Selbstbestimmung am Lebensende

Schwerin – Sozialministerin Stefanie Drese eröffnete heute den Hospiz- und Palliativtag 2019 in Wittenburg. Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung stand die gesundheitliche bzw. vorausschauende Versorgungsplanung, „Advanced Care Planning“. „Das ist ein immer wichtiger werdendes Thema. Die Gewährleistung der Selbstbestimmung am Lebensende, so wie es in der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen festgeschrieben ist, muss im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen“, erklärte Drese in ihrem Grußwort.

Die Sozialministerin führte aus, dass dies gelingen würde, wenn jede stationäre Pflegeeinrichtung ein konkretes Konzept zur Sterbebegleitung der Bewohnerinnen und Bewohner entwickelt. „So ein Konzept muss festschreiben, wie sich die Zusammenarbeit mit den umliegenden Versorgern kooperativ gestaltet oder wie eine individuelle Sterbebegleitung z.B. zu Hause mit dem eigenen Personal gewährleistet werden kann.“ Entscheidende Voraussetzung für die richtige Versorgung sei eine starke Vernetzung der Akteure, so Ministerin Drese.

Mit dem 2015 in Kraft getretenen Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung wurde die gesetzliche Grundlage für das Advanced Care Planning geschaffen. Das Gesetz enthält eine Vielzahl von Maßnahmen, die die Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase verbessern und einen flächendeckenden Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung fördern.

Ministerin Drese informierte, dass sich bereits gute Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt haben: „Vielerorts existieren Informations- und Beratungsangebote, zum Beispiel durch Hospizvereine, Palliativärzte oder Pflegeeinrichtungen. Versicherte haben einen Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung durch die Krankenkassen bei der Auswahl und Inanspruchnahme von Leistungen der Palliativ- und Hospizversorgung. Nicht immer ist dies aber hinreichend bekannt. Veranstaltungen wie heute helfen deshalb dabei, dieses Thema stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.“

Organisiert wird die regelmäßig stattfindende Veranstaltung von der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz und Palliativmedizin M-V (LAG). Die LAG ist ein Zusammenschluss der im Bereich Hospiz- und Palliativmedizin tätigen Dienste und Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern. Hierzu zählen ambulante Hospizdienste, stationäre Hospize, Träger von Hospizdiensten, Palliativstationen, SAPV-Teams und Einzelmitglieder. Ziel der LAG ist die Förderung der Hospizarbeit und Palliativversorgung in Mecklenburg-Vorpommern und die Verknüpfung der einzelnen Dienste untereinander. Sie wurde im November 2000 gegründet.

Einführung einer Ehrenamtskarte

Schwerin – Der Landtag beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Konzept der Landesregierung zur Einführung einer landesweit gültigen Ehrenamtskarte.

„Mit der Zustimmung zu unserem Konzept vom Januar 2019 werden die Rahmenbedingungen und finanziellen Grundlagen für die von vielen Menschen in unserem Land ersehnte Ehrenamtskarte geschaffen und vom Landtag bestätigt“, betonte Sozialministerin Stefanie Drese in der Landtagsdebatte. „Das ist ein sehr gutes Signal für die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen in unserem Land“, so Drese.

Die Ministerin verdeutlichte, das Konzept für die Ehrenamtskarte schnellstmöglich umzusetzen. Dafür sei durch den Landtagsbeschluss die Ampel nun auf „Grün“ gestellt worden. Drese: „Die Einführung erfolgt in einem schrittweisen Prozess startend im Januar 2020. Klar ist, die Ehrenamtskarte muss sich auf allen Ebenen entwickeln. Das zeigen alle Erfahrungen in den anderen Bundesländern und gilt insbesondere für den Umfang der Angebote und Vergünstigungen, die mit der Ehrenamtskarte verbunden sind.“

Drese hob hervor, dass die landesweite Ehrenamtskarte nur mit vereinten Kräften und gemeinsamen Anstrengungen vieler Akteure sich zu einer würdigen Anerkennung für besonders bürgerschaftlich Engagierte entwickeln wird. Die Ministerin lud im Landtag große und kleine Unternehmen und Einrichtungen ein, sich mit Vergünstigungsmodellen an der Ehrenamtskarte zu beteiligen. „Für Firmen, aber auch für öffentliche Einrichtungen ist es auch aus Eigeninteresse attraktiv, bei der Ehrenamtskarte mitzumachen: für die Kundenbindung und Erschließung neuer Kundengruppen sowie als sympathisches Werbeinstrument“, so Drese.

Neben der Gewinnung vieler Sponsoren und Akzeptanzstellen kommt es Ministerin Drese auch auf eine schlanke Verwaltung und wenig Bürokratie an. „Die Akteure vor Ort können sehr gut einschätzen, wer anhand der erarbeiteten Kriterien eine Ehrenamtskarte verdient hat. Niemand wird Stechuhr-Protokolle verlangen. Es geht hier um ehrenamtliches Engagement. Deshalb wird über die Vereine, Institutionen, Kommunen und anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts eine einfache, unkomplizierte Antragsstellung erfolgen – natürlich auch digital“, so Drese.

Mit der Einführung der Ehrenamtskarte soll zudem das Modell der MitMachZentralen durch eine verbesserte finanzielle Ausstattung und eine Vernetzung mit der Ehrenamtsstiftung weiterentwickelt werden. „Unser Konzept zur Stärkung der MitMachZentralen ist ausdrücklich ein Angebot an die Landkreise und kreisfreien Städte“, sagte Drese.

