Gesundheitsminister fordert mehr Medizinstudienplätze in M-V

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe hat mehr Studienplätze für Medizin in Mecklenburg-Vorpommern gefordert. „Wenn wir weiterhin eine gute ärztliche Versorgung im Land wollen, dann müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Das fängt mit einer guten Ausbildung an. Damit wir uns im bundesweiten Wettbewerb um Mediziner weiter behaupten können, sind mehr Studienplätze nötig. Das ist gerade angesichts einer sich demografisch verändernden Gesellschaft von immenser Bedeutung. Wir brauchen mehr Hausärzte und Fachärzte, vor allem auf dem Land. Mit unserem Medizinstipendium setzen wir Anreize für mehr Ärzte auf dem Land“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe. Insgesamt gibt es aktuell in Mecklenburg-Vorpommern rund 4.000 Medizinstudenten. Es gibt auf einen Studienplatz etwa vier Bewerber.

Glawe hat sich auch dafür ausgesprochen, die Zulassungsbeschränkungen für einen Studienplatz aufzubrechen. „Gute Noten sind das Eine. Wichtig sind vor allem auch die persönliche Qualifikation und kommunikative Fähigkeiten des angehenden Arztes. Was nützt ein `Einser-Abi´, wenn in Patientengesprächen am Ende nicht der richtige Ton getroffen wird“, so Glawe weiter. Der Minister plädierte darüber hinaus dafür, dass bei der Vergabe der Studienplätze auch berufliche Vorerfahrungen der Bewerber noch stärker berücksichtigt werden sollten.

Gesundheitsminister Glawe hat auch auf die Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht. Das Wirtschaftsministerium gibt an Medizinstudierende, die an einer Hochschule in Mecklenburg-Vorpommern immatrikuliert sind, ein Stipendium in Höhe von 300 Euro monatlich längstens für einen Zeitraum von vier Jahren und drei Monaten aus. Insgesamt stehen mindestens eine Million Euro für das Programm zur Verfügung. Die Medizinstudierenden verpflichten sich im Gegenzug, nach dem Studium und der entsprechenden Facharztausbildung für eine Dauer von mindestens fünf Jahren in ländlichen Regionen, sei es ambulant, im Krankenhaus oder im öffentlichen Gesundheitsdienst Mecklenburg-Vorpommerns, ärztlich tätig zu sein. Im März wurden die ersten 29 Stipendien von Glawe an der Universitätsmedizin in Greifswald (13 Stipendien) und an der Universitätsmedizin in Rostock (16 Stipendien) übergeben. „Daran wollen wir anknüpfen. Jetzt läuft die Antragsphase für das kommende Semester“, sagte Gesundheitsminister Glawe. Anträge für den nächsten Förderbeginn im Wintersemester 2018/2019 können bis zum 15. August 2018 eingereicht werden.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung sind in Mecklenburg-Vorpommern rund 1.200 Hausärzte (Stand Januar 2018) tätig, davon sind 120 hausärztliche Pädiater. Dabei sind 35 Prozent der Allgemeinmediziner und Kinderärzte 50 bis 59 Jahre alt, werden wahrscheinlich in sechs bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen. „Da die anspruchsvolle Ausbildung eines Arztes Zeit braucht, wollen wir gegensteuern und aufzeigen, dass wir attraktive Arbeitsplätze für Mediziner im Land haben“, sagte Glawe.

Drese: Beitragsfreie frühkindliche Bildung führt zu mehr Chancengerechtigkeit für Kinder

Schwerin – Krippe, Kindergarten, Hort und Kindertagespflege sind ab dem 1. Januar 2020 in Mecklenburg-Vorpommern für Eltern gebührenfrei. Die gestern vom Koalitionsausschuss beschlossenen komplette Abschaffung der Elternbeiträge in der Kindertagesförderung ist nach Einschätzung von Sozialministerin Stefanie Drese eine riesige Entlastung für Familien mit kleineren Kindern.

„Das ist vor allem für Eltern, die mit ihrem Einkommen knapp über den Grenzen für staatliche Hilfsleistungen liegen eine enorme finanzielle Hilfe. Für diese Familien freue ich mich ganz besonders“, sagte Drese heute in Schwerin. „Und es bleibt natürlich dabei: als Zwischenschritt erfolgt die Abschaffung der Elternbeiträge für Geschwisterkinder ab dem 1. Januar 2019.“

Mit der beitragsfreien Kindertagesförderung leistet das Land nach Ansicht der Ministerin einen großen Beitrag zur weiteren Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Und wir ermöglichen für alle Kinder die Teilhabe an frühkindlicher Bildung. Das trägt zu mehr Chancengerechtigkeit von Anfang an bei“, so Drese.

