bestellt

Hesse: Heidecke hat Kompetenz bereits bewiesen

Greifswald – Mit Wirkung zum 1. April dieses Jahres hat der Aufsichtsrat der Universitätsmedizin Greifswald in seiner heutigen Sitzung Prof. Dr. Claus-Dieter Heidecke zum Ärztlichen Vorstand bestellt. Wissenschaftsministerin Hesse begrüßte die Entscheidung des Gremiums.

„Prof. Heidecke hatte die Position bereits gut ein Jahr lang kommissarisch inne, und er hat in dieser Zeit dazu beigetragen, die medizinische Krankenversorgung weiter voranzubringen und die Universitätsmedizin für die Zukunft zu wappnen“, erklärte Hesse. „Als erfahrener Chirurg, langjähriger Chefarzt und Hochschullehrer kann er als Ärztlicher Vorstand auf einen wertvollen Erfahrungsschatz zurückgreifen, um die Universitätsmedizin weiterhin Erfolge in Forschung, Lehre und Krankenversorgung feiern zu lassen.“

Die Ministerin würdigte besonders den Einsatz von Prof. Dr. Heidecke in der Region: „Ihm ist es in den vergangenen Monaten gelungen, die Zusammenarbeit der Universitätsmedizin mit vielen Partnern in Vorpommern zu verbessern. Eine gute Verbindung der Unimedizin zu den Medizinern der Region ist mir sehr wichtig“, so Hesse.

Parallel zum Amtsantritt von Prof. Dr. Heidecke läuft der Vertrag mit dem Ärztlichen Beauftragten Prof. Dr. Christian Schmidt aus. Ein Jahr lang hat der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorstand der Universitätsmedizin Rostock das Greifswalder Vorstandsteam bei der Sanierung der Unimedizin unterstützt.

Der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Dr. Max P. Baur, dankte ihm für seine Unterstützung als Berater beim Sanierungsprozess. „Seine Erfahrungen haben uns sehr geholfen. Insgesamt war die Zusammenarbeit für beide Seiten gewinnbringend und soll auch in Zukunft in bestimmten Bereichen fortgesetzt werden. Beide Uniklinika sind wichtig für das Land und können sich gegenseitig helfen.“

Ministerin Hesse betonte: „Prof. Schmidt gilt mein ausdrücklicher Dank. Mit seinen wertvollen Hinweisen und Empfehlungen hat er geholfen, die Universitätsmedizin wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Er hat zudem als Schnittstelle fungiert, um Felder auszumachen, auf denen Greifswald und Rostock zusammenarbeiten können. Daraus erwachsen Vorteile für beide Standorte“.

Internationale Fachkonferenz Gesundheitswirtschaft in Greifswald

Greifswald – Rund 50 nationale und internationale Teilnehmer aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen sowie den westpolnischen Wojewodschaften Westpommern, Lebuser Land, Großpolen und Niederschlesien nahmen am Donnerstag (22.03.) in Greifswald an der Fachkonferenz Gesundheitswirtschaft und Gesundheitswesen im Rahmen der Oder-Partnerschaft teil. „Grenzen trennen – die Oder verbindet – so lautet das Motto, unter dem die Partner projektorientiert erfolgreich zusammen arbeiten. Ziel ist der Aufbau eines leistungsfähigen Verbundes, der die Regionen diesseits und jenseits der Oder infrastrukturell enger vernetzt. Das ist bereits gut gelungen, wie das Beispiel der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rettungsdienst beweist“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Das im Januar gestartete EU-Projekt „Integrierter grenzüberschreitender Rettungsdienst Pomerania/Brandenburg (InGRiP)“ verfolgt das Ziel, dass deutsche und polnische Rettungskräfte bei Bedarf zukünftig auch auf der jeweils anderen Seite der Grenze tätig werden können. Es wurde von der Universitätsmedizin Greifswald und dem Landkreis Vorpommern-Greifswald initiiert. Auf polnischer Seite ist die Wojewodschaftsstation des Rettungsdienstes Stettin seit langem Ansprechpartner und von Beginn an in die Projektvorbereitung involviert. Hinzugekommen sind die DRF Luftrettung und die polnische Luftrettungsstation Goleniow. Weitere Partner sind der gemeinnützige Rettungsdienst Märkisch-Oderland sowie die Universität Greifswald mit ihren Lehrstühlen für Slawische Sprachwissenschaft und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement. „Ziel ist es, möglichst schnell und effektiv die Patienten im Notfall zu behandeln. Dafür wollen wir die Strukturen besser vernetzen und insbesondere Sprachschulungen für die Rettungskräfte fördern“, sagte Glawe.