Die Landesregierung beschloss am 22. Januar 2019 ein Konzept zur Einführung einer landesweit gültigen Ehrenamtskarte. Dieses wurde direkt im Anschluss an den Sozialausschuss des Landtages weitergeleitet. Das Konzept wurde unter Beteiligung vieler Akteure erarbeitet. Neben der Staatskanzlei und mehreren Ministerien gehörten der Städte- und Gemeindetag, der Landkreistag, die Handwerkskammern, die Industrie- und Handelskammern, die Ehrenamtsstiftung und das Landesmarketing einer entsprechenden Arbeitsgruppe an.

Zu den Voraussetzungen zum Erhalt der Ehrenamtskarte gehören u.a. 250 Stunden im Jahr als zeitlicher Mindestaufwand bei einer Mindestdauer des ehrenamtlichen Engagements von drei Jahren (bei Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren ein Jahr), der Verein, die Institution oder die Kommune bestätigt das ehrenamtliche Engagement. Für die Ehrenamtskarte gibt es keine Limitierung.

Jugendarbeit der Kommunen

Schwerin – Sozialministerin Stefanie Drese hat die beabsichtigte Erhöhung der Landeszuschüsse für die Jugendarbeit der Kommunen als einen ersten wichtigen Schritt zu einer umfangreichen Neuausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe bezeichnet. Weitere Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung der Kinder- und Jugendarbeit in den Kommunen werden folgen, kündigte die Ministerin in der heutigen Landtagsdebatte zum Kinder- und Jugendförderungsgesetz an.

„Konkret bedeuten unsere Pläne rund 250.000 Euro mehr ab 2020 für die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe“, verdeutlichte Drese. Dadurch erhielten die Kommunen größere Spielräume, denn wie die Jugendförderung finanziell vor Ort ausgestaltet und die Zuwendungen verteilt werden, wird auf Ebene der Landkreise bzw. kreisfreien Städte entschieden.

Darüber hinaus ist sowohl für die öffentlichen Träger als auch für die Förderung der freien Träger der freien Jugendhilfe ab dem Jahr 2021 eine dauerhafte jährliche Dynamisierung um 2,3 Prozent vorgesehen. Drese: „Wir werden also zukünftig eine kontinuierliche Steigerung der Landeszuschüsse vornehmen. Auch das ist ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu den vergangenen 20 Jahren.“

Die geplante neue Förderung des Landes beinhaltet auch eine Anpassung der Alterskohorte. Sie umfasst nun die 6- bis 21-Jährigen, da die Inanspruchnahme von Leistungen der Jugendarbeit vermehrt durch Kinder unter 10 Jahren erfolgt.

Ministerin Drese stellte zudem im Landtag Eckpunkte der vorgesehenen umfassenden Modernisierung des Landesjugendplans vor. So soll die Jugendbeteiligung ausgebaut und die Vermittlung von Medienkompetenz und Mediensicherheit gestärkt werden.

Friedliche Revolution 1989

Schwesig: Ostdeutsche haben sich Freiheit und Demokratie selbst erkämpft

Schwerin – Der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern hat heute mit einem Festakt in Waren/Müritz an die Friedliche Revolution erinnert. Exakt heute vor 30 Jahren fand in Waren die erste Demonstration auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern statt.

„Am Anfang stand der Mut der Menschen, selbstbewusst aufzustehen. Das Bild der Menschen mit ihren Kerzen, die friedlich und mit großer Kraft demonstrieren – das ist für immer mit dem Herbst 1989 verbunden. Daran wollen wir heute erinnern“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in ihrem Grußwort. Bald nach der ersten Demonstration in Waren hätten auch an vielen Orten im Land Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme erhoben.

„Ich habe allergrößten Respekt vor allen, die im Herbst 1989 und erst recht – unter noch viel größeren persönlichen Risiken – in den Jahren zuvor für Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Reisefreiheit, Demonstrationsfreiheit und freie Wahlen eingetreten sind. Sie haben auch für uns, die wir damals noch Kinder waren und für alle nachfolgenden Generationen Freiheit und Demokratie erkämpft. Unser Leben wäre anders verlaufen, wenn damals nicht so viele so mutig gewesen wären. Wir haben allen Grund, den Bürgerinnen und Bürgern zu danken, die damals auf die Straße gegangen sind und mutig Veränderungen eingefordert haben“, bekundete Schwesig.

„Die Menschen in Ostdeutschland haben sich Freiheit und Demokratie selbst erkämpft. Und sie haben nach 1990 eine gewaltige Aufbauleistung vollbracht. Das verdient Anerkennung und Respekt“, betonte die Ministerpräsidentin.

12. Jahreskongress zur politischen Bildung

Thema im Jubiläumsjahr: „Die Friedliche Revolution und ihre Folgen“

Waren/Müritz – Der 12. Jahreskongress zur politischen Bildung stand ganz im Zeichen des Jubiläums „30 Jahre Friedliche Revolution 1989“. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich darüber ausgetauscht, welchen Stellenwert die Friedliche Revolution und die „Nachwendejahre“ in der politischen Bildung einnehmen sollten. Der Jahreskongress zur politischen Bildung fand in Waren/Müritz statt. Dort richtet der Landtag in diesem Jahr auch die offizielle Festveranstaltung zu Mauerfall und Grenzöffnung in Mecklenburg-Vorpommern aus.

„Viele Menschen – auch in Mecklenburg-Vorpommern – haben 1989 Freiheit und Demokratie erkämpft und die Voraussetzungen für die Deutsche Einheit errungen. Ich verneige mich vor so viel Mut und Engagement“, sagte Bildungsstaatssekretär Steffen Freiberg in Waren/Müritz. „Viele junge Menschen kennen heute die DDR jedoch nur noch aus den Geschichtsbüchern. Es ist unsere historische Verantwortung, Frieden und Freiheit für alle Generationen zu verteidigen gegen Angriffe von innen und außen und dabei klar zu machen, dass Frieden und Freiheit keinesfalls für selbstverständlich genommen werden dürfen“, betonte Freiberg.

