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Eine grundlegende Pflegereform ist überfällig

Grimm warnt vor weiterer Belastung von Pflegebedürftigen sowie Kommunen und Ländern

Schwerin – Die heute vom Verband der Ersatzkassen (vdek) veröffentlichten Zahlen zu den Eigenanteilen in der stationären Pflege zeigen erneut einen deutlichen Anstieg der finanziellen Belastung für Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner. Eng damit verbunden sind nach Auskunft von Sozial-Staatssekretärin Sylvia Grimm weitere Kostenexplosionen bei den Sozialhilfeausgaben, die von Ländern und Kommunen getragen werden.

„Die Entwicklung der Eigenanteile in Pflegeheimen ist äußerst besorgniserregend. Für viele pflegebedürftige Menschen und ihre Familien sind die Kosten schon heute kaum noch zu tragen. Dass gute Pflege gute Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung braucht, ist eine notwendige und richtige Entwicklung. Es kann aber nicht sein, dass die Kostensteigerungen im bestehenden System fast ausschließlich von den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen getragen werden“, betonte Grimm heute in Schwerin.

Die Eigenanteile in der vollstationären Pflege setzen sich aus dem pflegebedingten Eigenanteil sowie den Kosten für Unterkunft und Verpflegung und den Investitionskosten der Einrichtungen zusammen. Die im Jahr 2022 eingeführten, nach Länge des Heimaufenthalts gestaffelten Leistungszuschläge sollten die Belastung der Pflegebedürftigen begrenzen. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass diese Entlastungswirkung angesichts der dynamischen Kostenentwicklung weitgehend verpufft.

Immer mehr Menschen sind deshalb auf Hilfe zur Pflege angewiesen. „Das zeigt: Unser Sozialstaat funktioniert, denn alle Menschen mit einem entsprechenden Anspruch erhalten die notwendige Unterstützung“, verdeutlichte Grimm. Gleichzeitig offenbare die Entwicklung die Fehlkonstruktion der derzeitigen Finanzierungsstruktur. „Die Kosten werden zunehmend auf Pflegebedürftige, ihre Angehörigen sowie Länder und Kommunen verlagert. Das kann so nicht weitergehen“, sagte Grimm.

Besonders betroffen ist Mecklenburg-Vorpommern. Mittlerweile beziehen hier mehr als die Hälfte der vollstationär versorgten Pflegebedürftigen Hilfe zur Pflege. Die Ausgaben von Land und Kommunen steigen damit rasant. Die Nettoausgaben für die Hilfe zur Pflege erhöhten sich in MV von 61,5 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 115,5 Millionen Euro im Jahr 2024 – ein Anstieg um fast 90 Prozent. Allein die Zahl der Leistungsberechtigten in der stationären Pflege stieg im gleichen Zeitraum von rund 7.800 auf über 10.150 Menschen.

Diese Entwicklung belastet Kommunen und Land erheblich. Denn Hilfe zur Pflege wird in MV zu 72 Prozent bei den kreisfreien Städten und zu rund 82,5 Prozent bei den Landkreisen vom Land und zu 28 bzw. 17,5 Prozent von der kommunalen Ebene finanziert.

Grimm: „Diese Kostendynamik nimmt uns und den Kommunen die Luft zum Atmen. Das Land kann nicht beides leisten: die Hauptfinanzierung der explodierenden Hilfe zur Pflege und zugleich immer mehr Fördermittel für die Infrastrukturförderung in der Pflege bereitstellen.“

Die Landesregierung fordert stattdessen eine grundlegende Strukturreform der Pflegeversicherung. „Im Koalitionsvertrag hat sich der Bund selbst vorgenommen, die Eigenanteile zu senken. Passiert ist bislang das Gegenteil. Sollte der Leistungszuschlag, wie im Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes vorgesehen, künftig langsamer steigen, würden Pflegebedürftige noch stärker belastet. Das stopft kurzfristig die Löcher der Pflegekassen, verschärft aber die finanziellen Sorgen der Betroffenen und treibt die Sozialhilfeausgaben weiter in die Höhe. Das lehnen wir entschieden ab.“

Mehr als 800 digitalisierte Verwaltungsleistungen im MV-Serviceportal

Schwerin – Seit Anfang Juli stehen im MV-Serviceportal erstmals mehr als 800 digitale Verwaltungsleistungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zur Verfügung. Damit erreicht Mecklenburg-Vorpommern einen weiteren Meilenstein bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und macht einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen, bürgernahen und leistungsfähigen Verwaltung.