Einen Dank richtete Ministerin Drese an den Bund: „Die Bundesfamilienministerinnen der letzten Jahre haben dafür gesorgt, dass ab dem Haushalt 2019 den Ländern erhebliche Mittel für die Kindertagesförderung zur Verfügung gestellt werden. Mit unseren beträchtlichen Investitionen und der Unterstützung des Bundes ist der finanzielle Kraftakt für eine elternbeitragsfreie KiTa seriös zu realisieren.“

Die Kosten für die Übernahme aller Elternbeiträge belaufen sich derzeit auf rund 122 Millionen Euro jährlich. Die bereits beschlossenen Maßnahmen (Absenkung des Elternbeitrags um 50 Euro seit 1.1.2018 und Beitragsfreiheit für Geschwisterkinder ab 1.1.2019) sind mit rund 54 Millionen Euro abgedeckt. Damit verbleiben für die vollständige Beitragsfreiheit rund 68 Millionen Euro.

Verkehrserziehungstag in der Grundschule Boltenhagen

Wismar – Einen etwas anderen Schulalltag erlebten die Kinder der Grundschule Boltenhagen am gestrigen Vormittag, denn von 08:00 bis 12:00 Uhr ging es rund um das Thema Verkehrssicherheit.

Bei schönstem Wetter durchliefen die Kinder die verschiedensten Stationen, die durch Mitarbeiter mehrerer Polizeibehörden, des DRK, der AOK und des ansässigen Busbetriebes betrieben wurden.

Wie verhalte ich mich richtig im Straßenverkehr? Das zeigten und erklärten die Präventionsberater der Polizeiinspektion Wismar sowie der für den Bereich Boltenhagen zuständige Kontaktbeamte Marcus Wiederhold. Wer mit dem Roller den Parcours gemeistert hat, erhielt den Kinderführerschein für den Roller.

Die Kinder konnten Polizei- und Rettungsfahrzeuge bestaunen, anfassen und natürlich auch einsteigen. Erste-Hilfe-Maßnahmen gab es nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Mitmachen. Und mit unserer Polizeimöwe Klara und den Mitarbeitern des Landespolizeiorchesters M-V wurde Verkehrssicherheit mit Musik sowie Gesangs- und Tanzeinlagen belebt.

Sicher soll es nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf dem Wasser sein. Das vermittelte Frank Herrmann von der Wasserschutzpolizeiinspektion Wismar. Seine wichtigste Botschaft: Rettungswesten tragen, rettet Leben!

Beitragsfreiheit entlastet Eltern um 120 Mio. Euro Kita-Kosten

Schwerin – Ab Januar 2020 müssen Eltern nicht mehr für die Kinderbetreuung bezahlen. Darauf hat sich der Koalitionsausschuss von SPD und CDU geeinigt. Außerdem wurde beschlossen, Polizeibeamte im mittleren Dienst besser zu bezahlen. Dazu erklärt der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Thomas Krüger: „Derzeit zahlen Eltern noch rund 120 Mio. Euro für die Betreuung ihrer Kinder in Krippe, Kita, Tagespflege oder Hort. Von diesen Kosten werden wir sie ab Januar 2020 vollständig befreien. Das ist für die Familien eine riesige Entlastung. Ich freue mich, dass wir dieses wichtige politische Versprechen der SPD nun umsetzen können. Ebenfalls ist es uns wichtig, dass Polizisten eine deutlich höhere Wechselschichtzulage erhalten werden. Die Schichtzulage steigt bei rund 2.100 Polizisten von 50 auf dann 150 Euro. Von dieser Maßnahme profitieren vor allem Beamte im mittleren Dienst, deren Belastung besonders hoch ist. Das ist für mich als Sozialdemokrat besonders wichtig. Mit dem Beschluss, 150 weitere Polizeistellen zu schaffen, kommen wir auch dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger in unserem Land nach. Alles zusammengenommen ist das heute ein sehr guter Tag für Mecklenburg-Vorpommern.“

Früh üben sich Natur-Profis

Übergabe des Biosphären-Passes an die Schülerinnen und Schüler der Fritz-Reuter-Schule mit Unterstützung durch die WEMAG

Zarrentin – Die Schülerinnen und Schüler der 1. Klasse der Fritz-Reuter-Schule in Zarrentin am Schaalsee erhielten heute exklusiv ihren persönlichen „Biosphäre-Pass“. Den Pass hat das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe gemeinsam mit den Lehrerinnen der Fritz-Reuter-Schule und dem regionalen Energieversorger WEMAG AG entwickelt.