Das Wirtschaftsministerium fördert das Projekt im Programm Interreg V A aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in den kommenden drei Jahren mit rund zwei Millionen Euro.

Weitere Fachthemen waren ökonomische und rechtliche Aspekte im Gesundheitswesen sowie die Intensivierung der bereits bestehenden Hochschulkooperationen. Im besonderen Fokus stand auch die verstärkte grenzübergreifende Kooperation und Prävention. Polnische und deutsche Ärzte, Unternehmen der Vorleistungs- und Zulieferindustrie (wie beispielsweise Medizintechnik, Biotechnologie, Gesundheitshandwerk und medizinischer Handel) arbeiten derzeit gemeinsam an einer besseren Gesundheitsversorgung, um gemeinsam Patienten in der Grenzregion behandeln zu können. So wurde beispielsweise in der Euroregion Pomerania ein grenzüberschreitendes Datennetzwerk zwischen deutschen und polnischen Krankenhäusern aufgebaut. Ziel des Projektes ist, die Diagnostik und Therapie von Patienten, insbesondere Tumor-, Herz-, Schlaganfall- und Unfallpatienten, in dem strukturschwachen Gebiet der Grenzregion auf ein höheres Niveau anzuheben und flächendeckend qualitativ hochwertig aufrechtzuerhalten.

Unter dem Motto „Daten statt Menschen transportieren“ arbeiten im POMERANIA-Netzwerk Krankenhäuser und Kliniken aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und der Wojewodschaft Westpommern eng zusammen, um die bestehende Situation in der Grenzregion zu verbessern. Mit Hilfe telemedizinischer Konferenzen werden große Distanzen überbrückt und Experten aus verschiedenen Standorten zum fachlichen Austausch zusammengebracht.

Bereits seit dem Jahr 2011 werden Neugeborene aus Mecklenburg-Vorpommern und der polnischen Wojewodschaft Westpommern im Rahmen eines grenzübergreifenden Neugeborenen-Screenings in der Modellregion Pomerania nach der Geburt umfangreichen Untersuchungen unterzogen und die Daten wissenschaftlich ausgewertet.

„Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit im deutsch-polnischen Grenzraum weiter auszubauen und zu stärken. Die Europäische territoriale Zusammenarbeit leistet dabei einen Beitrag zur europäischen Stabilität durch die Schaffung grenzüberschreitender Lösungen für die gemeinsamen Herausforderungen beim sozialen, wirtschaftlichen und räumliche Zusammenwachsen Europas“, sagte Glawe.

Die Oder-Partnerschaft ist ein informelles, interregionales Netzwerk mit Beteiligung folgender Regionen und Städte aus Deutschland und Polen. Von deutscher Seite handelt es sich um die Bundesländer Sachsen, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern; von polnischer Seite sind es die Wojewodschaften Niederschlesien, Lebuser Land, Großpolen und Westpommern sowie die Städte Breslau, Grünberg, Landsberg, Posen und Stettin. Ziel ist der Aufbau eines leistungsfähigen Regionalverbundes, der auf möglichst vielen Gebieten kooperiert. Im Rahmen regelmäßiger Netzwerktreffen und Workshops werden die aktuellen Sachstände der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ausgetauscht und neue Projekt- und Kooperationsvorhaben diskutiert und initiiert.