Neben bereits bestehenden digitalen Leistungen, etwa der Ummeldung nach einem Umzug, der Anerkennung einer Behinderung, der Beantragung von Elterngeld oder der digitalen Einreichung eines Bauantrags, kann nun beispielsweise auch die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen für Ärztinnen und Ärzte vollständig digital beantragt werden.

Finanz- und Digitalisierungsminister Dr. Heiko Geue erklärt: „Über 800 digitale Verwaltungsleistungen sind ein großer Erfolg. Unser Anspruch geht aber weiter: Digitalisierung bedeutet für uns nicht, bestehende Formulare lediglich ins Internet zu stellen. Wir wollen Verwaltungsverfahren schneller, bürgernäher und wirtschaftsfreundlicher gestalten – und das komplett medienbruchfrei.

Deshalb arbeiten wir daran, dass Nachweise, die der Verwaltung bereits vorliegen, nach dem Once-Only-Prinzip künftig bei weiteren Verwaltungsvorgängen auch mit anderen Behörden nicht nochmals eingereicht werden müssen. Gleichzeitig wollen wir gemeinsam mit den Kommunen digitale Verwaltungsleistungen flächendeckend verfügbar machen.

Jeder medienbruchfreie Online-Antrag entlastet nicht nur die Antragstellenden, sondern auch die Beschäftigten in unseren Behörden und stärkt so die Handlungsfähigkeit der Verwaltung.“

Die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Fachliche Anforderungen, technische Umsetzung, Nutzerfreundlichkeit und organisatorische Abläufe müssen eng aufeinander abgestimmt werden. Gerade bei komplexen Verfahren ist dieses Zusammenspiel entscheidend, damit aus einer Verwaltungsleistung ein praxistauglicher und medienbruchfreier Online-Antrag entsteht.

Ein Beispiel hierfür ist die neu hinzugekommene digitale Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen für Ärztinnen und Ärzte. Bei der Entwicklung haben die Stabsstelle Digitalisierung des Ministeriums für Finanzen und Digitalisierung sowie das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern eng zusammengearbeitet.

Das Verfahren zeigt, wie durch gemeinsame Standards und eine enge Zusammenarbeit moderne Verwaltungsleistungen entstehen, die Verfahren beschleunigen, Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft entlasten und zugleich einen Beitrag zur Gewinnung dringend benötigter Fachkräfte leisten.

Besuch von Handwerksbetrieben im Landkreis Rostock

Jochen Schulte: „Mit gezielten Förderprogrammen stärken wir Fachkräfte von morgen und die Zukunft des Handwerks“

Rostock – Im Rahmen der Handwerkskampagne des Landes hat Jochen Schulte, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit, gemeinsam mit der Handwerkskammer Schwerin mehrere Metallbauunternehmen im Landkreis Rostock besucht. Stationen der Betriebstour waren die Stahl- und Metallbau Schröder GmbH in Thürkow, die Metallbau Freudenfeld GbR in Altkalen sowie die Metallbau Lührmann GmbH in Laage. Im Mittelpunkt der Betriebstour standen der direkte Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern über die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie die Themen Fachkräftesicherung, Ausbildung, Bürokratieabbau und Wettbewerbsfähigkeit.

„Unsere Handwerksbetriebe sind das starke Rückgrat der mittelständischen Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Sie bilden Fachkräfte aus, schaffen Arbeitsplätze und sichern Wertschöpfung in allen Regionen unseres Landes. Deshalb ist der direkte Austausch vor Ort so wichtig. Wir unterstützen das Handwerk und verbessern gezielt die Rahmenbedingungen – bei der Nachwuchsgewinnung, der Unternehmensnachfolge und dem Abbau von Bürokratie“, sagte Staatssekretär Schulte.

Ein Schwerpunkt der Gespräche war die Gewinnung von Nachwuchskräften. Die aktuellen Ausbildungszahlen zeigen eine positive Entwicklung: Landesweit wurden kurz vor Beginn der Sommerferien mehr als elf Prozent mehr Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen als im Vorjahreszeitraum. Um diese Entwicklung weiter zu unterstützen, setzt das Land auf gezielte Förderprogramme. Besonders erfolgreich ist die Schülerpraktikumsprämie, die seit dem Sommer 2024 freiwillige Ferienpraktika in Handwerksbetrieben unterstützt.

Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren erhalten 120 Euro pro vollständig absolvierter Praktikumswoche, bis zu drei Wochen beziehungsweise 360 Euro pro Jahr. Seit Einführung des Programms wurden bereits mehr als 1.100 Praktika in über 570 Handwerksbetrieben gefördert. Die Prämie erleichtert jungen Menschen die berufliche Orientierung und bringt potenzielle Auszubildende frühzeitig mit den Betrieben zusammen.

Auch die berufliche Weiterbildung und Unternehmensnachfolge werden gezielt unterstützt. Mit dem „Meister-Extra“ würdigt das Land erfolgreiche Meisterabschlüsse mit einer Prämie von 2.000 Euro. Seit Einführung des Programms im Jahr 2016 wurden rund 2.900 Meisterinnen und Meister gefördert. Ergänzend unterstützt die Meisterprämie Existenzgründungen, Betriebsübernahmen und tätige Beteiligungen im Handwerk mit Zuschüssen von bis zu 7.500 Euro sowie weiteren Förderungen für neu geschaffene Arbeitsplätze. Seit 2018 wurden knapp 200 Gründungen und Betriebsnachfolgen auf diesem Weg begleitet.

„Die große Resonanz auf die Schülerpraktikumsprämie und die positive Entwicklung bei den Ausbildungszahlen zeigen, dass wir gemeinsam mit den Handwerkskammern und den Betrieben auf dem richtigen Weg sind. Wir schaffen gute Voraussetzungen, um mehr junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen“, so Staatssekretär Schulte. Die Handwerkskammer Schwerin vertritt rund  7.200 Mitgliedsbetriebe mit mehr als 40.000 Beschäftigten und rund 1.800 Auszubildenden.

Modernste Technik für Versorgung von Notfallpatienten

Neugestaltung der Notaufnahme am LUP-Klinikum Helene von Bülow mit 3,635 Millionen Euro gefördert

Ludwigslust – Die komplett neugestaltete Zentrale Notaufnahme (ZNA) am LUP-Klinikum Helene von Bülow wurde heute (13. Juli 2026) im Beisein zahlreicher Vertreter aus Politik, Wirtschaft und den LUP-Kliniken feierlich eröffnet. Die Umbauarbeiten auf einer Fläche von 600 Quadratmetern sowie die technische Neuausstattung erfolgten planmäßig: Nahezu alle Arbeiten konnten seit Baustart im April 2025 abgeschlossen werden. Die Investitionssumme beläuft sich insgesamt auf mehr als 4,2 Millionen Euro. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Vorhaben mit 3,635 Millionen Euro aus Fördermitteln. Während der Bauphase liefen der Krankenhausbetrieb und die Notfallversorgung uneingeschränkt weiter.

„Nach dem schrecklichen Brand vor knapp zwei Wochen ist die neue Notaufnahme ein erstes Symbol des Aufbruchs und des Wiederaufbaus. Sie steht für eine jederzeit erreichbare, leistungsfähige und gut organisierte Versorgung für die Menschen in der Region. Die Landesförderung für die neue Notaufnahme zeigt, wir brauchen das Krankenhaus in Ludwigslust und die Landesregierung steht gerade jetzt voll und ganz zum LUP-Klinikum Helene von Bülow“, betonte Gesundheits-Staatsekretärin Sylvia Grimm bei der Eröffnung.

Landrat Stefan Sternberg zeigte sich begeistert von der hochmodernen Ausstattung. „Die umgebaute Notaufnahme verfügt mit ihren zwölf Behandlungsplätzen über eine verdoppelte Kapazität. Neue Überwachungstechnik kommt zum Einsatz, um die Patienten optimal zu versorgen. Unser Krankenhaus am Standort Ludwigslust hat damit deutlich an Attraktivität gewonnen.“

Aus medizinischer Sicht verweist Dr. Stephan Altmayer, Leiter der Zentralen Notaufnahme, insbesondere auf einen 50 Quadratmeter großen Schockraum, in dem zeitgleich zwei akut lebensbedrohlich erkrankte oder schwerstverletzte Personen („rote Patienten“) behandelt werden können. Eine neue Monitoring-Anlage mit Überwachung in allen Zimmern und Zentralüberwachung garantiert eine verbesserte Versorgung der Patienten. Dies erfolgt im sogenannten Cockpit, das heißt, am gemeinsamen Tresen, welcher für die ZNA und die Praxis des Kassenärztlichen Notdienstes als interdisziplinäres Notfallzentrum genutzt wird.

