Gesundheitspotential Wald in Girona (Spanien)

Schwerin – „Gesundheitspotential Wald“ – unter diesem Motto fand der 3. Internationale Kongress für die Tourismus- und Gesundheitswirtschaft im spanischen Girona statt.

„Wälder haben ein erhebliches Potential in der Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention. Die bekannte Wohlfühlnutzung des Waldes ist nicht ausreichend. Wir müssen den Wald als medizinisches Therapeutikum im Sinne eines prädikatisierten Heilwaldes besser verstehen lernen und das mit Hilfe dringend notwendiger wissenschaftlicher Studien zur Dosis- Wirkungsbeziehung und dazu, welche therapeutischen Indikationen am vielversprechendsten sind oder auch wie Heilwälder in der Prävention und in der Rehabilitation von Krankheiten wirken können. Dabei gilt es, die bestehende internationale Vorreiterrolle Mecklenburg-Vorpommerns zu behalten. Unsere Experten waren als Fachvortragende auf den Kongress eingeladen worden. Und alle konnten überzeugen“, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Dr. Stefan Rudolph, der vor Ort war.

Auf dem Kongress wurden internationale Projekte vorgestellt und deren Umsetzung in allgemeingültige Qualitätsstandards für Heilwälder sowie Grundlagen für ein strukturiertes Zertifizierungssystem diskutiert.

„Wir wollen in Mecklenburg-Vorpommern eine Zertifizierungsstelle Heilwald einrichten. So erreichen wir einheitliche Standards für prädikatisierte Wälder. Zugleich ist es möglich, das Curriculum für die Aus- und Fortbildung von hochqualifizierten Heilwaldtherapeuten einheitlich zu gestalten und zu internationalisieren. Ohne hochqualifizierte Heilwaldtherapeuten wird eine bewusst gezielte Wirkung auch unseres ersten Heilwaldes Europas in Heringsdorf auf Usedom kaum möglich sein“, sagte Rudolph.

„Unser Ziel ist es zu verstehen, warum und wie der Wald als wissenschaftlich evidentes Therapeutikum wirkt, um zukünftig relevante Anwendungen auf Rezept möglich zu machen, erstattet von den Kostenträgern. Die Nutzung des Heilwaldes als Therapeutikum darf keine Frage des Geldbeutels unserer Bürgerinnen und Bürger sein, sondern ausschließlich von den Antworten wissenschaftlich evidenzbasierter Studien abhängen“, so Rudolph weiter vor Ort.

In Girona tagte auch die Internationale Heilwald Fachgesellschaft „International Society of Forest Therapy (ISFT)“ als wissenschaftlicher Mitgestalter des Kongresses. Die weltweiten Mitglieder aus Europa, Asien, den USA und Südamerika wählten Professor Dr. Horst Klinkmann zum Präsidenten der Fachgesellschaft.

„Die Idee des Heilwaldes wurde durch Professor Doktor Horst Klinkmann in Mecklenburg-Vorpommern geboren und erstmals 2012 auf der Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft ausgesprochen. Ich gratuliere Professor Doktor Klinkmann zu seiner Wahl und habe die Unterstützung seiner Arbeit durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Wirtschaftsministerium zugesagt. Ich verstehe die International Society of Forest Therapy als qualitative und Nutzen stiftende Ergänzung zu den bestehenden Waldtherapie-Organisationen. So gelingt es uns, weltweit vorhandenes Wissen zu bündeln und gezielt wissenschaftlich weltweit zu kooperieren. Evidenzbasierte wissenschaftliche Studienergebnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen von Anwendungen in Heilwäldern sind Voraussetzung für eine zukünftige Kostenübernahme der Therapie durch Krankenkassen, Rentenversicherungen oder andere Finanziers von Gesundheit. Ich bin stolz darauf, dass die Geschäftsstelle der International Society of Forest Therapy bei der BioCon Valley GmbH angesiedelt ist. Das ist ein deutlicher Vertrauensbeweis der internationalen Fachwelt gegenüber unserer Leistungsfähigkeit“, sagte Rudolph.

„Wenn wir auch morgen eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung vorhalten wollen, müssen wir bereits jetzt über neue Aspekte, über neue Produkte nachdenken, die nachhaltig und urwüchsig sind. Und genau das werden unter anderem die zertifizierten Heilwälder sein. Die Summe der Maßnahmen wird die Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern weiter stärken“, sagte Rudolph.