Eröffnet wurde der Jahreskongress mit einer Podiumsdiskussion, in der sich Zeitzeugen ausgetauscht haben, was von der Friedlichen Revolution geblieben ist. Hauptredner Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk sprach über die Auswirkungen der Veränderungen nach 1990 auf die politische Kultur und die Gesellschaft in Deutschland. Dr. Kowalczuk ist deutscher Historiker und Publizist. Er war Sachverständiger in der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur“ (1995-1998), und hat zur Friedlichen Revolution publiziert.

„Für die politische Bildung ist der Aufbruch in die Demokratie von 1989 die Grundlage für unseren heutigen Auftrag, politisches Wissen und demokratische Werte zu vermitteln“, sagte der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt. „Im Vordergrund steht dabei die Vermittlung unterschiedlicher Perspektiven und Sichtweisen. Dazu leistet der Jahreskongress einen Beitrag“, so Schmidt.

Neben politischen Bildnern und Lehrkräften nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung an dem Jahreskongress teil. Organisiert und ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem Landesverband der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. (DVPB).

Jüdische Gemeinden in M-V

Nach dem Angriff von Halle (Saale) versichert Ministerin Katy Hoffmeister den jüdischen Gemeinden: „Wir stehen für eine friedliche Religionsfreiheit“

Rostock – „Die tiefe Betroffenheit über den Angriff auf die Synagoge und die Todesschüsse von Halle muss uns Ansporn sein, entschlossener gegen Antisemitismus vorzugehen. Die Landesregierung steht fest an der Seite der jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern. Denn Antisemitismus hat in Deutschland nichts zu suchen. Nie wieder! Wir haben eine besondere Verantwortung, das sicherzustellen. Wir wollen, dass Juden ihre Religion in Sicherheit und Freiheit, angstfrei und offen ausüben können. Jüdisches Leben ist willkommen“, sagte Ministerin Hoffmeister beim Besuch der jüdischen Gemeinde in Rostock. Sie wird diese Woche auch die jüdische Gemeinde in Schwerin besuchen. Religionsangelegenheiten gehören zum Geschäftsbereich des Justizministeriums.

Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Rostock Juri Rosov, Justizministerin Katy Hoffmeister und Landesrabbiner Juri Kadnikov

„Wir stehen in Deutschland für eine friedliche Freiheit der Religionen. Ausgrenzung schafft Hass. Hass mündet in Gewalt. Beides hat in einer auf Toleranz ausgerichteten Demokratie keinen Platz. Folgerichtig werden wir demnächst einen Beauftragten für jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern haben, der sich auch gezielt dem Kampf gegen Antisemitismus widmen wird. Ein entsprechender Kabinettbeschluss ist für Ende des Monats vorgesehen. Der Beauftragte wird dem Justizministerium zugeordnet werden“, so Justizministerin Hoffmeister weiter.

Handschreiben muss besser gefördert werden!

3. International Symposium on Handwriting Skills 2019 zu Ende gegangen

Berlin – Es ist mehr Förderung notwendig – entlang der gesamten Bildungskette von zu Hause, über Kita, Schule bis hin zur Ausbildung. Und: Die Digitalisierung wird das Handschreiben nicht verdrängen. Diese Ergebnisse brachte das „3. International Symposium on Handwriting Skills 2019“, das heute in Berlin zu Ende gegangen ist. In der Veranstaltung des Schreibmotorik Instituts und des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz (KMK) hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter von Schulverwaltung und Schulpraxis aus fünf europäischen Staaten das Thema „Handschreiben als Startkapital für Bildung“ diskutiert.

Als Vertreterin der Kultusministerkonferenz (KMK) resümierte Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Bettina Martin: „Kinder müssen in der Schule eine eigene Handschrift lernen. Das ist auch im digitalen Zeitalter eine unverzichtbare Grundlage für die erfolgreiche Bildungslaufbahn eines jeden Kindes. Wer Mühe mit dem Schreiben hat, kann bei Diktaten und Aufsätzen nicht mithalten und handelt sich schnell Fehler ein. Kinder lernen sehr stark haptisch und müssen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal ‚be-greifen´. Gut lesbar und flüssig mit der Hand schreiben zu können, bringt in unserer schriftgeprägten Kultur nicht nur viele praktische Vorteile mit sich. Dies ist auch eine wichtige Form des persönlichen Ausdrucks, die es zu bewahren und pflegen gilt.“

„Wir alle wissen, dass die Entwicklung des Handschreibens in den ersten beiden Grundschuljahren nicht zu Ende ist. In den verschiedenen Bildungsphasen – aber auch im Beruf selbst – profitieren wir von den einzigartigen Vorteilen des Handschreibens für die Merkfähigkeit, das inhaltliche Verständnis und die Kreativität. Selbst in hochmodernen Unternehmen werden Produkte der Zukunft mit handschriftlichen agilen Methoden und Konzepten entworfen und entwickelt. Die Basis dafür ist eine flüssige, leserliche und ermüdungsfreie Handschrift und eine gute Schreibmotorik“, so erklärte Dr. Marianela Diaz Meyer, Ergonomie-Expertin und Leiterin des Schreibmotorik Instituts, zur Begrüßung. „Dafür brauchen die Schülerinnen und Schüler dringend eine zielführende Unterstützung und eine Anpassung des Schreibunterrichts.“

Wie das in der Praxis funktionieren kann, zeigten die Referenten in ihren Vorträgen auf. Kerstin Detto und Melanie Hiergeist, Grundschullehrerinnen aus dem Regierungsbezirk Niederbayern berichteten von ihren Erfahrungen mit dem Erasmus+ Projekt „Handschrifterwerb-Tutorials“, bei dem das Handschreiben von Schülerinnen und Schüler aus der Grund- und der Mittelschule eine Stunde pro Woche gezielt gefördert wird. Ausgangspunkt: „Obwohl bei vielen Schülerinnen und Schülern massive Schreibschwierigkeiten festzustellen sind, Lehrkräfte sich nicht selten über unleserliche Schreibarbeiten beklagen und das Thema Handschreiben zudem fest im bayerischen LehrplanPLUS für die Grund- und Mittelschule als Lernziel verankert ist, findet ab der 3. Jahrgangsstufe in der Praxis nur wenig gezielter Unterricht zum Thema Schrift statt.“ Vorläufiges Ergebnis aus dem Projekt: Durch die Förderung kann die Schreibgeschwindigkeit der Schülerinnen und Schüler so verbessert werden, dass die aufgewendete Zeit zumindest teilweise in der Folge wieder eingespart wird.

Dass es in der Schule perspektivisch auf einen Mix aus analogen und digitalen Formaten ankommt, dies zeigten Sabine Wollscheid und vier Kolleginnen vom Nordic Institute for Studies in Innovation, Research and Education (NIFU) in Oslo, Norwegen, auf. Sie berichteten von der Unterrichtspraxis in norwegischen Schulen, in denen Lehrerinnen und Lehrer zwar digitale Medien intensiv nutzen – aber dabei häufig mit Blick auf Variation und Methodenvielfalt bewusst auf die Handschrift setzen.

Digitale Technik kann auch dabei helfen, sowohl die Handschrift wie auch die Rechtschreibung individuell zu fördern. Dies machte Susanne Grassmann deutlich, die bis Ende 2018 an der Pädagogischen Hochschule der FHNW in der Schweiz tätig war und unter anderem zum Schrift- und Bildungsspracherwerb forscht. „Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung zu erkennen, wann sie mit dem Rechtschreibunterricht beginnen sollen. Digitale Stifte ermöglichen die gleichzeitige Aufzeichnung von Schreibprodukten und Schreibbewegungen. Wir schlagen darum vor, dass Analysen dieser Aufzeichnungen verwendet werden könnten, um Lehrkräfte dabei zu unterstützen, personalisierte Zeitabläufe für den Rechtschreibunterricht zu entwickeln“, erklärte sie.

„Visualisierung in digitalen Medien fängt mit Handschreiben an“, so war der Vortrag von Prof. Christian Barta, Professor für Multimedia und Kommunikation der Hochschule Ansbach, betitelt. „Zugegeben, es klingt wie ein Widerspruch, wie kann das Schreiben mit der Hand eine wichtige Grundlage für eine spätere Beschäftigung in und mit den digitalen Medien sein? Hält man denn nicht gerade die frühe Nutzung digitaler Eingabegeräte für Mitschuld an der schwindenden Fertigkeit im Handschreiben? Ja – und genau hier liegt das Problem“, so erklärte er. „Die Visualisierung mit digitalen Werkzeugen ist ein kreativer Prozess, aber vor der Umsetzung kommt der Entwurf und hier sind die digitalen Werkzeuge wie 3D Programme und Bildbearbeitung denkbar ungeeignet. Es sind Werkzeuge für eine perfekte und detailreiche, oft photorealistische Darstellung. Der Entwurf benötigt aber Raum für Phantasie und Interpretation, er stellt einen Prozess dar, der im Kopf beginnt und über die Hände auf das Medium kommt. Ob dieses Medium dann ein Blatt Papier oder ein Zeichentablet ist, ist nebensächlich – wichtig ist die Hand, die den Stift führt.“

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, erklärte: „Erst ist es das Halten von Gegenständen, dann die Nutzung von Stiften und schon bald beginnen Kinder, sich spielerisch an das Zeichnen von Formen zu wagen. Dies alles trägt dazu bei, eine gute Motorik auszuprägen, die maßgeblich ist für das Erlernen des Handschreibens. Es unterstützt nicht nur die Rechtschreibung, sondern auch das Lesen. Es fördert das Textverständnis und hilft dabei, Neues besser zu lernen. Damit steigert es letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.“ Sein Fazit: „Das Handschreiben ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, es unterstützt Lernprozesse und bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung wichtig.“

Neues Bettenhaus geplant

Anklam – Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe hat am Freitag eine Fördermittelzusage für den Neubau eines Bettenhauses an das AMEOS Klinikum Anklam übergeben.

„Die AMEOS Klinik in Anklam hat für die Region als Gesundheitsversorger und Arbeitgeber eine hohe Bedeutung. Mit dem Neubau des Bettenhauses und den daraus folgenden Modernisierungen werden sich die Bedingungen für die Patienten und die Mitarbeiter erheblich verbessern“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort.

Für den Neubau ist geplant, im Erdgeschoss einen neuen Haupteingang mit Cafeteria und Besprechungsräumen sowie die Notaufnahme einzurichten. Die Pädiatrie und die Intensivstation werden ebenfalls im Erdgeschoss untergebracht. Im Obergeschoss sollen die Stationen Innere Medizin, Gynäkologie und Chirurgie untergebracht werden. Räumlichkeiten wie die psychiatrische Tagesklinik und sonstige medizinische Räume (beispielsweise die Ambulanzen) werden in den jetzigen Räumlichkeiten belassen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2020 vorgesehen. Das Gesundheitsministerium unterstützt das Vorhaben in Höhe von 25 Millionen Euro. Die Gesamtkosten des Neubaus betragen mehr als 29 Millionen Euro.

„Die Klinik ist ein modernes Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Als akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Greifswald ist zudem sichergestellt, dass die aktuellsten medizinischen Entwicklung ihren Weg nach Anklam finden“, sagte Glawe.