„Die Modernisierung der Medizintechnik von ZNA und Schockraum ermöglicht uns technische Unterstützung auf sehr hohem Niveau. Die Einrichtung von vier Plätzen für Patienten mit akuten Brustschmerzen (Chest-Pain-Unit | CPU) unter kardiologischer Leitung stellt sicher, dass nach dem 24/7-Konzept und damit rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche Personen mit Herzinfarkten oder anderen lebensbedrohlichen Symptomen umgehend fachärztlich behandelt werden. Die CPU soll zudem zeitnah durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie zertifiziert werden“, so Dr. Stephan Altmayer.

Darüber hinaus verfügt die neu gestaltete ZNA am Ludwigsluster Krankenhaus über einen separaten Zugang von außen direkt in ein spezielles Isolationszimmer für besonders kontagiöse (hoch ansteckende) Patienten. Zwei Isolationsschleusen schirmen vier Räume ab, um dort hochinfektiöse Patienten behandeln zu können.

„Mit der jetzigen Situation in der Zentralen Notaufnahme sind wir für alle Fälle gewappnet. Patienten aus dem gesamten Landkreis Ludwigslust-Parchim und darüber hinaus können sich auf eine bestmögliche Behandlung in den LUP-Kliniken verlassen. Ich freue mich sehr, dass unsere hochqualifizierten Ärzte und Mitarbeitende im pflegerischen und therapeutischen Bereich mit modernster Technik ausgestattet sind. Unser Dank gilt dem Land Mecklenburg-Vorpommern für diese umfassende Unterstützung. Zusätzlich zu den Fördermitteln wurden 600.000 Euro Eigenmittel eingesetzt“, sagt Alexander M. Gross, Geschäftsführer der LUP-Kliniken.

Der Umbau der ZNA wurde notwendig, um die Notaufnahme an die Anforderungen der erweiterten Notfallversorgung, welche durch den Gesetzgeber vorgegeben werden, anzupassen. Die Neustrukturierung erfolgt auch vor dem Hintergrund gestiegener Patientenzahlen, der Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie der strukturellen Veränderung der Versorgungsstruktur im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Pro Jahr werden in der Notaufnahme Ludwigslust rund 11.000 Patient:innen notfallmedizinisch versorgt. Etwa 3.500 Personen werden mit dem Rettungsdienst gebracht. Bei etwa 6.000 Notfallpatienten ist eine stationäre Weiterbehandlung erforderlich.

Bereits im Sommer 2023 hat das LUP-Klinikum Helene von Bülow für den Standort Ludwigslust Fördermittel in Höhe von 6,2 Millionen Euro im Rahmen der Einzelförderung nach dem Landeskrankenhausgesetz vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern erhalten. Ein Teil der Summe wurde bereits im Herbst 2023 in eine neue Geräteaufbereitung der Funktionsdiagnostik gesteckt. Weitere 2,75 Millionen Euro flossen im Jahr 2024 in die Verlegung des Linksherzkatheter-Messplatzes, welcher sich bis dahin ebenfalls in unmittelbarer Nähe der bisherigen Notaufnahme befand. Die verbleibende Summe konnte nun für die Neustrukturierung der Notaufnahme zum Einsatz kommen.

Die Umbauarbeiten mussten im vorhandenen Grundriss erfolgen. Durch die Auslagerung des Herzkatheterlabors (HKL) war die Einrichtung des Doppelschockraumes möglich.

Erntebrände verhindern

Backhaus ruft zu besonderer Vorsicht auf

Schwerin – Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen erhöhen derzeit die Gefahr von Erntebränden in Mecklenburg-Vorpommern erheblich. Mit Beginn der Getreideernte ist es bereits zu mehreren Bränden auf Feldern gekommen. Dabei entstand erheblicher Sachschaden, zwei Personen mussten kurzzeitig medizinisch versorgt werden und Anwohnerinnen und Anwohner ihre Häuser vorübergehend verlassen.