Die 1. Klasse der Fritz-Reuter-Schule in Zarrentin hat exklusiv ihren persönlichen „Biosphäre-Pass“ erhalten, den das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe gemeinsam mit den Lehrerinnen und dem regionalen Energieversorger WEMAG AG entwickelt hat. Foto @ WEMAG/Diana Kuhrau

Klaus Jarmatz, Leiter des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe, zeigt sich begeistert über diese Zusammenarbeit. „Wir können dadurch unsere Kooperation mit der Grundschule in Zarrentin weiter ausbauen und den Kindern das UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee mit seinen verschiedenen Themen im Laufe der Schuljahre näherbringen. Jedes Kind erhält künftig in der 1. Klasse einen persönlichen Pass. Das ist ein schönes Projekt, das auch in anderen Schulen im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee oder im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Mecklenburg-Vorpommern Nachahmer finden könnte.“

„Der Pass wird die Kinder bis zur 4. Klasse begleiten, ergänzt Heide Hollstein, Schulleiterin an der Fritz-Reuter-Schule Zarrentin. „Durch die begleitenden Führungen mit den Rangerinnen und Rangern des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe wechseln die Kinder die Perspektive, entdecken am realen Objekt nachhaltig Dinge, was in der Schule nur mit großem Aufwand funktioniert. Wir sind froh, so gut zusammen arbeiten zu können, wie es im Moment ist“, betont Heide Hollstein. „Der Pass wertet diese fruchtvolle Zusammenarbeit noch einmal auf und ermöglicht ein Erinnern und Verinnerlichen in einer neuen Qualität.“

Das Projekt wurde ermöglicht durch die Unterstützung der WEMAG. Caspar Baumgart, kaufmännischer Vorstand des ökologisch ausgerichteten Energieversorgers, war es wichtig, dass Themen aus der Natur und über den Einklang von Umweltschutz und Energiegewinnung im Pass aufgezeigt werden. „Energie spielt in fast allen Bereichen des Lebens eine wichtige Rolle. In der vierten Klassenstufe beschäftigen sich die Kinder deshalb zum Beispiel mit modernen und nachhaltigen Formen der Energiegewinnung und auch ganz praktisch mit dem Thema Müll. Wohin mit den Abfällen, die in Haushalt und Gewerbe täglich anfallen? Ein behutsamer Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ist für die Daseinsvorsorge ein zentraler Faktor“, so Baumgart.

Die 1. Klassen starten mit dem Pass im Frühling und gehen auf Entdeckungsreise. Die Stationen Herbst und Winter werden bereits in der 2. Klasse absolviert. In den kommenden Monaten werden die Ranger des UNESCO-Biosphärenreservates und die Lehrkräfte der Fritz-Reuter-Schule sicherlich noch wertvolle Ideen und Erfahrungen durch die Arbeit mit den Kindern sammeln.

Diskussionsrunde im Plenarsaal zum Abschluss der Europawoche

Zerreißt der neue Ost-West Konflikt die EU?

Schwerin – Der Minister für Inneres und Europa Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier, wird am 15.05.2018 ab 18:30 Uhr an einer Diskussionsrunde teilnehmen. Mit den Gästen Dr. Franz Fischler, EU-Landwirtschaftskommissar a.D., Dirk Wiese, Osteuropabeauftragter der Bundesregierung, Joachim Bitterlich, Außenpolitischer Berater der Bundesregierung a.D., Nadia Hirsch, Fraktionsvorsitzende der FDP im Europaparlament und Dr. Franziska Brantner, europapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen wird das Thema: „Zerreißt der neue Ost- West Konflikt die EU?“ diskutiert.

Das Ministerium für Inneres und Europa organisiert die Veranstaltung mit mehreren Kooperationspartnern im Plenarsaal des Landtages Mecklenburg-Vorpommern zum Abschluss der Europawoche.

Dazu wurde ein schwieriges, aktuelles Thema ausgewählt. Die EU befindet sich zurzeit in so vielen Krisen wie nie zuvor. Das reicht vom Brexit über die Wirtschafts- und Finanzkrise bis hin zur Flüchtlingsproblematik. Dazu kommt die, zumindest gefühlte, Spaltung zwischen Ost- und Westeuropäern. In solch einer Situation ist es durchaus nicht überspitzt, wenn von einer Zerreißprobe für die EU gesprochen wird.

Eine schwierige Frage ist, wie die EU vor dem Hintergrund Lösungen für die drängenden Probleme finden kann, zum Beispiel für das neue System nach Schengen. Ganz klar ist dabei, dass bestehende Regeln eingehalten werden müssen. Was überhaupt gemeinsam möglich ist und welche Konflikte gelöst werden müssen, das soll in der Diskussion mit den ausgewiesenen Experten ausgelotet werden.

Rund um den historischen Europatag am 9. Mai findet jedes Jahr die Europawoche statt – in diesem Jahr vom 2. bis zum 15. Mai. Überall in Deutschland gibt es Veranstaltungen rund um das Thema Europa. In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Landesregierung so auch dieses Jahr besonders aktiv am EU-Schulprojekttag am 04. Mai eingebracht. In vielen Schulen im Land waren Politiker und EU-Experten im Unterricht, um über Europa zu sprechen.

