Menü Schließen

Bilanz nach einer Woche Wal-Rettungsversuch

Lage weiterhin kritisch

Insel Poel – Eine Woche nach Beginn des privaten Rettungsversuchs für den gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel hat Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus eine Bilanz gezogen und einen Ausblick auf die kommenden Tage gegeben.

„Wir befinden uns weiterhin in einer außergewöhnlich schwierigen Situation – fachlich, rechtlich und auch emotional“, sagte Backhaus. „Der Gesundheitszustand des Tieres ist kritisch. Dennoch lebt der Wal, und solange diese Chance besteht, begleiten wir die Situation verantwortungsvoll im Rahmen unserer Möglichkeiten.“

Nachdem sich das Tier zwischenzeitlich kurzzeitig freischwimmen konnte, liegt es aktuell erneut im Flachwasserbereich der Kirchsee vor Poel. Die Rettungsversuche der privaten Initiative werden fortgesetzt und durch die Behörden eng fachlich begleitet. Gleichzeitig werden verschiedene Handlungsoptionen geprüft.

Die aktuelle Einschätzung wird durch eine erneute Stellung­nahme des Expertengremiums für Strandungen – der International Whaling Commission (IWC) – bestätigt. Die Fachleute kommen weiterhin zu dem Ergebnis, dass sich der Zustand des Tieres verschlechtert hat und wiederholte Eingriffe bislang nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung geführt haben.

Weitere physische Maßnahmen seien daher kritisch zu bewerten und könnten zusätzliche Belastungen für das Tier bedeuten. Zugleich betont das Gremium, dass eine Euthanasie unter den gegebenen Bedingungen derzeit nur schwer umsetzbar ist und erhebliche praktische Herausforderungen mit sich bringt. Insgesamt wird eine ruhige, möglichst störungsarme und palliative Begleitung des Tieres als verantwortungsvoller Umgang hervorgehoben.

„Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war“, so Backhaus.

„Angesichts der aktuellen Lage und der Bewegungen des Tieres sind Anpassungen notwendig“, erklärte der Minister weiter. Das ursprüngliche Bergungskonzept habe sich in Teilen überholt. Weitere Maßnahmen müssten fachlich fundiert sein, das Verhalten des Tieres berücksichtigen und transparent mit den zuständigen Stellen abgestimmt werden. Das Land behält sich vor, Maßnahmen zu untersagen, sollte das Tierwohl gefährdet sein.

Kritik, die Behörden würden den Rettungsversuch verzögern oder behindern, wies der Minister entschieden zurück. „Wir handeln hochgradig flexibel und unterstützen, wo immer es rechtlich möglich ist – teilweise auf Zuruf“, sagte Backhaus. So sei kurzfristig eine temporäre Erlaubnis zur vorübergehenden befristeten Ausübung des tierärztlichen Berufs für eine Spezialistin aus Hawaii erteilt worden, auch Drohneneinsätze und weitere Maßnahmen seien ermöglicht worden. „Unsere Flexibilität endet dort, wo Recht und Gesetz greifen – nicht zuletzt, um sicherzustellen, dass dem Tier keine zusätzlichen Schäden entstehen.“

Zugleich stellte der Minister die rechtliche Einordnung erneut klar: „Es gab keinen Zuschlag und keine Genehmigung – sondern eine rechtlich gebotene Duldung.“ Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es jedermann erlaubt, einem hilflosen Tier zu helfen. Maßstab für das staatliche Handeln sei ausschließlich das Tierwohl. Das Land begleitet die Maßnahmen eng, Veterinärinnen und Veterinäre sind rund um die Uhr vor Ort.

Für die kommenden Tage bereitet sich das Land auf mehrere mögliche Entwicklungen vor. Denkbar ist, dass sich der Wal – begünstigt durch Wasserstand und weitere Maßnahmen – eigenständig oder unterstützt freischwimmt und in tiefere Gewässer geleitet werden kann. Ebenso möglich ist, dass sich der Zustand des Tieres weiter verschlechtert und ein natürliches Verenden eintritt, was anschließend eine Bergung erforderlich machen würde.

Backhaus kündigte zudem an, die Ereignisse politisch aufzu­arbeiten: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass solche Situationen künftig häufiger auftreten können. Deshalb werde ich mich auf Bundesebene für bessere gemeinsame Strukturen im Umgang mit Großwalen einsetzen.“

Der Buckelwal ist seit Anfang März in der westlichen Ostsee unterwegs und insgesamt viermal in Mecklenburg-Vorpommern gestrandet, zuletzt am 31. März in der Kirchsee vor Poel. Das Tier ist schwer geschwächt, weist Verletzungen sowie Hinweise auf innere Schäden auf. Ein wissenschaftliches Gutachten führender Fachinstitutionen kam Anfang April zu dem Ergebnis, dass eine Rettung nicht erfolgversprechend ist und erhebliche Risiken für das Tier birgt. Auf dieser Grundlage hatte das Land zunächst entschieden, keine aktiven Eingriffe vorzunehmen.

Abschließend dankte der Minister allen Einsatzkräften, Wissenschaftlern sowie den zahlreichen Helferinnen und Helfern vor Ort. „Ich habe von Anfang an gesagt: Ich werde diesen Wal bis zum Schluss begleiten. Das gilt weiterhin.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert