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Kategorie: Gesellschaft / Gesundheit / Pflege / Ehrenamt

Fast 10.000 Menschen suchen Hilfe

Alkohol bleibt Suchtproblem Nummer eins in M-V / Drese: Sucht zerstört nicht nur Gesundheit, sondern belastet ganze Familien – Land setzt auf frühe Prävention, digitale Beratung und besseren Jugendschutz.

Schwerin – Knapp 10.000 Menschen haben 2025 in Mecklenburg-Vorpommern wegen eigener Suchtprobleme oder als Angehörige Unterstützung in einer Suchtberatungsstelle gesucht.

Das geht aus dem Landessuchtbericht 2025 hervor, den Gesundheitsministerin Stefanie Drese und die Geschäftsführerin der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (LAKOST), Birgit Grämke, am Dienstag im Rahmen der Landespressekonferenz vorstellten. Neben aktuellen Zahlen informierten Drese und Grämke über digitale Beratung, Präventionsprojekte und die geplante Abschaffung des begleiteten Trinkens.

„Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der mit seiner Abhängigkeit kämpft, und oft eine ganze Familie, die darunter leidet. Sucht ist kein persönliches Versagen. Wir müssen Betroffene ohne Vorurteile unterstützen und verhindern, dass aus riskantem Konsum eine Abhängigkeit wird“, sagte Drese.

Insgesamt 9.959 Menschen nutzten 2025 die Suchtberatung – 186 mehr als im Vorjahr. Darunter waren 8.968 Menschen mit eigener Suchtthematik und 991 Angehörige. Alkohol war mit 5.287 betreuten Klientinnen und Klienten mit Abstand das häufigste Problem.

„Erstmals seit 2019 stiegen die Fallzahlen hier wieder“, verdeutlichte Grämke. Auch Beratungen wegen Stimulanzien, Kokain, Mehrfachkonsum, exzessiver Mediennutzung und Glücksspiel nahmen nach Angaben von Grämke zu. Das Durchschnittsalter der Menschen mit Kokainproblemen sank binnen eines Jahres von 41,9 auf 36,1 Jahre.

Besonders alarmierend ist die Situation von Kindern aus suchtbelasteten Familien: 3.767 Minderjährige waren 2025 von der Suchterkrankung eines Elternteils betroffen, 2.333 lebten mit diesem in einem Haushalt. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, weil nicht alle Familien Hilfe suchen.

„Kinder können sich ihre familiäre Situation nicht aussuchen. Sie erleben häufig Ängste und Unsicherheit, über die sie aus Scham oder Loyalität kaum sprechen. Diese Kinder dürfen wir nicht übersehen“, sagte Drese. Mit der Landesfachstelle KipsFam und acht regionalen Anlaufstellen unterstütze das Land betroffene Kinder und Familien. Weitere Maßnahmen umfassen den Ausbau der Beratung zu alkoholbedingten Schädigungen vor der Geburt (FASD), die Qualifizierung von Fachkräften und die Ausbildung regionaler Suchtpräventionsfachkräfte.

Seit Juni 2026 bietet Mecklenburg-Vorpommern mit DigiSucht Beratung per Video, Chat oder E-Mail an. Sie soll insbesondere Menschen erreichen, für die lange Wege, Zeitmangel oder persönliche Hemmschwellen den Zugang zu einer Beratungsstelle erschweren. Derzeit beteiligen sich 14 Suchtberatungsstellen. Zum Jahresende soll das Angebot verstärkt beworben werden, unter anderem mit Plakaten, QR-Codes und kurzen Videos für TikTok.

„Wer Hilfe braucht, soll sie möglichst unkompliziert bekommen – unabhängig davon, ob jemand in einer größeren Stadt oder in einem kleinen Dorf lebt“, betonte Drese. LAKOST-Geschäftsführerin Grämke sieht in der digitalen Beratung zusätzliche Chancen: „Der erste Schritt muss nicht gleich der Gang in eine Beratungsstelle sein. Manchmal hilft es schon, anonym und unkompliziert über den eigenen Konsum sprechen zu können.“

Mit der Wanderausstellung „BE.LIKE.ME – Social Media und ich“ klärt das Land Jugendliche über Chancen und Risiken sozialer Medien auf. Vom 3. November bis zum 18. Dezember ist sie im E-Werk in Schwerin zu sehen. Laut wissenschaftlicher Evaluation der Ausstellung verstanden 91,5 Prozent der Teilnehmenden die Folgen ihrer Social-Media-Nutzung besser, 76,3 Prozent reflektierten ihren eigenen Konsum.

Wie dringend frühe Prävention ist, zeigt die vom Land finanzierte Studie KiJuSucht 2025 der Universität Greifswald. „Erstmals haben wir damit repräsentative Daten speziell für MV“, hob Drese hervor. Dafür wurden 576 Menschen zwischen 10 und 30 Jahren befragt. Bei 40,1 Prozent der befragten Minderjährigen zeigte sich ein riskantes Alkohol-Konsummuster, bei 24,6 Prozent gab es Hinweise auf eine auffällige bzw. abhängige Smartphone-Nutzung. Der erste Kontakt mit Energy-Drinks oder Koffein erfolgt im Durchschnitt bereits mit 10,2 Jahren.

„Wir dürfen Prävention nicht auf später verschieben. Wir müssen Eltern und Schulen einbeziehen und junge Menschen frühzeitig stärken“, sagte Drese. Die Studie zeige zudem, dass der Konsum im Freundeskreis das Risiko erhöhe, während eine gute Bindung an Schule oder Ausbildung schützend wirke.

Die Ministerin informierte zudem über den Stand bei der Abschaffung des begleiteten Trinkens. Drese setzt sich seit Jahren dafür ein. Auf Initiative des Landes hatten sich 2025 die Gesundheitsministerkonferenz und der Bundesrat für die Abschaffung ausgesprochen. Im August 2026 beschloss das Bundeskabinett, die Ausnahmeregelung im Jugendschutzgesetz zu streichen. Damit sollen 14- und 15-Jährige künftig auch in Begleitung ihrer Eltern in der Öffentlichkeit keinen Alkohol wie Bier, Wein oder Sekt trinken dürfen. Die Gesetzesänderung ist noch nicht abgeschlossen; der Bundesrat soll sich am 18. Dezember 2026 erneut damit befassen.

„Die Abschaffung des begleiteten Trinkens wäre ein wichtiges Signal für konsequenten Jugendschutz. Genauso wichtig ist es in die Köpfe der jungen Alkoholkonsumenten zu kommen und problematischen Alkoholkonsum ins Bewusstsein zu rücken. Regeln, Aufklärung und frühzeitige Prävention müssen Hand in Hand gehen“, sagte Drese.

Drese: Prävention ist eine Investition in Gesundheit und Wirtschaftskraft

Land und BioCon Valley wollen Gesundheitsförderung und Gesundheitswirtschaft enger verzahnen/ Studien zeigen wirtschaftlichen Nutzen betrieblicher Prävention

Schwerin – Prävention stärkt nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern bietet auch wirtschaftliche Chancen. Mecklenburg-Vorpommern will deshalb Gesundheitsförderung und Gesundheitswirtschaft stärker zusammendenken. Der Netzwerk-Auftakt für gemeinsame Perspektiven zwischen Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitswirtschaft am (heutigen) Montag bei der BioCon Valley GmbH war der Startschuss für neue Kooperationen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesundheitswesen. Das Land fördert das Projekt zur Koordinierung entsprechender Maßnahmen mit 500.000 Euro.

„Gesundheit ist weit mehr als ein Kostenfaktor. Sie ist eine Voraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und wirtschaftliche Entwicklung. Wenn wir Prävention konsequent stärken, profitieren die Menschen, unsere Unternehmen und der Gesundheitsstandort Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Gesundheitsministerin Stefanie Drese. Entscheidend sei, vorhandenes Wissen und bestehende Angebote besser miteinander zu verbinden und neue Ideen schneller in die Anwendung zu bringen.

Dass sich Investitionen in Prävention auch wirtschaftlich auszahlen können, zeigen Untersuchungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung: Demnach bringt jeder investierte Euro im Durchschnitt einen wirtschaftlichen Nutzen von 2,70 Euro. Weniger krankheitsbedingte Ausfälle sind dabei nur ein Aspekt. Auch der Erhalt von Arbeitsfähigkeit, Wohlbefinden und Lebensqualität zählt. „Wir müssen Gesundheit stärker als Zukunftsinvestition begreifen. Die Frage ist nicht allein, was Prävention kostet, sondern auch, welche Chancen wir verschenken, wenn wir sie vernachlässigen“, so Drese.