Mittlere Reife-Prüfungen an den Schulen beginnen

Ministerin Hesse: Regionale Schulen tragen zur Fachkräftesicherung bei

Schwerin – Für viele Jugendliche ist es eine wichtige Etappe vor dem Start ins Berufsleben: In Mecklenburg-Vorpommern beginnen am kommenden Montag, 14. Mai 2018, an den 191 staatlichen und freien Regionalen Schulen, Gesamtschulen, Förderschulen und Gymnasien mit einem Regionalschulteil (Sportgymnasien) die zentralen schriftlichen Mittlere Reife-Prüfungen im Fach Deutsch. Zwei Tage später, am Mittwoch, 16. Mai 2018, lassen sich die 5.300 Schülerinnen und Schüler in der ersten Fremdsprache prüfen. Am Mittwoch, 23. Mai 2018, stehen dann die schriftlichen Mathematik-Prüfungen auf dem Stundenplan. Die mündlichen Prüfungen folgen ab dem 15. Juni 2018.

„Den Schülerinnen und Schülern drücke ich die Daumen und wünsche ihnen viel Erfolg. Nervenkitzel und eine gewisse Anspannung gehören dazu“, sagte Bildungsministerin Birgit Hesse. „Wenn die Jugendlichen gut vorbereitet sind, können sie den Prüfungen gelassen entgegensehen. In den vergangenen Schuljahren haben sie sich auf das Berufsleben vorbereitet. Viele von ihnen beginnen im Sommer eine berufliche Ausbildung. Die Regionalen Schulen und Gesamtschulen tragen damit entscheidend zur Fachkräftesicherung im Land bei“, lobte Hesse. Nicht alle Schülerinnen und Schüler müssten das Abitur machen und ein Studium anstreben.

Die Mittlere Reife ist ein wichtiger Schulabschluss, mit dem sich Jugendliche auf freie Lehrstellen bewerben können. Schülerinnen und Schüler erhalten die Mittlere Reife am Ende der Jahrgangsstufe 10, wenn sie mindestens das Gesamtprädikat „bestanden“ erreicht haben. Das bedeutet, dass sie einen Notendurchschnitt von 3,5 bis 4,0 nachweisen müssen. Schülerinnen und Schüler, die mindestens das Gesamtprädikat „befriedigend“ erhalten, also einen Notendurchschnitt von 2,5 bis 3,4, können auch die gymnasiale Oberstufe besuchen und das Abitur ablegen.

Deutschland erreicht bei Kinderbetreuung für unter Dreijährige das EU-Ziel von 33 Prozent

Brüssel – Deutschland gehört zu den 12 Mitgliedstaaten, die 2016 das Kinderbetreuungsziel für 33 Prozent der Kinder im Alter von bis zu drei Jahren erfüllt haben. Neben Deutschland erreichten Dänemark, die Niederlande, Schweden, Luxemburg, Portugal, Frankreich, Belgien, Slowenien, Spanien, Italien und Finnland die bereits im Jahr 2002 vom Europäischen Rat in Barcelona gesetzten Zielvorgaben. Dem heute (Dienstag) von der Kommission vorgelegten Bericht zum Ausbau der Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder in Europa zufolge hat sich in Deutschland die Betreuung der unter Dreijähren von 24 Prozent im Jahr 2011 auf 32,6 Prozent im Jahr 2016 erhöht.

Erstmals seit die EU damit begonnen hat, die Erfüllung der Kinderbetreuungsziele zu beobachten, wurde das Ziel in Bezug auf Kleinkinder im Alter von bis zu drei Jahren im Durchschnitt der EU-28 erreicht. Die erzielte Gesamtquote lag 2016 bei 32,9 Prozent. EU-Kommissarin Vĕra Jourová, zuständig für Justiz, Verbraucher und Gleichstellung, wies aber darauf hin, dass die Erreichung der Kinderbetreuungsziele zu lange gedauert habe. „Obwohl einige Verbesserungen bei der Anpassung der Kinderbetreuung an die Bedürfnisse moderner Familien erzielt wurden, liegt immer noch viel Arbeit vor uns. Wir hoffen, von jetzt an schneller dabei voranzukommen, berufstätige Eltern zu unterstützen“, sagte Jourová.

Bei den Kindern zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter wurde das Barcelona-Ziel von 90 Prozent noch nicht erreicht. Seit 2016 besuchen 86,3 Prozent der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter eine formelle Betreuungseinrichtung oder eine Vorschule. Das Barcelona-Ziel wurde in 12 Mitgliedstaaten, darunter in Deutschland mit 91,8 Prozent, erfüllt; in den übrigen 16 Mitgliedstaaten ist dies noch nicht der Fall.

Die Unterrepräsentation von Frauen gehört zu den nachhaltigsten Problemen der Arbeitsmärkte in allen Mitgliedstaaten. Das geschlechtsspezifische Beschäftigungsgefälle, d. h. die Differenz zwischen den Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern, liegt in der Europäischen Union insgesamt bei 11,6 Prozentpunkten bzw. – in Vollzeitäquivalenten gemessen – sogar bei 18,2 Prozentpunkten. Der dadurch entstehende wirtschaftliche Verlust beläuft sich auf 370 Mrd. Euro pro Jahr.