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus appelliert deshalb an Landwirte, Lohnunternehmen, aber auch an die Bevölkerung, besondere Vorsicht walten zu lassen.

„Die Ernte ist der Höhepunkt eines ganzen Arbeitsjahres. In wenigen Wochen bringen unsere Landwirtinnen und Landwirte ein, wofür sie viele Monate gearbeitet haben. Umso schmerzlicher ist es, wenn innerhalb weniger Minuten ein Feuer Maschinen, Ernte oder sogar Menschenleben gefährdet. Gerade bei der derzeitigen Trockenheit reicht oft schon ein kleiner Funke – etwa durch einen Stein im Mähwerk oder ein heiß gelaufenes Lager –, um einen Flächenbrand auszulösen. Deshalb muss jetzt jeder seinen Beitrag leisten, um Brände zu verhindern“, sagte Backhaus.

Der Minister dankte zugleich den Feuerwehren und allen weiteren Einsatzkräften, die in den vergangenen Tagen unter schwierigen Bedingungen schnell und professionell gegen die Brände vorgegangen sind.

„Die Einsätze zeigen einmal mehr, wie leistungsfähig unsere Feuerwehren sind. Mein Dank gilt allen Kameradinnen und Kameraden, die oft unter großer Hitze und schwierigen Bedingungen Menschen, Ernten und Sachwerte schützen.“

Längere Trockenperioden und zunehmende Hitze infolge des Klimawandels erhöhen das Risiko von Vegetations- und Erntebränden. Umso wichtiger seien eine gute Vorbereitung und konsequente Vorsorge.

„Jeder erfolgreich eingebrachte Hektar sichert regionale Lebensmittel und ist das Ergebnis harter Arbeit. Erntebrände sind deshalb nicht nur ein Problem der Landwirtschaft, sondern betreffen uns alle. Vorsorge schützt Ernten, Existenzen und unsere Versorgung mit heimischen Lebensmitteln.“

Die Landwirtschaft setzt seit vielen Jahren auf bewährte Maßnahmen, um das Brandrisiko so gering wie möglich zu halten. Entscheidend sind eine sorgfältige Vorbereitung, regelmäßige Wartung der Technik und eine enge Abstimmung mit den örtlichen Feuerwehren.

So lassen sich Erntebrände vermeiden:

  • Erntemaschinen regelmäßig reinigen und warten, insbesondere heiße oder staubanfällige Bereiche.
  • Tägliche Reinigung der Maschinen während der Ernte – beispielsweise mit akkubetriebenen Laubbläsern.
  • Feuerlöscher auf jeder Erntemaschine mitführen sowie möglichst ein wassergefülltes Fass oder Güllefass am Feldrand bereithalten.
  • Striktes Rauchverbot bei Erntearbeiten, beim Betanken sowie beim Strohtransport – auch in geschlossenen Fahrzeugkabinen.
  • Erntearbeiten mit der örtlichen Feuerwehr abstimmen, insbesondere bei größeren Schlägen oder schwierigen Einsatzbedingungen.
  • Keine Fahrzeuge auf abgeernteten Feldern oder trockenen Stoppelflächen abstellen, da heiße Fahrzeugteile Brände auslösen können.

Darüber hinaus empfiehlt das Ministerium, Erntemaschinen mindestens einmal jährlich einer gründlichen Wartung in einer Fachwerkstatt zu unterziehen sowie vor und nach der Erntesaison einen umfassenden Sicherheitscheck durchführen zu lassen.

„Brände lassen sich niemals vollständig ausschließen. Mit einer guten Vorbereitung, technisch einwandfreien Maschinen und einem umsichtigen Verhalten können wir das Risiko jedoch deutlich verringern. Jede verhinderte Brandentstehung schützt Menschen, Tiere, Ernten und unsere Umwelt“, so Minister Backhaus abschließend.

Gingster Schüler auf archäologischer Rügenreise

Rügens Bodendenkmalpfleger Rene Schön erzählt von den wichtigsten Funden vergangener Zeiten

Insel Rügen – Große staunende Augen verfolgen einen Vortrag in die Geschichte der Insel. Rene Schön, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger auf Rügen, zieht die Jungen und Mädchen der drei fünften Klassen in seinen Bann. Denn er berichtet in einem Workshop über seine Aufgaben und die bedeutendsten Funde der vergangenen Jahre. Dabei nutzt er neben Beispielen aus ganz unterschiedlichen Rügenorten auch einen Ausschnitt aus einer Stern-TV-Dokumentation.