Die stationäre Gesundheitsversorgung ist in Mecklenburg-Vorpommern durch 37 moderne, leistungsfähige Krankenhäuser sichergestellt. Aktuell sind im Krankenhausplan 10.142 Betten und 1.428 tagesklinische Plätze ausgewiesen.

Insgesamt wurden den Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2018 Einzelfördermittel (= langfristige Investitionen wie etwa Neubauten oder Sanierungsmaßnahmen) in Höhe von rund 41 Millionen Euro und Pauschalfördermittel (Förderung für kleinere bauliche Maßnahmen und die Wiederbeschaffung kurzfristiger Anlagegüter) in Höhe von rund 22,8 Millionen Euro ausgereicht. Seit 1990 sind im Rahmen der Krankenhausfinanzierung mit mehr als 2,8 Milliarden Euro erhebliche finanzielle Mittel in die Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern geflossen.

„Die Krankenhäuser sind ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitslandes Mecklenburg-Vorpommern. Um für eine flächendeckende, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der Bevölkerung zu sorgen, nehmen die Kliniken auch perspektivisch eine zentrale Rolle ein“, sagte Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe abschließend.

Das Anklamer Klinikum gehört zur AMEOS Gruppe mit Sitz in Zürich, die nach eigenen Angaben 13.300 Mitarbeiter in 85 Einrichtungen (Krankenhäuser, Poliklinika, Pflege- und Eingliederungseinrichtungen) an 47 Standorten beschäftigt.

Die AMEOS Krankenhausgesellschaft Vorpommern mbH hat insgesamt 324 Planbetten und 37 tagesklinische Plätze. Der private Krankenhausträger ist Arbeitgeber für rund 700 Mitarbeiter. Das Krankenhaus Anklam ist mit 101 Planbetten in den Fachabteilungen Chirurgie, Innere Medizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin im Krankenhausplan ausgewiesen. Nach Angaben des Krankenhausträgers werden in Anklam jährlich etwa 400 Babys geboren. Im Jahr 2018 wurden nach Angaben des Klinikums 5.500 Patienten stationär und rund 5.100 Patienten ambulant behandelt.

Heute ist Weltmädchentag

Mädchen bei ihrer Berufswahl unabhängig von klassischen Rollenbildern unterstützen

Schwerin – „Der Weltmädchentag erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung noch nicht selbstverständlich ist. Das gilt insbesondere für gleiche berufliche Chancen von Männern und Frauen. Deshalb wollen wir Mädchen weiter darin bestärken, unabhängig von klassischen Rollenbildern, ihren Beruf frei zu wählen und auch höhere Positionen anzustreben“, erklärte Gleichstellungsministerin Stefanie Drese anlässlich des Aktionstages.

Der Landesregierung sei es ein wichtiges Anliegen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, sagte Drese. So trat Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr als erstes Bundesland der Bundesinitiative „Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees“ bei und unterstützt das Veranstaltungsformat Girls‘ und Boys‘ Day.

Drese: „Eine Berufswahl frei von Klischees und Geschlechterzuweisungen sorgt auch für mehr Lohngerechtigkeit. Die Gender Pay Gap hat ihre Ursache gerade in der unterschiedlichen Bewertung von sogenannten frauen- und männerdominierten Berufen. Zudem gibt es immer noch weniger Frauen als Männer in Führungspositionen.“

Das Land unterstützt deshalb verschiedene Mentoringprogramme für Frauen in der Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Verwaltung. Insgesamt haben seit 2016 rund 530 Frauen in Mecklenburg-Vorpommern an den zahlreichen Programmen teilgenommen. „Die Angebote werden gut angenommen. Es ist ein ganz praktischer und effektiver Beitrag ist, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen in unserem Land zu erhöhen“, verdeutlichte Drese.

Zum Weltmädchentag am 11. Oktober: Organisiert von der Kinderhilfsorganisation Plan International werden weltweit Veranstaltungen und Aktionen, die auf die Rechte von Mädchen aufmerksam machen sollen, durchgeführt. So werden u.a. deutschlandweit 50 bekannte Gebäude und Wahrzeichen in rund 30 Städten beleuchtet. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird das Schweriner Schloss zum Freitag in kräftigem Pink erstrahlen.

Kompetenzzentrum für ältere Menschen

Penzlin – Die Stadt Penzlin erhält ein neues Kompetenzzentrum für ältere Menschen. Ministerin Stefanie Drese übergab am Mittwoch, den 9. Oktober 2019, in Vertretung des Energieministers Christian Pegel einen Zuwendungsbescheid in Höhe von insgesamt 1.940.000 Euro an die Gemeindevertreter. Geplant sind im Zuge des ersten Bauabschnitts der Umbau, die Sanierung und eine Erweiterung des Bestandsgebäudes in der Großen Straße 4.

Die Förderung umfasst 1.440.000 Euro Bundesfinanzhilfen der Kommunalinvestitionsförderung, 160.000 Euro aus Kofinanzierungsmitteln sowie 340.000 Euro aus dem Strategiefonds des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

„Ich freue mich sehr, dass die Stadt Penzlin nun einen modernen und barrierefreien Anlaufpunkt für die gesundheitliche Versorgung erhält: Im neu entstehenden Kompetenzzentrum für ältere Menschen werden unter anderem eine Tagespflegeeinrichtung, eine Arztpraxis, Beratungsräume und eine Begegnungsstätte zur Verfügung stehen“, erklärte Drese. Für den Bedarf an altersgerechten Wohnungen soll das Bestandsgebäude im Zuge nachfolgender Bauabschnitte mit zwei Neubauten und einem Verbindungsbau auf dem Grundstück ergänzt werden.