Mecklenburg-Vorpommern will dafür die Landesstrategie Gesundheitsförderung und Prävention enger mit dem Masterplan Gesundheitswirtschaft MV 2030 verzahnen. Die Präventionsstrategie setzt Schwerpunkte bei Bewegungsförderung, psychischer Gesundheit, Suchtprävention und Gesundheitskompetenz. Die Gesundheitswirtschaft wiederum verbindet Unternehmen, Forschung und Versorgung und bietet damit Ansatzpunkte, um innovative Lösungen für mehr Gesundheit zu entwickeln und in die Praxis zu bringen.

Die Netzwerkgesellschaft koordiniert das Vorhaben, bringt Partner aus unterschiedlichen Bereichen an einen Tisch und unterstützt die Entwicklung neuer Ansätze. Dazu gehört auch eine digitale Präventionslandkarte, die Angebote und Maßnahmen sichtbarer machen und den Zugang zu ihnen erleichtern soll.

„In Mecklenburg-Vorpommern gibt es viel Kompetenz und zahlreiche gute Ansätze in der Gesundheitsförderung. Die Herausforderung besteht darin, diese Kräfte stärker zu bündeln und die Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung gezielt zu nutzen“, sagte BioCon-Valley-Geschäftsführer Lars Bauer. „Wenn wir Wissen, innovative Ideen und praktische Erfahrungen zusammenbringen, können daraus neue Angebote entstehen, die sowohl den Menschen als auch dem Gesundheits- und Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern zugutekommen.“

Für Drese kommt es darauf an, dass aus der Vernetzung konkrete Ergebnisse entstehen. „Wir wollen gute Ideen nicht nur diskutieren, sondern in die Umsetzung bringen. Prävention muss im Alltag der Menschen ankommen – und zugleich zeigen, welches Potenzial in ihr für Innovation, Beschäftigung und Wertschöpfung steckt. Dafür brauchen wir starke Partnerschaften zwischen Gesundheitswesen, Wissenschaft und Wirtschaft“, betonte die Ministerin.

Gesundheitsversorgung in MV: Digitalisierung muss den Menschen dienen

Staatssekretärin Sylvia Grimm bei TK-Jahresfachtagung: Vernetzung stärken, Versorgung sichern und Prävention ausbauen

Schwerin – Digitale Innovationen können die medizinische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern verbessern. Sie müssen dabei helfen, medizinische Expertise auch in ländlichen Regionen verfügbar zu machen, die Zusammenarbeit zwischen den Versorgungsbereichen zu stärken und die Gesundheitskompetenz der Menschen zu fördern. Das betonte Gesundheitsstaatssekretärin Sylvia Grimm am Donnerstag bei der Jahresfachtagung der Techniker Krankenkasse (TK) in Mecklenburg-Vorpommern unter dem Motto „Gesundheit in MV – primär digital versorgt?“.

„Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, ob sie die Versorgung der Menschen tatsächlich verbessert. Wir müssen digitale Möglichkeiten nutzen, um Wege zu verkürzen, medizinisches Wissen besser verfügbar zu machen und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren zu erleichtern. Gleichzeitig darf der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient nicht verloren gehen. Gute Versorgung muss für alle erreichbar bleiben – unabhängig vom Wohnort und davon, wie sicher sich jemand in der digitalen Welt bewegt“, sagte Grimm.

Gerade Mecklenburg-Vorpommern stehe als dünn besiedeltes Flächenland mit einer älter werdenden Bevölkerung und zunehmendem Fachkräftebedarf vor besonderen Herausforderungen. Digitale und telemedizinische Angebote könnten helfen, die Versorgung zukunftssicher aufzustellen. Mit einer Absichtserklärung für ein gemeinsames Telemedizinnetzwerk mit Schleswig-Holstein hätten beide Länder am 15. September einen wichtigen Schritt vereinbart. Zunächst sollen Krankenhäuser telemedizinisch miteinander vernetzt, perspektivisch auch Rettungsdienste, ambulante Versorgung und weitere Gesundheitsbereiche einbezogen werden. Ziel sei es, bestehende Angebote zu bündeln und einen gemeinsamen digitalen Versorgungsraum zu schaffen.

Digitalisierung allein löst nach Ansicht von Grimm jedoch nicht die strukturellen Herausforderungen des Gesundheitswesens. „Wir brauchen eine stärkere sektorenübergreifende Zusammenarbeit und Strukturen, die sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf orientieren. Das gilt auch für die Krankenhausreform. Die wohnortnahe Grund- und Notfallversorgung muss ebenso berücksichtigt werden wie die notwendige Spezialisierung komplexer Behandlungen. Digitale Vernetzung kann diesen Wandel unterstützen, aber weder eine bedarfsgerechte Krankenhausplanung noch ausreichend qualifiziertes Personal ersetzen“, so Grimm.

