Minister Backhaus: Biodiversität im Land weiter stärken

Schwerin – Das Land Mecklenburg-Vorpommern will Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung der Artenvielfalt weiter intensivieren. Eine Zwischenbilanz der bisherigen Anstrengungen habe ergeben, dass es bisher nicht gelungen ist, den Artenrückgang in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt aufzuhalten, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus heute im Rahmen eines Pressegesprächs an seinem Dienstsitz in Schwerin. In den Nationalen Naturlandschaften sehe die Lage deutlich besser aus: „In den Schutzgebieten geht unser Konzept zum Erhalt der Artenvielfalt auf! Der Erhaltungszustand vieler Arten und Lebensräume ist in den Nationalen Naturlandschaften deutlich günstiger als in der Gesamtlandschaft“, so der Minister.

Aktuell gibt es zwei Arbeiten zur Situation und Entwicklung der biologischen Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern – eine Halbzeitbilanz für die bisherige Umsetzung des 2012 veröffentlichten Biodiversitätskonzepts, das in 13 Aktionsfeldern 73 konkrete Ziele und Maßnahmen bis 2020 für das gesamte Land formuliert, und die Evaluierung der Situation in den Nationalen Naturlandschaften durch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, die Nationalparkämter und die Biosphärenreservatsämter auf Basis vorhandener Datensätze.

„Wenn wir einen Blick in die Gesamtlandschaft werfen, müssen wir feststellen, dass 44 Prozent der betrachteten Tier- und 34 Prozent der betrachteten Pflanzenarten gefährdet oder bereits ausgestorben sind. Damit fällt die Halbzeitbilanz natürlich nicht so aus, wie wir es uns wünschen würden. Aus meiner Sicht ist das Glas aber nicht halb leer, sondern halb voll. Denn im Ergebnis haben wir bislang viele der uns selbst gesetzten, ambitionierten Ziele erreicht. Damit steht Mecklenburg-Vorpommern im Bundesvergleich nicht schlecht dar“, betonte Minister Backhaus.

Eine Verbesserung der Bestände konnte unter anderem beim Großen Feuerfalter, der Kegelrobbe, dem Ostseeschnäpel und dem Steinbeißer nachgewiesen werden. Der positive Trend bei diesen Arten sei unter anderem auf umfangreiche Wiedervernässungsmaßnahmen, fischereiliche Besatzprogramme und das Herstellen naturnaher Gewässerstrukturen zurückzuführen. „Die genannten Erfolge zeigen, dass Verbesserungsmaßnahmen in den Lebensräumen zu einer Verbesserung der Erhaltungszustände von Arten führen. Hier müssen wir weiter ansetzen!“, unterstrich Backhaus.

Mit Blick auf die Küstengewässer sowie die Fließgewässer und Seen, werde es künftig um die konsequente Reduzierung der Nährstoffeinträge, nicht zuletzt durch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie und die novellierte Düngeverordnung gehen, sagte er weiter. Darüber hinaus will das Land weiterhin Moorschutzkonzepte auf Grundlage des Freiwilligkeitsprinzips fördern. Der Schwerpunkt werde bis 2020 u.a. auf Maßnahmen in Waldmooren liegen, informierte er.

Am Beispiel der Trockenlebensräume, wie Magerrasen, Heiden, kleinen Kuppen und Binnendünen, habe sich gezeigt, dass der günstige Erhaltungszustand dort aufrechterhalten und wiederhergestellt werden kann, wo regionale Akteure gemeinsam mit den Flächennutzern oder Dritten die Pflege oder erste Biotop einrichtende Projekte initiieren. „Das bringt mich zu einem ganz zentralen Punkt: Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine gesellschaftliche Kernaufgabe, die sich nur umsetzen lässt, wenn alle Interessensgruppen ihren Teil dazu beitragen“, so der Minister.

Eine besondere Verantwortung sieht er nach wie vor bei der Landwirtschaft: „Unsere Landwirte denken den Umweltschutz bereits sehr gut mit. In Mecklenburg-Vorpommern in 2018 beispielsweise insgesamt 7.824 Hektar einjährige und mehrjährige Blühstreifen- und -flächen beantragt. Damit hat sich die Antragsfläche gegenüber dem Vorjahr explosionsartig um mehr als 200 Prozent erhöht“, freute sich der Minister. Weiter erhöht werden müsse der Umfang an Brach- und Dauergrünlandflächen sowie an Ackerflächen, die an erosionsmindernden Förderprogrammen teilnehmen. Auch die Landesforst bringe sich z.B. durch die Wiedervernässung von Waldmooren aktiv ein.

In den Nationalen Naturlandschaften sei der Erhaltungszustand vieler Arten deutlich besser als in der Gesamtlandschaft, verglich Backhaus. „Einzelne Arten, wie Fuchs´sches Knabenkraut, Menetrie´s Laufkäfer, Goldener Scheckenfalter, Blauschillernder Feuerfalter Uferschnepfe oder Großer Brachvogel kommen so gut wie nur noch in den Schutzgebieten vor und bilden die Ausgangspopulationen für die Wiederbesiedlung außerhalb dieser Areale. Als großräumige Kernflächen eines landesweiten Biotopverbunds können sie außerdem der Verinselung der Bestände entgegenwirken“, sagte er weiter.

Auch habe die Evaluierung in den Nationalen Naturlandschaften gezeigt, dass sich Arten und Lebensräume durch spezielle Pflegekonzepte wieder positiv entwickeln, erklärte Minister Backhaus. Dies gelte beispielsweise für verschiedene Orchideenarten, die einer aufwendigen Pflege bedürfen. „Für mich sind die Schutzgebiete daher auch eine Art Versuchslabor, in dem Pflegekonzepte und Maßnahmen mit dem Ziel getestet werden können, sie landesweit zur Anwendung zu bringen.“

„Für mich sind die bislang gewonnenen Erkenntnisse eine Diskussionsgrundlage. Wer in andere Länder schaut, weiß, dass das Artensterben ein globales Problem und der Erhalt der Artenvielfalt eine globale Aufgabe ist. Ein großes Manko ist in meinen Augen immer noch die unzureichende Datenlage. Wir in Mecklenburg-Vorpommern haben mit dem Biodiversitätskonzept eine wichtige Grundlage geschaffen, um die Situation hier bei uns im Land zu eruieren und zu verbessern. Das Konzept ist zwar zunächst bis zum Jahr 2020 ausgelegt; der Schutz der Biologischen Vielfalt ist aber ein Prozess der nie abgeschlossen sein wird, denn in der Natur gibt es keinen Stillstand. Es ist wichtig, in regelmäßigen Abständen den Stand der Zielerreichung zu überprüfen und die eigenen Maßnahmen zu hinterfragen“, sagte Minister Backhaus abschließend.

Fast ein Fünftel der Landesfläche Mecklenburg-Vorpommerns gehört zu den geschützten Nationalen Naturlandschaften (NNL). Die drei Nationalparks, die drei Biosphärenreservate und die sieben Naturparks Mecklenburg-Vorpommerns nehmen rund 545.700 Hektar der Landesfläche ein.

Zusammen mit den Naturschutz- und den Landschaftsschutzgebieten kommt unser Land sogar auf fast 1 Million Hektar Schutzgebietsfläche.

Hinzu kommen Schutzgebiete von europäischer Bedeutung (Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung, Europäische Vogelschutzgebiete und Natura 2000-Gebiete). Die Gesamtfläche der genannten Schutzgebiete beträgt 1.418.300 ha, das sind 45,8 % der Landesfläche inkl. Hoheitsgewässer (3.098.600 ha).

MV erhöht in Wolfsgebieten die Förderung für Schaf- und Ziegenhalter

Schwerin – Das Landwirtschaftsministerium will für Schaf- und Ziegenhalter, die ihre Betriebe im Wolfsgebiet haben und bereits am Förderprogramm „Extensive Dauergrünland­beweidung mit Schafen und Ziegen“ teilnehmen, die entsprechende Förderrichtlinie ändern. Der Fördersatz wird von derzeit 220 EUR/ha auf 289 EUR/ha erhöht. „Die Erhöhung des Prämiensatzes soll zum Ausgleich der Kosten für eine effektive Wolfsabwehr beitragen“, erläutert Minister Dr. Till Backhaus das Ziel.