Um älteren Menschen ein selbstbestimmtes und qualitatives Leben zu ermöglichen, wolle das Land gemeinsam mit Städten und Gemeinden künftig verstärkt an der Weiterentwicklung verlässlicher Strukturen arbeiten, so Drese. Sie informierte über die Eckpunkte und Empfehlungen zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren: In Abstimmung mit dem Landkreistag sowie dem Städte- und Gemeindetag hat das Sozialministerium Handlungsempfehlungen erarbeitet, die Städte, Ämter und Gemeinden auf ihre gestalterischen Möglichkeiten aufmerksam machen und Fördermöglichkeiten aufzeigen sollen.

Digitale Vordenker gesucht

Gesundheitspreis MV 2020 für innovative Projekte im Land ausgeschrieben

Schwerin – „Digitale Vordenker gesucht“: So lautet das Motto, mit dem die AOK Nordost und die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern praxiserprobte und zukunftsweisende Projekte suchen. Bereits zum vierten Mal wird der mit 30.000 Euro dotierte Innovationswettbewerb von der Selbstverwaltung der Gesundheitskasse und der Landesärztekammer ausgeschrieben.

Der Wettbewerb widmet sich jeweils einem Thema, das eine besondere Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im Land hat. Gesucht werden zukunftsweisende Versorgungskonzepte, die zur Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beitragen können und den Lebens- und Versorgungsalltag für Ärzte, Pflegende und Patienten erleichtern.

„Die Digitalisierung ist in vielen Bereichen im Alltag spürbar. Ich sehe die Digitalisierung des Gesundheitswesens dabei als Chance und als einen von vielen Wegen, um die grundlegende medizinische Versorgung sicherzustellen und weiter zu verbessern“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe. Wirtschaftsminister Glawe hat die Schirmherrschaft des Wettbewerbs übernommen.

Der Gesundheitspreis MV 2020 widmet sich dem immer bedeutsamer werdenden Thema der Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung. Diese bietet den Akteuren im Gesundheitswesen die Chance, die medizinische Versorgung und die damit verbundenen Strukturen im Interesse der Ärzte, Pflegenden und Angehörigen neu zu denken, zu entwickeln und zu vernetzen. Aktuelle digitale Innovationen und Technologien wie tele-medizinische Versorgungsangebote, sektorenübergreifende und digitale Arztnetze oder auch der Einsatz einer digitalen Patientenakte in der Uecker-Randow-Region zeigen bereits heute einen echten Mehrwert für alle Beteiligten im Land.

„Wir sind bereits dabei, langfristige und praktikable Lösungen zu entwickeln, um vor allem auch in ländlichen Regionen eine flächendeckende und qualitativ hochwertige medizinische Betreuung zu gewährleisten. Ein innovativer Ansatz und digitaler Helfer ist die elektronische Patientenakte“, sagte Glawe.

Für den Gesundheitspreis 2020 können sich beispielsweise ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Arztpraxen und Arztnetze oder auch Universitäten, ehrenamtlich Tätige oder Start-up-Unternehmen im Bereich e-Health bewerben. Bewerbungen können bis Ende Dezember 2019 an die Geschäftsstelle des Gesundheitspreises bei der AOK Nordost unter gesundheitspreis.mv@nordost.aok.de gesandt werden.

Weitere Informationen und die Bewerbungsunterlagen sind auf den Internetseiten www.aok.de/nordost/gesundheitspreis und www.aek.de beschrieben. Die Entscheidung über die Preisträger und die Verteilung der Preisgelder auf mehrere Gewinner trifft eine unabhängige Jury. Die Preisverleihung erfolgt im kommenden Jahr.

Prof. Dr. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer M-V: „Die Digitalisierung in der Medizin und der Gesundheitsversorgung schreitet mit großen Schritten voran – auch in unserem Land. Wir begrüßen die Initiativen, die einen Mehrgewinn für die Arbeit des Arztes darstellen und dem Wohle des Patienten dienen.“

Frank Michalak, Vorstand der AOK Nordost: „Es gibt im Land bereits viele innovative Projekte für digitale Lösungen im Gesundheitswesen. Der Wettbewerb macht die Ideen und die Menschen dahinter sichtbar. Er soll ihnen auch eine Plattform für die künftige Vernetzung bieten. Davon profitieren wir alle!“

Durchstarten-in-MV: Praktikumsaktion für Schüler verlängert

Schwerin – Die Praktikumsaktion der Fachkräftekampagne Durchstarten in MV (durchstarten-in-mv.de) wird bis zum Ende der Herbstferien (13.10.) verlängert. „Jungen Menschen bietet sich nach Ende der Schulzeit eine Vielzahl an beruflichen Möglichkeiten. Da ist es schwer, die passende Ausbildung zu finden. Praktika in Unternehmen sind eine gute Entscheidungshilfe. Schüler haben so die Chance, ein konkretes Berufsbild in der Praxis kennen zu lernen und den beruflichen Alltag zu erleben. Mit unserer landesweiten Fachkräftekampagne Durchstarten in MV zeigen wir attraktive Angebote für Praktika und Ausbildungsplätze auf“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe.

