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Arbeitsgemeinschaft der Biosphärenreservate tagt

Zarrentin – Die Bedeutung der Biosphärenreservate als Modellregion für nachhaltige Entwicklung steht bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Biosphärenreservate in Zarrentin im Fokus. Bis morgen treffen sich im Seehotel die Leitungen aller 22 Verwaltungsstellen der Biosphärenreservate Deutschlands, gemeinsam mit dem deutschen Nationalkomitee für das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB).

„Biosphärenreservate stehen weltweit unter besonderem Schutz. Ihr Hauptziel ist es, ein ausgewogenes Miteinander von Mensch und Natur zu fördern, bei dem der Naturschutz nicht im Widerspruch zu menschlicher Nutzung steht, sondern als Grundlage für zukünftige Generationen dient.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden seit 1990 drei Nationalparke, drei Biosphärenreservate und sieben Naturparken als Großschutzgebiete ausgewiesen. Sie erstrecken sich auf insgesamt 547.300 Hektar (17,74 Prozent der Landesfläche). Rund 102.000 ha davon nehmen die Biosphärenreservate Schaalsee, Flusslandschaft Elbe MV und Südost-Rügen ein. Im Juli 1998 wurde die 1990 als Naturpark festgesetzte Schaalsee-Region als Biosphärenreservat ausgewiesen und das Biosphärenreservatsamt Schaalsee gebildet. Im Januar 2000 folgte dann die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee. Inzwischen wurde es in den Jahren 2010 und 2020 durch das deutsche MAB-Komitee evaluiert und als UNESCO-Biosphärenreservat bestätigt. Darauf bin ich sehr stolz“, sagt Umweltminister Dr. Till Backhaus, der terminbedingt nicht den Regionalen Abend eröffnen kann und von Staatssekretär André Konsolke vertreten wird.

Und ergänzt: „Auch Besucher schätzen die einzigartige Region. Das Biosphärenreservat hat sich vom touristischen Niemandsland zum Insidertipp für Naturfreunde entwickelt. Der Artenreichtum der Landschaft und die Vielzahl mosaikartig vernetzter Klein- und Großbiotope machen das Gebiet zwischen Hamburg, Lübeck und Schwerin so besonders“.

Rund 820.000 Gäste besuchten in den vergangenen 25 Jahren das Besucherinformationszentrum PAHLHUUS und nahmen an Vorträgen und Führungen teil. Auch die seit 1998 abgehaltenen, inzwischen traditionellen Biosphäre-Schaalsee-Märkte fanden in den vergangenen 25 Jahren insgesamt 204-mal vor dem PAHLHUUS statt.

Die Landesregierung hat zahlreiche Renaturierungs- und Entwicklungsprojekte im Biosphärenreservat unterstützt. Zwischen 2017 und 2025 wurden ca. sechs Millionen Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) investiert. Beispielhafte Fördermaßnahmen sind etwa die Gestaltung des PAHLHUUS‘ und des Moorpfades sowie die Einrichtung des Grünen Klassenzimmers unter der ersten PV-Anlage in Zarrentin.

Insgesamt wurden in den vergangenen 25 Jahren im Biosphärenreservat Schaalsee gemeinsam mit Partnern fünf Fließgewässer und ca. 1500 Hektar Moorfläche renaturiert. 2025 wurde die Renaturierung des Roggendorfer und des Schönwolder Moores abgeschlossen. Innerhalb des Projektes „Mehr Lebensraum für die Rotbauchunke“ wurden zwischen 2020 und 2024 in mehreren Weidelandschaften 26 Kleingewässer neu angelegt und 13 Kleingewässer saniert. Damit wurde der Lebensraum für Amphibien verbessert bzw. neu geschaffen.

Zwischen 2014 und 2020 wurden 692 Hektar Acker in Grünland umgewandelt. „58 Prozent des Dauergrünlandes im Biosphärenreservat werden heute ökologisch bewirtschaftet. Hier zeigt sich insbesondere, dass die 2010 erfolgte Übertragung von Flächen des ‚Nationalen Naturerbes‘ an das Biosphärenreservat sichtbare Erfolge bringt“, so der Minister.

Auch in der Umweltbildung ist das Biosphärenreservat aktiv. Fünf Biosphärenkindergärten und drei Biosphärenschulen gibt es in dem Gebiet. 32 Kinder engagieren sich derzeit als Junior Ranger. 97 Bildungsveranstaltungen wurden im vergangenen Jahr mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Diese Anzahl wird seit vielen Jahren kontinuierlich erreicht.

Der Minister dankt allen Mitarbeitenden des Biosphärenreservatsamtes und allen lokalen Akteuren. Besonders zu erwähnen sind hierbei der 1992 gegründete Zweckverband Schaalsee-Landschaft, der 1998 ins Leben gerufene Förderverein Biosphäre Schaalsee e.V., das im Jahr 2000 einberufene Kuratorium und die 2002 eingerichtete Stiftung Biosphäre Schaalsee.

Eine Besonderheit ist die gemeinsame Zuständigkeit des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee Elbe als untere Naturschutzbehörde und Fachbehörde für Naturschutz sowie Förderbehörde für einige EU-Förderprogramme. „Dadurch können manche Konflikte zwischen Nutzungsinteressen und Naturschutz bereits im Haus diskutiert und gelöst werden. Das ist bundesweit einmalig“, sagt Backhaus.

Abschließend wünschte er allen Beteiligten gute Ideen, Tatenkraft und weiterhin viel Erfolg bei der Gestaltung und Entwicklung ihres UNESCO-Biosphärenreservates.

Weltweit existieren 784 von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservate in 142 Staaten. In Europa gibt es ca. 325 anerkannte Biosphärenreservate in 32 Ländern, wobei Spanien mit 46 die meisten Gebiete hat.

In Deutschland werden Biosphärenreservate zunächst nach nationalem Recht (§ 25 BNatSchG) ausgewiesen. Sie bemühen sich im Nachgang um Anerkennung bei der UNESCO. Stand März 2024 sind 18 nationale Biosphärenreservate ausgewiesen. 17 Gebiete haben zusätzlich den Titel UNESCO-Biosphärenreservat. Die derzeit 18 Biosphärenreservate in Deutschland nehmen eine Gesamtfläche von 2.021.050 Hektar ein, abzüglich der Wasser- und Wattflächen der Nord- und Ostsee (666.046 Hektar) entspricht dies 3,8 Prozent der terrestrischen Fläche Deutschlands.

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