Ein weiterer Schwerpunkt sei die Gesundheitsförderung. Ziel müsse es sein, die Gesundheit der Bevölkerung über alle Lebensphasen hinweg nachhaltig zu verbessern. Digitale Beratungsangebote könnten Zugänge erleichtern und Menschen bei gesundheitlichen Fragen unterstützen. Entscheidend sei aber, Prävention dauerhaft im Alltag zu verankern und die Gesundheitskompetenz zu stärken. Mecklenburg-Vorpommern verfüge dafür mit seiner Landesstrategie Gesundheitsförderung und Prävention über einen Rahmen, der weiterentwickelt und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort umgesetzt werden müsse.

„Wir müssen Versorgung nicht nur dann organisieren, wenn Menschen bereits krank sind. Wir müssen auch mehr dafür tun, dass sie gesund aufwachsen, leben und älter werden können. Dafür brauchen wir innovative Angebote, gute Zusammenarbeit und Menschen, die Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen können. Die zentrale Frage ist deshalb nicht, ob unsere Versorgung digital oder persönlich sein soll. Wir müssen beides sinnvoll verbinden – damit medizinischer Fortschritt bei den Menschen ankommt“, erklärte Grimm.

„Männerschuppen Insel Poel e.V. “ gewinnt Landeswettbewerb für ein gesundes Miteinander

Insel Poel – „Gesichter für ein gesundes Miteinander“: Unter diesem Motto haben sich bundesweit zahlreiche Projekte und Initiativen an einem Wettbewerb für besonderes Gesundheits-Engagement beteiligt. In Mecklenburg-Vorpommern überzeugte der „Männerschuppen Insel Poel e.V. “ die Jury und sicherte sich den ersten Platz beim Landeswettbewerb 2026. Platz zwei ging an: „Nightline – studentisches Zuhörtelefon“ aus Greifswald. Den dritten Platz belegte das Projekt „Ping Pong Salon – Begegnung in Bewegung“ aus Neustrelitz. Den Sonderpreis Pflege gewann das Projekt „Rikscha für Bewegungseingeschränkte“ vom Verein „Radeln ohne Alter Neubrandenburg e. V.“ Die Sozialministerin Stefanie Drese und die DAK-Gesundheit zeichneten nun die Gewinnerinnen und Gewinner aus.

„Ob beim gemeinsamen Handwerkeln, via Telefon, beim Tischtennisspiel oder auf der Rikschafahrt: Wo Menschen niedrigschwellig Räume für Begegnung schaffen, zeigt sich, wie viel Kraft in Gemeinschaft steckt und wie wichtig dieser Zusammenhalt für uns alle ist. Das zeigen auch alle der heute ausgezeichneten Projekte auf ihre ganz eigene Weise. Auf diese wirklich große Bandbreite an Ideen und Projekten, das außergewöhnliche Engagement aller Beteiligten und das große Herzblut, das durch die Erzählungen der Ausgezeichneten spürbar wurde, können wir als Land ausgesprochen stolz sein“, betonte Stefanie Drese, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern und gratulierte den Preisträgerinnen und Preisträgern.

Andreas Mirwald, Leiter der DAK-Landesvertretung in MV, ergänzt: „Mit dem ‚Männerschuppen Insel Poel e.V.‘ gewinnt ein Projekt den Landeswettbewerb, das in beeindruckender Weise zeigt, wie Gesundheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und ehrenamtliches Engagement zusammenwirken können. Dort entstehen nicht nur praktische Projekte für die Gemeinschaft, sondern auch soziale Kontakte, die Einsamkeit entgegenwirken und das Wohlbefinden stärken. Die ausgezeichneten Initiativen zeigen insgesamt, wie viele Menschen sich in Mecklenburg-Vorpommern mit großem Einsatz für ein gesundes Miteinander engagieren.