Internationaler Workshop zu Plasma in der Tumortherapie

Ministerin Hesse: Greifswalder Forscher sind Pioniere

Greifswald – Beim 5. internationalen Workshop zur Plasmamedizin in der Krebsbehandlung (International Workshop on Plasma for Cancer Treatment) hat Wissenschaftsministerin Birgit Hesse die Bedeutung der hochrangig besetzten Konferenz betont. „Es geht um ein Thema, das kein Selbstzweck wissenschaftlichen Forschungsdranges ist, sondern das Potenzial hat, Millionen Menschen auf der Welt zu helfen im Kampf gegen eine Krankheit, die immer noch viel zu oft tödlich endet“, sagte sie zum Auftakt des heutigen Workshop-Tages.

Nach Washington DC, Nagoya und Paris reihe sich nun Greifswald in die prominente Liste der Austragungsorte ein. Das sei vor allem dem großen Engagement von Prof. Dr. Dr. Hans-Robert Metelmann von der Universität Greifswald und Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) zu verdanken.

Wissenschaftsministerin Hesse verwies auf die große wissenschaftliche Strahlkraft von Universität und INP: „Greifswald hat als Forschungsstandort in Deutschland eine Spitzenposition in der Plasmamedizin inne. Diese Pionierstellung haben sich die hiesigen Wissenschaftler mit enger und erfolgreicher interdisziplinärer Vernetzung erarbeitet: Physiker, Biologen, Pharmazeuten, Ingenieure und Mediziner – sie alle arbeiten hier in MV zusammen. Da passt es, dass sowohl die weltweit erste klinische Studie zur Krebsbehandlung mittels Plasma in unserem Bundesland entstand als auch, dass Greifswald 2011 die weltweit erste Professur für Plasmamedizin einrichtete.“ Der Kongress sei eine Bestätigung für die wertvolle Arbeit in Forschung, Entwicklung und Praxis, die in der Hansestadt über die Jahre geleistet wurde und trage zur verdienten internationalen Wahrnehmung dieser Leistungen bei.

Der Workshop zur Plasmamedizin in der Krebsbehandlung findet seit gestern in Greifswald statt. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus vielen verschiedenen Ländern tauschen sich bei dem Kongress über die Anwendungsmöglichkeiten von kaltem Plasma in der Tumortherapie aus. Nach positiven Erfahrungen in der Behandlung von Wundinfektionen und Hautentzündungen gibt es inzwischen erste klinische Studien, die sich mit den Chancen für Krebserkrankte beschäftigen.

Startschuss für ein innovatives Modell der Patientenversorgung

Torgelow – Am Montag ist in Torgelow und Ueckermünde der nächste Schritt in der vernetzten Patientenversorgung für die Uecker-Randow-Region vorgestellt worden: der Einstieg in den digitalen Datenaustausch von ambulant tätigen Haus- und Fachärzten in ein Krankenhaus.

„Durch den digitalisierten Gesundheitsdatenaustausch können Informationen der Patienten bruchfrei ausgetauscht werden. Fehler können vermieden und die Behandlung deutlich verbessert werden. Denn: der Übergang von der ambulanten zur stationären Versorgung ist im Hinblick auf Behandlungsfehler oder Doppelbehandlungen, gerade auch in Bezug auf die Medikation, eine kritische Situation. Im ländlichen Raum ist die digitale Vernetzung vor allem nötig. Das ist ein innovativer Beitrag zur Sicherung der Gesundheitsversorgung in unserem Flächenland“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort. In praxisnahen Tests in den beteiligten Arztpraxen und Kliniken hat das digitale Netzwerk seine Funktionsfähigkeit heute unter Beweis gestellt. Das System kann jetzt für die Einschreibung der Patienten genutzt werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe hat gemeinsam mit den Projektpartnern rund um das digitale Gesundheitsnetzwerk in einer Hausarztpraxis in Torgelow den symbolischen Startknopf für die digitale Einschreibung der Patienten gedrückt. Darüber hinaus hat er sich im AMEOS Klinikum Ueckermünde über die beispielhafte Durchführung des Modellprojektes informiert. Durchgeführt wird das Projekt vom Ärztenetzwerk HaffNet, der AOK Nordost, der Kassenärztliche Vereinigung M-V (KVMV) und der AMEOS Krankenhausgesellschaft Vorpommern.