„Mecklenburg-Vorpommern hat damit als zweites Bundesland eine derartige Förderung auf den Weg gebracht“, so der Minister. „Auch wenn diese Maßnahme nicht allen Weidetierhaltern mit ähnlichen Problemen hilft, so ist sie doch ein Schritt in die richtige Richtung.“ Die Prämienerhöhung schöpft den höchstmöglichen Fördersatz im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) aus. Ebenso wird der Kreis an Zuwendungsempfängern vollständig berücksichtigt, der nach jetziger EU-Rechtslage möglich ist.

Leider ist im Rahmen der derzeit gültigen Rechtslage nicht mehr möglich gewesen. Minister Backhaus verweist jedoch darauf, dass zwischen Bund und Länder intensive Gespräche stattfinden, um die GAK hinsichtlich der Unterstützung tierhaltender Betriebe beim Schutz vor Wolfsangriffen anzupassen. „Ich hoffe auf baldige Ergebnisse. Mein Ziel ist es, dass auch die laufenden Kosten wie der Haltungsaufwand für Herdenschutzhunde und die Pflege der Wolfsschutzzäune zukünftig gefördert werden können. Derzeitig ist dies nach EU-Recht nicht zulässig“, so Backhaus.

Den erhöhten Prämiensatz müssen die Schaf- und Ziegenhalter zusammen mit dem Auszahlungsantrag per 15. Mai beantragen. Die Möglichkeit der Förderung von Investitionen in den verbesserten Schutz vor Wolfs­übergriffen nach der Förderrichtlinie Wolf ist davon unbenommen. Eine Neuantragstellung für das Förder­programm zur extensiven Dauergrünlandbewirtschaftung ist jedoch nicht möglich.

Bis auf die Inseln Rügen und Poel sowie weitere kleine Inseln ist ganz Mecklenburg-Vorpommern zum Wolfsgebiet erklärt worden. Damit können die Weidetierhalter, insbesondere die Schaf- und Ziegenhalter, im Falle von erfolgten Wolfsübergriffen grundsätzlich Ausgleichszahlungen gemäß der Förderrichtlinie Wolf beantragen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Tiere mindestens im Sinne eines Grundschutzes gesichert waren.

Zum Grundschutz gehört ein rundum geschlossener, bodenbündiger Elektrozaun mit 90 cm Höhe oder ein 1,20 Meter hoher Festzaun. Im Normalfall kann bereits der Grundschutz Wolfsübergriffe verhindern bzw. das Risiko minimieren. Es wird jedoch empfohlen, über den Grundschutz hinausgehende Präventionsmaßnahmen vorzunehmen.

Über den Grundschutz hinausgehende Maßnahmen, wie Litzenzäune ab einer Höhe von etwa 1,10 m mit entsprechendem Zubehör, ein Untergrabschutz sowie die Anschaffung und Ausbildung geeigneter Herdenschutzhunde, können entsprechend der Förderrichtlinie Wolf gefördert werden.

Erneute Debatte um den Wolf

Schwerin – In der heutigen Landtagsdebatte stand mit dem Antrag der Fraktion Freie Wähler/BMV zur Kostenstatistik Wolf erneut der Umgang mit dieser „Problemart“ auf der Tagesordnung. Der Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Dr. Till Backhaus, bezog dazu im Rahmen seiner Rede klare Position: „Für mich hat das Thema eine hohe Priorität und zwar schon seit Langem.“

Gleichzeitig wies er jedoch darauf hin, dass es in Sachen Wolf keine einfache und schnelle Lösung gebe. Was im Übrigen auch für andere geschützte Arten gelte, die immer wieder Probleme bereiten. „Die letzten 100 Jahre gab es den Wolf hier nicht und da fragen sich natürlich viele Menschen zu Recht, warum er sich ungestört ausbreiten darf und dabei auch noch unter Schutz steht“, so Backhaus.

Er könne darauf nur immer wieder antworten, welchen hohen Wert Artenschutz hat. Das Ganze habe selbstverständlich seine Grenzen. Es gelte folglich, gangbare Kompromisse zu finden, die mit Recht und Gesetz vereinbar sind. Genau das gestalte sich in der Praxis schwierig.

„Gerade in Sachen Wolf haben wir aber in den vergangenen Wochen und Monaten wirklich zählbare Fortschritte gemacht und ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, um die Koexistenz von Mensch und Tier zu verbessern“, zeigte sich der Minister zuversichtlich und verwies insbesondere darauf, dass Präventionsmaßnahmen, die über den Grundschutz hinausgehen, noch im Jahre 2019 beginnend mit 100 Prozent gefördert werden können. Auch hinsichtlich der Änderung des Ausnahmegrundsatzes in § 45 Absatz 7 Bundesnaturschutzgesetz sei jetzt endlich Bewegung reingekommen. „Das hat mich in den letzten Wochen doch einiges an Überzeugungsarbeit gekostet, bis der Bund hier eingelenkt hat“, betonte Backhaus.

Man werde gemeinsam mit dem Bund also klare Regelungen schaffen, die es zukünftig rechtssicher ermöglichten, einzelne Wölfe oder auch Wolfsrudel zu töten, wenn dies zum Schutz von Menschen oder auch wirtschaftlichen Gütern geboten sei.

Die Forderung nach einer formellen Kostenstatistik Wolf wies der Minister ganz klar zurück. „Als würden wir die Kosten verheimlichen, um den Unmut der Menschen über den Wolf nicht noch größer werden zu lassen. Das ist ja nun beileibe nicht so“, stellte Backhaus klar. Die Kosten würden in der Öffentlichkeit und gegenüber dem Landtag regelmäßig kommuniziert. Außerdem seien sie auch im Landeshaushalt bereits hinreichend dokumentiert.

Bienenfreundlichste Gemeinden des Landes gesucht

Schwerin – Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus lobt auch dieses Jahr einen Wettbewerb um die bienenfreundlichsten Gemeinden des Landes aus. „Wie Landwirte und Kleingärtner können auch Städte und Gemeinden dazu beitragen, die Lebensbedingungen für Bienen und andere Insekten im Land zu verbessern“, sagt Backhaus. „Lassen Sie uns gemeinsam Inseln für die Bienen schaffen“, fordert er die Gemeinden auf, öffentliche Flächen bienenfreundlich zu gestalten und die Bürger für das Thema zu sensibilisieren.

Bis zum 31. Mai können Kommunen, die am Titel „Bienen­freundliche Gemeinde“ interessiert sind, über den örtlichen Imkerverein, mit dem sie zusammenarbeiten, ihre Teilnahme am Wettbewerb anmelden. Der Landesimkerverband trifft eine Vorauswahl und schlägt die Kandidaten vor. Die Entscheidung obliegt einer Jury aus Fachleuten des Landwirtschaftsministeriums. Die Gewinner des Wettbewerbs werden auf dem 2. Nord­deutschen Honigmarkt am 24. August 2019 in Wismar bekanntgegeben. Sie erhalten eine Urkunde und ein Preisgeld.

Die Jury wird die vorgeschlagenen Bewerber nach folgenden Kriterien bewerten:

  • Gibt es Beschlüsse der Gemeinde, die das Thema Honigbiene besonders berücksichtigen?
  • Wird der Ortsimkerverein in die Flächennutzungs­planung und Freiraumplanung einbezogen?
  • Werden die öffentlichen Flächen bienenfreundlich gestaltet? Wie sehen die Grünflächen- und Pflegepläne aus?
  • Gibt es spezielle Veranstaltungen der Gemeinde zum Thema Biene? Dabei wird auch berücksichtigt, was dieses Jahr noch geplant ist.

2018 wurde der Wettbewerb das erste Mal ausgetragen. Acht Gemeinden hatte der Imkerverband vorgeschlagen. Mit je 3000 Euro wurden die Stadt Pasewalk sowie die beiden Gemeinden Wöbbelin und Trinwillershagen geehrt. Pasewalk hatte ihren örtlichen Imkerverband beispielhaft in die Flächennutzungs- und Freiraumplanung sowie in die Pflegekonzepte des öffentlichen Grün einbezogen. In Wöbbelin gibt es an der Schule eigene Bienen, ein jährliches Bienenfest und einen Bienenlehrpfad. In Trinwillershagen wurde im Dorfzentrum eine 4,5 ha große Industriebrache in einen Park umgewandelt, der mit bienenfreundlichen Gewächsen bepflanzt worden ist.