Im mittlerweile sechsten Wettbewerbsjahr haben sich bundesweit rund 350 Projekte und Initiativen beworben, die Gesundheit, Prävention oder Pflege mit gesellschaftlichem Engagement verbinden. Den Landessieg in Mecklenburg-Vorpommern erhielt der „Männerschuppen Insel Poel e.V. “. Initiator Andrew Gordon hat einen offenen Raum geschaffen, in dem handwerkliche Tätigkeit, gegenseitige Unterstützung und soziale Begegnung eng zusammengehören. Viele Männer finden hier eine Struktur, die Einsamkeit reduziert, Aktivität fördert und neue Kontakte ermöglicht. „Der Männerschuppen ist ein Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft, in der Menschen füreinander da sind und Verantwortung übernehmen“, sagt Gordon. Der Männerschuppen wirke inzwischen weit über die Insel hinaus. So entstanden beim gemeinsamen Handwerken robuste Marktstände für die Gemeinde, wurde ein wiederverwendbarer Weihnachtswunschbaum gestaltet, eine Wanderschutzhütte unterstützt und kreative Projekttage für Schulkinder durchgeführt. Kochen, Qigong, Singen und öffentliche Vorträge zu Gesundheits- und Gesellschaftsthemen ergänzen das Angebot.

Die Initiative auf Rang zwei wurde von Marie Zörner eingereicht: „Nightline – studentisches Zuhörtelefon“ aus Greifswald ist ein niedrigschwelliges, anonymes und wertschätzendes Zuhörangebot, das Studierenden und jungen Menschen in belastenden Situationen einen sicheren Raum für ihre Sorgen eröffnet.

Auf Rang drei landete „Ping Pong Salon – Begegnung in Bewegung“ aus Neustrelitz. Die Initiative wurde von Katja Thiede eingereicht. Sie ist ein Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft bei dem beim gemeinsamen Spiel Menschen miteinander in Kontakt kommen können.

Einen besonderen Akzent für ein gesundes Miteinander setzte nach Jury-Ansicht auch ein Projekt, das sich liebevoll um ältere Menschen kümmert. Seit 2022 fährt Gernot Kunzemann mit anderen Freiwilligen des Vereins „Radeln ohne Alter Neubrandenburg e. V.“ in Pflegeheime und Einrichtungen der Tagespflege. Mit Rikschas fahren sie Menschen, die ihr Zuhause nicht verlassen können, durch ihre aktuellen und früheren Wohngebiete, durch das Zentrum, den Kulturpark oder auch an das Grab von verstorbenen Angehörigen. Dafür bekommen sie den Sonderpreis Pflege.

Im Dezember kürt eine namhafte Bundesjury um DAK-Vorstandschef Andreas Storm aus den Gewinnerprojekten aller Bundesländer die Bundessiegerinnen und -sieger. Schirmherrin des bundesweiten Wettbewerbs „Gesichter für ein gesundes Miteinander“ ist Bundesfamilienministerin Karin Prien. Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Initiativen gibt es unter www.dak.de/gesichter.

Dolce Vita auf dem Land

Cafémobil aus Lohmen ist Landessieger beim Deutschen Nachbarschaftspreis

Lohmen – Stefanie Drese konnte heute Ruth Wossidlo, André Schulz und Lars Trense vom Cafémobil aus Lohmen zum Landessieg beim Deutschen Nachbarschaftspreis gratulieren.

Dolce Vita in der Mecklenburger Provinz: Mit einer Piaggio Ape, einer Siebträger-Kaffeemaschine und viel ehrenamtlichem Engagement bringt die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Lohmen Kaffee und Menschen zusammen. Für dieses ungewöhnliche mobile Begegnungsprojekt ist das Cafémobil jetzt als Landessieger Mecklenburg-Vorpommerns beim Deutschen Nachbarschaftspreis 2026 ausgezeichnet worden. Sozialministerin Stefanie Drese überreichte die Auszeichnung am Donnerstag im Sozialministerium in Schwerin. Das Projekt erhält ein Preisgeld von 2.000 Euro.

Das Cafémobil fährt durch die 38 Dörfer und Orte der Kirchengemeinde Lohmen und schafft dort einen Treffpunkt, wo klassische Orte der Begegnung wie Dorfkonsum, Gaststätte oder Bäckerei zunehmend fehlen. Kaffee gibt es kostenlos, Kuchen und Spiele bringen die Menschen selbst mit. Wer möchte, kann sich seine eigene Kaffeekreation zubereiten. So wird aus einer kleinen Ape ein mobiler Dorfmittelpunkt – und aus einer Tasse Kaffee ganz nebenbei ein Gespräch, eine neue Bekanntschaft oder ein Stück Nachbarschaft.