Hauptgrund für die geringe Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben sind Betreuungsaufgaben, die von ihnen im Vergleich zu Männern in unverhältnismäßig größerem Umfang wahrgenommen werden. Frauen übernehmen in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens Betreuungspflichten, insbesondere aber in der Zeit, in der sie Kleinkinder haben. In einigen Mitgliedstaaten gehen 25 Prozent der nicht erwerbstätigen Frauen aufgrund von Betreuungspflichten keiner Beschäftigung nach. Zehn Prozent der Frauen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, dem Vereinigten Königreich, Belgien, Luxemburg und Irland gehen aufgrund ihrer Betreuungspflichten einer Teilzeitbeschäftigung nach.

Die Barcelona-Ziele

Bereits auf seiner Tagung in Barcelona im Jahr 2002 hat der Europäische Rat diese Situation erkannt und zur Verfügbarkeit hochwertiger und erschwinglicher Betreuungseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter zwei Zielvorgaben festgelegt: „Die Mitgliedstaaten sollten Hemmnisse beseitigen, die Frauen von einer Beteiligung am Erwerbsleben abhalten, und bestrebt sein, nach Maßgabe der Nachfrage nach Kinderbetreuungseinrichtungen und im Einklang mit den einzelstaatlichen Vorgaben für das Versorgungsangebot bis 2010 für 90 Prozent der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und für 33 Prozent der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen.“

Online-Projekt „Helden statt Trolle“ offiziell gestartet

Ministerin Hesse: Wir wollen Hass und Hetze im Internet etwas entgegensetzen

Rostock – Die Berufliche Schule Technik in Rostock ist heute als „1. Hassfreie Schule“ ausgezeichnet worden. Anlässlich der Auszeichnung haben das Landeskriminalamt und die Landeszentrale für politische Bildung das Projekt „Helden statt Trolle“ gestartet. Es will jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren vermitteln, wie sie mit Hass und Hetze im Internet umgehen können und dazu anregen, eine sachliche Diskussionskultur in den sozialen Netzwerken wiederzubeleben. Die Landeszentrale für politische Bildung hat das Projekt mit Mitteln in Höhe von 15.900 Euro aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt. Bildungsministerin Birgit Hesse hat an der Veranstaltung in Rostock teilgenommen.

„Es ist heute so einfach geworden, dem eigenen Ärger Luft zu machen und sich auf Kosten anderer besser zu fühlen“, kritisierte Bildungsministerin Birgit Hesse. „Es ist so einfach geworden, Meinung zu machen. In den sozialen Netzwerken muss man niemandem ins Gesicht schauen, den man beleidigt. Man ist nicht an irgendwelche Büro- oder Öffnungszeiten gebunden, um sich unflätig zu beschweren. Man muss sich nicht die Mühe machen, Briefe zu verfassen oder Telefonnummern zu wählen“, sagte Hesse. Viele Menschen stünden hilflos vor diesen Auswüchsen digitaler Kommunikation und vermeintlicher Information.

„Viele Menschen wissen nicht, ob und wie sie auf solche Kommentare reagieren können oder sollen. Manche sind erleichtert, weil Hetze und Hass bislang nur andere getroffen haben, andere sind empört. Diejenigen, die betroffen sind, sind oft auch tief getroffen – und das ganz analog“, sagte die Ministerin. „Das Projekt ‚Helden statt Trolle‛ richtet sich an junge Menschen, an Pädagogen, Schulsozialarbeiter und Ehrenamtliche. Es gibt Tipps und Methoden, mit welchen Formulierungen man auf Hasskommentare und Beleidigungen auf Social Media-Plattformen antworten und Flagge zeigen kann. Wichtig ist, dass viele mitmachen. Wir wollen Hass und Hetze im Internet etwas entgegensetzen“, betonte Hesse.

Jarmen erhält Förderung für Bau eines Kita-Gebäudes mit Hort

Jarmen – Die Stadt Jarmen (Landkreis Vorpommern-Greifswald) erhält vom Bauministerium für den Neubau eines Kita-Gebäudes mit Horträumen in der Rosenstraße Fördermittel in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro. Die Mittel kommen aus dem „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER). Die Gesamtkosten für das Vorhaben betragen rund 2,1 Millionen Euro.

Der Neubau der Kita mit Horträumen ist für die Betreuung der Kinder zwingend notwendig. Derzeit wird die ehemalige Schülergaststätte provisorisch genutzt. Auch die Kapazitäten der Krippe und Kita im Müssentiner Weg sind ausgereizt.

Im Neubau sollen 30 Kindergarten- und 70 Hortkinder betreut werden. Im Erdgeschoss des Hauses befinden sich die Garderoben, die sanitären Anlagen, die Gruppen- und Nebenräume für die Kindergartenkinder sowie die Personalräume und die Essensausgabe. Im Obergeschoss sind ausschließlich Räume für die Hortkinder vorgesehen. Nach Fertigstellung des Gebäudes werden die Räumlichkeiten im Müssentiner Weg nur für die Krippenkinder genutzt.