Minister Backhaus: Lebensraum- und Artenschutz braucht Verbündete

Ahrenshoop – „Mecklenburg-Vorpommern steht für Wildnis und ist nicht zuletzt durch seine intakte Natur zu einem der beliebtesten Urlaubsländer in Deutschland geworden. Gerade die Nationalparke beweisen, dass sie trotz der mit ihnen verbundenen Restriktionen attraktive Reiseziele und Motoren der Regionalentwicklung sind. Wertvolle unberührte Natur zu schützen und sie gleichzeitig für die Menschen zu öffnen, ist eine schwierige Aufgabe, die nur durch ein gutes Miteinander verschiedener Partner gelingen kann“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus heute auf einer Festveranstaltung zum Saisonauftakt des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft in der Strandhalle in Ahrenshoop.

Knapp jeder zweite Bundesbürger achtet laut Angaben der 35. Deutschen Tourismusanalyse auf Reiseziele mit intakter Natur: „Obwohl in den Großschutzgebieten nur etwa 10 Prozent der Bevölkerung leben, wird hier mehr als ein Drittel der Tourismusumsätze erwirtschaftet. Das zeigt, dass Naturschutz durchaus auch eine ökonomische Wirkung erzielt und für die Region förderlich ist“, betonte der Minister.

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bietet mit seinem bunten Mosaik der Lebensräume auf einer Fläche von 78.600 Hektar besonders vielfältige Heimstätten für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, so Backhaus. „Wildnis bedeutet aber auch, dass Tierarten kommen und gehen. Wo eine Art weichen muss, weil sie Offenland liebt, sich aber junger Wald breitmacht, folgten andere Arten. Wer mobil ist, zieht einfach weiter. Jede Art auf ihre Weise Für manch eine Tierart reicht das Refugium Schutzgebiet leider nicht zum Überleben. Hier ist auch ein Blick über den Rand des Schutzgebietes nötig. Dazu braucht es Verbündete“, führte er aus.

„Mit 83 Prozent Wasserfläche ist der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft zudem ein echter Meeresnationalpark. Meeressäuger, wie Seehunde und Kegelrobben, nutzen die einzigartigen Kaltwasser-Lagunen der Ostsee als eine Art Urlaubregion. Jahrhundertelange Bejagung, die Verschmutzung des Meeres und die Zerstörung der Ruheplätze an den Küsten haben sie hierzulande leider zu bloßen Gästen werden lassen. Unser Ziel ist es daher, ein funktionierendes Robbenmanagement aufzubauen“, so Backhaus. In der 2012 erstellten Strategie zur „Erhaltung und Entwicklung der Biologischen Vielfalt in M-V“ und im Managementplan für die „Westrügensche Boddenlandschaft mit Hiddensee“ wurden entsprechende Maßnahmen formuliert. Seit 2018 werden an der Küste von M-V wieder Geburten von Robben registriert.

Auch die Verunreinigung der Nationalparkstrände durch den Freizeitmüll der Besucher sei ein nicht zu übersehendes Problem und werde von Land und Kommunen aktiv angegangen: „Seit vielen Jahren führen das Nationalparkamt und die Darßgemeinden gemeinsam mit anderen lokalen Akteuren Müllsammelaktionen durch. Auch andere Nationalparkstrände werden zum Saisonstart, vor Ostern, gemeinsam von Müll befreit, um Gästen ein uneingeschränktes Naturerlebnis zu bieten und der Verantwortung eines nachhaltigen Umgangs mit der Natur vor Ort gemeinschaftlich Sorge zu tragen“, sagte Backhaus.

Die meisten Funde am Strand entfallen mit etwa 30 Prozent auf Plastikfragmente, wie Kunststoffbruchstücke und -folienfetzen. Allein 9 Prozent des Strandmülls sind Zigarettenstummel. Es folgen Plastikdeckel und -verschlüsse, zum Beispiel von Getränkeflaschen mit ca. 6,4 Prozent. Das hat das seit 2012 laufende Spülsaum-Monitoring des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) ergeben.

In 2018 kamen ca. 160.000 Besucher in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, etwa 238.200 waren es im Nationalpark Jasmund.

ASP: Land, Landkreise und Rostock unterzeichnen Rahmenvereinbarung

Schwerin – Im Falle eines punktuellen Eintrags der Afrikanischen Schweinepest nach Mecklenburg-Vorpommern kann bei dessen frühzeitiger Erkennung das betroffene Gebiet um den Seuchenherd mit einem Elektrozaun abgesperrt werden, um die Ausbreitung dieser Tierseuche möglichst zu verhindern. Das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Landkreise sowie die Hanse- und Universitätsstadt Rostock haben nun eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, die Aufgaben und Verpflichtungen der Behörden in einem solchen Fall regelt.

„Mit der geschlossenen Vereinbarung haben wir die Grundlage geschaffen, um den Zaun im Ernstfall schnell und unkompliziert aufbauen und warten zu können. Wer erst dann anfängt, über Zuständigkeiten und Abläufe nachzudenken, hat keine Zeit, sich um das eigentliche Problem – die Bekämpfung der Tierseuche – zu kümmern. Vor diesem Hintergrund freut es mich sehr, dass Land, Landkreise und die Stadt Rostock beim Tierseuchenmanagement an einem Strang ziehen und Ressourcen und Expertisen bündeln“, betonte der zuständige Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute in Schwerin.

Die Landkreise begrüßen ebenfalls die Klärung der Zuständigkeiten im Vorfeld: „Die Veterinärämter werden in den ersten Wochen nach dem Eintritt der ASP umfangreiche Maßnahmen mit Jägern, Grundstückseigentümern und anderen Behörden treffen müssen. Vor diesem Hintergrund ist die getroffene Regelung zum Elektrozaun bereits jetzt eine präventive Entlastung“, so Heiko Kärger, Vorsitzender des Landkreistages und Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte.

Den Zaunaufbau im Seuchenfall übernimmt die Landesforstanstalt. Für die Wartung und Kontrolle des Zaunes sind die Landkreise verantwortlich, die für die Seuchenbekämpfung im Land zuständig sind, erklärte Backhaus.

In Abhängigkeit von der Seuchensituation kann die Errichtung eines Schutzzaunes ein wichtiger Bestandteil bei der Bekämpfung der ASP sein, sagte er weiter. Tschechien habe bereits sehr gute Erfahrungen mit diesem Vorgehen gemacht. So ist es Tschechien als bisher einzigem von der ASP betroffenem europäischem Mitgliedsstaat gelungen, die Afrikanische Schweinepest auf ein definiertes Gebiet zu beschränken und die Seuche zu tilgen.

„Durch die Einzäunung sollen bereits erkrankte Tier im betroffenen Gebiet gehalten werden. Eine stille Durchseuchung des Bestandes erlaubt letztlich eine gezielte und effektive Fallwildsuche“, erläuterte der Minister. Das Land hat insgesamt 51 Kilometer Elektrozaun gekauft. 50 Kilometer davon sind zentral eingelagert, der übrige Kilometer dient den Forstämtern zum Probeaufbau, sagte er weiter.

Auch die verstärkte Jagd auf Schwarzwild bleibt ein wichtiger Pfeiler bei der ASP-Prävention, versicherte Backhaus. Die Abschusszahl erhöhte sich von 61.000 Wildschweinen im Jagdjahr 2016/17 auf 86.000 im Jahr 2017/18. Im laufenden Jagdjahr bis Ende März gehe er erneut von einer überdurchschnittlichen Strecke aus. „Für eine nachhaltige Bestandsreduktion und damit eine Reduzierung des Übertragungsrisikos ist weiterhin eine hohe Bejagungsintensität notwendig. Ich appelliere daher an die Jäger an die Erfolge des letzten Jagdjahres anzuknüpfen“ so Backhaus.

Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) handelt es sich um eine hochansteckende Viruserkrankung mit seuchenhaftem Verlauf und hoher Sterblichkeit, die ausschließlich Haus- und Wildschweine betrifft. Sie zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen und stellt aktuell eine besondere Bedrohung für die Hausschwein- und Schwarzwildbestände des Landes dar.