„Dolce Vita muss nicht an der Strandpromenade beginnen. Manchmal beginnen die kleinen italienischen Momente auf dem Dorfplatz – mit einem guten Kaffee und Menschen, die Lust haben, zusammenzukommen. Das Cafémobil aus Lohmen bringt genau das auf die Dörfer: Lebensfreude, Begegnung und ein Stück Gemeinschaft. Und das Beste daran: Die Menschen warten nicht darauf, dass jemand einen neuen Treffpunkt baut. Sie machen ihn einfach selbst“, sagte Drese bei der Auszeichnung.

Das Projekt ist dabei weit mehr als ein mobiles Café. Menschen mit und ohne Behinderung engagieren sich gemeinsam, ebenso Einheimische und Zugewanderte. Zu den acht Ehrenamtlichen gehört ein Mann mit geistiger Behinderung. Auch eine muslimische Familie, die vor wenigen Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, ist dabei. Alle Ehrenamtlichen haben einen Barista-Kurs absolviert.

„Genau solche Orte brauchen wir: offen, niedrigschwellig und mitten im Leben. Das Land unterstützt deshalb mit seinem Programm ,Dritte Orte‘ ganz bewusst Begegnungs- und Gemeinschaftsorte, an denen Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation zusammenkommen können. Das Cafémobil zeigt auf besonders charmante Weise, dass ein solcher Ort nicht einmal ein festes Gebäude braucht. Er kann auch vier Räder haben“, verwies Drese auf das Landesförderprogramm für Begegnungs- und Gemeinschaftsorte, das mit insgesamt rund 700.000 Euro ausgestattet ist.

Für Drese ist das Engagement vor Ort ein wichtiger Teil der Antwort auf Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte. „Wir können Freundschaften nicht verordnen. Aber wir können Orte schaffen, an denen sie entstehen. Und wir können Menschen unterstützen, die solche Orte mit Leben füllen. Das Cafémobil ist dafür ein wunderbares Beispiel: Hier wird nicht nur Kaffee ausgeschenkt, hier wird Nachbarschaft gebraut.“

Mit dem Preisgeld möchte die Kirchengemeinde unter anderem einen Anhänger für das Cafémobil anschaffen, um künftig Tische und Stühle zu den mobilen Treffpunkten mitnehmen zu können. Auch weitere Angebote sind geplant – vom gemeinsamen Eiswaffelbacken mit Kindern und Jugendlichen über eine Afterhour-Bar bis zum Suppenmobil.

Der Deutsche Nachbarschaftspreis der nebenan.de Stiftung wird 2026 zum zehnten Mal vergeben und zeichnet Initiativen mit Vorbildcharakter aus, die lebendige Orte schaffen und das gesellschaftliche Miteinander stärken. In jedem Bundesland wird ein Landessieger mit 2.000 Euro ausgezeichnet. Die fünf Themenschwerpunkte und ein Sonderpreis werden im November bei der bundesweiten Preisverleihung in Berlin vergeben. Hauptförderer des Preises ist die Deutsche Postcode Lotterie.

Krankenhausreform in M-V geht in entscheidende Phase

Grimm bei VKD-Herbsttagung: „Wir brauchen Veränderung – aber mit Verantwortung“ / Leistungsgruppenzuweisungen sollen zum 1. Januar 2027 umgesetzt werden

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern geht bei der Krankenhausreform in die entscheidende Phase. Zum 1. Januar 2027 sollen die neuen Leistungsgruppenzuweisungen greifen. Gesundheitsstaatssekretärin Sylvia Grimm betonte heute bei der 33. Herbsttagung des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) in Rostock, dass das Land auf die Umsetzung gut vorbereitet ist. Zugleich machte sie deutlich, dass die Reform einen tiefgreifenden Strukturwandel auslöse, der mit Augenmaß gestaltet werden müsse.

„Ein Weiter-so in der Krankenhauspolitik kann und darf es nicht geben. Aber Veränderung darf auch nicht bedeuten, die Versorgung auf dem Land auszudünnen. Unser Ziel ist deshalb klar: Wir wollen Qualität und Spezialisierung stärken und gleichzeitig alle 37 Krankenhausstandorte in Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Das ist Strukturwandel mit Verantwortung. Für uns gilt deshalb: Qualität ja – aber nicht auf Kosten der Erreichbarkeit“, so die Gesundheits-Staatssekretärin.