Unter dem Motto „Entdecke Deine berufliche Zukunft in MV“ sind auf der Internetseite durchstarten-in-mv.de derzeit 993 Praktikumsplätze aus dem ganzen Land von mehr als 400 Unternehmen eingestellt. Interessierte Jugendliche können sich einen kompletten Überblick der Angebote verschaffen oder die Suche nach Praktikumsplätzen gezielt nach ihren Wunschberufen, persönlichen Fähigkeiten und Regionen eingrenzen. Die Praktikumsaktion ist kostenfrei. „Auch Unternehmen profitieren von Praktikumszeiten der Schüler. So bietet sich den Betrieben die Chance, ihren qualifizierten Fach- und Führungskräftenachwuchs frühzeitig zu gewinnen. Das sichert langfristig die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit“, sagte Glawe.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende August 3.867 Ausbildungsstellen (+5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht besetzt, 1.706 Bewerber (-9,1 Prozent) sind noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Freie Ausbildungsplätze gab es vor allem in den Berufen Verkäufer/in (255), Koch/Köchin (244), Kaufmann/-frau im Einzelhandel (229), Restaurantfachmann/-frau (223) und Hotelfachmann/-frau (196). „Der demografische Wandel bei den Erwerbstätigen greift auch in Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb wollen wir junge Menschen im Land halten, um ihnen aufzuzeigen, dass es attraktive Berufsperspektiven und Karrieremöglichkeiten gibt. Die Praktikumsaktion ist dabei ein wichtiger Bestandteil für das Unternehmensmarketing im Kampf um künftige Fachkräfte“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe abschließend.

Das Wirtschaftsministerium und die Industrie- und Handelskammern haben zusammen die Fachkräfteinitiative „Durchstarten in MV“ ins Leben gerufen. „Durchstarten in MV“ zeigt jungen Menschen berufliche Perspektiven sowie attraktive Zukunftschancen im eigenen Land auf. Mit der Informationsoffensive sollen Unternehmen und potentielle Auszubildende aufeinander aufmerksam gemacht werden. Über Jahrzehnte geprägte Meinungen über die Berufschancen lassen sich nur langsam durch stetes Aufzeigen von Möglichkeiten, Perspektiven und Erfolgsgeschichten ändern.

Lebenssituation von LSBTI*-Menschen

Ministerin Drese wirbt für Teilnahme an Onlinebefragung zur Lebenssituation von LSBTI*-Menschen bis 13. Oktober

Schwerin – Sozialministerin Stefanie Drese zieht ein positives Zwischenfazit der Onlinebefragung zum „Landesaktionsplan für die Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in M-V“. Seit dem 11. September haben sich bereits etwa 1.000 Menschen daran beteiligt.

„Wir freuen uns über das rege Interesse und werben für die Teilnahme noch vieler weiterer Interessierter, um ein möglichst umfangreiches Bild zu erhalten“, sagte Drese heute in Schwerin.

Mit der landesweiten Onlinebefragung möchte das Sozialministerium Erkenntnisse über die Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen (LSBTI*) und deren Angehörigen in Mecklenburg-Vorpommern erhalten.

„Unser Ziel ist es, dass in Mecklenburg-Vorpommern alle Menschen gleichberechtigt und ohne Angst vor Ausgrenzung und Anfeindung, unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung, leben können“, verdeutliche Drese. Bisher lägen in Mecklenburg-Vorpommern jedoch noch keine landesweit verlässlichen Informationen zur Lebenssituation von LSBTI* und deren Angehörigen vor. „Mit der Befragung wollen wir erfahren, ob LSBTI* Nachteile im Alltag, in der Arbeitswelt oder in der Schule erfahren und was für Maßnahmen von der Landesregierung erwartet werden“, so Ministerin Drese.

Die Ergebnisse der Online-Befragung fließen ein in die für 2020 geplante Bilanz der Landesregierung zum im Jahr 2015 verabschiedeten Landesaktionsplan. Drese: „Ich setze mich für ein verstärktes gesellschaftliches Engagement bei der Bekämpfung von Diskriminierung lesbischer, schwuler, bisexueller, queerer sowie trans* und inter* Menschen (LSBTI*) ein. Dazu sollen die Landesmittel für die Beratungsstellen und die Aufklärungsarbeit im kommenden Doppelhaushalt deutlich erhöht und die Wirksamkeit des Landesaktionsplans überprüft werden.“

An der Onlinebefragung können alle Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, die mindestens 16 Jahre alt sind, teilnehmen, ob heterosexuell, schwul, lesbisch, bisexuell, trans* oder inter*. Auch Familienangehörige und am Thema Interessierte sollen erreicht werden. Im Auftrag des Sozialministeriums führt das wissenschaftliche Institut RRM diese landesweite Befragung durch und wertet sie aus.

Die Umfrage ist anonym. Es werden keine personenbezogenen Daten zusammen mit den Antworten gespeichert. Bis zum 13. Oktober ist eine Teilnahme möglich. Die Beantwortung der Fragen nimmt ca. 15 bis 35 Minuten in Anspruch.

Um möglichst eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, wendet sich Sozialministerin Drese auch an alle Multiplikator*innen bzw. Interessenvertretende und bittet darum, Vereine, Verbände, Institutionen, nachgeordnete Einrichtungen sowie Mitglieder auf die Onlinebefragung hinzuweisen. Der Link und der QR-Code für den Fragebogen kann auf www.sozial-mv.de heruntergeladen werden.

Stadtradeln 2019

Schwerin – Mit dem Monat endete gestern, am 30. September, auch das bundesweite „Stadtradeln 2019“. In Mecklenburg-Vorpommern machten in diesem Jahr 6.639 Radlerinnen und Radler in 13 Kommunen sowie dem Landkreis Vorpommern-Rügen mit.

„Das sind drei Kommunen und knapp 300 Stadtradler mehr als 2018. Sie haben binnen eines dreiwöchigen Zeitraums zwischen 1. Mai und 30. September, den jede Kommune selbst wählen konnte, zusammen 1,136 Millionen Kilometer auf dem Drahtesel zurückgelegt und dabei rund 161 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart“, sagt Christian Pegel. Der Landesklimaschutzminister freut sich vor allem über den von Jahr zu Jahr steigenden Zuspruch im Nordosten.