Von Afrika zunächst nach Georgien eingeschleppt, werden seit 2014 zahlreiche Fälle von ASP bei Wildschweinen und etliche Ausbrüche bei Hausschweinen in Osteuropa und dem Baltikum nachgewiesen. Seit dem ersten positiven ASP-Nachweis bei Wildschweinen im Jahr 2014 im Nachbarland Polen zeigt sich eine stetige Ausbreitung des Geschehens in Richtung Westen.

Die Übertragung des Virus erfolgt direkt über Tierkontakte, die Aufnahme infizierten Materials oder indirekt, z. B. über kontaminierte Werkzeuge oder Transportfahrzeuge. Bedingt durch die Verschleppung des sehr widerstandsfähigen Virus in Reiseproviant mit dem Personenverkehr häufen sich die räumlichen Sprünge der Tierseuche in bisher freie Gebiete der Europäischen Union.

Die Folgen eines Ausbruchs in Deutschland wären wirtschaftlich verheerend: Allein die Ausfuhren von Schweinefleisch erreichten 2016 mehr als 6,2 Milliarden Euro. Für Mecklenburg-Vorpommern mit 830.000 Hausschweinen in circa 2.700 Betrieben ist mit einem Schaden von 980 Millionen Euro pro Jahr für Handelsausfälle, Tierverluste und Entschädigungszahlungen zu rechnen.

Land will Pachtverträge mit Binnenfischer vorzeitig neu schließen

Waren/Müritz – Um den Binnenfischern in Mecklenburg-Vorpommern Rechts- und Planungssicherheit zu geben, beabsichtigt das Land die 2021 auslaufenden Pachtverträge vorzeitig aufzulösen, um sie durch neue Verträge mit einer Laufzeit von 18 Jahren zu ersetzen. „Damit wollen wir endlich Rechts- und Planungssicherheit für unsere Haupterwerbsfischer schaffen und den Weg für langfristig angelegte Investitionen freimachen. Unser Ziel ist es außerdem, den bevorstehenden Generationswechsel zu unterstützen und möglichst verträglich zu gestalten“, betonte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute auf der Jahreshauptversammlung des Landesverbandes der Binnenfischer in Waren.

„Alle Betriebe, die bisher gut gewirtschaftet haben und ihren Verpflichtungen nachkommen sind, sollen ihre gepachteten Gewässer auch weiterhin behalten können. Und zwar ohne neue Ausschreibung. Wir wollen hier schließlich niemandem die Geschäftsgrundlage entziehen“, sagte er weiter. Im Gegenzug erwarte das Land zukunftsfähige und nachhaltige Unternehmensstrategien sowie die Bereitschaft, nötige Investitionen zu tätigen. Sollten bisherige Pächter kein Interesse mehr an einer Verlängerung haben, ist vorgesehen, diese Flächen im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung an andere Berufsfischer zu vergeben.

Die Pachtverträge sollen ab dem 1. Januar 2020 gelten und bis 31. Dezember 2037 laufen. Die Pachthöhe soll sich weiterhin an den Ergebnissen der Generalbonitierung orientieren, da es keine andere Methode gibt, mit der die Ertragsfähigkeit der betroffenen Gewässerflächen objektiver ermittelt werden könne, so der Minister. Eine Neubonitierung wäre zudem sehr teuer und zeitaufwendig, sodass vor Ende 2021 kein endgültiges Ergebnis zu erwarten sei, sagte er weiter.

Zur Ermittlung der Ertragsfähigkeit wurde von der Landesforschungsanstalt in den 90ziger Jahren über einen Zeitraum von sieben Jahre für 2,8 Millionen Euro eine Generalbonitierung entwickelt und durchgeführt. Im Ergebnis wurden damals 5 Fischarten von wirtschaftlicher Relevanz ausgewählt und deren potentielle Fangmengen unter Berücksichtigung der tatsächlichen Fänge ermittelt und mit den damaligen Großhandelspreisen bewertet. Die Festlegung der Pacht basierte auf den Erlösen dieser 5 Arten.

Des Weiteren kündigte Minister in Waren an, dass das Land auch in 2019 Aalbesatzmaßnahmen zu 80 Prozent fördern möchte. Der Erhalt des Aalbestandes bleibt eine wichtige Aufgabe des Landes Mecklenburg-Vorpommern. „Der Aal ist eine bedeutende Art für die Europäische Berufsfischerei, der Bestand jedoch weiterhin stark gefährdet. Das haben wissenschaftliche Studien ergeben. Dieser Entwicklung müssen wir entgegensteuern: aus Gründen des Artenschutzes und aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten“, so der Minister.

Dank Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der EU wurden seit 2009 insgesamt rund 10,3 Millionen Aale (61 Tonnen) in die Gewässer des Landes ausgebracht. Ziel ist, die Abwanderung von 40 Prozent der adulten Aale aus den Binnengewässern in Richtung des Laichgebiets Sargassosee, ein Meeresgebiet im Atlantik östlich Floridas und südlich der Bermuda-Insel, zu ermöglichen. So sieht es die Europäische Aalverordnung von 2007 vor. Dort sollen die Aale laichen. Die geschlüpften Aallarven gelangen über den Golfstrom an die europäischen Küsten und damit auch zurück nach Mecklenburg-Vorpommern.

Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt hat über die Landgesellschaft 48.048 ha Wasserfläche an die Berufsfischerei verpachtet. Davon werden 3.148 ha in Naturschutzgebieten an Berufsfischer verpachtet. Weiterhin werden 2.069 ha landeseigener Binnengewässer in den Nationalparken und Biosphärenreservaten durch die Biosphären- und Nationalparkämter an 7 Berufsfischer verpachtet. Insgesamt verpachtet das Land daher derzeit mindestens 50.117 ha an Berufsfischer.

Geschätzt wird, dass die 50 Berufsfischereiunternehmen (Haupt- und Nebenerwerb) in MV ca. 55.000 ha vom Land, Kommunen und Privaten gepachtet haben.

Backhaus: Milchproduktion hat hohe gesellschaftliche Bedeutung für MV

Güstrow – Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus sieht Potenzial für eine weitere Entwicklung der Milchviehhaltung in Mecklenburg-Vorpommern. „Klar ist die Milchproduktion seit der Milchkrise 2016 rückläufig und viele Betriebe haben aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Milchproduktion eingestellt, trotzdem bestehen gute Voraussetzungen“, sagte der Minister am Donnerstag auf dem 12. BDM-Milchbauerntag in Güstrow.

Eine erfolgreiche Entwicklung der Milchproduktion setze aber voraus, dass der Schwerpunkt stärker auf ihre Nachhaltigkeit gelegt werde. „Nachhaltigkeit ist das übergreifende Thema bei der weiteren Entwicklung der Milcherzeugung“, betonte der Minister. Jeder Milchbauer müsse daher für sich die Frage beantworten, mit welcher Strategie diese Nachhaltigkeit noch besser erreicht werden kann. Dabei seien die ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit als Einheit zu betrachten.

So sei einer Analyse der LMS Agrarberatung für 2017 zu entnehmen, dass es durchaus Betriebe hier im Land gibt, die unter den aktuellen Bedingungen in der Milchproduktion Gewinne erzielen können. Die Analyse zeige allerdings auch, dass bei den Erzeuger­kosten ein großes Gefälle zwischen den einzelnen Betrieben besteht. „Hier sehe ich erhebliches Potenzial“, sagte Backhaus.

Spielraum sehe er außerdem im Umgang der verschiedenen Interessenlager miteinander. „Denn so schlecht, wie es manchmal dargestellt wird, sieht es ja mit der Ökobilanz der Rinderhaltung im Land gar nicht aus.“ Oftmals ermögliche gerade erst die Rinderhaltung eine sinnvolle Nutzung der ökologisch wertvollen Wiesen und Weiden. Auch betrage der Tierbesatz in MV nur 34 Großvieheinheiten je 100 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. In Schleswig-Holstein mit 105 und Niedersachsen mit 125 seien es deutlich höhere Werte. In den dominierenden modernen Ställen des Landes bestünden zudem gute Haltungsbedingungen. Auch wenn es bei der tiergerechten Haltung noch Luft nach oben gäbe. So profitieren derzeit nur 10 Prozent der Milchkühe vom 2016 aufgelegten Programm zur Förderung der Sommerweidehaltung.