Im Mittelpunkt der Kooperation steht die Vernetzung und Koordination von ambulanten und stationären Versorgungsleistungen. „Die Akteure vor Ort tragen gemeinsam zur Verbesserung der regionalen Versorgung vor Ort bei. Die Umsetzung erleichtert die Zusammenarbeit für Ärzte und Patienten gleichermaßen“, so Glawe weiter.

Künftig soll das Aufnahme- und Entlassmanagement ausschließlich digital erfolgen. Dazu haben die Vertragspartner einheitliche Aufnahme- und Entlassungsbögen entwickelt, die alle relevanten Daten eines Patienten – wie etwa Vorerkrankungen und die aktuelle Medikation – enthalten. Ziel ist es, den Klinikaufenthalt eines Patienten vorzubereiten und seine Anschlussversorgung zu organisieren. Bisher erfolgte die Übermittlung der Daten via Fax oder auf dem persönlichen Weg über den Patienten. Mit dem neuen Gesundheitsnetzwerk läuft die vernetzte Versorgung nun per Mausklick.

Mit der Zustimmung des Patienten können die Ärzte bei einer geplanten stationären Behandlung relevante medizinische Patienteninformationen direkt und digital miteinander austauschen. In der digitalen Patientenakte sind darüber hinaus weitere Informationen enthalten: Notfalldatensatz, Medikationsplan und Impfpass.In einer nächsten Ausbaustufe sollen weitere Informationen angeboten werden. Die integrierte Zusammenarbeit zwischen ambulanten Haus- und Fachärzten und dem AMEOS Klinikum Ueckermünde richtet sich an 6.000 AOK-Versicherte in der Uecker-Randow-Region.

Die Digitalisierung wird Auswirkungen auf unterschiedlichste Aspekte der Gesundheitsversorgung haben. „Sektorenübergreifende Ansätze werden deutlich einfacher. Eine schnelle Informationsvermittlung über Sektoren- und Institutionsgrenzen stärkt die interdisziplinäre und professionsübergreifende Zusammenarbeit aller Beteiligten in einer Region. Damit verbunden sind Verbesserungen der Versorgungsqualität. Auch der Aspekt der Patientenorientierung wird gestärkt. Über die Bereitstellung der Daten für Patienten können sich diese noch aktiver einbringen“, erläuterte Glawe. „Ebenso ist die Digitalisierung für eine Neuausrichtung der Berufsbilder und die Zusammenarbeit der ärztlichen und nichtärztlichen Professionen von Bedeutung. Sie erfordert neue Fähigkeiten und sie ermöglicht die eng abgestimmte Zusammenarbeit über Distanzen.“

Bei dem Modellprojekt ist das Ziel, für die Menschen in der Versorgungsregion Uecker-Randow die bedarfsgerechte wohnortnahe und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. „Die Arbeit für medizinische und nicht medizinische Fachkräfte wird im Rahmen der Kooperation vielfältiger und attraktiver. Arbeitsplätze werden gesichert, Ausbildungsmöglichkeiten werden interessanter. Eine gut aufgestellte Gesundheitsversorgung macht eine Region attraktiv für Fachkräfte aber auch für Gäste. Beides kommt der Region als Wirtschaftsstandort zugute“, betonte Gesundheitsminister Glawe.