Die Maßnahme soll in diesem Jahr beginnen und nach ca. zwei Jahren abgeschlossen sein.

Unterricht mit dem Minister: Backhaus begeistert Schüler für die EU

Lübtheen – 751 Abgeordnete zählt das Europäische Parlament, 96 von ihnen kommen aus Deutschland. Im Parlament vertreten sind acht politische Fraktionen. 20 Fachausschüsse im EU-Parlament stimmen über die Gesetzesentwürfe der Europäischen Kommission ab. Die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben insgesamt rund 33.000 Mitarbeiter in die EU-Kommission entsandt, und in der Kommission werden 24 Amtssprachen gesprochen…

27 Schüler einer neunten Klasse folgten aufmerksam den zahlreichen Daten und Fakten zur EU, vorgetragen von Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus, der am heutigen Europa-Projekttag in der Lindenschule in Lübtheen eine Unterrichtsstunde zur Zukunft Europas und zur derzeitigen EU-Politik gab.

Der Minister stellte seinen jungen Zuhörern nicht nur die EU-Institutionen und den politischen Gesetzgebungsprozess auf europäischer Ebene vor. Er erläuterte das Funktionieren der EU ganz praktisch an Beispielen aus dem Alltagsleben der Schüler, etwa an Schüler- und Studenten-Austauschprogrammen oder an den Vorzügen der einheitlichen Währung und der entfallenden Roaming-Gebühren beim Telefonieren im europäischen Ausland. „Ihr seht, die EU macht einiges einfacher“, sagte er, bevor er mit den Schülern über die gemeinsamen europäischen Werte – Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte – sprach. „Diese Werte sind in anderen Teilen der Welt leider noch immer nicht alltäglich gelebte Praxis“, unterstrich er.

Der Minister erläuterte die Bedeutung der EU als Friedensprojekt und als Wirtschafts- und Wachstumsmotor für die Regionen Europas. Und natürlich sprach er über die gemeinsame EU-Landwirtschafts- und Umweltpolitik, schnitt etwa die Themen Tierwohllabel und Pflanzenschutz an. „Gerade für Mecklenburg-Vorpommern ist die EU-Förderung von besonderer Bedeutung. Unser Land erhält in der laufenden Förderperiode von 2014 bis 2020 insgesamt 2,289 Milliarden Euro aus den Fonds für Regionale Entwicklung, dem Fonds für die Entwicklung ländlicher Räume und dem Europäischen Sozialfonds. Wir setzen das Geld unter anderem ein für Projekte im ländlichen Raum, um die Infrastrukturen in den Dörfern und Gemeinde weiter auszubauen“, berichtete er.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass wir für eine starke Landwirtschaft in MV auch eine starke EU brauchen. Nur in Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf EU-Ebene wird Europa das großartige Friedens- und Wohlstandsprojekt bleiben, das es ist“, sagte Minister Backhaus.

Anschließend diskutierten die Schüler mit dem Minister und konnten ihre Fragen zur EU loswerden.

Seit 2007 gibt es den EU-Projekttag. Bundeskanzlerin Angela Merkel initiierte den EU-Projekttag, um junge Menschen für die Europäische Union zu interessieren. Seitdem besuchen Politikerinnen und Politiker bundesweit Schulen im Mai.

Zuschuss für Bildungsdatenbank

Wittenburg – Am Montag, 07.05.2018, wird Digitalisierungsminister Christian Pegel dem Landkreis Ludwigslust-Parchim einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 21.428,57 Euro für eine Bildungs- und Beratungsdatenbank für junge Neuzugewanderte übergeben. Die Förderung erfolgt gemäß der Richtlinie zur Förderung der elektronischen Verwaltung in Mecklenburg-Vorpommern (E-Government-Richtlinie) des Ministeriums für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern. Die Gesamtausgaben für die Maßnahmen betragen knapp 30.000 Euro.

Der Landkreis möchte eine gut verständliche Gesamtübersicht über alle vorhandenen Bildungs- und Beratungsangebote erarbeiten, die Neuzugewanderte und alle, die mit der Integration von Migranten befasst sind, als Informationsplattform nutzen können. Um die dargestellten Angebote aktuell zu halten, wird eine Online-Datenbank erstellt, die Letztere auch pflegen und in ihrem Aufbau flexibel gestalten sollen. Um für Akzeptanz des Vorhabens zu sorgen und die Zu- und Mitarbeit der Beteiligten zu sichern, sollen alle Akteure an einen Tisch geholt werden.

Nach wie vor bestehen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zu Ungunsten Neuzugewanderter, was Teilhabe, Bildung, Ausbildung und Beschäftigung angeht. Ziel des Projekts ist es, Informationshürden abzubauen und jedem Einzelnen den Zugang zur Bildung zu ebnen. Sich selbstständig und eigenverantwortlich über geeignete und am eigenen Bedarf orientierte Bildungsangebote informieren zu können, ist ein erster Schritt zur Herstellung von Chancengerechtigkeit für junge Neuzugewanderte im Bildungssystem.

Die Bildungs- und Beratungsdatenbank soll Ende Oktober 2018 fertiggestellt sein.

Bundesweiter EU-Projekttag am 4. Mai 2018

Teterow – Am Europagymnasium diskutiert Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) mit 25 Schülern der 8. Klasse über die Europäische Union: „Öfter im Jahr über EU reden“

„Das Projekt Europäische Union ist ein Erfolg. Doch brauchen wir auch neue Ideen und motivierte junge Europäer, die dieses Projekt am Leben halten“, sagt die Justizministerin vor ihrem Besuch am Europagymnasium in Teterow. Hier wird sie am Freitag im Rahmen des EU-Projekttages mit Schülern einer 8. Klasse über die EU diskutieren und in einem Europa-Quiz das Wissen testen.

„Wir sind gerade weltpolitisch in schwierigen Zeiten. Es drohen nationale Alleingänge. Der Wert einer Gemeinschaft wird vielerorts in Frage gestellt. Die EU muss sich den Kritikern stellen, und sie muss die Antworten finden, damit ihre Existenz gesichert bleibt. Dafür setze auch ich mich ein. Als Mitglied der Landesregierung im Ausschuss der Regionen (AdR) bin ich mehrmals im Jahr in Brüssel und diskutiere mit Vertretern aller EU-Staaten über die EU-Politik und ihre Verbindung in die kommunale Ebene“, so Ministerin Hoffmeister. Der AdR bindet Länder und Kommunen in die EU-Politik ein und informiert sie darüber. Bei relevanten Themen für die direkt betroffenen Menschen sind die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und der Rat dazu verpflichtet, den Ausschuss anzuhören.

„Ich würde es begrüßen, dass sich der EU-Projekttag nicht nur auf einen Tag im Jahr beschränkt, sondern erweitert wird. Wir müssen gerade den jungen Menschen, die unsere Zukunft darstellen, den Wert einer starken EU vermitteln. Denn junge Menschen sind diejenigen, die künftig unseren Kontinent mitgestalten wollen und werden. Verständnis und Mitgestaltungswille sind wichtige Faktoren für den Frieden in der Europäischen Union“, sagt Justizministerin Hoffmeister.

12. Waldolympiade startet heute: 300 Wettkämpfe in 83 Forstämtern

Bad Doberan – Heute eröffnet Umweltminister Dr. Till Backhaus im Forstamt Bad Doberan die Waldolympiade 2018. Rund 300 Schulklassen der Klassenstufe 4 werden bis zum 21. Juni auf 83 Wettkämpfen in allen Forstämtern des Landes miteinander in den Wettstreit treten. Damit ist ein neuer Teilnehmerrekord erreicht. Am Ende wird der Landessieger ermittelt; die Siegerklasse trifft sich zu einem Walderlebnistag Försterin oder Förster ihres Forstamtes.

„Die Waldolympiade ist mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. Hier ist körperliche und geistige Fitness gleichermaßen gefragt. Im Mittelpunkt stehen Umweltbildung und Naturerlebnis für die Kinder. Ihnen wird Wissen rund um Wald und Natur spielerisch und altersgerecht vermittelt“, sagte Minister Backhaus zur Eröffnung der 12. Waldolympiade.

Bei dem spielerischen Gruppenwettbewerb absolvieren die Kinder einen Parcours aus Geschicklichkeitsübungen, Erlebnis- und Wissensstationen. Darunter sind die Disziplinen „Tiere des Waldes“, „Überwinden von Hindernissen“, „Waldboden“ und „Baumartenkenntnis“ sowie „Zapfenzielwurf“ und „Holzstapel umsetzen“. An jeder Station werden die Ergebnisse von einem Forstmitarbeiter eingeschätzt. Nach Durchlaufen aller Stationen erfolgt die klassenweise Auswertung und die Ermittlung des Tagessiegers einer jeden Waldolympiade. Der Tagessieger erhält einen Holz-Pokal.

Unter www.wald-mv.de können die Klassen den aktuellen Punktestand der teilnehmenden Schulen abrufen.

Die Waldolympiade hatte im Jahr 2007 mit 37 Wettkämpfen und 151 Schulklassen begonnen. In den zurückliegenden 11 Jahren gab es mehr als 600 Wettkämpfe, an denen etwa 2400 vierte Klassen mit insgesamt ca. 48.000 Schülern teilnahmen.

Die Waldolympiade ist neben Waldführungen, Walderlebnistagen, Jugendwaldheimaufenthalten, der Mitarbeit von Kindern an Naturschutzprojekten, den Waldkindergärten und Waldpatenschaften ein Teil der Waldpädagogikkonzeption der Landesforstanstalt und wird maßgeblich von der Stiftung „Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern“ unterstützt.