In Mecklenburg-Vorpommern gehört die Gesundheitswirtschaft in ihrer Gesamtheit zu den wichtigsten Wirtschafts- und Wachstumsbereichen. Mit rund 154.000 Erwerbstätigen arbeitet mittlerweile etwa jeder fünfte Beschäftigte in dieser Branche. Der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung des Landes liegt bei 15 Prozent (5,8 Milliarden Euro). Jeder siebte Euro an Bruttowertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern wird in der Gesundheitswirtschaft erarbeitet. Damit belegt die Branche im bundesweiten Vergleich einen Spitzenplatz.

„Unser Bundesland Mecklenburg-Vorpommern spielt bei der Gestaltung und Nutzung von Heilwäldern eine Vorreiterrolle. Andere Bundesländer wie Bayern und Rheinland-Pfalz greifen unsere Ideen auf. Weltweit besteht großes Interesse an der Idee Heilwald, so gibt es unter anderem Anfragen aus Bulgarien, Vietnam und Serbien“, sagte Rudolph.

Im Seeheilbad Heringsdorf (Insel Usedom) wurde 2017 der erste Heilwald Europas ausgewiesen. Derzeit entsteht dort zusätzlich ein Kinderheilwald, der auf die Bewegungsförderung ausgerichtet ist und damit der Prävention von Übergewicht und weiteren bewegungsassoziierten Erkrankungen dient.

In Graal-Müritz (Landkreis Rostock) erfolgt derzeit die Ausgestaltung eines zukünftigen Kurwaldes mit einem Aktivbereich und einem Erholungsbereich. In weiteren fünf Kur- und Erholungsorten des Landes sind die Planungen sehr weit fortgeschritten und sieben Kommunen untersuchen ihre Chancen und Möglichkeiten zur Etablierung eines Kurwaldes oder Heilwaldes.

Des Weiteren geht es um eine Angebotsstrukturierung und Vermarktung, d.h. die Entwicklung bedarfsgerechter Programme und Bereitstellung über eine App. Eine Pilotstudie soll einen Nachweis der Wirkung des Heilwaldes bei chronischen Schmerzen erbringen und die Qualifizierung zum Heilwaldtherapeuten untermauern. Der internationale Erfahrungsaustausch soll verstärkt werden.

„Die ernsthafte Arbeit an prädikatisierten Kur- und Heilwäldern bietet große Chancen für die Gesundheitsbranche und den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb unterstützen wir diese Entwicklung umfänglich. Neben den gesundheitlichen Aspekten zur Prävention und Rehabilitation von Krankheiten schaffen alle Beteiligten zusätzlich attraktive Angebote für Aktivurlauber“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph abschließend.

Die Idee für Kur- und Heilwälder ist auf der 8. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft 2012 thematisiert und mit Unterstützung der BioCon Valley GmbH entwickelt worden. Der Bäderverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat ein umfassendes Konzept für die Nutzung von Kur- und Heilwäldern im Land erarbeitet und setzt dieses im Land unter anderem mit der Landesforstanstalt und weiteren staatlich anerkannten Kur- und Erholungsorten um.

Bei Kurwäldern handelt es sich um Waldgebiete, die aufgrund verschiedener Eigenschaften dazu prädestiniert sind, eine gesundheitsfördernde Breitenwirkung zu entfalten.

Heilwälder sind Waldgebiete, die zur therapeutischen Nutzung für Patientinnen und Patienten mit speziellen Indikationen gestaltet sind.

Erholungswälder sind Waldgebiete, die aufgrund verschiedener Eigenschaften geeignet sind, eine erholende und entschleunigende Wirkung zu entfalten.

In Mecklenburg-Vorpommern ist fast ein Viertel der Fläche mit Wald bedeckt und etwa 65 Prozent der Außenküste zur Ostsee bewaldet. Im Binnenland liegen viele der rund 2.200 Seen eingebettet in Waldgebiete. Die 70 staatlich anerkannten Kur- und Erholungsorte in Mecklenburg-Vorpommern verfügen mit 72.000 Hektar über besonders viel Wald.

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