Nürnberg – „Im Zuge der wirtschaftlichen Schwäche sind die Ausbildungsstellenmeldungen weiter deutlich zurückgegangen. Die Bewerberzahl hat dagegen nochmals leicht zugenommen. In der Folge haben sich die Chancen für Ausbildungssuchende weiter verschlechtert. Doch auch jetzt gibt es noch Möglichkeiten – wir helfen weiterhin bei der Ausbildungssuche“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, bei der Vorstellung der Bilanz des Berufsberatungsjahres 2025/26.
Von Oktober 2025 bis September 2026 wurden den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern insgesamt 469.000 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Darunter waren 453.000 betriebliche Ausbildungsangebote, 31.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. 447.000 Bewerberinnen und Bewerber nahmen die Ausbildungsvermittlung in Anspruch. Das waren 3.000 mehr als im vorherigen Berufsberatungsjahr.
Insgesamt lagen das gemeldete Angebot und die gemeldete Nachfrage sehr nahe beieinander: Auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen kamen rechnerisch 99 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber; im Vorjahr waren es noch 92 gewesen.
Wie in den vergangenen Jahren ist der Markt aber von großen Passungsproblemen geprägt, die den Ausgleich erschweren. Dies führte im Zusammenspiel mit der schwachen wirtschaftlichen Lage dazu, dass sich die Chancen für Ausbildungssuchende weiter verschlechtert haben.
So haben bis Ende September 2026 179.000 Bewerberinnen und Bewerber eine Berufsausbildung begonnen, 12.000 weniger als im Vorjahr. Das entspricht einem Anteil von 40 Prozent und ist der geringste Wert seit der Wiedervereinigung.
Gleichzeitig waren 46.000 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt, 6.000 mehr als im letzten Jahr am 30. September. Damit blieben 10 Prozent der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber ohne Ausbildungsstelle oder alternatives Angebot.
17 Prozent wichen auf einen weiteren Schulbesuch, ein Praktikum oder ein Studium aus und 2 Prozent auf eine geförderte Qualifizierung wie eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme oder eine Einstiegsqualifizierung. Weitere 8 Prozent haben eine Arbeit aufgenommen, 2 Prozent engagieren sich in gemeinnützigen sozialen Diensten und 5 Prozent haben sich arbeitslos gemeldet. Von 14 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber liegt keine Rückmeldung zum Verbleib vor.
Neben den 46.000 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern sind 47.000 junge Menschen zum 30. September zwar in eine Alternative eingemündet, z.B. einen weiteren Schulbesuch, haben aber ihren Vermittlungswunsch in eine duale Ausbildung aufrechterhalten. Auch ihre Zahl hat im Vergleich zum Vorjahr zugenommen und zwar um 3.000.
Am 30. September 2026 waren noch 48.000 unbesetzte Ausbildungsstellen zu vermitteln. Gegenüber dem Vorjahr waren das 8.000 weniger. Besonders schwer fiel die Besetzung von Ausbildungsstellen in Lebensmittelberufen, in Bau- und baunahen Berufen, in der Gastronomie, in Metallberufen oder auch im Berufskraftverkehr.
Neben den dualen Ausbildungsstellen waren 66.000 schulische Ausbildungsangebote in Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufen sowie Beamtenausbildungen gemeldet. Dem standen ebenso viele gemeldete Bewerberinnen und Bewerber gegen-über. Am Ende des Ausbildungsjahres waren noch jeweils rund 7.000 dieser Ausbildungsangebote unbesetzt und Bewerberinnen und Bewerber unversorgt.
Um noch suchende Bewerberinnen und Bewerber mit noch unbesetzten Ausbildungsstellen zusammenzubringen, werden die Vermittlungsaktivitäten bis Ende des Jahres fortgesetzt. Erfahrungsgemäß melden sich in den nächsten Wochen noch junge Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen (wieder) auf der Suche nach einer Ausbildung sind. Auch Betriebe melden Ausbildungsstellen, die (wieder) frei geworden sind.
Zusammen mit den aktuell noch bei Agenturen und Jobcentern gemeldeten unbesetzten Ausbildungsplätzen, freien Einstiegsqualifizierungen, außerbetrieblichen Ausbildungsstellen und Berufsvorbereitungsmaßnahmen stehen viele Angebote zur Verfügung, um ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Menschen einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Auch Betriebe haben noch Chancen, offene Ausbildungsstellen zu besetzen.