Auch die wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser mache Veränderungen notwendig. Die bestehenden Defizite seien allerdings nicht erst durch die Reform entstanden, so Grimm. Mit der Neuordnung der Versorgung, stärkerer sektorenübergreifender Zusammenarbeit und den maßgeblich vom Land mitverhandelten Sicherstellungszuschlägen sollen Standorte wirtschaftlich stabilisiert und die flächendeckende Grund- und Regelversorgung abgesichert werden. „Erste Veränderungen sind bereits sichtbar: Die Krankenhausstandorte Crivitz und Bützow haben Bescheide für eine Zuweisung als sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen erhalten“, sagte Grimm.

Genau darum habe das Land sich beim Bund mit Nachdruck für die besonderen Bedingungen dünn besiedelter Regionen eingesetzt. „Wir haben erreicht, dass Ausnahmen von einzelnen Qualitätsvorgaben möglich bleiben, wenn diese zur Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung zwingend erforderlich sind. Diese Möglichkeit wird Mecklenburg-Vorpommern verantwortungsvoll nutzen“, verdeutlichte Grimm.

Nach Einschätzung Grimms ist das Land für die Umsetzung gut aufgestellt. Mit dem neuen Landeskrankenhausgesetz, dem im Mai verabschiedeten Krankenhausplan und der dazugehörigen Rechtsverordnung seien die entscheidenden Grundlagen frühzeitig geschaffen worden. „Wir sind nicht erst dabei, die Reform zu planen. Wir sind mitten in ihrer Umsetzung – und wir haben dafür frühzeitig die notwendigen Grundlagen geschaffen,“ sagte die Staatssekretärin.

Jetzt beginnt nach Aussage von Grimm die nächste konkrete Phase: Nach der Gremienabstimmung im Oktober sollen die geplanten Leistungsgruppenzuweisungen an die Krankenhäuser übermittelt werden. Ab Mitte November sind Anhörungen mit den einzelnen Häusern vorgesehen. Zum 1. Januar 2027 sollen die Zuweisungen der Leistungsgruppen umgesetzt werden.

Grimm betonte, dass die anstehenden Entscheidungen für die Krankenhäuser weitreichend seien. Die künftigen Versorgungsaufträge bestimmten maßgeblich, welche Leistungen an einem Standort erbracht, welche Strukturen weiterentwickelt und wo Kooperationen oder Spezialisierungen notwendig würden.

„Die Krankenhausreform wird nicht jedes wirtschaftliche Problem lösen. Aber sie bietet die Chance, unsere Krankenhauslandschaft zukunftsfester aufzustellen. Dafür braucht es Veränderungsbereitschaft bei allen Beteiligten: beim Land, bei den Krankenkassen und bei den Krankenhäusern selbst. Unser Kompass bleibt dabei klar: gute Qualität, verlässliche Versorgung und starke Standorte in der Fläche“, so Grimm.

Drese: „Tagespflege hält Menschen im Leben – und im eigenen Zuhause“

Erster landesweiter Tag der Tagespflegen am 7. Oktober / Sozialministerin unterstützt Aktion von bpa, LIGA, VDAB und bad e.V.

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern macht die Tagespflege sichtbar: Am 7. Oktober findet erstmals der landesweite „Tag der Tagespflegen“ statt. Unter dem Motto „Mit Freude durch den Tag – gemeinsam statt allein“ laden Tagespflegen im ganzen Land zu Begegnung, Information und Einblicken in ihren Alltag ein.

Initiiert wird der Aktionstag vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in MV, dem Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) und dem Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e.V.). Sozialministerin Stefanie Drese unterstützt die Initiative ausdrücklich und ruft Pflegebedürftige, Angehörige und Interessierte dazu auf, die Gelegenheit zu nutzen und eine Tagespflege kennenzulernen.

„Tagespflege bedeutet weit mehr als Betreuung für ein paar Stunden. Sie schafft Gemeinschaft, gibt Struktur und ermöglicht Pflegebedürftigen, weiterhin zu Hause zu leben – mit den Menschen und in der Umgebung, die ihnen vertraut sind. Gleichzeitig gibt sie pflegenden Angehörigen Luft zum Durchatmen. Genau deshalb unterstütze ich den ersten landesweiten Tag der Tagespflegen sehr gern und würde mich freuen, wenn viele Menschen am 7. Oktober einfach einmal in eine der Einrichtungen vorbeischauen“, sagte Drese am Donnerstag.

Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel komme der Tagespflege eine wachsende Bedeutung zu, so Drese. Mecklenburg-Vorpommern setze in der Pflege konsequent auf den Grundsatz „ambulant vor stationär“. Tagespflege könne dazu beitragen, einen Umzug in eine vollstationäre Einrichtung zu vermeiden oder zumindest hinauszuzögern, wenn die Versorgung in der eigenen Häuslichkeit allein nicht mehr ausreiche. „Pflegebedürftig zu werden, heißt nicht automatisch, dass das eigene Zuhause aufgegeben werden muss. Gute Tagespflege kann genau die Unterstützung bieten, die es braucht, damit Selbstständigkeit und Teilhabe möglichst lange erhalten bleiben“, so die Ministerin. Das Land verfüge inzwischen über mehr als 220 Tagespflegeeinrichtungen.

Der Aktionstag soll dabei auch mit Vorurteilen und Unsicherheiten aufräumen. Häufig seien es Fragen zu Kosten, Fahrdiensten, Anmeldung oder dem konkreten Ablauf, die Menschen von einer Nutzung abhielten. Hinzu kämen bei Angehörigen nicht selten Schuldgefühle, Unterstützung anzunehmen. Der Aktionstag setzt deshalb bewusst auf offene Türen, persönliche Gespräche und praktische Informationen, z.B. zur Übernahme der Kosten bis zu festen Höchstbeträgen durch die Pflegeversicherung.

„Wer als Pflegebedürftiger oder pflegender Angehöriger Tagespflege noch nicht kennt, sollte das schnell nachholen. Hier geht es um Begegnung, Aktivität, Gemeinschaft und professionelle Unterstützung – und um die ganz konkrete Frage: Wie kann Pflege im Alltag für alle Beteiligten besser funktionieren?“, verteutlichte Drese. Das Aktionskonzept sieht deshalb ausdrücklich niedrigschwellige Einblicke, Beratung, Begegnung und Schnupperangebote vor.

Zugleich sind Tagespflegen ein wichtiger Teil der regionalen Pflegeinfrastruktur und damit auch ein bedeutender Arbeits- und Wirtschaftsbereich. „Pflege ist nicht nur eine gesellschaftliche Aufgabe, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Mecklenburg-Vorpommern. Das gilt für die großen Pflegeeinrichtungen ebenso wie für die vielen Angebote vor Ort. Tagespflegen sichern Versorgung, schaffen Arbeitsplätze und stärken Strukturen in den Regionen“, betont Drese. Im Pakt für Pflege haben sich die Akteure im Land deshalb gemeinsam darauf verständigt, unter anderem die Pflege in der Häuslichkeit zu stärken und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit von Pflegeeinrichtungen in den Blick zu nehmen.

„Der beste Weg, Berührungsängste abzubauen, ist, die Türen aufzumachen. Ich wünsche mir deshalb, dass der 7. Oktober zu einem Tag wird, an dem viele Menschen sagen: Das hätte ich mir ganz anders vorgestellt – und das könnte auch für uns eine gute Unterstützung sein“, so Drese.

Schwesig: „Pflege darf kein Armutsrisiko werden“

Das vorgelegte Maßnahmenpaket ist kein Reformkonzept, sondern ein Sparprogramm auf dem Rücken der Pflegebedürftigen

Schwerin – „Pflege darf kein Armutsrisiko werden. Das vorgelegte Maßnahmenpaket ist kein Reformkonzept, sondern ein Sparprogramm auf dem Rücken der Pflegebedürftigen, ihrer Angehörigen und der Beschäftigten. Kürzen ist keine Reform – Veränderungen müssen Verbesserungen sein.

Wir brauchen einen echten Pflegedeckel, der die Eigenanteile wirksam begrenzt, und eine solidarische Finanzierung, die alle in die Pflicht nimmt. Wir fordern eine Strukturreform, die den Namen verdient: Pflege muss bezahlbar, besser und einfacher werden“, so Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Dazu müsse der Bundesgesundheitsminister jetzt auch die Länder in die Kommission einbeziehen. Die Vorschläge der Kommission müssten bis Ende des Jahres vorliegen, forderte Schwesig.

 Zum Hintergrund: in über 250 vollstationären Pflegeeinrichtungen werden fast 21.000 Plätze für eine adäquate Pflege und Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern vorgehalten. Für eine gute Pflege in der Häuslichkeit sorgen über 540 ambulante Pflegedienste und mehr als 220 Tagespflegeeinrichtungen.

 „Familien, Träger und Beschäftigte in der Pflege brauchen Verlässlichkeit. Deshalb darf jetzt nicht monatelang darüber diskutiert werden“, so Schwesig.