Die milchviehhaltenden Betriebe seien von sozialer Bedeutung für den ländlichen Raum, die weit über den Lebensunterhalt von Landwirt und Arbeitnehmern aus dem Dorf hinausgeht. „Leider wird das in der breiten Öffentlichkeit zu wenig honoriert“, gab Backhaus zu bedenken. Außerdem würde oft ausgeblendet, dass mit der Milcherzeugung ein hochwertiges, gesundes Lebensmittel bereitgestellt werde.

Gerade mit Blick auf die hohe gesellschaftliche Bedeutung einer nachhaltigen Milchproduktion werde das Landwirtschaftsministerium die Milchbauern dahingehend auch weiterhin unterstützen, so Backhaus.

Hinsichtlich der Förderung von Agrarinvestitionen zählt die Milcherzeugung zu den prioritären Bereichen. Priorität genießt sie ebenso bei der Neuverpachtung von Landesflächen. Die Verbesserung der Gesundheit und Robustheit der Milchkühe werde mit dem höchstmöglichen Fördersatz unterstützt.

Das Land fördert Aus- und Fortbildung sowie Forschungs­arbeit und Beratung durch die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf sowie die LMS Agrarberatung und den Rinderzuchtverband.

Ziel müsse es weiterhin sein, dass die Milcherzeuger einen besseren Milchpreis erhalten, so der Minister. Allerdings könne Politik immer nur begrenzt Einfluss auf die grundlegenden Mechanismen des Milchmarktes nehmen. Das treffe vor allem auch auf die Neugestaltung der Lieferbeziehungen sowie für die Verteilung der Preisrisiken in der Wertschöpfungskette zu. „Ich kann daher nur alle Milcherzeuger auffordern, sich zügig auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen und damit in die Verhandlungen zu gehen“, sagte der Minister.

In MV halten 709 Betriebe Milchkühe mit insgesamt 167.000 Tieren (Stand Mai 2018). Die Hälfte der Tiere (84.000) steht in den 102 Betrieben mit mehr als 500 Milchkühen. November 2014 waren es noch 850 Betriebe mit insgesamt 182.000 Tieren, wovon 76.000 Kühe in 95 Betrieben mit mehr als 500 Milchkühen lebten.

474 Betriebe mit rund 156.000 Milchkühen sind Mitglied im Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitäts­prüfung Mecklenburg-Vorpommern eG (LKV). In 97 Prozent dieser Betriebe leben die Tiere in Laufstall­haltung.

Die durchschnittliche jährliche Milchleistung je Kuh beträgt in MV 9.669 kg, in Deutschland 8.864 kg. Die durchschnittliche Lebensleistung einer Milchkuh beträgt in MV 26.707 kg (Quelle: LKV Nov. 2018).

VR-Landwirtschaftstag: Branche muss trotz Reformen zukunftsfähig bleiben

Linstow – Die Landwirtschaft muss sich auf weitere Reformen und eine Kürzung der Finanzmittel einstellen, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute auf dem VR-Landwirtschaftstag in Linstow. Im Zuge der Reform der Europäischen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 sei mit erheblichen finanziellen Einschnitten in der europäischen Förderung zu rechnen, so der Minister. Gleichzeitig werden die gesellschaftlichen Anforderungen an die Agrarbetriebe immer höher. Dies äußere sich unter anderem in der erneuten Revision der Düngeverordnung, die Landwirten zum Schutz von Böden und Gewässer zusätzliche Einschränkungen auferlegen soll.

„Unsere natürlichen Ressourcen sind unsere höchsten Güter und müssen konsequent geschützt werden. Der Landwirtschaft kommt dabei eine ganz besondere Verantwortung zu, die von vielen Betrieben der Branche bereits sehr Ernst genommen wird. Die Landwirtschaft ausschließlich als Gegenpol der Umweltpolitik zu betrachten, ist fatal und unzutreffend. Landwirte sind die Produzenten unserer Lebensmittel. Die rapide wachsende Menschheit ausreichend zu ernähren ist eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen überhaupt. Wir müssen Wege finden, wie wir die Betriebe dabei unterstützen können, noch umweltschonender zu wirtschaften ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden“, führte Minister Backhaus aus.

Als große Unbekannte bezeichnete er die bevorstehenden Europawahlen und das damit verbundene Entscheidungsvakuum. Detaillierte inhaltliche Diskussionen zur neuen GAP seien nicht vor Ende 2019 zu erwarten. „Wenn sich die aktuellen Prognosen bestätigen und die nationalen und reaktionären Kräfte mehrheitlich in das Europaparlament gewählt werden, besteht die Gefahr, dass die bislang vorliegenden Verordnungsentwürfe obsolet werden. Dann beginnt alles von vorn und wenn es ganz schlimm läuft, bekommen wir eine Renationalisierung der Agrarpolitik. Deshalb ist es wichtig, dass wir bei aller berechtigten Kritik an europäischen Regelungen nicht die EU gefährden“, sagte er weiter.

Als bisher einziges Bundesland hat Mecklenburg-Vorpommern hat ein eigenes umfassendes Modell für die künftige Gemeinsame Agrarpolitik entwickelt und sich damit aktiv in die europäische und bundespolitische Debatte zu diesem Thema umfassend eingebracht, betonte Backhaus. Im Kern geht es darum, einerseits die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu erhalten und anderseits Anreize für die Erbringung ökologischer Leistungen zu schaffen. „Wir wollen, dass der Landwirt mit dem Erbringen von Umwelt- und Naturschutzleistungen Geld verdienen kann. Öffentliches Geld ist stärker an öffentliche Leistungen zu knüpfen“, sagte er weiter.

Mit Blick auf die vom Bund angeschobenen Nachbesserungen in der Düngeverordnung kritisierte er, dass die Vorschläge ohne Rücksprache mit den Ländern an die EU-Kommission gegangen sind. „Ursprünglich hatten wir uns darauf verständigt, erst die neue Düngeverordnung aktiv umzusetzen, um dann anhand aktuellerer Nitratwerte Aussagen zur Wirksamkeit der Vorgaben zu treffen“, so Minister Backhaus.

Insbesondere die Absenkung der Düngung in nitratbelasteten Gebieten auf minus 20 % unter dem Sollwert sei fachlich nicht zu vertreten und müsse hinterfragt werden. „Besonders negativ wird sich eine derartige Regelung auf den Weizen- und Gerstenanbau aber auch auf den Gemüseanbau auswirken. Ertragsrückgänge und vor allem Probleme bei den von den Abnehmern geforderten Qualitäten werden zu erheblichen Einkommensverlusten führen, die durch den Markt höchstwahrscheinlich nicht kompensiert werden können“, unterstrich er.

Die Bemühungen der Länder, das Grundstücksverkehrsgesetz anzupassen, treten auch trotz der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung angekündigten Bund-Länder-Initiative Bodenrecht weiterhin auf der Stelle, informierte Backhaus. „Auch wenn es vielleicht in Mecklenburg-Vorpommern aus unterschiedlichen Gründen kein Agrarstruktursicherungs- und -verbesserungsgesetz geben wird, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir werden weiterhin andere Wege suchen, den beschriebenen Entwicklungen auf dem Bodenmarkt entgegenzutreten. Und wir werden auch weiterhin alles daran setzen, die Verpachtungskriterien im Land zugunsten ortansässiger Landwirte weiterzuentwickeln“, sagte er weiter.

Die Lage am Milchmarkt hat sich gegenüber 2016 entspannt ist aber weiterhin schwierig, konstatierte Minister Backhaus als weiteren Punkt. Die Milchpreise hielten sich relativ stabil. Diese hätten für 2018 nach vorläufigen Angaben bei durchschnittlich etwa 32,8 Cent/l für MV und 33,8 Cent/l für Deutschland gelegen. Die strukturellen Probleme der Branche bestünden aber nach wie vor. In zahlreichen Betrieben lägen die erzielbaren Milchpreise unter den Produktionskosten. Die Molkereistrukturen würden von den großen Playern dominiert, die bei ihren Entscheidungen die Interessen der Landwirte und des Landes nur wenig berücksichtigten.