Bedrückende Stille in KZ-Gedenkstätte

Bewegende Momente beim deutsch-polnischen Schulpartnertreffen im polnischen Sztutowo

Sztutowo/Gingst – Stille herrscht im ehemaligen KZ-Krematorium Stutthof (Sztutowo). 40 deutsche und polnische Jugendliche aus Gingst und Sztutowo gedenken am letzten Donnerstag im April schweigend der Toten. Eine bewegende Führung durch die Gedenkstätte findet hier ihr Ende und war zugleich der Beginn einer bewundernswerten Auseinandersetzung mit der gemeinsamen Geschichte. Zwischen September 1939 und Mai 1945 bestand das Lager in der Nähe des kleinen Badeortes. Diesen zeitlichen Ausschnitt brachte ihnen der 19-jährige Abiturient Kamil Krzyszczyk näher, der selbst schon mehrfach an solchen Treffen teilgenommen hatte. „Es war für mich eine Herausforderung, vor einer so großen deutsch-polnischen Schülergruppe zu sprechen“, sagte der Jahrgangsbeste, der sich seit langem auch für die Vergangenheit seines Heimatortes Sztutowo interessiert. Als ehrenamtlicher Führer begleitet er unterschiedliche Gruppen durch das ehemalige Konzentrationslager an der pommerschen Küste. „Ich kann dabei meine Sprachkenntnisse trainieren und neue Leute kennen lernen.“

Julienne Köster (li.) und Amanda Kosoka lösen im ehemaligen KZ Stutthoff ihre Arbeitsaufträge. Foto @ Martina Zabel

Er hatte ein Arbeitsblatt in englischer Sprache vorbereitet, das von kleinen gemischten Teams auf dem Rundgang durch die Einrichtung ausgefüllt wurde. Schüler sollten Fakten, Daten und Personenschicksale erfassen, verarbeiten und bewerten. Ganz bewusst entschied sich der junge Pole für den Inhalt des Blattes, der sich mit den von ihm gewählten Stopps auf dem eineinhalbstündigen Weg verband. Dabei erfuhren sie auch von der Evakuierung vieler Häftlingen, die unter anderem auf Lastkähnen transportiert wurden und auch in den Häfen Lauterbach und Sassnitz auf Rügen Station machten.

Zugleich waren die Teilnehmer aufgerufen, per Smartphone ein Motiv festzuhalten, welches sie bei dem Besuch der Ausstellungsräume und des weitläufigen Geländes besonders bewegte. Julienne Köster gewann den kleinen Wettbewerb, in dem sich jeder Schüler ganz persönlich mit seinen Eindrücken auseinandersetzen sollte. „Ein beeindruckender, kleiner Teil des KZ“, schrieb sie wenige Minuten später zu dem Bild, das sie in die deutsche WhatsApp-Gruppe postete. Hier sammelten sich am Ende des Rundgangs 20 Fotos, die auf ganz spezielle Weise die Empfindungen der jungen Leute widerspiegelten. Am meisten bewegte sie die Gaskammer oder das Krematorium, wo Tausende Menschen unschuldig ermordet worden waren. Ein Fakt, den man nur schwer begreifen kann. Viele Fragen gingen den jungen Menschen durch den Kopf, nicht alle können gestellt werden. Festgehalten in einer Fotografie bieten die gewählten Ausschnitte aber später Anlass, um über das vor Ort Erfahrene noch einmal nachzudenken und in der Klasse zu diskutieren.

Paula, Marvin, Til und Katharina (v. l. n. r.) an einem Modell in der Gedenkstätte Sztutowo. Foto @ Martin Zabel

„Meine Schüler hatten sich den Besuch der Gedenkstätte gewünscht“, erklärt Deutschlehrerin Martina Zabel. Im Unterricht liest sie gerade mit den Neuntklässlern das bewegende Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Darin beschreibt der Ire John Boyne das Schicksal zweier Jungen im Konzentrationslager Auschwitz. An vielen Punkten der Führung, so stellte sie fest, verglichen ihre Schüler das Gesehene oder Gehörte mit Textpassagen, die sie wenige Tage vorher gelesen und besprochen hatten. „Lebendiger kann die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht sein“, meint ihre Kollegin Magda Czarnogorska. Seit Beginn der Partnerschaft zwischen den Schulen in Gingst und Sztutowo vor neun Jahren organisiert die polnische Deutschlehrerin zusammen mit Projektleiter André Farin die Treffen, die immer auch geschichtliche Bausteine in das Programm aufnehmen.

Der Besuch des einstigen Konzentrationslagers war ein bewegender Programmpunkt der fünftägigen Reise, die Gingster Schüler in das 650 Kilometer entfernte Sztutowo unternommen hatten. Außerdem entdeckten sie auf einer Gruppentour geschichtliche Höhepunkte der Hansestadt Gdansk (Danzig) oder besuchten das Auswanderermuseum in Gdynia (Gdingen). Im kommenden Jahr werden sich die Austauschschüler in Stralsund auf den Spuren der Hanse bewegen sowie in verschiedenen Integrationsspielen weiter an der gemeinsamen Kommunikation in Englisch, Deutsch und Polnisch üben. (Von André Farin)