2010 war M-V mit der Universitäts- und Hansestadt Rostock erstmals vertreten. „Von Jahr zu Jahr kommen Kommunen, aber auch ganze Regionen und Landkreise hinzu. In diesem Jahr waren neben den mittlerweile ,alten Hasen‘ Rostock, Greifswald, Schwerin oder dem Landkreis Vorpommern-Rügen die Neulinge Barth, Boizenburg und Mönchgut-Granitz dabei“, zählt Christian Pegel auf und urteilt: „Das zeigt, dass nicht nur das Stadtradeln, sondern vor allem das Fahrrad als klimafreundliches Fortbewegungsmittel immer mehr Zuspruch erhält. Zudem spricht dies für ein geschärftes Bewusstsein für dieses Thema in den Kommunen.“ Für ihn ist klar: „Diese Entwicklung gilt es mit Aktionen wie dem ,Stadtradeln‘ weiter zu fördern.“

Auch 2019 übernahm sein Ministerium die Teilnahmegebühr für die Kommunen aus M-V. „Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir dieses Jahr sogar 15.000 Euro bereitgestellt, 5.000 Euro mehr als 2018. Sie sind nahezu ausgeschöpft“, so Pegel.

Die meisten Kilometer kamen auch 2019 in der größten Stadt des Landes zusammen: 2.344 Rostocker in 143 Mannschaften erradelten zusammen eine Strecke von 385.989 Kilometern und sparten damit 55 Tonnen Kohlendioxid ein im Vergleich zur selben im Auto zurückgelegten Strecke. „Das sind durchschnittlich knapp 165 Kilometer pro Person und damit sicher mehr als der tägliche Weg zur Arbeits- oder Ausbildungsstätte“, lobt der Minister das Engagement der Teilnehmenden.

Die beste Pro-Kopf-Bilanz legte Neubrandenburg vor: Dort radelten 394 Teilnehmer insgesamt 92.765 Kilometer – 235,4 Kilometer je Kopf. Das entspricht 33,4 Kilogramm Kohlendioxideinsparung pro Teilnehmer.

Deutschlandweit waren 2019 knapp 1.130 Kommunen dabei, in denen rund 406.000 Radelnde etwa 77,5 Mil-lionen Kilometer gefahren sind und so 11.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart haben.

Beim jährlichen „Stadtradeln“ kann jede Stadt, jede Gemeinde, jeder Landkreis und jede Region mitmachen. Ein Gemeindebeschluss oder ähnliches ist für eine Teilnahme nicht erforderlich. Das Einverständnis der Kommune, zum Beispiel durch den Bürgermeister/die Bürgermeisterin oder die Verwaltung, muss jedoch gegeben sein. Bei der Anmeldung über die Webseite www.stadtradeln.de muss zudem mindestens eine Ansprechperson vor Ort für das „Stadtradeln“ in der Kommune genannt werden. Der Aktionszeitraum, in dem dann alle Teilnehmer aus der Kommune mit dem Fahrrad zurückgelegte Kilometer sammeln, muss drei zusammenhängende Wochen nach Wahl zwischen dem 1. Mai und dem 30. September eines Jahres betragen.

Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren

Schwerin – Sozialministerin Stefanie Drese hat Eckpunkte und Empfehlungen für die Weiterentwicklung seniorengerechter Städte und Gemeinden vorgestellt. „Seniorenfreundliche Kommunen sind lebenswerte Kommunen“, sagte Drese zur Eröffnung der Landesseniorentage heute in Schwerin.

Rund 25 Prozent der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sind bereits heute über 65 Jahre. Dieser Anteil wird sich bis 2030 auf etwa 35 Prozent erhöhen. Angesichts der Veränderung der Altersstruktur müssen die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen älterer Menschen nach Auffassung von Drese eine ganz besondere Berücksichtigung in den kommunalen Sozialplanungen erfahren.

„Die Landesregierung möchte deshalb den Kommunen bei der Entwicklung von seniorenpolitischen Gesamtkonzepten helfen und den Austausch untereinander befördern. Gemeinsam wollen wir die Lebensbedingungen unserer Seniorinnen und Senioren in den kommenden Jahren weiter verbessern, deren gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen sowie die Daseinsvorsorge, soweit es möglich ist, sichern“, betonte Sozialministerin Stefanie Drese.

Dazu hat das Sozialministerium in Abstimmung mit dem Landkreistag sowie dem Städte- und Gemeindetag Handlungsempfehlungen erarbeitet, die Städte, Ämter und Gemeinden auf ihre gestalterischen Möglichkeiten aufmerksam machen und Fördermöglichkeiten aufzeigen sollen.

In der neuen Broschüre „Nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität von Seniorinnen und Senioren“ werden zehn Handlungsfelder einbezogen. Sie reichen von der integrierten Orts-, Bauleit- und Verkehrsplanung, über das Wohnen im Alter, Betreuung und Pflege, Unterstützung pflegender Angehöriger bis hin zur gesellschaftlichen Teilhabe und Kooperations- und Vernetzungsstrukturen.

Drese: „Viele ältere Menschen sind aktiv und wollen sich bürgerschaftlich engagieren. Gleichzeitig benötigen Seniorinnen und Senioren Hilfen im Alltag wie etwa Beratung, barrierefreie öffentliche Räume, altersgerechtes Wohnen, gute Pflege- und Betreuungsangebote und die Sicherstellung von Dienstleistungen einschließlich der medizinischen Versorgung.“

Mit den seniorenpolitischen Gesamtkonzepten sollen Diskussionen angestoßen und konkrete Maßnahmen vor Ort entwickelt werden, die zu den örtlichen Gegebenheiten passen und entsprechend der örtlichen Möglichkeiten umgesetzt werden können.