In Mecklenburg-Vorpommern gehört die Gesundheitswirtschaft in ihrer Gesamtheit zu den wichtigsten Wirtschafts- und Wachstumsbereichen. Auf Initiative der BioCon Valley® GmbH wurde in Kooperation mit dem unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR die Studie „Ökonomischer Fußabdruck – Die Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern“ (2015) erstellt. Darin wurden erstmals bundesweit vergleichbare Zahlen zur Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern ausgewertet.

Der Anteil der Gesundheitswirtschaft an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung des Landes beträgt ca. 15,3 Prozent. Darüber hinaus generiert ein Euro Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft zusätzliche 1,16 Euro in anderen Branchen des Bundeslandes. In der Gesundheitswirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns sind rund 148.000 Erwerbstätige (ca. 19,9 Prozent des Gesamtarbeitsmarktes) beschäftigt. „Jeder fünfte Arbeitsplatz befindet sich bei uns in der Gesundheitswirtschaft. Die Gesundheitswirtschaft ist ein Wachstumsmotor bei uns im Land. Der Gesundheitsmarkt bietet angesichts der demografischen Veränderungen und des steigenden Bewusstseins um das eigene Wohlbefinden noch riesige Chancen für innovative Ideen“, so der Minister. In der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 werden für die Förderung von Projekten der Gesundheitswirtschaft rund zehn Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung gestellt.

Das HaffNet ist ein Zusammenschluss von Ärzten verschiedener Fachrichtungen in der Region Vorpommern-Greifswald, speziell um die Regionen Ueckermünde, Torgelow, Eggesin, Pasewalk in einem Radius von ca. 50 km. Der gesellschaftliche Zusammenschluss aus derzeitig 45 niedergelassenen Ärzten wird durch eine Management GmbH geleitet. Das HaffNet ist bereits seit vielen Jahren engagiert und erfolgreich in der Region tätig.

Das Klinikum befindet sich in Trägerschaft der AMEOS Krankenhausgesellschaft Vorpommern mbH und hat Betriebsstätten in Anklam, Pasewalk und Ueckermünde. Die AMEOS Krankenhausgesellschaft Vorpommern mbH hat mit insgesamt 322 Planbetten und 43 tagesklinischen Plätzen Aufnahme in den Krankenhausplan 2012 gefunden. Der private Krankenhausträger ist Arbeitgeber für ca. 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die AMEOS Gruppe, die in der Schweiz angesiedelt ist, betreibt derzeit an 38 Standorten 68 Einrichtungen mit 8.000 Betten/Plätzen. Rund 12.000 Mitarbeitende sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschäftigt.

5th International Workshop on Plasma for Cancer Treatment in Greifswald

Tagung zur Tumortherapie findet erstmals in Deutschland statt

Greifswald – Vom 20. bis 22. März 2018 kommen in Greifswald Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland zusammen, um sich über die Anwendung von Plasma in der Tumortherapie auszutauschen. Thema der Internationalen Workshop-Reihe „Plasma zur Krebsbehandlung“ ist, wie die Anwendung von Plasma zum Wohle einer Tumorpatientin oder eines Tumorpatienten weiterentwickelt werden kann und später konkret aussehen wird. Für die Tagung in der Universitätsmedizin Greifswald liegen 120 Anmeldungen aus dem In- und Ausland vor. Wissenschaftsministerin Birgit Hesse wird am Mittwoch, 21. März 2018, an der Tagung teilnehmen.

2014 hat der erste Workshop in Washington stattgefunden, danach kamen Tagungen im Jahr 2015 im japanischen Nagoya, 2016 wieder in Washington, 2017 in Paris und in den nächsten Jahren werden Antwerpen und Shanghai die Konferenzorte sein. 2018 ist Greifswald das Zentrum für den 5th International Workshop on Plasma for Cancer Treatment. Damit findet die Tagung zum ersten Mal in Deutschland statt.