„Der Medienrummel war damals groß“, erklärt er in seinem Vortrag über den berühmten Blauzahn-Schatz, der in der Nähe von Schaprode gefunden wurde. Die dabei gut 100 gefundenen Münzen aus der Zeit des Dänenkönigs Harald Blauzahn sind besonders wertvoll. Sogar ein ehemaliger Schüler aus der Gingster Schule gehörte zu der Gruppe „Ackerlöper“, die hier 2018 erfolgreich fündig wurde. Rene Schön erklärte an einigen Funden die Bedeutung der Hinterlassenschaft aus der Wikingerzeit. Hauptsächlich Münzen und Schmuck belegen Münzprägungen und Handelswege der Wikinger und zeigen Verwandtschaftsverhältnisse der Könige. Auf Großvater Harald Blauzahn folgten nämlich Zeugnisse von Sven Gabelbart, Knud dem Großen und Harald Hasenfuß.

Rügens Denkmalpfleger zu Besuch in der Schule Gingst. Rene Schön (2. v. l.) erklärt Schülern der 5. Klassen seine Funde aus der Bronzezeit. Foto: André Farin
Rügens Denkmalpfleger zu Besuch in der Schule Gingst. Rene Schön (2. v. l.) erklärt Schülern der 5. Klassen seine Funde aus der Bronzezeit. Foto: André Farin

„Meine Schüler waren sehr begeistert und wollten immer noch mehr wissen“, meint Geschichtslehrer Gustav Pastor, der die drei Stundenseminare organisiert hat. Beispielsweise fragten sie nach dem Wert der Schätze von Rügens Äckern. Rene Schön erklärte dabei die Unterscheidung zwischen Material- und kunsthistorischem Wert. Das Beispiel leuchtet ein: Eine Silbermünze aus dem Blauzahn-Schatz habe einen Materialwert von weniger als einem Euro. Der historische Wert aber ist „unbezahlbar“, weil es sich um extrem seltene Sachzeugen handle. Stolz erzählt er von einem weiteren bedeutenden Hortfund bei Lancken-Granitz, wo im vergangenen Jahr über 9.000 Objekte aus Silber geborgen wurden.

„Herr Schön ist ein wichtiger Zeuge für unsere ersten Geschichtsstunden“, sagt Gustav Pastor. Anschaulichkeit und Expertenwissen bereichern den Unterricht ungemein und hinterlassen viel mehr Eindrücke als drei Lehrbuchseiten und ein Arbeitsheft. Deshalb komme der Bodendenkmalpfleger gern in die Schule, wo er zudem im Ganztagsbereich tätig ist und das Schulhof-Sommerfest mit einem Ackerlöper-Stand bereichert.

Freiwilliges 10. Schuljahr erfolgreich beendet

Oldenburg: Wichtige Voraussetzung, um eine Ausbildung zu beginnen

Schwerin – Das Freiwillige 10. Schuljahr richtet sich an Jugendliche, die mehr Zeit zum Lernen brauchen. Es eröffnet ihnen die Möglichkeit, einen bundesweit anerkannten Schulabschluss zu erwerben und ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern. Im Schuljahr 2025/2026 wurden 28 Klassen an 24 Regionalen Schulen und Gesamtschulen eingerichtet. 328 Schülerinnen und Schüler haben das Freiwillige 10. Schuljahr besucht. 307 Jugendliche haben die Berufsreife erlangt. Das entspricht einer Abschlussquote von 93 Prozent.

„Das ist eine tolle Leistung der Schülerinnen und Schüler“, sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg. „Mit dem Abschluss der Berufsreife verbessern sie ihre Chancen auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben. Ich freue mich für alle Jugendlichen, weil sie somit die besten Voraussetzungen für eine Berufsausbildung haben. Die, die noch keine haben, werden durch die Arbeitsagenturen unterstützt, damit auch ihnen der Einstieg in eine Ausbildung gelingt, die zu den eigenen Fähigkeiten und Interessen passt.“

Für das Schuljahr 2026/2027 sind 29 Klassen an 24 Schulen mit rund 430 Schülerinnen und Schülern geplant. Voraussetzung für den Besuch des Freiwilligen 10. Schuljahres ist eine Empfehlung der Klassenkonferenz. Sie wird ausgesprochen, wenn die Leistungen in Deutsch, Mathematik sowie Biologie, Chemie und Physik erwarten lassen, dass die Berufsreife erfolgreich absolviert werden kann.