Der Durchschnitt des Milchauszahlungspreises in MV gehört Backhaus zufolge regelmäßig zu den niedrigsten in Deutschland. Ziel müsse es deshalb sein, den Milcherzeugern wieder einen besseren Milchpreis zu zahlen. „Hier kann ich nur immer wieder an die Molkereien appellieren ihre Vermarktung zu verbessern, die Wertschöpfung zu vertiefen und auch bessere Risikovorsorge zu treffen. Auch die Neugestaltung der Lieferbeziehung hin zu einer Verteilung der Preisrisiken auf die gesamte Wertschöpfungskette bleibt weiterhin ein Thema. Das fehlende gemeinsame Handeln war und ist aus meiner Sicht das große Manko der Branche“, sagte er abschließend.

Zweites Mal Weihnachten für SOZIUS-Kinder

WEMAG unterstützt Kinder- und Jugendhilfe und fördert Öko-Gedanken

Silke Schönrock, Leiterin des Kinder- und Jugendbereiches bei SOZIUS, und Dr. Diana Kuhrau, Leiterin der WEMAG-Unternehmenskommunikation (v.l.), beobachten das Befüllen des Vogelhauses. Foto @ WEMAG/Stephan Rudolph-Kramer

Schwerin – Für den Öko-Energieversorger WEMAG ist der Umwelt- und Naturschutz ein wichtiges Anliegen. „Dieser Gedanke sollte möglichst früh beginnen, in einem Menschen zu reifen“, sagt Dr. Diana Kuhrau, Leiterin der WEMAG-Unternehmenskommunikation. Deshalb hat das Unternehmen beschlossen, der SOZIUS Kinder- und Jugendhilfe bunt bemalte Vogelhäuser zu schenken. Passend dazu gab es das Kinderbuch „Mein kleines Vogelhaus“ und eine große Tüte Vogelfutter.

Die Geschenke wurden in den vergangenen Tagen bereits auf die Einrichtungen in Schwerin verteilt – bis auf eine. Mit leuchtenden Augen nahmen die Kinder der Wohngruppen auf dem Lewenberg das Paket entgegen und packten es aus. „Es ist wie ein zweites Mal Weihnachten“, meint Carolin Schulz. „Wir freuen uns sehr, dass es Unternehmen wie die WEMAG gibt, die an die Kinder und Jugendlichen in unseren Häusern denken. Außerdem sind wir dankbar, dass die WEMAG Interesse an einer langjährigen Beziehung hat“, ergänzt die Teamleiterin des Demmlerhauses.

Erst im Dezember hatte die WEMAG an ihrem Unternehmenssitz in Schwerin den Wunschweihnachtsbaum aufgestellt. Bei dieser Aktion konnten die Kinder und Jugendlichen des Demmlerhauses ihre Wünsche auf bunt bemalten Baumschmuck schreiben und an den Tannenbaum hängen. Die Mitarbeiter der WEMAG Unternehmensgruppe waren dann aufgerufen, in die Rolle des Weihnachtsmannes zu schlüpfen. „Die Bereitschaft unserer Mitarbeiter, den jungen Menschen einen Wunsch zu erfüllen, war einfach überwältigend“, erinnert sich Diana Kuhrau.

Das Vogelhaus wurde von Mitarbeitern der Lewitz-Werkstätten gGmbH mit Sitz in Parchim trotz Handicap mit viel Liebe zum Detail angefertigt. „Wir entwickeln seit vielen Jahren immer wieder neues Holzspielzeug, das in regionalen Werkstätten von Menschen mit Behinderung gefertigt wird. Damit unterstützen wir die heimische Wirtschaft und schenken den Kindereinrichtungen in der Region hochwertiges und langlebiges Spielzeug“, erläutert Diana Kuhrau von der WEMAG.

Aktion des NDR „Was atmest Du?“ bestätigt Luftgüte in M-V

Schwerin – Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat im Rahmen der Aktion „Was atmest Du?“ in Norddeutschland die Stickstoffdioxidwerte in der Luft gemessen. Für die Aktion bewarben sich rund 5.000 interessierte Bürgerinnen und Bürger. Sie konnten eigene Vorschläge einbringen, wo neben den offiziellen Messstellen noch gemessen werden sollte. Am Ende des Auswahlverfahrens wurden bereits im November 2018 im gesamten Sendegebiet insgesamt 1.000 Passivsammler (Messröhrchen) zur Messung der Stickstoffdioxidbelastung an die ausgewählten Bewerberinnen und Bewerber verteilt. Rund 160 dieser Passivsammler gingen nach Mecklenburg-Vorpommern.

Nun liegen die Untersuchungsergebnisse vor. „Die Messungen des NDR haben ergeben, dass Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Stickstoffdioxidwerte in ganz Norddeutschland hat“, zeigte sich Dr. Jürgen Buchwald, Staatssekretär des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, erfreut. Damit seien auch die amtlichen Messungen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) nochmals bestätigt worden. Die geringsten Werte waren in den ländlichen Bereichen wie der Insel Poel und die höchsten Werte in den Städten Neubrandenburg, Schwerin, Stralsund und Rostock zu verzeichnen. Jedoch wurde an keiner Stelle der zulässige Grenzwert von 40µg/m3 Luft annähernd erreicht. „Auch das überrascht uns nicht. Es war zu erwarten, dass die höchsten Werte an den vom Straßenverkehr beeinflussten Messpunkten der größeren Städte im Land gemessen werden“, so Buchwald.

Zwar seien die Messungen des NDR nur bedingt mit den amtlichen Messungen des LUNG vergleichbar. So bezieht sich der europaweit geltende Grenzwert von 40µg/m3 Luft auf den Jahresmittelwert; die Messungen des NDR jedoch auf einen Untersuchungszeitraum von rund einem Monat. Auch die Messmethoden unterscheiden sich. „Trotzdem unterstreichen die Ergebnisse der Messaktion des NDR, dass die gesetzlich geforderte amtliche Luftgüteüberwachung ein reales Abbild der Luftgüte wiederspiegelt. Die Bürgerinnen und Bürger des Landes und natürlich auch die Touristen können überall im Land saubere Luft atmen“, resümierte der Staatssekretär. Gleichzeitig unterstrich er, dass das Land seine Bemühungen zur Verbesserung der Luftgüte weiter fortsetzen werde.

BUND-Trinkwasserstudie zeigt: Nitratbelastung im Grundwasser zu hoch

Berlin – Unser wichtigstes Lebensmittel ist das Trinkwasser. Doch blicken Gewässerschützer und Wasserversorger seit geraumer Zeit mit Sorge auf die vielerorts wachsende Nitratbelastung des Grundwassers, das mit rund 70 Prozent die wichtigste Ressource für Trinkwasser ist. Eine neue Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt nun: Die bisher durchgeführten Maßnahmen von Wasserversorgern und Landwirten führen nicht zu einem allgemeinen Rückgang der Nitratbelastung von Böden und Grundwasser in landwirtschaftlich genutzten Wasserschutz-Gebieten.

„Das Nitrat in unserem Grundwasser stammt größtenteils aus der Landwirtschaft, und zwar aus der Gülle, die zum Düngen auf den Feldern ausgebracht wird“, erläutert Silvia Bender, Abteilungsleiterin Biodiversität beim BUND. Stickstoffverbindungen, die nicht von den Pflanzen aufgenommen werden, entwichen in die Luft oder werden als Nitrat in die Oberflächengewässer und Grundwässer ausgewaschen. Um Stickstoffeinträge zu vermeiden, sei deshalb eine bedarfsgerechte und sorgsame Düngung unerlässlich, aber längst nicht gängige Praxis.

„Die hohen Nitratbelastungen zeigen, dass die jetzige Düngeverordnung nicht ausreicht. Die Bundesregierung muss im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes nachbessern und die Einhaltung der Vorgaben sicherstellen“, fordert Bender. „Außerdem: Wird der Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm je Liter Grundwasser überschritten, muss in dem belasteten Gebiet sofort ein Dünge-Stopp erlassen werden.“ Die jetzt auf Druck der Europäischen Kommission angekündigten Änderungen der Düngeverordnung seien aus Sicht des BUND ein erster Schritt in die richtige Richtung, reichten aber noch nicht aus.