Die Einführung von kaltem physikalischem Plasma in das Instrumentarium von Klinik, Praxis und Pflege gehört zu den Sprunginnovationen in der Medizin. Erstmals ist es möglich, die Funktionsabläufe in lebenden Zellen mit gezielten physikalischen Effekten zu beeinflussen und daraus einen Nutzen für die Medizin zu ziehen. Das Spektrum der Zielzellen für Plasma reicht von den heute in der Öffentlichkeit sehr beachteten resistenten Erregern über die entscheidenden Zellen der Wundheilung und des Immunsystems bis hin zu den Krebszellen.

Gemeinsame Gastgeber sind das hier ansässige Leibniz Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) und die Universitätsmedizin Greifswald. Die Wahl fiel auf die Universitäts- und Hansestadt, weil hier die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung und Entwicklungsarbeit auf der einen Seite und die medizinische Nutzung in der Klinik auf der anderen Seite so verflochten und gemeinsam produktiv sind, wie derzeit an keinem anderen Ort. In Greifswald hat das erste Jet-Kaltplasmagerät seine Zulassung zur Anwendung am Patienten erhalten, hier wurde die erste Professur für Plasmamedizin eingerichtet, hier ist das erste klinische Lehrbuch herausgegeben worden, in einer zweiten erweiterten Auflage jetzt auch in englischer Sprache.

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit in der weltweiten Plasmamedizin passiert derzeit einen ersten Meilenstein. Plasmaphysiker haben eine Reihe von geeigneten Quellen entwickelt, mit denen man physikalisches Plasma mit Körpertemperatur und unter Atmosphärendruck generieren kann. Plasmabiologen konnten die wesentlichen Details ermitteln, welche Effekte dieses Plasma in lebenden Zellen auslöst. Plasmamediziner stellen die ersten klinischen Studien vor, die sich mit der Behandlung von nicht nur Wundinfektionen und Hautentzündungen, sondern auch Krebserkrankungen beschäftigen, und mit denen die Grundlagen der evidenzbasierten Medizin gelegt werden.

Klinische Plasmamedizin ist auf dem Wege zu einem eigenständigen ärztlichen Fachgebiet. Das Ziel ist erreicht, wenn z. B. der Fall einer Patientin, die an einem diabetischen Fuß kurz vor der Amputation leidet oder an einer nicht-heilenden Wunde mit MRSA-Besiedlung oder an einem infizierten offenen Krebsgeschwür im Gesicht, auf die Tagesordnung einer regelmäßigen plasmamedizinischen Krankenhauskonferenz gesetzt wird: Eine Plasmaärztin stellt die Behandlungsindikation, ein Plasmabiologe identifiziert die zellulären Zielprozesse in diesem Zusammenhang, ein Plasmaphysiker bestimmt darauf aufbauend das Medizingerät mit dem geeigneten Plasmaspektrum und eine Wund- und Plasmaschwester übernimmt die avisierte häusliche Behandlung der Patientin auf Anweisung der Hausärztin und von der Gesetzlichen Krankenversicherung getragen.

Diese Perspektive wurde vom damaligen Ministerpräsidenten Erwin Sellering vor einem Jahr mit der Übernahme der Schirmherrschaft für den 5th International Workshop on Plasma for Cancer Treatment aufgegriffen.

Ausschreibung des Altenpflegepreises M-V 2018

Drese: Pflege in MV ist anspruchsvoll, vielseitig und professionell

Schwerin – Das Sozialministerium verleiht auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Landespflegeausschuss wieder einen Altenpflegepreis. Der Preis wird an hervorragende Projekte aus Mecklenburg-Vorpommern in der Altenpflege überreicht. An der Ausschreibung können Unternehmen, Initiativen, Verbände oder Vereine ab sofort teilnehmen und sich bis zum 30. Juni 2018 mit ihren Konzepten bewerben.

„Mit der Verleihung des Altenpflegepreises wollen wir die vielen Facetten der Pflege würdigen und ihre gesellschaftliche Bedeutung hervorheben. Fachlich herausragende und Beispiel gebende Projekte sowie Anbieter ambulanter und stationärer Pflegeleistungen sollen ausgezeichnet und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden“, betonte Sozialministerin Stefanie Drese anlässlich des Starts der Ausschreibung heute in Schwerin.