Seit dem Schuljahr 2023/2024 können Schülerinnen und Schüler das Freiwillige 10. Schuljahr an Regionalen Schulen und Gesamtschulen besuchen, um die Berufsreife zu erlangen. Zuvor war dies nur an Förderschulen möglich. Das flächendeckende Angebot wird bis 2028 mit insgesamt 24 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) und des Landes Mecklenburg-Vorpommern finanziert.

Backhaus eröffnet Hansa-Wald

Kritzmow – Der FC Hansa Rostock eröffnet heute um 14 Uhr gemeinsam mit der Waldstiftung Mecklenburg-Vorpommern, der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern sowie in Anwesenheit von Umweltminister Dr. Till Backhaus den neuen Hansa-Wald im Fahrenholzer Holz (ca. 325 ha) bei Kritzmow. Mit dem Projekt entsteht weit mehr als ein neues Freizeitangebot: Der Hansa-Wald ist rund 124 ha groß und soll sich zu einem Ort entwickeln, an dem Bewegung, Gesundheitsförderung, Umweltbildung und Naturerleben miteinander verbunden werden.

Zum Start stehen Besucherinnen und Besuchern drei ausgeschilderte Rundwege mit Längen von rund einem, 2,5 und drei Kilometern zur Verfügung. Sie richten sich an Familien, Spaziergängerinnen und Spaziergänger, Läuferinnen und Läufer sowie alle Menschen, die den Wald aktiv erleben möchten.

Doch die Laufstrecken sind bewusst erst der Anfang. Gemeinsam wollen die Projektpartner den Hansa-Wald Schritt für Schritt weiterentwickeln – mit Umweltbildungsangeboten, Familienaktionen, Präventions- und Gesundheitsprojekten sowie einem geplanten „Hansa Recovery Trail“, der Bewegung, Regeneration und Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellt.

„Unsere Wälder sind heute weit mehr als Holzlieferanten. Sie schützen Klima und Artenvielfalt, speichern Wasser und CO₂, sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und zugleich wichtige Orte der Erholung. Der Hansa-Wald macht all diese Funktionen auf besondere Weise erlebbar und bringt Menschen dorthin, wo Natur beginnt“, sagt Forstminister Dr. Till Backhaus.

Der Hansa-Wald steht beispielhaft für eine moderne Waldpolitik, die den Menschen stärker in den Mittelpunkt rückt. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass regelmäßige Aufenthalte im Wald Stress reduzieren, das Wohlbefinden steigern und die körperliche Gesundheit fördern können. Dieses Potenzial möchte das Projekt künftig noch stärker für unterschiedliche Zielgruppen nutzbar machen.

„Wir wollen unsere Reichweite nutzen, um Menschen für Natur, Bewegung und gesellschaftliche Verantwortung zu begeistern. Der Hansa-Wald passt zu unserem Verein, weil er Gemeinschaft stiftet und nachhaltig wirkt“, sagt Michael Meier, Vorstand für Nachwuchs und Vereinswesen beim FC Hansa Rostock.

Auch die Waldstiftung Mecklenburg-Vorpommern versteht den Hansa-Wald als langfristige Plattform.

„Die Laufstrecken sind nur der Auftakt. In den kommenden Jahren sollen hier weitere Angebote entstehen, die Umweltbildung, Gesundheit und Naturerleben sinnvoll miteinander verbinden“, erklärt Stiftungsmanagerin Syntje Krause.

Für die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern zeigt der Hansa-Wald beispielhaft, wie sich Wald heute vermitteln lässt.

„Unsere Wälder erfüllen viele Aufgaben gleichzeitig. Sie sind Klimaschützer, Lebensraum, Wirtschaftsfaktor und Erholungsort. Mit dem Hansa-Wald schaffen wir einen neuen Zugang, um diese Leistungen für die Menschen sichtbar und erlebbar zu machen“, sagt Manfred Baum, Vorstand der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern.

Mit dem Hansa-Wald entsteht damit nicht nur ein neues Bewegungsangebot, sondern der Auftakt einer langfristigen Kooperation zwischen Sport, Forstwirtschaft und Naturschutz.