Die BUND- Studie zeigt weiter: Die wachsende Nitratbelastung im Grundwasser ist ein großes Problem für die deutschen Wasserversorgungsunternehmen. Um zu gewährleisten, dass der Nitratgehalt im Trinkwasser niedrig bleibt, betreiben sie präventiv Grundwasserschutz, dessen Kosten im Nachgang auf die Verbraucher umgelegt werden. Die beliebteste Methode zum Gewässerschutz sind Beratungsangebote für Landwirtinnen und Landwirte, um sie für die Nitratproblematik zu sensibilisieren, sowie freiwillige Kooperationen zwischen Land- und Wasserwirtschaft. Die Auswertung belegt jetzt, dass diese Maßnahmen trotz erkennbarer Erfolge nicht zwangsläufig zu einer Trendumkehr bei der Nitratbelastung führen, da sie dem Prinzip der Freiwilligkeit folgen und nicht alle landwirtschaftlichen Betriebe in Wasserschutzgebieten daran teilnehmen.

„Um die Nitratproblematik wirksam in den Griff zu bekommen, muss die Bundesregierung den Umbau hin zu einer umweltfreundlichen und tiergerechten Nutztierhaltung sofort beginnen, anstatt ihn weiter auf die lange Bank zu schieben“, betont Bender. „Gerade in den Regionen mit intensiver Tierhaltung und dementsprechenden Güllemengen, muss es eine Reduzierung der Tierzahlen geben. Eine Bindung von Tier und Fläche ist unverzichtbar.“ Zudem müssen Betriebe, die besonders wasserbewusst oder ökologisch wirtschaften, dafür honoriert werden. „Statt pauschaler Flächenprämien müssen über die Europäische Agrarpolitik (GAP) gesellschaftliche Leistungen für Gewässer- und Umweltschutz, Biodiversität, Klima und Tierschutz gefördert werden“, fordert Bender.

Bodenschutz: Land bewertet Flächen, um Schutzstatus abzuleiten

Schwerin – Seit 2018 werden Böden in Mecklenburg-Vorpommern erstmals flächendeckend nach bodenkundlichen Parameter beurteilt, um daraus ihr Schutzbedürfnis abzuleiten. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) hat die Bodenfunktionsbewertung erarbeitet und im Internet veröffentlicht, die Bewertungen sind über https://www.umweltkarten.mv-regierung.de unter Bodengeologie/vorsorgender Bodenschutz einsehbar.

„Mit der Gesamtbewertung können wir auf einen Blick erkennen, wo Böden die natürlichen Funktionen in besonderem Maß erfüllen. Sie soll als fachliche Grundlage bei Planungs- und Genehmigungsverfahren genutzt werden und helfen, Bodenschutzbelange im Rahmen von Bauvorhaben besser berücksichtigen zu können. Durch Standortvergleiche können beispielsweise Baugebiete dort geplant oder Trassen dort verlegt werden, wo weniger schutzwürdige Böden dominieren. Hochwertige Ackerstandorte können somit aktiv vor Überplanung geschützt werden“, betonte Dr. Jürgen Buchwald, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, heute auf dem Boden- und Düngungstag M-V in Linstow.

Staatssekretär Buchwald machte deutlich, wie wichtig der Schutz der Böden ist: „Boden ist nicht vermehrbar, aber leicht zerstörbar. Ist die Leistungsfähigkeit des Bodens einmal verloren, ist sie nur sehr schwer wiederherzustellen. Das hat Einfluss auf alle anderen Umweltbereiche: Nur auf intakten Böden kann die Landwirtschaft dauerhaft gesunde Nahrungsmittel produzieren. Sauberes Grundwasser kann nur garantiert werden, wenn wir unsere Böden unversehrt halten. Unser Ziel ist es, den guten Bodenzustand zu erhalten, ihn nicht durch Nutzung zu verschlechtern und bei einem schlechten Zustand gegenzusteuern.“

Als Hauptgefahren für mögliche Beeinträchtigungen der Böden nannte er Erosion, Verdichtung, Verlust der organischen Substanz, Verunreinigung durch Schadstoffe sowie die Nutzung für Siedlung und Verkehr.

Den Bodenschutz in Mecklenburg-Vorpommern sieht Buchwald gut und breit aufgestellt: „Das fängt bei der Beratung der Landwirtschaft zu bodenschonenden Verfahren und dem Grünlandumbruchverbot an, geht beim Humusmonitoring, der Altlastensanierung und der Dokumentation von Erosionsereignissen weiter und hört strategisch beim Konzept zur Minderung diffuser Nährstoffeinträge auf, um nur einige Beispiele zu nennen.“

Die bodenschonende Düngung sei nach wie vor ein zentrales Konfliktfeld, so Buchwald. Mit Blick auf die durch den Bund angeschobenen Nachbesserungen bei Düngeverordnung sagte er: „Insgesamt sind die vorgeschlagen Änderungen akzeptabel, auch wenn sie zusätzliche Belastungen für die landwirtschaftlichen Unternehmen nach sich ziehen. Die Absenkung der Düngung in nitratbelasteten Gebieten auf minus 20 % unter dem Sollwert ist fachlich allerdings nicht zu vertreten und muss hinterfragt werden. Besonders negativ wird sich eine derartige Regelung auf den Getreide- und Rapsanbau aber auch auf den Gemüseanbau auswirken. Ertragsrückgänge und vor allem Probleme bei den von den Abnehmern geforderten Qualitäten werden zu erheblichen Einkommensverlusten führen, die durch den Markt höchstwahrscheinlich nicht kompensiert werden. Mit der Umsetzung der Düngeverordnung darf die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe aber nicht gefährdet werden.

Den vorsorgenden Bodenschutz flankierend fördert das Land außerdem Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen (AUKM), die in der 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) verankert sind, so der Staatssekretär. Dazu gehöre beispielsweise die Integration von „Strukturelementen im Ackerbau“, die auch das Anlegen von Erosionsschutzstreifen auf Ackerflächen vorsehe. Allein 2018 hätten 710 (2017=550) Landwirte mit 7220 Hektar (2017=2520 Hektar) landwirtschaftliche Fläche diese spezielle Maßnahme in Anspruch genommen.

Auch über das „Greening“ als Voraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen im Rahmen der 1. Säule der GAP sei einiges erreicht worden. So haben 2018 2622 (2017=2662) Betriebe mit einer Fläche von insgesamt 62.020 Hektar (2017=61.037 Hektar) in den Wintermonaten Zwischenfrüchte/Gründecke angebaut, um die Flächen auch zum Schutz vor Bodenerosion zu bedecken. Seit 2016 werde darüber hinaus die Umwandlung von Acker- in Grünland als AUKM angeboten. In der neuen Förderperiode bis 2020 stünden für AUKM insgesamt 357 Millionen Euro bereit.

Minister Backhaus: MV setzt strategischen Insektenschutz fort

Schwerin – „Der Wert der Bienen für den Erhalt der Artenvielfalt und das Überleben der Menschheit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Honigbienen und vor allem die Wildbienen und Hummeln übernehmen rund 80 Prozent der Bestäubung der Nutz- und Wildpflanzen, zum Beispiel von Obstbäumen und Gemüse sowie Feldfrüchten, wie Raps oder Bohnen. Damit sind wir Menschen mit unserem Nahrungsmittelbedarf abhängig davon, dass die Bienen und die wildlebenden Insekten ihre Lebensgrundlagen behalten“, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus vor dem Hintergrund des dramatischen Insektenschwunds in Deutschland, das in Bayern zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ geführt hat.

Minister Dr. Backhaus fordert eine wachsende Sensibilität für alle wildlebenden Insekten und für die Honigbiene und eine verstärkte Zusammenarbeit von Landwirten und Imkern in Mecklenburg-Vorpommern. Mit einem Anteil von mehr als 11 Prozent ökologisch bewirtschafteter Fläche und einem Anteil von 20 Prozent Dauergrünland an der landwirtschaftlich genutzten Fläche, mit Grün- und Blühstreifen oder Streuobstwiesen biete Mecklenburg-Vorpommern wertvollen Lebensraum für Insekten, sagte er weiter. Die Landesregierung setzt sich seit vielen Jahren fachübergreifend und strategisch für den Schutz dieser Lebensräume ein.