Viele tausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern in ambulanten, teilstationären oder stationären Einrichtungen für hilfe- und pflegebedürftige Menschen. Drese: „Ihre tägliche Arbeit ist anspruchsvoll, vielseitig und professionell. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der positiven Resonanz im vergangenen Jahr haben wir deshalb beschlossen, erneut einen Altenpflegepreis Mecklenburg-Vorpommern für das Jahr 2018 zu vergeben.“

Vorschläge bzw. Bewerbungen für den Altenpflegepreis 2018 können bis zum 30. Juni 2018 bei der Geschäftsstelle des Landespflegeausschusses im Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung, 19048 Schwerin, eingereicht werden. Jeder Vorschlag wird durch eine Jury bewertet, die aus je einem Vertreter der Verbände der gesetzlichen und der privaten Pflege- und Krankenkassen, der privaten, kommunalen und gemeinnützigen Einrichtungsträger sowie des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung und des Ministeriums besteht.

Vom Preisgeld in Höhe von insgesamt 5.000 Euro sollen für den ersten Preis 3.000 Euro, für den zweiten Preis 1.500 Euro und für den dritten Preis 500 Euro ausgereicht werden.

Die Preisträger des Altenpflegepreises 2017 waren:

Platz 1 – SOZIUS Pflege- und Betreuungsdienste gGmbH aus Schwerin – „Azubitage – Selbständigkeit fördern und Anerkennung stärken“
Platz 2 – Volkssolidarität Greifswald-Ostvorpommern – „Seniorenresidenz und Aktivzentrum Boddenhus“
Platz 3 – Verein Südhus Leben e.V. aus Rostock – „Begleitung von sterbenden Bewohnern“

„Pestizidfreie Kommune“: 181 Städte und Gemeinden gegen Glyphosat

Berlin – Zum Tag des Artenschutzes am 03. März 2018 zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine erste positive Zwischenbilanz des Projekts „Pestizidfreie Kommune“ zum Erhalt der Artenvielfalt. Seit der Veröffentlichung einer interaktiven Karte, auf der Kommunen eingetragen werden, die auf Glyphosat und andere Pestizide bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen verzichten, hat sich die Anzahl der Kommunen in nur drei Monaten* von 90 auf 181 Städte und Gemeinden verdoppelt. Insektizide und Herbizide töten und schädigen viele Insekten wie Bienen und Wildbienen direkt oder vernichten deren Lebensraum und deren Nahrungsgrundlage. So sind chemisch-synthetische Mittel mitverantwortlich für das verheerende Insektensterben.

Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin und Leiterin des Projekts „Pestizidfreie Kommune“ erklärte zu dem gelungenen Projektstart: „Mit großer Freude haben wir die vielen Rückmeldungen von Kommunen und Städten, von engagierten Bürgerinnen und Bürger und von lokalen Politikern aufgenommen. Mit dem Bekenntnis zum Verzicht auf Pestizide kommen die Kommunen ihrer Verantwortung für Menschen und Umwelt nach und zeigen, dass es sehr wohl ohne Glyphosat und andere Pestizide geht.“

Mit Blick auf den morgigen Tag des Artenschutzes fordert die Pestizidexpertin die neue Bundesregierung auf, einen nationalen Ausstiegsfahrplan für den Einsatz von Glyphosat vorzulegen. Das Totalherbizid ist mitverantwortlich für das dramatische Insektensterben und den Verlust der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Es vernichtet alle Wildkräuter und entzieht dadurch Insekten die Nahrungsgrundlage und den Lebensraum. Das Insektensterben wiederum gefährdet auch andere Tierarten und letztlich die Lebensmittelproduktion für Menschen, denn rund zwei Drittel der Kulturpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen. „Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele Arten mehr leiden unter dem Einsatz von Glyphosat. Ihre Bestände sind dramatisch zurückgegangen“, sagte Corinna Hölzel. „Vor dieser Tatsache darf einen neue Regierung die Augen nicht verschließen und muss zügig das Ende des Glyphosat-Einsatzes in Deutschland einläuten. Was in den Kommunen möglich ist, ist auch in der Landwirtschaft und in Hobbygärten möglich: Es gibt umweltfreundliche Alternativen zu Glyphosat, die Insekten wie Bienen und Wildbienen nicht gefährden. Blütenreich und ohne Gift – das sollte nicht nur das Motto aller Städte und Gemeinden sein.“

Über den zügigen Ausstiegsfahrplan für den Glyphosateinsatz hinaus, sieht der BUND die neue Bundesregierung in der Pflicht, auch die bienengefährlichen Neonikotinoide zu verbieten. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hatte erst in dieser Woche erneut das hohe Risiko für Honig- und Wildbienen bestätigt. Sollte es am 22. März auf der Frühjahrstagung des Europäischen Rates zu einer Abstimmung der Mitgliedsstaaten über Neonikotinoide kommen, muss Deutschland für ein Verbot von drei Mitteln dieser Pestizidgruppe und für ein Verbot aller Freilandanwendungen stimmen.

Viele Pflegebedürftige nutzen 125 Euro-Entlastungsgeld nicht

Ministerin Drese wirbt für Pflegeberatung in den 15 Pflegestützpunkten

Schwerin – Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz II haben Pflegebedürftige, bei denen die Pflege im häuslichen Bereich erfolgt, seit dem 1. Januar 2017 einen Anspruch auf einen Entlastungsbeitrag in Höhe von monatlich 125 Euro. Doch rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen nutzen dieses Angebot nicht, wie eine aktuelle Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) aufzeigt. Sozialministerin Stefanie Drese wirbt deshalb für eine bessere Bewerbung des Entlastungsbeitrages durch Behörden und Pflegekassen und rät pflegenden Angehörigen dringend, die Ansprüche für Betroffene geltend zu machen.

„Ich kenne viele Menschen, die oft über Jahre hinweg ihre Eltern, Partner oder nahen Verwandten bis zur Grenze der Belastbarkeit pflegen, ihnen Wärme und Geborgenheit geben. Denn die Pflegebedürftigen wollen möglichst lange in ihrer eigenen häuslichen Umgebung bleiben. Das Entlastungsgeld ist eine wertvolle Chance, weitere Zuschüsse für die Pflege zu erhalten. Das können u.a. die Erstattung von Kosten eines ambulanten Pflegedienstes oder anerkannte Angebote zur Unterstützung und Betreuung im Alltag sein“, erklärt die Ministerin.

Die ZQP-Studie legt nahe: Viele Menschen fühlen sich von den Informationen und neuen Regularien überfordert. Doch auch dafür gibt es Hilfsangebote, wie die Inanspruchnahme einer Pflegeberatung. „Die 15 Pflegestützpunkte in ganz Mecklenburg-Vorpommern beraten kostenlos, unabhängig und trägerübergreifend. Sie sind die ersten Anlaufstationen für alle Fragen rund um die Pflege im Land und helfen Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen in vielen Fragen“, so Drese.

Auf den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich haben alle Pflegebedürftigen in den Pflegegraden 1 bis 5 einen Anspruch, bei denen die Pflege im häuslichen Bereich erfolgt. Pflegebedürftige im Pflegegrad 1 können den Entlastungsbetrag auch für Leistungen der ambulanten Pflegedienste im Bereich der Selbstversorgung verwenden.

Der Antrag kann formlos an die Pflegekassen gesendet werden. Dabei handelt es sich nicht um eine pauschale, sondern um eine zweckgebundene Geldleistung, die mit Leistungsnachweisen zu belegen sind. Die Mittel sind für ergänzende ambulante oder teilstationäre Hilfeleistungen in der Pflege gedacht.