Im April 2018 stellte Minister Backhaus die Grundzüge der Insektenschutzstrategie „Mehr Respekt vor dem Insekt“ vor. Damit setzt sich das Land Mecklenburg-Vorpommern für eine bundesweite Abstimmung der Forschung und die bessere Vernetzung vorliegender Forschungsergebnisse ein. Auch sieht die Strategie vor, den Schutz der Insekten ausdrücklich in die Landnutzung zu integrieren. Die großflächigen Strukturen der Landwirtschaft müssten aufgebrochen, mehr Hecken, Brachen und breite Feldränder angelegt werden. „Mecklenburg-Vorpommern muss nach und nach von einem flächendeckenden Nektarband durchzogen werden“, forderte Backhaus.

Als ein Teil der Insektenstrategie setzen die Landesforstanstalt in Malchin und die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow-Prüzen mit Bundesmitteln in Höhe von 1,6 Millionen Euro ein auf drei Jahre angelegtes Projekt zur Verbesserung der Lebensräume von Insekten im Wald um. Ziel ist, Waldbesitzer in die Förderung der Insektenvielfalt im Wald einzubeziehen. Voneinander getrennte Waldabschnitte sollen über Hecken, die Pflanzung von Baumgruppen und die Einbeziehung von insektenfreundlich gestalteten Strom- oder Bahntrassen miteinander verbunden werden. Dadurch soll der genetische Austausch einzelner Populationen wieder ermöglicht werden.

Wichtige Lebensräume insbesondere für Wildbienen stellen die Streuobstwiesen dar. Mit dem Streuobstgenussschein hat Mecklenburg-Vorpommern als erstes und einziges Land in Deutschland ein Finanzierungsinstrument geschaffen, welches es auch Privatpersonen ermöglicht, die Anlage bzw. Pflege von Streuobstwiesen zu finanzieren.

Im Sommer 2018 hat das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt M-V darüber hinaus den Bienenweidekatalog Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht. Er soll Land- und Forstwirten, Haus- und Kleingärtnern, Bewirtschaftern von öffentlichen Flächen, aber auch einzelnen Bürgern helfen, Bienenweiden so anzulegen, dass vom Frühjahr bis in den September hinein für Bienen und andere Insekten kontinuierlich Tracht zur Verfügung steht. „Der Schutz der Wild- und Honigbienen sowie anderer nicht nur blütenbestäubender Insekten ist eine äußerst wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Kurz gesagt: Jeder muss mit anpacken!“, unterstrich Minister Backhaus.

Landwirte tragen unter anderem durch die Umsetzung von Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zum Bienen- und Insektenschutz bei. Dazu gehört der Anbau von blühenden Haupt- und Zwischenfrüchten, die extensive Grünlandbewirtschaftung oder der ökologischen Landbau. „Die Maßnahmen werden von den Landwirten gut angenommen und inzwischen auf 320.000 Hektar und damit auf einem Drittel der gesamten Ackerfläche umgesetzt“, so Backhaus. Mecklenburg-Vorpommern führte darüber hinaus als erstes Bundesland die Förderung von Blühstreifen und Blühflächen ein. 2018 nutzen 660 Betriebe mit rund 7000 Hektar diese Förderung.

Ebenso Gartenbesitzer, insbesondere die etwa 80.000 Kleingärten des Landes, können helfen, Trachtlücken zu schließen, indem sie bei der Gestaltung der Gärten auch bienenfreundliche Pflanzen im Blick haben. Aber auch Städter haben Möglichkeiten, die Lebensbedingungen und die Nahrungssituation der Honigbiene und der wildlebenden Insekten zu verbessern, sagte Backhaus. Auf dem Dach des Schweriner Schlossparkcenters hat im Juni 2018 ein Bienenvolk sein Domizil bezogen. „Die mit Blumen und Klee aufgewertete Dachbegrünung in sonniger Lage bietet den Bienen in Verbindung mit dem benachbarten Schlossgarten ein Paradies“, so der Minister.

Der im Frühjahr 2018 ausgelobte Wettbewerb „Bienenfreundliche Gemeinde“ ist ein weiterer Baustein des Ministeriums, um die Lebensgrundlagen für Bienen und wildlebende Bestäuber-Insekten in Mecklenburg-Vorpommern zu verbessern. „Die Teilnehmer-Gemeinden haben örtliche Imkerverbände in die Flächennutzungs- und Freiraumplanung sowie in die Pflegekonzepte der Parkanlagen und des öffentlichen Grüns einbezogen, Bienenfeste veranstaltet, Bienenlehrpfade errichtet oder Brachflächen in Grünflächen verwandelt, die mit bienenfreundlichen Gewächsen bepflanzt worden sind“, hob der Minister hervor.

Das Land fördert die Imkerei insgesamt jährlich mit ca.400.000 Euro. Davon werden u.a. Mittel für Imkerschulungen, Medikamente für Bienenvölker, Bienenzuchtprogramme, Honiganalysen und Bienenlehr- und Schaugärten und für imkerliches Gerät bereitgestellt. Für das Bienenzuchtzentrum Bantin stellt das Landwirtschaftsministerium seit 1993 jährlich im Durchschnitt 200.000 Euro bereit, insgesamt flossen bisher 3,5 Millionen Euro nach Bantin. 2016 nahm der Bienengesundheitsdienst der Tierseuchenkasse seinen Dienst auf; im Seuchenfall werden Bienenhalter zu 80 Prozent aus Landesmitteln entschädigt.

Auch ist Minister Backhaus Schirmherr des Norddeutschen Honigmarktes, auf dem regionale Imkereien ihre Honigsorten und viele Produkte rund um die Biene anbieten.

Der Anteil der Jung- und Neu-Imker wächst jährlich. Insgesamt sind im Land ca. 2.700 Imker tätig, die ca. 27.000 Bienenvölker halten.

Pflugregelung in das Dauergrünland­erhaltungsgesetz übernommen

Schwerin – Wegen der vorjährigen Trockenschäden stehen viele Landwirte bei der jetzt laufenden Anbauplanung vor der Frage, ob sie ihr Grünland zur Narbenerneuerung pflügen und neu einsäen dürfen oder nicht. Aus diesem Anlass informiert das Landwirtschaftsministerium, dass die am 23. Januar 2019 vom Landtag beschlossene Änderung des Dauergrünlanderhaltungsgesetzes in Kürze im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht und damit in Kraft treten wird.

„Die Landwirte können davon ausgehen, dass die so genannte Pflugregelung ins Landesrecht überführt wird“, verspricht Minister Dr. Till Backhaus. Mit der Änderung des Dauergrünlanderhaltungsgesetzes werde gesichert, dass die Landwirte auf Ackerland dauerhaft Gras oder Grünfutterpflanzen anbauen können, ohne dass die Fläche zu Dauergrünland wird, wenn sie die Flächen spätestens nach fünf Jahren einmal pflügen. Der bisherige Schutz von bestehendem Dauergrünland werde durch diese Änderung nicht eingeschränkt.

Mit der Änderung des Dauergrünlanderhaltungsgesetzes wurde die im EU-Recht 2018 geänderte Definition des Begriffes „Dauergrünland“ in das Landesrecht übernommen. Danach gelten als Dauergrünland nur noch solche Flächen, die dauerhaft zum Anbau von Gras oder Grünfutterpflanzen genutzt werden und innerhalb der letzten fünf Jahre nicht nur kein Bestandteil der Fruchtfolge waren, sondern auch nicht umgepflügt worden sind (Pflugregelung).

Ist entsprechend dieser Definition Dauergrünland entstanden, ist nach Dauergrünlanderhaltungsgesetz ein Pflügen mit sofortiger Neuansaat erst nach erfolgter Genehmigung gestattet. Die Genehmigung ist bei dem zuständigen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt zu beantragen.

Ist entsprechend dieser Definition noch kein Dauergrün­land entstanden, weil innerhalb des Fünfjahreszeitraums mindestens einmal gepflügt wurde, ist ein Pflügen mit sofortiger Neuansaat von Gras oder Grünfutterpflanzen nicht genehmigungspflichtig. Es muss jedoch spätestens einen Monat nach Vollzug beim zuständigen Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) angezeigt werden. In der Anzeige muss die Lage (durch Angabe der Feldblock-ID) und die Größe der Fläche sowie das Datum des Umpflügens angegeben werden.